Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft wird jährlich an herausragende in Europa tätige einzelne Wissenschaftler für zukunftsträchtige Forschungsarbeiten durch die Körber-Stiftung in Hamburg vergeben. Mit dem Preisgeld in Höhe von 1 Million Euro (zuvor bis 2018: 750.000 Euro)Künstliche Intelligenz Körber-Preis 2019 geht an KI-Pionier, forschung-und-lehre.de, 26. Juni 2019 fördert die Körber-Stiftung Forschungsarbeiten in den Biowissenschaften (Life Sciences) und den naturwissenschaftlichen Disziplinen, die die unbelebte Natur studieren (Physical Sciences).
Geschichte In Zusammenarbeit mit dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Reimar Lüst, entwickelte 1984 der Unternehmer und Stifter Kurt A. Körber einen Preis, der im geteilten Europa mit den Mitteln der Wissenschaft Grenzen überwinden sollte. Ausgezeichnet wurden in erster Linie Kooperationsprojekte europäischer Forschungsgruppen. Seit 2005 werden nur noch einzelne in Europa lebende und forschende Personen gewürdigt, um Spitzenkräfte am Wissenschaftsstandort Europa zu halten. Auch die Auszahlung der Fördersumme ist daran gebunden, dass der Preisträger in dieser Zeit Europa nicht verlässt.
Auswahlverfahren Zwei mit Wissenschaftlern besetzte Findungskommissionen (Search Committees) suchen im jährlichen Wechsel nach geeigneten Preisträgerkandidaten aus den Fachgebieten Lebenswissenschaften (Life Sciences) und sonstigen Naturwissenschaften (Physical Sciences). Wer in die engere Wahl kommt, wird aufgefordert, einen Vorschlag zu einem Forschungsprojekt einzureichen, der dann in zwei Bewertungsrunden vom Search Committee beurteilt wird. Unterstützt wird diese Arbeit durch internationale Gutachter. Bis zu fünf Kandidaten werden am Ende dem Kuratorium vorgelegt, das in einer Gesamtschau von gutachterlicher Bewertung, Publikationsleistung und wissenschaftlichem Werdegang über die Preisträger entscheidet. Eine Bewerbung ist nicht möglich.
Preisgeld Alle Preisträger erhalten eine Urkunde und einen Geldbetrag in Höhe von 1.000.000 Euro. Der jeweilige Preisträger soll über einen dreijährigen Zeitraum hinweg mit diesem Preisgeld an dem Forschungsprojekt forschen. Der Ausgezeichnete entscheidet eigenverantwortlich über die Verwendung der Forschungsmittel. Zehn Prozent des Preisgeldes stehen dem Preisträger für persönliche Zwecke zur Verfügung.
Vergabe Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft wird jährlich im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses in Anwesenheit des Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg und 600 Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verliehen.
Preisträger
1985–2004 1985: Stoßwellen-Anwendungen in der Medizin, Walter Brendel, Michael Delius, Georg Enders, Joseph Holl, Gustav Paumgartner, Tilman Sauerbruch 1985: Gegendruck-Gieß-Technologie, Teodor Balevski, Rumen Batschvarov, Emil Momtschilov, Dragan Nenov, Rangel Zvetkov 1986: Retrovirus-Forschung (AIDS), Jean-Claude Gluckman, Sven Haahr, George Janossy, David Klatzmann, Luc Montagnier, Paul Racz 1987: Weiterentwicklung der Elektronenholographie, Karl-Heinz Herrmann, Friedrich Lenz, Hannes Lichte, Gottfried Möllenstedt 1987: Erzeugung von Ultratieftemperaturen, Riitta Hari, Matti Krusius, Olli Lounasmaa, Martti Salomaa 1988: Erweiterung des Hamburger Pyrolyseverfahrens zur Vernichtung auch toxischer Abfallstoffe, Alfons Buekens, Vasilij Dragalov, Walter Kaminsky, Hansjörg Sinn 1989: Wirkstoffe pflanzlicher Zellkulturen, Christian Brunold, Yury Y. Gleba, Lutz Nover, J. David Phillipson, Elmar Weiler, Meinhart H. Zenk 1990: Vorhersage kurzfristiger Klimaveränderungen, Lennart Bengtsson, Bert Bolin, Klaus Ferdinand Hasselmann 1991: Erkennung und Verhütung von Krebserkrankungen durch Umweltchemikalien, Lars Ehrenberg, Dietrich Henschler, Werner Lutz, Hans-Günter Neumann 1992: Ausbreitung und Wandlung von Verunreinigungen im Grundwasser, Philippe Behra, Wolfgang Kinzelbach, Ludwig Luckner, René Schwarzenbach, Laura Sigg 1993: Bionik des Laufens – Technische Umsetzung biologischen Wissens, Felix Chernousko, François Clarac, Holk Cruse, Friedrich Pfeiffer 1994: Moderne Pflanzenzüchtung – Von der Zelle zur Pflanze, Dénes Dudits, Dirk Inzé, Anne Marie Lambert, Horst Lörz 1995: Gensonden in Umweltforschung und Medizin, Rudolf Amann, Erik C. Böttger, Ulf B. Göbel, Bo Barker Jørgensen, Niels Peter Revsbech, Karl-Heinz Schleifer, Jiri Wanner 1996: Lebensraum tropische Baumkronen, Pierre Charles-Dominique, Antoine Cleef, Gerhard Gottsberger, Bert Hölldobler, Karl Eduard Linsenmair, Ulrich Lüttge 1996: Computergesteuerte Gestaltung von Werkstoffen, Michael Ashby, Yves Bréchet, Michel Rappaz 1997: Mausmutanten als Modelle für die klinische Forschung, Pawel Kisielow, Klaus Rajewsky, Harald von Boehmer 1998: Kernspintomographie mit Helium-3 – Neue Wege in der Lungendiagnostik, Werner Heil, Michèle Leduc, Ernst-Wilhelm Otten, Manfred Thelen 1998: Elektronische Mikronasen für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz, Henry Baltes, Wolfgang Göpel, Massimo Rudan 1999: Hoch fliegende Plattformen für Telekommunikation, Bernd Kröplin, Per Lindstrand, John Adrian Pyle, Michael André Rehmet 2000: Gestaltwahrnehmung in der Technik mit Erkenntnissen aus der Natur, Rodney Douglas, Amiram Grinvald, Randolf Menzel, Wolf Singer, Christoph von der Malsburg 2001: Optimierte Nutzpflanzen dank Gentechnik, Wolf-Bernd Frommer, Rainer Hedrich, Enrico Martinoia, Dale Sanders, Norbert Sauer 2002: Narbenlose Wundheilung durch Tissue Engineering, Mark W. J. Ferguson, Jeffrey A. Hubbell, Cay M. Kielty, Björn Stark, Michael G. Walker 2003: Ein mit Licht betriebener molekülgroßer Motor, Ben Feringa, Martin Möller, Justin E. Molloy, Niek F. van Hulst 2004: Therapien für eine neue Gruppe von Erbleiden, Markus Aebi, Thierry Hennet, Jaak Jaeken, Ludwig Lehle, Gert Matthijs, Kurt von Figura
Seit 2005 2005: Mit Licht auf neuen Wegen, Philip Russell 2006: Chaperone der Proteinfaltung in Biotechnologie und Medizin, Franz-Ulrich Hartl 2007: Automatische Synthese von Kohlenhydratimpfstoffen gegen Tropenkrankheiten, Peter Seeberger 2008: Medikamente gegen Krebs und das Altern, Maria Blasco 2009: Graphen, das dünnste Material im Universum, Andre Geim 2010: Auxin: Der Schlüssel zu neuen Nutzpflanzen, Jiří Friml 2011: STED-Mikroskopie, Stefan Hell 2012: Proteomik, Matthias Mann 2013: Für Forschung an der Schnittstelle von Quantenoptik und Festkörperphysik, speziell Optisches Gitter, Immanuel Bloch 2014: Hirnforschung: May-Britt und Edvard Moser 2015: Materialwissenschaft: Nicola Spaldin für Multiferroika 2016: Hans Clevers für adulte Stammzellen 2017: Karsten Danzmann für hochpräzise Lasertechnik 2018: Svante Pääbo, weil er „unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert“ hat 2019: Bernhard Schölkopf für die Entwicklung mathematischer Verfahren zur deutlichen Verbesserung der Künstlichen Intelligenz (KI) 2020: Botond Roska für seine Arbeiten zur Erforschung des Sehens und der Netzhaut 2021: Clare Grey für ihre Pionierarbeit bei der Optimierung von Batterien mit Hilfe der NMR-Spektroskopie 2022: Anthony Hyman für seine Zelltröpfchen-Forschung 2023: Cordelia Schmid für ihre Pionierarbeit in der computergestützten Bildverarbeitung und die Entwicklung neuer Verfahren, die Computern das Verstehen von Bildern ermöglichen 2024: Erin Schuman für ihre Arbeiten zur Bildung von Synapsen 2025: Stephanie Wehner für ihre Pionierarbeit zum Quanteninternet 2026: Sara WickströmKörber-Preis für finnische Zellforscherin, tagesschau.de, erschienen und abgerufen am 18. September 2026 für ihre Arbeiten zur Zellkern-Mechanobiologie
Weblinks https://www.koerber-stiftung.de/koerber-preis-fuer-die-europaeische-wissenschaft
Einzelnachweise Körber-Stiftung: Exzellente Köpfe. 25 Jahre wissenschaftliche Spitze 2009, S. 4 ff.
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