mini|Lageplan – Karte 1642 Matthäus Merian In der Reichsstadt Nürnberg und dem Nürnberger Umland waren bis zur Reformation alle namhaften Klostergemeinschaften vertreten. Einige Kommunitäten errichteten Klöster und Kirchen, andere unterhielten nur sogenannte Klosterhöfe, die zur Verwaltung ihrer Besitztümer in Nürnberg und Umgebung sowie als Sammel- und Verkaufsstellen für die Abgaben ihrer zinspflichtigen Hintersassen dienten.
Die Gemeinschaften der Zwölfbrüderhausstiftungen, die nach dem Vorbild der Beginen und Begarden in Nürnberg gegründet wurden, zählten nicht zu den eigentlichen Klostergemeinschaften, lebten aber nach eigenen Regeln und sind als christliche Gemeinschaften mit eigenen Häusern erwähnenswert. Die Gemeinschaften der Beginen sind in Nürnberg in der Seelsorge nachweisbar, aber nicht erforscht.
Im Zuge der Reformation wurden alle Klöster und ähnlichen katholischen Einrichtungen in Nürnberg und im reichsstädtischen Gebiet aufgelöst.
Klöster in Nürnberg Das älteste Nürnberger Kloster war das 1140 auf einem ehemaligen Königshof gegründete Egidienkloster. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde 1209 die Kommende des Deutschen Ordens ebenfalls auf einem Königshof gegründet.
Im Laufe der Jahre folgten die ursprünglichen vier Bettelorden, die ebenfalls Filialen in Form neuer Klöster aufbauten. Unterstützt wurden diese Neugründungen durch Stiftungen und Lehen der Könige und Kaiser sowie Spenden und Stiftungen reicher Kaufleute, Patrizier und Adeliger. Die Franziskaner waren 1224 die ersten in Nürnberg niedergelassenen Bettelmönche. Ihnen folgten 1265 die Augustiner, 1275 die Dominikaner und ab 1287 die Karmeliten.
Im gleichen Jahrhundert wurden parallel zu den Mönchsklöstern Frauenklöster eingerichtet. Das erste Nonnenkloster war das 1240 errichtete Kloster der Klarissen. Ihm folgte 1293 das Katharinenkloster, in dem die Dominikanerinnen ihrem Glauben nachgingen.
1380 wurde als letztes großes Kloster die Karthause des Kartäuserordens in Nürnberg gegründet.
Die Terziarinnen riefen mit dem Terziarinnenspital 1412 das letzte Kloster ins Leben.
Übersicht 1140 – Egidienkloster (Benediktiner) 1209 – Deutschordenskommende Nürnberg 1224 – Franziskanerkloster 1240 – Klarissenkloster 1265 – Augustinerkloster 1275 – Dominikanerkloster 1287 – Karmelitenkloster 1293 – Katharinenkloster 1380 – Kartäuserkloster 1412 – Terziarinnenspital/Marthaspital
Klosterhöfe Einige Klöster, die außerhalb Nürnbergs lagen und keine neue Filiale in der Stadt gründen konnten oder wollten, unterhielten sogenannte Klosterhöfe, die zur Verwaltung ihrer Besitztümer in Nürnberg und Umgebung sowie als Sammelstelle für die Abgaben der ihnen untergebenen Bauern und Pächter dienten. Von den Auswirkungen der Reformation waren durch Klosteraufhebungen im 16. Jahrhundert auch alle Klosterhöfe in und um Nürnberg betroffen, mit Ausnahme des Deutschen Ordens und des Klosters Ebrach.
Heilsbronner Hof Die Zisterzienser des Klosters Heilsbronn errichteten im 13. Jahrhundert einen Wirtschaftshof in Nürnberg. Zwischen 1254 und 1296 erwarben sie ein Areal nördlich der Lorenzkirche. Der Heilsbronner Hof lag zwischen dem alten Friedhof der Lorenzkirche (im Süden), der Bankgasse (im Westen, ehemals Wildsaugäßchen), der Findelgasse (im Norden, ehemals Gärten des Franziskanerklosters) und der Pfarrgasse (im Osten). Der Platz zwischen der Franziskanerkirche und dem Nordwesten des Heilsbronner Hofes war der Markt der Hafner und Altreußen (Flickschuster). Der Kleine Heilsbronner Hof, der im Westen an das neue Areal angrenzte, wurde bereits Mitte des 14. Jahrhunderts verpachtet und 1453 an die Holzschuher verkauft.
Das ursprüngliche Haus des Klosters lag ungefähr an der Stelle, an der sich heute der Südtrakt des Nürnberger Rathauses befindet. Das sich lang von Ost nach West erstreckende Gebäude gegenüber dem Hauptchor der Sebalduskirche, das häufig falsch als „Heilsbronner Brothaus“ beschrieben wurde, war ein mittelalterliches Kaufhaus, das die Heilsbronner Mönche bis 1332 als zentralen Umschlagplatz für die Handelsgüter ihres Klosters nutzten. Nach 1332 ging diese Funktion ganz auf den nördlich der Lorenzkirche gelegenen Heilsbronner Klosterhof über. Die Stadt sicherte sich den Erwerb ihres zukünftigen Rathausareals durch ein „Ewiggeld“ (Kapital) von etwa 2000 Pfund Heller ab.
Das damals auf Straßenniveau liegende Kaufhaus des Klosters hat sich als Keller erhalten, in dem seit dem 14. Jahrhundert die Lochgefängnisse als reichsstädtisches Untersuchungsgefängnis untergebracht waren. Die Verkaufsgewölbe dienten nun als Gefängniszellen. Das Obergeschoss unter dem Ratssaal lag nach Fertigstellung des Rathausbaus durch Aufschüttungen ebenerdig.
Nach dem Umzug nach St. Lorenz errichteten die Zisterzienser für die in Nürnberg tätigen Mönche und Äbte eine Kapelle, die dem heiligen Nikolaus geweiht wurde. Der Bau war in seiner ursprünglichen Form im spätromanischen Stil erbaut und wurde 1482 spätgotisch umgestaltet.
Der Heilsbronner Hof in Nürnberg diente, wie der Klosterhof in Würzburg, als Getreidemagazin, als Absteigquartier für die Äbte und Mönche bei ihren Verrichtungen in Nürnberg und als Herberge für heilsbronner Fuhrleute und Pferde.
Die Ansbacher Markgrafen nutzten ihre Schutzvogtei über das Zisterzienserkloster nach der Reformation, das Kloster finanziell und materiell auszupressen. Das Kloster versuchte sich über Kredite bei Nürnberger Geldhäusern zu finanzieren. Erst als diese nicht mehr ausreichten, stimmte der Abt Wenk 1522 der Ablösung der Erbpacht für das Rathaus durch die Reichsstadt zu und die Reichsstadt konnte ihr Rathaus endgültig erwerden. Johannes Wenk, der letzte katholische Abt des Klosters, nutzte den Heilsbronner Hof 1532 als Zuflucht und starb dort 1538. Nach der Reformation wurde das Kloster Heilsbronn aufgelöst. Der gesamte Besitz des Klosters Heilsbronn wurde säkularisiert und 1578 dem neu gegründeten Klosterverwalteramt Heilsbronn unterstellt.
Während des Krieges des Markgrafen Albrecht Alcibiades gegen Nürnberg quartierte der Magistrat 1554 im Hof fast ein Jahr lang Soldaten, Gefangene und Pferde ein. Die Besitztümer wurden bis 1719 zwischen den Fürstentümern Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth aufgeteilt, während der Heilsbronner Hof gemeinsam verwaltet wurde. Die Stadt Nürnberg versuchte in den Folgejahren erfolglos, den Heilsbronner Hof als Vergnügungsstätte (Spielstätte für Meistersinger und Komödianten, Fechtplatz etc.) zu erwerben. 1784 wurden die mittelalterlichen Gebäude durch ein repräsentatives Gebäude aus Sandstein ersetzt, das den fürstlichen Residenten als Wohnhaus diente.
1806 fielen die beiden Fürstentümer und die Freie Reichsstadt Nürnberg an das neu gegründete Königreich Bayern. Die bayerische Verwaltung teilte der 1780 in Ansbach gegründeten „Hochfürstlich Anspach-Bayreuthischen Hofbanco“, die ab 1792 „Königlich Preußischer Banco in Franken“ genannt wurde, den Heilsbronner Hof als Geschäftsgebäude zu und benannte die Bank in „Königlich Baierische Banco“ um.
Die Nikolauskapelle wurde 1847 abgerissen, um Platz für einen Erweiterungsbau zu schaffen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Areal nahezu völlig zerstört.
1950 wurde das neue Bankgebäude nach Plänen von Sep Ruf errichtet. Ein Teil des Geländes blieb unbebaut und wurde ein Teil des Lorenzer Platzes. Das Gebäude diente bis 2011 der VR-Bank Nürnberg als Zentrale. Nach einer kurzen Umbauzeit wurde es am 20. Februar 2014 dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat als Sitz des Heimatministeriums übergeben.
Frauenauracher Hof Die Geschichte des Frauenauracher Hofes ist nicht eindeutig geklärt. Der Wirtschaftshof des Klosters Frauenaurach soll in Gegensatz zu den anderen Klosterhöfen in Nürnberg keine Filiale, sondern die Keimzelle des Klosters gewesen sein, von dem aus das 1276 von den Herren von Gründlach gestiftete Kloster Frauenaurauch besetzt wurde. Der ursprüngliche Name soll „Klösterlein zum Heiligen Kreuz“ gewesen sein. Anderen Quellen zufolge soll das Kloster von Engelthal aus besetzt worden sein.
Der Frauenauracher Hof lag am Paniersplatz und ging nach der Aufhebung des Klosters in den Besitz der Markgrafen von Brandenburg Ansbach über. Die Bezeichnung „Markgräfliche Häuser am Paniersberg“ stammt aus dieser Zeit. Heute steht auf dem Areal des Frauenauracher Hofes das Paniersschulhaus am Paniersplatz.
Ebracher Hof mini|Johann Alexander Böner Eberacher Hof am Fischbach 1709 Wie das Kloster Heilsbronn, so errichteten auch die Zisterzienser des Klosters Ebrach Anfang des 14. Jahrhunderts einen Pfleghof in Nürnberg. Der Ebracher Hof genannte Verwaltungssitz lag zwischen dem Ebracher Gässchen (im Osten), dem Postgässchen (im Westen), der Karolinenstraße (im Süden) und der Adlerstraße (im Norden), rechts neben dem Karmeliterkloster. Während der Amtszeit des Ebracher Abtes Johannes I. Kaufmann von Würzburg (1474–89) wurde 1480 an der südöstlichen Ecke des Anwesens die St.-Michaels-Kapelle errichtet und der Ebracher Hof erhielt seine endgültige Form. Er wurde bis zur Reformation von Mönchen aus dem Kloster Ebrach verwaltet und anschließend von weltlichen Beauftragten. Kloster Ebrach blieb nach der Reformation katholisch, da der Ebracher Hof aber nur ein Verwaltungssitz des Klosters und keinen Status als Kloster hatte, blieb der Hof, die Kapelle und deren Ausstattung von den Auswirkungen der Reformation weitgehend unberührt. Die Äbte des Klosters nutzten den Hof häufig als Anlaufpunkt, da sie von den Würzburger Fürstbischöfen verfolgt wurden. So lebten Abt Johannes IV. Beck und Abt Leonhard Rosen zeitweise hier.
Das benachbarte Karmeliterkloster wurde hingegen nach der Reformation aufgelöst und profaniert. Es diente zeitweise als Lager, bis es 1696 von der von den Thurn und Taxis betriebenen Kaiserlichen Reichspost angemietet wurde. 1816 wurde das Kloster für den Neubau der Königlichen Post abgerissen.
Der Ebracher Hof blieb bis 1903 erhalten und wurde zusammen mit dem Postgebäude für den Neubau der Oberpostdirektion abgerissen. Die spätgotische Decke und der Altar der Michaelskapelle wurden 1915 im Germanischen Nationalmuseum eingeplant und 1920 als Teile der Marienkapelle eingebaut.
Im Jahr 2003 wurde auf dem Areal des ehemaligen Karmeliterklosters und des Ebracher Hofes ein Kaufhaus errichtet.
Neunkirchner Hof – Bamberger Hof Der Neunkirchner Hof war ab 1410 der Wirtschaftshof des Augustiner-Chorherrenstifts Neunkirchen am Brand in Nürnberg. Er war ab 1554 an Nürnberger Bürger verpfändet, wurde aber durch den Bischof von Bamberg ausgelöst. Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts diente er Bamberger Gesandten auf den Kreistagen des Fränkischen Reichskreises in Nürnberg als Unterkunft. Aus dieser Zeit stammte die Bezeichnung „Bambergisches Gesandtschaftshaus“.
Der Neunkirchner Hof lag in der Tetzelgasse 20, nördlich des Peststadels und des Pellerhauses und wurde während des Zweiten Weltkriegs vollkommen zerstört.
Eichstätter Hof – Peststadel mini|Dach des Peststadels hinter dem Haus Nr. 21 (dem Haus links des Pellerhauses), Foto vor 1890 Der Eichstätter Hof war ein Wirtschaftshof des Bistums Eichstätt. Er befand sich am Egidienplatz an der Ecke zur Tetzelgasse (Tetzelgasse 30, heute ohne Nummer), neben dem Pellerhaus.
Der Rat der Stadt ließ den Wirtschaftshof 1449 zerstören, weil Fürstbischof Johann von Eych im Ersten Markgrafenkrieg Albrecht Achilles unterstützte. Jobst Tetzel erwarb das Areal im Auftrag des Rates 1469. An der Stelle des Eichstätter Hofes ließ der Rat den sogenannten Peststadel errichten. Dieses Gebäude wurde ursprünglich als Korn- und Salzspeicher genutzt. Das Gebäude, in dem ab 1864 das Tetzelschulhaus untergebracht war, wurde während des Zweiten Weltkriegs bis auf einige Sandsteinmauern völlig zerstört, das Grundstück wurde teilweise als Parkplatz genutzt.
Klöster im Nürnberger Umland