mini|Steinerne Monumente für das armenische Alphabet mini|Historisches armenisches Manuskript Das armenische Alphabet ( oder ) ist die Schrift, mit der die armenische Sprache geschrieben wird.

Geschichte Der Überlieferung zufolge wurde das armenische Alphabet vom Heiligen Mesrop Maschtoz etwa zwischen 403 und 406 n. Chr. geschaffen. Es ist unklar, ob die Schrift eine Neuentwicklung war oder ob die Armenier zuvor eine andere eigene Schrift benutzten, von der keine Schriftzeugnisse existieren.Margret Eggenstein-Harutunian: Einführung in die armenische Schrift. Hamburg: Buske 2012. ISBN 978-3-87548-639-1. S. 10.

Bis zum 5. Jahrhundert verwendeten die Armenier die griechische, syrische oder aramäische Schrift, um geschäftliche und offizielle Angelegenheiten zu dokumentieren. Es bestehen gewisse Ähnlichkeiten mit deren Schriftzeichen. Die Reihenfolge der Buchstaben lässt griechischen Einfluss vermuten, die Form der Buchstaben lässt aber auf semitische Vorbilder schließen.

Noch größer sind die Gemeinsamkeiten mit der äthiopischen Schrift. Ein kultureller Austausch zwischen Armeniern und Angehörigen des Aksumitischen Reiches am Horn von Afrika im 4. Jahrhundert in Jerusalem gilt als wahrscheinlich. Davon könnte nach einer These die Entwicklung der Schrift profitiert haben.Ayele Bekerie: Historical Overview of Ethiopic Writing System’s Possible Influence on the Development of the Armenian Alphabet. In: International Journal of Ethiopian Studies. Band 1, Nr. 1, Sommer/Herbst 2003, S. 33–58.

Die älteste Form des armenischen Alphabets, die bis zum 11. Jahrhundert gebraucht wurde, ist bekannt unter der Bezeichnung ‚Eisenschrift‘ (, erkat‘agir). Kleinbuchstaben entstanden im 11. Jahrhundert. Die Buchstaben O () und Feh () sind erst im 13. Jahrhundert entstanden. Das O entstand wegen einer Lautverschiebung der armenischen Sprache von /av/ zu /o/, das Feh wurde zur Schreibung von Lehnwörtern eingeführt.

1922–1924 wurden in der damaligen Armenischen SSR zwei Rechtschreibreformen durchgeführt, die im heute unabhängigen Armenien nach wie vor gültig sind. Aus dem Alphabet strich man den 34. Buchstaben Wjun (), an dessen Stelle nun das U () als ein Buchstabe rückte. Weil das Wjun nun nicht mehr als selbstständiger Buchstabe existierte, wurde außerdem die sehr gebräuchliche Ligatur Jew (), bestehend aus kleinem Jetsch () und Wjun () dem Alphabet als 37., nunmehr eigenständiger Buchstabe hinzugefügt.

Die Westarmenier, insbesondere die armenische Diaspora in Europa und den USA, sowie die Ostarmenier im Iran haben diese Änderungen nicht übernommen.

Armenische Buchstabenkunst mini|„Sa“, der sechste Buchstabe, im Relief „Ewiges Alphabet“ in Jerewan Seit Jahrhunderten werden die armenischen Buchstaben in vielfältiger Weise ornamental und in anderer künstlerischer Weise verwendet. Es existieren viele Zierschriften, die Themen wie Knoten, Tiere und mythische oder imaginäre Kreaturen umsetzen. So werden die Schriftzeichen nicht nur in Schriften verwendet, sondern auch als Zahlen, Kryptographen und im Kunsthandwerk verarbeitet. Es ist Volkskunst, die in ganz Armenien praktiziert wird und so eine wesentliche Ausdrucksform der armenischen kulturellen Identität ist.

In der Jugend- und Erwachsenenbildung wird die Tradition gelehrt, sie wird von vielen künstlerischen und handwerklichen Berufsgruppen angewandt.

2019 wurde Die armenische Schreibkunst und ihre kulturellen Ausdrucksformen von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.Armenian letter art and its cultural expressions. In: UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2019. (englisch)

Buchstaben

Die korrekte Darstellung der Tabellen auf dieser Seite erfordert eine Unicode-Schriftart, die das armenische Alphabet abdeckt. N°Gemeint ist nicht der Zahlwert (siehe unten), sondern der Platz im AlphabetNameGroß­buch­stabeKlein­buch­stabeTransliterationOstarmenischWestarmenischNur angeführt, falls abweichend.Zahlen-wert REArmRevue des Études Arméniennes. In: Peeters Online Journals (französisch) DIN 32706Übernimmt Anlage 5 Tabelle 7 der RAK-WB (1983) = Praxisregeln zu § 110,4 der RSWK. englische Transkription BGN/PCGN 1981Romanization of Armenian for Geographical Names. In: UNGEGN Working Group on Romanization Systems, März 2016. (englisch) Transkription (deutsch) Aussprache­hinweise (IPA) Transkription (deutsch) Aussprache­hinweise (IPA) Die 36 originalen Buchstaben bei Einführung1 [ayb] aaa([a]) 12 [bên] bbb([b])pwie hochdeutsch p ([pʰ]) 23 [gim] ggg([g])kwie hochdeutsch k ([kʰ]) 34 [da] ddd([d])tmit Aspiration ([tʰ]) 45 [eč̕] e(y)e(j)eIm Anlaut je [jɛ], sonst e [ɛ]. Der Sinn dieser Regelung ist, dass das j bei zusammengesetzten Wörtern ausfällt, z. B. , aber .([jɛ], [ɛ]) 56 [za] zzswie in Sonne ([z]) 67 [ê] ēêee([ɛ]) 78 [ẹt̕] ěẹyeSchwa, wie in essen ([ə]) 89 [t̕o] t‘t̕t’tAlternativ auch th, dies ist aber weniger üblich als früher. Üblich ist es nur noch bei Wörtern griechischen Ursprungs wie (transliteriert transkribiert Katholikos).mit Aspiration ([tʰ]) 910 [žê] žzhschwie in Garage ([ʒ]) 1011 [ini] iii 2012 [liwn] lll([l]) 3013 [xê] xkhchwie in Tuch ([x]) 4014 [ca] ctszohne Aspiration ([t͡s])dswie ds ([d͡z]) 5015 [kên] kkkwie fränkisch, d. h. nicht aspiriert ([k])g([g]) 6016 [ho] hhh([h]) 7017 [ja] jdzds([d͡z])zwie hochdeutsch (ds)8018 [ġat] łġghghwie französisch r ([ʀ]) 9019 [čê] čch tschohne Aspiration ([t͡ʃ])dschwie in Jeans ([d͡ʒ]) 10020 [mên] mmm([m]) 20021 [yi] yyjAlternativ auch: 1. i (nach dem Vorbild der englischen Transkription, z. B. Petrosian statt Petrosjan, diese Schreibweise ist aber in Bezug auf die Aussprache irreführend); 2. y (in seltenen Fällen ebenfalls irreführend, z. B. dürften viele deutsche Muttersprachler hyut () intuitiv als [hyutʰ] lesen – wie bei Hyäne –, hjut ist dagegen eindeutig); 3. h (z. B. bei Hakob (), die klassische armenische Schreibweise von Jakob).([j]) 30022 [now] nnnwie deutsch ([n], [ŋ]) 40023 [ša] šshsch([ʃ]) 50024 [o] o(v)o(w)oIm Anlaut wo, sonst o (Ausnahmen: und ). Der Sinn dieser Regelung ist, dass das w bei zusammengesetzten Wörtern ausfällt, z. B. , aber .([vo], [o]) 60025 [č̕a] č‘č̕ch’tschwie deutsch ([t͡ʃʰ]) 70026 [pê] p p pwie fränkisch, d. h. nicht aspiriert [p]b([b]) 80027 [ǰê] ǰ j dschwie in Jeans ([d͡ʒ])tschwie deutsch (Dschungel)90028 [ṙa] ṙ rr rgerollt ([r]) 100029 [sê] ss s (ss)Zwischen zwei Vokalen ss, sonst s.wie in Spaß/Ass ([s]) 200030 [vêv] vv wwie englisch vDie Aussprache des Buchstabens w im Deutschen ist meist leicht anders (stimmhafter labiodentaler Approximant ). ([v]) 300031 [tiwn] ttt nicht aspiriert ([t])d([d]) 400032 [rê] rrrwie englisch r ([ɹ]) 500033 [c̕o] c‘c̕ts’zwie deutsch z ([t͡sʰ])ds([d͡z]) 600034 [hiwn] wuw, uIn geschlossenen Silben nach i als u, sofern die Silbe nicht durch Zusammensetzung geschlossen wird (dies betrifft nur die klassische Rechtschreibung).([v], [u]) 700035 [p̕iwr] p‘p̕p’pwie hochdeutsch p ([pʰ]) 800036 [k̕ê] k‘k̕k’kwie hochdeutsch k ([kʰ]) 9000 Im 13. Jahrhundert hinzugefügte Buchstaben37 (38) [ô] Vor allem (in der reformierten Schreibweise nur) am Wortanfang und in zusammengesetzten Wörtern, z. B. , wortwörtlich ‚dieser Tag‘, zusammengesetzt aus und .ō ôoo([o]) -38 (39) [fê] f ff([f]) - Durch die neue armenische Rechtschreibung ersetzt, bzw. hinzugefügt34 Digraph anstelle des Hiwn owuu([u]) -37 Ligatur aus Eč̕ und Hiwn e͡wev, yev(j)ew([jɛv], [ɛv]) -

Westarmenische Digraphen Neben dem panarmenischen gibt es zwei typisch westarmenische Digraphen. Zur Zeit der Kreuzzüge waren die kilikischen Westarmenier Verbündete der Kreuzfahrer und kamen insbesondere mit französischen Rittern in Kontakt. Die Westarmenier übernahmen dabei einige französische Wörter und um die „ö-Laute“ [ø], [œ] und [œ̃] wiederzugeben, wurde der Digraph eingeführt. Dieser Digraph ist das einzige rein orthographische Merkmal, an dem man westarmenische von klassisch geschriebenen ostarmenischen Texten unterscheiden kann. wird in geschlossenen Silben [y] ausgesprochen (lies wie ein deutsches „ü“), während es im Altarmenischen vermutlich [iw] ausgesprochen wurde. Im Ostarmenischen wird dagegen [jɯ] ausgesprochen, nur als Transkription von Fremdwörtern im Rahmen der klassischen Rechtschreibung kann es – sofern der Sprecher dies so aussprechen kann und möchte – als [y] ausgesprochen werden. Beispiel: kann sowohl [bjɯ'zand] als auch [by'zand] ausgesprochen werden. Ausnahmen: Wenn die Schließung der Silbe durch Zusammensetzungen entstehen, bleibt die ursprüngliche Aussprache erhalten, z. B. , [ba'div] (westarm.), [pa'tiv] (ostarm.); , [ba'divǝs] (westarm.), [pa'tivǝs] (ostarm.).

Ligaturen Name Zeichen Ligatur + (auch benutzt als &) Ligatur + Ligatur + Ligatur + Ligatur + Ligatur +

Namen der Buchstaben Es gibt traditionelle Namen der Buchstaben. Sie wurden jedoch in den Schulen der Armenischen SSR nicht vermittelt und sind deshalb vielen Armeniern unbekannt. Angegeben ist zuerst die traditionelle Schreibweise und dann die reformierte, die allerdings aus dem oben genannten Grund eher theoretischer Natur ist.

(sic!)

Zahlzeichen Wie im lateinischen und griechischen Alphabet existiert ein armenisches Zahlensystem, in dem die Buchstaben als Zahlzeichen verwendet werden. In beiden Fällen gab es kein Zeichen für die Null. Gelegentlich werden sie noch benutzt, um Jahreszahlen oder Kapitelnummern anzugeben.

Interpunktion Satztrennungszeichen() Satzendezeichen () Semikolon, Abkürzungspunkt () Komma () But () Intonationszeichen() Betonungszeichen () Fragezeichen () Ausrufezeichen () Sonstiges Linker Halbring Apostroph = Rechter Halbring Abkürzungszeichen () Bindestrich ()

Siehe dazu auch: Punctuation. (Armenian Language Lessons Chapter 9b) In: Armeniapedia, 2011.

Armenisches Alphabet in Unicode Das armenische Alphabet belegt im Unicodeblock Armenisch die Positionen von U+0531 bis U+058A. Einige Ligaturen liegen im Unicodeblock Alphabetische Präsentationsformen bei U+FB13 bis U+FB17.

Literatur Margret Eggenstein-Harutunian: Einführung in die armenische Schrift. Buske, Hamburg 2012, ISBN 978-3-87548-639-1. Andreas G. Buda: Aufbauender Lehrgang zum armenischen Alphabet. Armenischer Verein, Zürich 2009, ISBN 978-3-033-00962-2.

Weblinks

Armenische Transliteration Unterstützt Ostarmenische und Westarmenische Sprachformen. Armenisches, georgisches, griechisches und hebräisches Alphabet im Vergleich Evolution of the Armenian Alphabet Tafel, die das armenische Alphabet zu vor- und frühgeschichtlichen Schriften in Beziehung setzt Armenotype.com Seite zur armenischen Typografie und Schriftgestaltung. aybuben.com – animierte Darstellung von Schreibweise und Aussprache der Buchstaben.

Einzelnachweise

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