Hallschlag ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört zur Verbandsgemeinde Gerolstein.

Geographie Die Gemeinde liegt zwischen 490 und im Rheinischen Schiefergebirge, in der westlichen Hocheifel im oberen Kylltal. Der Ort liegt in einer Talmulde und ist eingebettet in die Landschaft der Mitteleifel. Hallschlag gehört zum Erholungsgebiet Oberes Kylltal. Drei Kilometer westlich befindet sich die belgische Grenze. Die Gemarkung grenzt im Westen, Norden und Osten an Nordrhein-Westfalen.

Zu Hallschlag gehören auch die Wohnplätze Frauenkronerweg, Köppheck, Siedlung, Steinebrück und Zur Kehr.

Geschichte Der Ort wurde 1322 erstmals urkundlich erwähnt. Hallschlag gehörte damals zur Herrschaft Kronenburg (Grafschaft Luxemburg). Im 15. Jahrhundert gelangte der Ort an die Grafen von Manderscheid-Schleiden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gehörte Hallschlag mit der Herrschaft Kronenburg der Blankenheimer Linie der Grafen Manderscheid-Blankenheim. Landesherrlich gehörte der Ort bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zum Herzogtum Luxemburg, das Teil der Österreichischen Niederlande war. Nach der Einnahme der Region durch französische Revolutionstruppen (1794) gehörte Hallschlag von 1795 bis 1814 zum französischen Département Ourthe und war Hauptort einer Mairie im Kanton Kronenburg.

Der Ort wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts zur Pfarrei erhoben.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kamen aus dem Département Ourthe die drei Gemeinden Hallschlag, Ormont und Scheid zum Königreich Preußen. Die drei Gemeinden wurden der Bürgermeisterei Hallschlag im 1816 neu errichteten Kreis Prüm im Regierungsbezirk Trier zugeordnet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Hallschlag zu 80 % zerstört. Im Zuge der dortigen Kampfhandlungen während der Ardennenoffensive wurden bei Hallschlag am 25. Dezember 1944 u. a. der Professor der Universität Rostock Wilhelm Troitzsch (1900–1944) und der Reichstagsabgeordnete und SA-Obergruppenführer Generalmajor z. V. Kurt Kühme (1885–1944) getötet.Bundesarchiv, „Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik“, abgerufen am 11. November 2014.Werner Schubert (Hrsg.): Ausschüsse für Luftrecht, Luftschutzrecht, Kraftfahrzeugrecht und Rundfunkrecht. Peter Lang GmbH Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-57301-3, S. XXXIV. Am 25. Dezember 1944 wurden im ganzen Eifelraum Angriffe der Alliierten geflogen.Vgl. Festschrift zum Pfarrfest der Pfarrei Üxheim, 1980, sowie Schulchronik Ahrdorf.

Im Rahmen der rheinland-pfälzischen Funktional- und Gebietsreform wurde Hallschlag zusammen mit 14 weiteren Gemeinden am 7. November 1970 vom gleichzeitig aufgelösten Landkreis Prüm in den Landkreis Daun (seit 2007 Landkreis Vulkaneifel) umgegliedert.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Hallschlag, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 293 1835 390 1871 384 1905 369 1939 919 1950 419 1961 472 Jahr Einwohner 1970 457 1987 486 1997 607 2005 557 2011 495 2017 471

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Hallschlag besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bis 2014 gehörten dem Gemeinderat zwölf Ratsmitglieder an.

Bürgermeister Dirk Weicker wurde 2014 Ortsbürgermeister von Hallschlag. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 73,21 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte er sich mit 57,6 % gegen einen Mitbewerber durch.

Weickers Vorgänger waren Hans-Jürgen Breuer und Georg Brandt.

Wappen

Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche St. Nikolaus Katholische Pfarrkirche Sankt Nikolaus von 1950 Pilgerkreuz der Matthiasbruderschaft an der Straße nach Ormont, etwa 100 m hinter der ehemaligen Bahnbrücke Reste und Relikte der ehemaligen Westwallanlagen westlich des Ortes

Wirtschaft und Infrastruktur Windkraftanlagen Seit 1997 gibt es auf der Gemarkung Hallschlag einen Windpark mit 36 Windkraftanlagen.

Verkehr Durch den Ort führt die B 421.

Die Trasse der ehemaligen Vennquerbahn wurde bis zum Frühjahr 2015 zu einem Wander- und Radweg ausgebaut (RAVeL-Netz-Linie 45a Waimes-Jünkerath), mit Anschluss sowohl in Weywertz an die Vennbahnstrecke als auch in Jünkerath an das deutsche Radwegenetz.Ganz locker über 28 Brücken radeln, Kölnische Rundschau, abgerufen am 6. Juni 2011 Kölnische Rundschau vom 3. Mai 2015, abgerufen am 25. Mai 2015.

Ehemalige Munitionsfabrik Espagit mini|Schild, das auf die Gefahrenabwehrverordnung der VGV Obere Kyll hinweist Auf der Gemarkung der Gemeinde Hallschlag bei Kehr ist das nach außen abgeschirmte Gelände der Giftgas- und Munitionsfabrik Espagit gelegen. Hier waren von 1915 bis 1920 rund zweitausend Menschen beschäftigt, bis die Fabrik schließlich im Mai 1920 explodierte. Das vormalige Betriebsgelände stellt bis heute eine immense Umweltgefahr dar, weil in dem Boden weiterhin noch unentdeckte Sprengkörper und Gasgranaten sowie andere Gifte vorhanden sind.Franz Albert Heinen: Die Todesfabrik. Espagit – Die geheime Granatenschmiede. Eine Dokumentation. Helios, Aachen 2000, ISBN 3-933608-14-7. mini|Luftaufnahme des Geländes der ESPAGIT bei HallschlagAnfang der 1990er Jahre entschied sich das für Munitionsräumung zuständige Innenministerium in Mainz für ein Konzept, den hoch kontaminierten ehemaligen Produktionsbereich der Munitionsfabrik mit rund 13 ha Fläche nur oberflächig zu entmunitionieren. Im Anschluss daran wurde das Gelände durch eine Erdabdeckung und ein Drahtgeflecht gesichert, wodurch langfristig der direkte Kontakt zwischen belastetem Boden und Menschen verhindert werden soll. Das kontaminierte Sickerwasser wird im Rigolensystem erfasst und dann in einer Wasserreinigungsanlage behandelt.

Literatur F. A. Heinen: Die Todesfabrik. Espagit – Die geheime Granatenschmiede. Eine Dokumentation. Helios, Aachen 2000, ISBN 3-933608-14-7.

Weblinks

Ortsgemeinde Hallschlag Ortsgemeinde Hallschlag auf den Seiten der Verbandsgemeinde Gerolstein

Über die Espagit

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Vulkaneifel Kategorie:Ersterwähnung 1322 Kategorie:Region oder Ort mit Kampfmittelbelastung