hochkant=1.5|mini|Ansicht der Wallfahrtskirche von Süden … hochkant=1.5|mini|… und von Osten Unsere Liebe Frau von Thierenbach () gehört zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten des Elsass. Sie befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Jungholtz im Département Haut-Rhin. Der Ort liegt am elsässischen Jakobsweg,Wandertafel am Jakobsweg bei Thierenbach (Foto) der von Weißenburg/Wissembourg nach Belfort verläuft. (PDF; 177 kB) bei saint-jacques-alsace.org (deutsch)

Die Kirche wurde 1936 zur Basilica minor erhoben. Seit 1982 steht sie, abgesehen vom Turm, als Monument historique unter Denkmalschutz.Prieuré de bénédictins, puis église paroissiale Sainte-Marie-Auxiliatrice dite basilique Notre-Dame de Thierenbach. In: culture.gouv.fr

Geschichte Das heutige Bauwerk wurde im Jahr 1723Elisabeth Clementz, Geneviève Herberich-Marx, Soeur Maria Regina Winisdoerffer: Le sanctuaire Notre-Dame de Thierenbach. Directeur publication: recteur Patrick Koehler, Photos et illustrations: Daniel Alexandre; Collection du Presbytère. Imprimerie Valblor, Illkirch, Mai 2007 vollendet. Der seitliche Kirchturm wurde 1930–1932 erbaut. Daneben steht das Pfarrhaus an der Stelle des ehemaligen Klosters. mini|links|hochkant=0.8|Erhaltene Skulpturen der romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert (unter dem Eingang des Glockenturms eingebaut) mini|Votivbild der Gemeinde Sulz (1680): Detail des ehemaligen Priorats mini|Darstellung des Priorats anno 1797 auf dem Votivbild der Gemeinde Wattwiller mini|Lichtbild des Priorats, vor der Feuersbrunst von 1884

Bevor die heutige Kirche, der Glockenturm und das Pfarrhaus errichtet wurden, gab es an dieser Stelle eine Priorei, deren Gründung auf die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückgeht. Zu jener Zeit wurden in der Umgebung mehrere cluniazensischen Prioreien (Basel 1097, Altkirch 1105, Feldbach 1144) gegründet. Der Stifter der zisterziensischen Abtei Pairis bei Orbey, Ulrich von Eguisheim, wird auch für den Gründer der Priorei zu Thierenbach gehalten. Schriften der Abtei Cluny belegen, dass Thierenbach über mehrere Jahrhunderte von der burgundischen Abtei abhängig war. Mehrmals kam die kleine Mönchsgemeinschaft in große Bedrängnis: ärmliche Lebensbedingungen, zeitweilige Verschuldung, Verwüstungen durch Kriege. Das 13. und 14. Jahrhundert hindurch führten die Mönche unter der Regel des Benediktinerordens ein einfaches, frommes Leben. Das Priorat zählte in seiner Blütezeit etwa zehn bis fünfzehn Mönche, manchmal waren es auch weniger.

Sichere Belege beweisen, dass ab dem 15. Jahrhundert hierher gepilgert wurde. Manche Behauptungen legen den Anfang der Wallfahrt auf das 12. Jahrhundert, in Zusammenhang mit der Wunderheilung eines Adeligen. Der Überlieferung nach soll diese Stätte schon im 8. Jahrhundert von Pilgern aufgesucht worden sein. Dies könnte mit der Gründung der naheliegenden Abtei Murbach im Jahr 727 zusammenhängen, deren Mönche nach und nach zahlreiche Rodungen und Stellen zur und Glaubensverkündigung in ihrer Umgebung anlegten. Wie es auch gewesen sein mag, wird die Geschichte der Vergangenheit Thierenbachs trotzdem erst ab 1130 fassbar.Armand Durlewanger: U.L. von Thierenbach. Imprimerie S.A.E.P. Colmar/Ingersheim 1979

Die letzten Ausgrabungen (1983) zeigten, dass die erste aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche im 15. Jahrhundert deutlich vergrößert wurde. Dies könnte einem Aufschwung der Pilgerzüge aus den naheliegenden Orten entsprechen, die bis zum Dreißigjährigen Krieg andauerten. 1642 wurden die Klostergebäude von schwedischen Truppen in Brand gesteckt und teilweise zerstört. Dadurch wurden auch Archive vernichtet. Die Mönche bemühten sich, das Kloster nach und nach wieder aufzubauen. mini|hochkant=0.8|links|Fenster zur Erinnerung an die Gelübde (1138) der Gemeinde Soultz

Erst 1717 begann nach Plänen des Vorarlberger Baumeisters Peter Thumb die Errichtung der neuen Barockkirche, die sechs Jahre später vollendet war. Die Pilgerstätte bekam neuen Aufschwung und die kleine Mönchsgemeinschaft lebte weiter unter cluniazensischer Aufsicht. Die stürmische Zeit der französischen Revolution (1789–1801) führte dazu, dass die religiösen Güter enteignet und die Mönche vertrieben wurden. Dies war das Ende der Priorei.

Das von Napoleon 1801 geforderte Konkordat brachte wiederum friedliche Toleranz. Da Jungholtz nur ein kleiner Ortsteil der Stadt Soultz war, übernahm die Pfarrei von Soultz die Verwaltung der Pilgerstätte, bis das Dörfchen im Jahr 1880 zur eigenständigen Gemeinde wurde. Am 18. August 1884 zerstörte ein heftiger Brand das Klostergebäude und den Dachboden der Kirche. Kurz nach Abschluss der Renovierung begann der Erste Weltkrieg. Infolge ihrer Lage am Fuß des Hartmannswillerkopfs gerieten die Gebäude, wie alle umliegenden Dörfer, unter Beschuss; sie blieben jedoch einigermaßen verschont, so dass die Hauptaufgabe beim Wiederaufbau die Errichtung des schon lange geplanten Glockenturms war, der 1932 fertiggestellt wurde.

Zusätzlich kamen noch die Seitenkapelle und die Pilgergalerie hinzu. Eine vollständige Innenrenovierung wurde 1983 vorgenommen. Daran hatte der Kunstmaler Louis Wiederkehr aus Soultz einen großen Anteil. Zurzeit ist die Basilika „Unsere Liebe Frau von Thierenbach“ die bedeutendste Pilgerstätte des Oberelsass.

Ab 1983 wurde die der Basilika vollständig renoviert: das äußere Bauwerk, die Bedachungen, das innere Dekor, der Plattenbelag und das Mobiliar wurden instand gesetzt. Allmähliche und unvermeidbare Beschädigungen, sowohl am ästhetischen Anblick, als auch an der gefährdeten Standsicherheit des Bauwerks, machten nach 60 Jahren diese Instandsetzung notwendig. Mit dem Umbau des hochliegenden Vorplatzes waren 2010 alle notwendigen Arbeiten abgeschlossen.

Außenansicht mini|hochkant|Glockenturm mit Zwiebelhaube Seit 2010 hat sich das gesamte Umfeld der Basilika erheblich geändert: Der hochliegende Vorplatz wurde vollständig umgebaut und neu abgestuft. Auch ringsherum sind jetzt neue Parkplätze angelegt worden.

Das Hauptgebäude besteht aus drei Schiffen, die unter einem gemeinsamen Walmdach vereinigt sind und somit das Vorbild einer Hallenkirche darstellen. Der seitlich angebaute Glockenturm mit seiner kupfernen Zwiebelhaube und vergoldetem Gipfelkreuz ist wohl das bedeutendste Merkmal der Kirche, die wie ein Kleinod in die freundliche Landschaft eingebettet ist.

Wenn man zur Esplanade hinaufsteigt und den Vorplatz quert, kommt die Ostfassade zum Vorschein, insbesondere das Hauptportal mit seiner großen, kunstvoll geschnitzten Tür aus alter Eiche. Das Oberteil über den zwei Flügeln ähnelt einem Tympanon und trägt eine Nische, in der sich eine vielfarbige Marienfigur aus dem 18. Jahrhundert hervorhebt.

Auf der breiten Vortreppe ist der gewaltige Portalvorbau aus rotem Vogesensandstein der einzige dekorative Bauteil des Werks. Pilaster und Bordüren bilden eine schöne barocke Zusammensetzung. Ihr Gesims trägt einen Bogengiebel, unter dem sich eine eingehauene Inschrift über die gesamte Länge des Türsturzes erstreckt: VAS ADMIRABILE OPVS EXCELSI. Wenn man die elf hervorgehobenen römischen Buchstaben V D M I I L V X C L I addiert, ergibt sich das Baujahr der Vollendung des Gebäudes: 1723. mini|Blick auf Pilgergalerie

Der damalige Architekt Peter Thumb bevorzugte anscheinend für diese Kirche eine eher schlichte Architektur mit mäßigen Verzierungen, wohingegen er äußere Steinmetzarbeiten und reichlich Stuck an anderen seiner Werke wie in Tirol, Süddeutschland oder im elsässischen Ebersmünster förderte.

An der Südseite entlang, zwischen dem 1932 errichteten Glockenturm und der an den Chor angebauten Sakristei erstreckt sich die aus der Neuzeit (1950) stammende Pilgergalerie, die sowohl den romanischen Ursprung des Heiligtums, als auch das alte Kloster erwähnt. Einige Überreste dieser ursprünglichen Kirche sieht man neben dem Seiteneingang, sowie auch im hinteren Teil des Hauptschiffs, wo sie im Boden eingelassen sind.

Gegenüber der Galerie steht das Empfangsgebäude „Notre-Dame“, welches seine behaglichen Räumlichkeiten das Jahr hindurch für alle Wohltätigkeitsveranstaltungen anbietet.

Andere geschichtliche Andenken sind daneben vorhanden: der Antonius-Brunnen etwa 50 m hinter dem Chorhaupt, ein wohlgestalteter Bildstock von 1750 am Ufer des naheliegenden Teichs, und, unter der Galerie, einige sehr alten Grabsteine, die bei der Instandsetzung des Bodenbelags während der letzten Restaurierung aufgefunden wurden.

Inneres Gesamteindruck mini|Blick zum Chor Die acht Zentralsäulen tragen sicher und anmutig die massigen Kapitelle, auf denen Doppelbogen, mit bunten – rot, blau, gold als Grundtöne – symmetrischen Zierstreifen, aufliegen. Die zwei Reihen der viereckigen Träger strecken sich in der Fluchtlinie bis in den Chor hinein, wo sie sich in eingebauten Stützen umwandeln, um die drei Joche dieses Bauteils abzutrennen.

Das Gewölbe des Gebäudes ist ein korbbogenförmiges Kreuzgratgewölbe. Die fünf Joche des Hauptschiffs, dessen korbbogenförmige weit ausgespannte Decke eine freizügige Architektonik aufweist, sind beiderseits durch Nebenschiffe verdoppelt, die um die Hälfte schmäler, aber fast so hoch wie das Hauptschiff sind. Diese Aufschlüsselung der Flächen und Volumen ist ein Beitrag für den ausgeglichenen Gesamteffekt des dreißig Meter langen und zwanzig Meter breiten rechteckigen Gadenraums. Der Chor und seine in drei Wandflächen aufgeteilte Apsis bekommen durch vier große, kreisbogenförmige Fenster eine reichliche Belichtung.

Die Grate des Gewölbes sind mit feinem Pflanzendekor verziert. In den auf diese Art abgegrenzten Feldern, umrahmen sie verschiedene Zusammenstellungen von Arabesken und Kartuschen mit frommen Inschriften. Im Hauptschiff sind es größere Medaillons, in denen Brustbilder von Heiligen zu erkennen sind, welche sich auf die Geschichte des Orts beziehen. Das Chorgewölbe zeigt auf dunkelblauem Hintergrund eine Reihe von in einem reichlichen pseudo-Renaissance Dekor eingefügten mariäverehrenden Heiligen, darunter Dagobert, Kasimir, Theresa und François de Sales.

Dekoration und Malereien Ringsherum befinden sich Malereien sowie vielerlei Zierstreifen und verzierte Fensterrahmen: Zuerst die großformatigen Wandgemälden von Martin Feuerstein: Der Künstler wurde 1856 in Barr (Elsass) geboren und war später Professor der Kunstakademie von München. Zumindest zehn der Wandgemälde, die im Chorraum und in den Apsidiolen vorkommen sind von ihm angefertigt, unter anderem die „Hochzeit von Cana“ und „Jesus wird im Tempel wieder gefunden“. Diese Werke wurden in einer Zeitspanne von zirka zwanzig Jahren ausgeführt.

In der Halbkuppel der nördlichen Apsis befindet sich ein Gemälde eines anderen elsässischen Künstlers, Rene Kuder, welches nach den Beschädigungen des Ersten Weltkriegs ausgeführt wurde. Unter den Gestalten, die Maria verehren, ist seine damals dreizehnjährige Tochter Marie-France zu erkennen.

Das Gemälde auf der linken Seite des Muttergottesaltars, das zur selben Zeit Schaden erlitten hatte, wurde 1926 von dem Straßburger Marcel Imbs restauriert. Es befindet sich gegenüber der „Mariä u. Josefs Verlobung“ von Feuerstein und stellt die Heilige Familie dar.

In die weiß marmorierte und mit Gold verzierte Täfelung des Chors, die durch eine Reihe von kannelierten Pilastern mit korinthischen Kapitellen gegliedert und von einem geschnitzten Aufsatz bekrönt ist, sind Platten mit Darstellungen der Kirchenväter eingelassen. Diese Gemälden sind teils älter (1840), teils neuzeitlich, aber nicht besonders bemerkenswert.

Die großen Gemälde in der Holzwand des Chors stammen wahrscheinlich aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie schildern die Lebensabschnitte der Heiligen Jungfrau.