Orgelbau Pirchner war ein österreichisches Orgelbauunternehmen mit Sitz in Steinach am Brenner (Tirol). Es wurde zwischen 1833 und 1935 zunächst von fünf Generationen der Orgelbauer-Dynastie Reinisch betrieben und ab 1935 von Johann Pirchner und dessen Nachkommen weitergeführt. Im Jahr 2016 wurde die Firma gelöscht.Wiener Zeitung, Ausgabe Nr. 223 vom 16. November 2016. online
Unternehmensgeschichte mini|Relief mit Orgel an der Ruhestätte der Orgelbauerfamilie Reinisch bei der Kirche St. Erasmus in Steinach a. Br. Die Herstellung von Orgeln im Wipptal kann man bis ins Jahr 1817 verfolgen. Der Tischler Josef Reinisch (6.9.1776–15.12.1848) in Gries am Brenner begann mit dem Orgelbau, bald unterstützt von seinen Söhnen Franz (I.) Xaver (28.2.1801–14.10.1888), Johann Benedikt (1803–1880), Andreas (1804–1836) und Thomas (1805–1837). Um 1831/32 kam es zu einer Spaltung zwischen Josef Reinisch und seinen Söhnen. Der Umbau der Orgel in Axams wurde 1832 von den Söhnen Franz, Andreas und Thomas ausgeführt. Franz (I.) kaufte 1833 ein Haus in Steinach und eröffnete dort seine Werkstatt, in der auch der Bruder Thomas arbeitete. Der Vater blieb dagegen in Gries und wurde von Johann Benedikt unterstützt.
Franz Reinisch (II.) (1840–1921) übernahm 1872 die Leitung der Werkstatt und setzte zunächst die Linie seines Vaters Franz I. fort, wobei die Orgelprospekte nunmehr nicht mehr nachbarock, sondern neugotisch und neoromanisch gestaltet wurden. Er begann auch bereits mit dem Bau eines chromatischen Pedals, zunächst von C bis f°, dann später C bis a° (Eben, 1891), bis h° (Neumarkt, 1893), bis c' (Maria Weißenstein, 1900), bis d' (Innsbruck, 1892; Schwaz, 1897; Niederdorf, 1903). Nur bei der Orgel in Sand in Taufers wurde – auf ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers – noch ein Pedal mit 16 Tasten und mit Cis, Dis, Fis in der zweiten Oktave gebaut.
1892 errichtete er die erste Orgel mit mechanischen Kegelladen und Barkerhebeln im Innsbrucker Dom, sodass 1893 nur noch die Orgel in Gossensaß mit Schleifladen gebaut wurde. Die erste pneumatische Orgel mit Kegelladen errichtete Franz Reinisch (II.) 1897 für die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt (Schwaz). Ab 1904 wurde die pneumatische Kegellade durch die pneumatische Taschenlade abgelöst.
Karl Reinisch (I.) (1842–1918) führte als Sohn von Franz Reinisch (I.) von 1870–1893 selbständig Orgelreparaturen aus. Seinen einzigen Orgelneubau errichtete er 1878 in Lans (10/I/P).
Karl Reinisch (II.) (1876–1932), Sohn von Franz Reinisch (II.), ging 1904 zu G. F. Steinmeyer & Co. nach Oettingen und übernahm 1907 die Leitung der väterlichen Werkstatt. Anfang 1918 baute er für Kriegszwecke die Prospektpfeifen von Orgeln in Tirol aus, 1919 wurde seine Werkstatt wiedereröffnet. Die Vergabe des Neubaus der Orgel im Innsbrucker Dom an den Konkurrenten Rieger Orgelbau führte zur Kündigung von vielen Mitarbeitern. Nach seinem Tod wurde die Firma im Namen der Kinder durch Franz Reinisch (III.) als Vormund unter Karl Reinisch’s Erben weitergeführt.
Franz Reinisch (III.) (1878–1969) war ein ausgezeichneter Pfeifenmacher. Ab 1932 zunächst Geschäftsführer der Firma Karl Reinisch’s Erben, gründete er einen eigenen Betrieb, in dem jedoch nur eine einzige Orgel gebaut wurde. Sein Sohn Franz Reinisch (IV.) baute ebenfalls nur zwei Orgeln. Der jüngere Sohn Max Reinisch (1916–1993) war zunächst beim Vater als Orgelbauer tätig und arbeitete dann bei Dreher & Flamm in Salzburg, heiratete die Tochter von Max Dreher und führte diesen Betrieb unter Dreher & Reinisch weiter.
Insgesamt waren vier Generationen der Familie Reinisch als Orgelbauer tätig, bis 1935 Johann Pirchner sen. (1900–1972), der seit 1918 als Orgelbauer im Betrieb gearbeitet hatte, die Leitung der Werkstätte übernahm. Nach wie vor trat aber das Unternehmen unter dem Namen Karl Reinisch’s Erben auf. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg war der Betrieb von Ende 1942 bis Juni 1945 geschlossen. Nach Kriegsende 1945 lauteten die Firmenschilder zunächst Reinisch-Pirchner und ab 1954 Johann Pirchner.
Ab 1950 wurden wieder mechanische Schleifladenorgeln gebaut, nachdem zwischen 1898 und 1942 die Instrumente mit pneumatischer und elektrischer Traktur versehen worden waren. Unter Johann Pirchners Leitung wurden ab 1945 mehr als 120 Orgeln gebaut. Ab 1962 wurde die Firma in die OHG Reinisch-Pirchner & Co. überführt. Im Jahr 1972 übergab Johann Pirchner den Betrieb an seinen Sohn Johann Pirchner jun. (* 28. April 1928; † 11. Dezember 2012).
Ab 1998 trat die Firma unter der Bezeichnung Orgelbau Pirchner auf. Ab 2003 leitete Martin Pirchner, Sohn von Johann Pirchner jun., den Betrieb. Zuletzt wurde das Unternehmen als GmbH geführt und im Jahr 2016 als Firma gelöscht.
Werke Man. = Manuale Reg. = Register P = Pedalklaviatur
Joseph, Johann Benedikt & Franz Reinisch (I.) (1801–1888) Jahr Ort Kirche Bild Man. Reg. Bemerkungen1821Obernberg am BrennerPfarrkirche160x160pxI/P13Erbaut von Joseph Reinisch.1825Pfitsch-KematenPfarrkircheI/P11Erbaut von Joseph Reinisch und seinen Söhnen Andreas und Thomas.1830/31GötzensPfarr- und Wallfahrtskirchezentriert|160x160pxII/P19Erbaut von Joseph Reinisch und seinen Söhnen Andreas und Thomas. 1831 Zubau Rückpositiv; Restaurierungen 1978 und 2018/19 → Orgel1831St. Jodok am BrennerPfarrkirche160x160pxI/P10Erbaut von Joseph Reinisch im Akkord 1831.1831SchmirnPfarrkirche Schmirnzentriert|160x160pxI/P12Erbaut von Joseph Reinisch.1832TrinsPfarrkirchezentriert|160x160pxI/P12Erbaut von Joseph Reinisch. Restauriert 2023 durch Orgelbau Kögler1833Völs bei InnsbruckBlasiusbergkircheI/P9Erbaut von Franz Reinisch I. Restauriert, nahezu vollständig erhalten.1837Bozen-RentschPfarrkirche St. LaurentiusI/P12Erbaut von Franz Reinisch I.1838GirlanPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P18Erbaut von Franz Reinisch I.1842TulfesPfarrkircheI/P10Erbaut von Johann Benedikt Reinisch. Einziges, gesichert erhaltenes Werk jenes Vertreters der Dynastie Reinisch.1842SalzburgFranziskanerkircheII/P24nicht erhaltenhttps://organindex.de/index.php?title=Salzburg,_Franziskanerkirche_(Heilig-Geist-Orgel)&curid=13076&diff=262196&oldid=1702501845LajenPfarrkirche St. LaurentiusII/P23Erbaut von Franz Reinisch I.1850IglsPfarrkirchezentriert|160x160pxI/P11Franz Reinisch I., zusammen mit Johann Benedikt Reinisch1857Steinach am BrennerPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P311936 ersetzt, Prospekt der aktuellen Orgel (von 1992) ist dem der Orgel von 1857 nachempfunden1869VirgenPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P17
Franz Reinisch (II.) (1840–1921) Jahr Ort Kirche Bild Man. Reg. Bemerkungen1873St. Andrä (Brixen)Pfarrkirche St. AndreasI/P161874AlbeinsSt. Hermagoras und FortunatusI/P141874DölsachPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P251874Matrei in OsttirolPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P25Orgelgehäuse aus 1782 von Johann Götz (Orgelbauer)1883StallPfarrkirchezentriert|160x160pxI/P121884RangersdorfPfarrkirchezentriert|160x160pxI/P101886Sand in TaufersPfarrkirche Maria HimmelfahrtII/P22seit 2017 in Laatsch (Mals)1886Enneberg-PfarrePfarrkirchezentriert|160x160pxII/P23Umbau und Erweiterung der Aignerorgel, 2020 restauriert durch Orgelbau Kaufmann (Deutschnofen)1888MontanPfarrkirche St. Bartholomäuszentriert|160x160pxI/P141889InnichenStiftskirchezentriert|160x160pxII/P20Orgelgehäuse von 16291891Eben am AchenseePfarrkirche St. Notburgazentriert|160x160pxII/P18Gehäuse aus 18. Jahrhundert1892InnsbruckDom St. JakobII/P33Mechanische Kegelladen mit Barkerhebel; seit 1931 in Innsbruck-Hötting1892MiedersPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P17Orgelgehäuse aus 1760/17701894InnsbruckBasilika Wilten 160x160pxII/P24Orgelgehäuse von 1758. Mechanische Kegelladen mit Barkerhebel; 2003 restauriert → Orgel1895Eppan – St. PaulsPfarrkirche (Emporenorgel)160x160pxII/P25Mechanische Kegelladen mit Barkerhebel; Disposition1896Rauris-BuchebenPfarrkirche zu den hll. Hieronymus und Leonhard 160x160pxI/P7Mechanische Kegelladen1897SchwazPfarrkirche Maria Himmelfahrt 160x160pxIII/P44Gehäuse von 1735. Pneumatische Kegelladen, zu ihrer Zeit größte Orgel in Tirol. 1910 erweitert (siehe unten).1898Tannheim (Tirol)Pfarrkirchezentriert|160x160pxII/P191899Arzl im PitztalPfarrkircheII/P171900Maria Weißenstein, SüdtirolWallfahrtskirchezentriert|160x160pxII/P141902NassereithPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P23Umbau und Erweiterung der vorhandenen Orgel von Mathias Mauracher (1851). Restauriert 2000
Karl Reinisch (II.) (1876–1932) Jahr Ort Kirche Bild Man. Reg. Bemerkungen1907BaumkirchenPfarrkirchezentriert|160x160pxI/P10 1994 neue Orgel.1908AxamsPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P19 1975 Neubau durch Orgelbau Pirchner1908PartschinsPfarrkirche St. Peter und Paulzentriert|160x160pxII/P191991 Neubau im alten Gehäuse1910St. Christina in GrödenPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P261981 Neubau1910SchwazPfarrkirche Maria Himmelfahrt160x160pxIII/P65Erweiterung der vorhandenen Orgel, Zubau der beiden Seitenprospekte. Die Orgel war ihrerzeit das größte Instrument in Tirol, sowie der größte Orgelbau in der Firmengeschichte. 1969 umgebaut (siehe unten).1911KalternPfarrkirche Maria Himmelfahrtzentriert|160x160pxII/P27Hauptgehäuse von 1794. Neubau mit neuem Rückpositivgehäuse 1978 (siehe unten)1911TraminPfarrkirche160x160pxII/P321997 Restauration durch Orgelbau Windner1912AldeinPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P161912ImstStadtpfarrkirche160x160pxII/P331993 Restauration durch Orgelbau Erler1912FissPfarrkircheII/P152000 Neubau1914GrinsPfarrkirche160x160pxII/PGehäuse um 1780; 1988 durch einen Neubau der Fa. Rieger ersetzt.1919KolsassPfarrkirche160x160pxII/P24Im Originalzustand erhalten. 2025 Restauration durch Orgelbau Kuhn (CH).1920Hall in TirolFranziskanerkircheII/P252016 Restauration durch Orgelbau Erler1920WeerPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P21Orgelgehäuse aus dem Rokoko1920KurtatschPfarrkirchezentriert|160x160pxII/P142001 Neubau im alten Gehäuse1922WiesingPfarrkirche St. Martin und St. Nikolauszentriert|160x160pxII/P22Neubau im alten Gehäuse1923Neustift im StubaitalPfarrkircheII/P441993 Neubau (siehe unten)1926WildonPfarrkirche160x160pxII/P30Neubau im historischen Gehäuse, zu ihrer Zeit die größte Orgel im Bezirk Leibnitz. 1988 ersetzt (siehe unten).1927/28GrazBasilika Mariatrost160x160pxIII/P52Neubau im alten Barockgehäuse mit Fernwerk in der Kuppel. Über die Jahre mehrfach umgebaut, 1993 durch ein neues, rein-mechanisches Instrument der Fa. Pflüger ersetzt. 2021 wurde während der Kirchendachrenovierung das alte Fernwerk wiederentdeckt und an die neue Orgel angeschlossen.1928IlzPfarrkirche Ilz160x160pxII/P22Das Werk wurde 2004 durch Christoph Allgäuer erneuert.Principal - Verein der Orgelfreunde Südostösterreich; Heft 81929InnsbruckPfarrkirche MühlauII/P19Neubau mit Taschenladen im vorhandenen, neoromanischen Gehäuse. 1983 durch die heutige Orgel ersetzt (siehe unten).1930IschglPfarrkircheII/P20Gehäuse von 1758; 2001 durch einen Neubau der Fa. Späth ersetzt.1930Reith im AlpbachtalPfarrkirche Reith im Alpbachtalzentriert|160x160pxII/P231930KössenPfarrkirche160x160pxII/P221931BreitenwangPfarrkirche160x160pxII/P26Orgelgehäuse aus 1786 von Joseph Wirth; Orgel nicht erhalten, seit 2000 Orgel von Verschueren Orgelbouw1932InnsbruckPfarrkirche DreiheiligenII/P23Umbau der vorhandenen Orgel. 1969 durch die heutige Orgel der Fa. Metzler ersetzt.
Karl Reinisch’s Erben (1932–1962) Jahr Ort Kirche Bild Man. Reg. Bemerkungen1933GnadenwaldSt. MichaelII/P11→ Orgel1933KufsteinWallfahrtskirche KleinholzII/P122000 Neubau1934Hall in TirolStadtpfarrkirche160x160pxIV/P57Neubau mit elektropneumatischer Traktur und Fernwerk hinter dem Hochaltar. 1999 ersetzt (siehe unten).1936Steinach am BrennerPfarrkircheII/P35„Herma-von Schuschnigg-Orgel“ genannt, Freipfeifenprospekt, 1992 ersetzt1946InnsbruckSt. Nikolaus160x160pxII/P33Erster Orgelneubau Tirols nach dem Zweiten Weltkrieg. 1986 ersetzt (siehe unten).1948AbsamBasilika St. Michael 160x160pxII/P23Unter der Anleitung des Konsulenten des Bundesdenkmalamts, dem Orgelsachverständigen Egon Krauss restauriert. → Johann Anton Fuchs-Orgel