mini|Gay Pride Amsterdam 2005
Der Pride Amsterdam, bis 2017 Amsterdam Gay Pride (AGP), ist ein jährlich am ersten Wochenende im August abgehaltenes Festival in der Innenstadt von Amsterdam für LGBT-Personen mit einer Vielzahl von Veranstaltungen. Höhepunkt der Pride Amsterdam ist der karnevalsartige Umzug der fantasievoll kostümierten oder auch spärlich bekleideten Teilnehmer in bunt geschmückten Booten durch die Grachten Amsterdams: die Canal Parade. Neben dem Koningsdag ist die Pride Amsterdam die größte Festveranstaltung in Amsterdam, die jedes Jahr Hunderttausende von Besuchern anzieht.
Bereits zu Beginn der 1990er Jahre entstand in Amsterdam die Idee zur Veranstaltung von Gay Games. Der damalige Gay-Games-Vorstand setzte sich mit Geschäftsleuten und Gastronomie in Verbindung, um eine Boten Parade (später: Canal Parade) zu organisieren. Im September 1995 wurde die Stiftung Gay Business Amsterdam (GBA) mit der Zielsetzung gegründet, zusammen mit anderen Organisationen und dem Gaststättengewerbe das kulturelle Leben in Amsterdam zu fördern und einen Beitrag zur Emanzipation für Homosexuelle in den Niederlanden zu liefern.
Der Pride Amsterdam ist dem Berliner Pride Festival (auch: „Berlin Christopher Street Day“ genannt)Website der Berliner Pride. Abgerufen am 18. November 2023. und der „Gay Pride Parade in Rio de Janeiro“ (mit einer Million Besucher 2010) ähnlich. (englisch), abgerufen am 1. September 2011. Die „Gay Pride Parade in Rio de Janeiro“ ist wie der Pride Amsterdam eine Non-Profit-Organisation. Ursprünglich fehlte dem Pride Amsterdam jeglicher Protestcharakter, der eher bei anderen Pride-Veranstaltungen wie dem Roze Zaterdag (in den Niederlanden und dem flämischen Teil Belgiens) gepflegt wird. Inzwischen wird aber auch während des Pride Amsterdam politisch Stellung bezogen und Ausschreitungen gegen Homosexuelle angeklagt. Außerdem war eine deutlich kommerziellere Ausrichtung als in den Anfängen festzustellen, was aber durch mittlerweile veränderte Teilnahmebedingungen wieder beschränkt wurde.
Geschichte Eigentümer der Namen Amsterdam Pride, Pride Amsterdam und Canal Parade ist die GBA und durch das „Benelux Merkenburo“ gesetzlich geschützt.. Niederländisch, abgerufen am 21. März 2017. 1996 wurde die erste Canal Parade unter dem Namen Amsterdam Gay Pride gehalten.. Niederländisch, abgerufen am 10. August 2010. mini|Amsterdam Gay Pride/Gay Games 1998 Einige Wochen vor der ersten Canal Parade hatten die Organisatoren der Veranstaltungen große Bedenken hinsichtlich der Durchführung des Festes. Es hatte nur wenige Anmeldungen gegeben und es bestanden starke Zweifel, ob genügend Zuschauer kommen würden. Trotz dieser Bedenken wurde die Parade durchgeführt. Einer der Organisatoren fuhr selbst der Parade voraus und meldete erstaunt an die Kollegen am Startpunkt, dass die Brücken voller Menschen seien, was zunächst als „schlechter Scherz“ (flauwe grap) aufgefasst wurde., abgerufen am 23. November 2023 (niederländisch). Damit wurde die erste Bootsparade doch noch ein Erfolg. Mehr als 45 Boote und Kleinboote nahmen daran teil. auf pride.amsterdam (englisch)
Von 1996 bis 2005 war das GBA der Hauptorganisator von Amsterdam Pride. Ab 2006 übernahm die gemeinnützige Stiftung ProGay die Organisation der Pride Amsterdam. Die Gemeinde Amsterdam verlängerte die Öffnungszeiten für Lokale, da es bisher während der Festivitäten keinerlei problematische Vorkommnisse oder gewaltsame Ausschreitungen gegeben hatte. Bis 24 Uhr konnte Musik auf der Straße gespielt und bis 1 Uhr durften Getränke, ebenfalls auf der Straße, ausgeschenkt werden. Die abschließende Beurteilung der Polizei war: „Das GBA ist eine professionelle Organisation, mit der sich gut zusammenarbeiten lässt und die sich an alle Absprachen hält“.. Niederländisch, auf Gaysite.nl, abgerufen am 21. März 2017. Seit 2014 hat die „Stichting Amsterdam Gay Pride“ die Lizenz des Amsterdam Gay Pride übernommen und hielt auch die Lizenz zur Durchführung der EuroPride 2016.
Amsterdam Gay Pride kennzeichnet sich durch eine Vielzahl von Aktivitäten, deren abschließender Höhepunkt die Canal Parade ist. Meistens beginnt sie am Westerdok und führt weiter durch die Prinsengracht, Amstel, Zwanenburgwal, Oudeschans und Oosterdok. Der Name Amsterdam Gay Pride war die offizielle Bezeichnung der Veranstaltungen und wurde 2017 durch Pride Amsterdam ersetzt. In Pressemitteilungen und Internetinformationen wurde (und wird) oft auch der Name Gay Pride Amsterdam benutzt. Da die Canal Parade zum Teil kommerzielle Ausmaße angenommen hatte, wurde beschlossen, die Teilnahmegebühren getrennt zu berechnen. Homosexuelle Gruppen und Organisationen bezahlten 100 Euro, Boote von kommerziellen Unternehmen (seit 2006 zum Beispiel von Banken oder politischen Parteien) mussten bis zu 4500 Euro zahlen. Reklame auf den Booten wurde beschränkt, Aktivitäten der AGP mussten „LGBT“-orientiert sein, damit sie in das Programm aufgenommen werden konnten. Ab 1998 wurde der AGP zusammen mit den Gay Games organisiert. Zur Finanzierung der Aktivitäten trägt auch das Sponsoring von Firmen bei. Zur Vermeidung von Pinkwashing soll jedoch eine Prüfung der Spender und Unterstützer aus der Wirtschaft stehen.Pride Business Club auf der Website der Amsterdam Pride Amsterdam (niederländisch und englisch)
Chronologie mini|Amsterdam Gay Pride/Gay Games 1998
1995 bis 2010 1995: Die Stiftung Gay Business Amsterdam wurde gegründet.
1996: Die erste Canal Parade fand am 3. August statt. Von 1996 bis 2005 erhielt das GBA in total (umgerechnet) 101.600 Euro Subvention von der Gemeinde und zum Teil von einzelnen Stadtbezirken.
1997: Aus organisatorischen Gründen fand 1997 keine Canal Parade statt.
1998: In diesem Jahr wurde die Canal Pride (später: Canal Parade) zusammen mit den Gay Games organisiert. Rund 100 Boote beteiligten sich, darunter zwei Boote von Diskotheken sowie ein Boot mit Mitarbeitern vom „Academisch Ziekenhuis Utrecht“ (Akademisches Krankenhaus Utrecht) und vom GG&GD („Gemeentelijke Geneeskundige en Gezondheidsdienst“, deutsch: Städtisches Gesundheitsamt).
1999: Nach Schätzungen der Polizei waren es nicht mehr nur Zehntausende, die die Grachten und Straßen während der AGB säumten, sondern über 100.000 Zuschauer. Es beteiligten sich mehr Frauen bei den Festivitäten als in den vorhergegangenen Jahren.
2000: Wegen Lärmbelästigung kündigte der Milieudienst (Amt für Umweltschutz) strengere Kontrollen an. Die Organisation Amsterdam Pride war der Meinung, dass die Gemeindeauflagen zu streng wären und damit nur noch eine „schweigsame Bootsfahrt“ („stille tocht“) möglich wäre. Etwa 200.000 Menschen solidarisierten sich mit der Canal Parade. Durch die Menge an Besuchern wurden einige Verkehrsstörungen in der Innenstadt verursacht.
2001: Die Gay Pride bekam einen multikulturellen Charakter. Zum ersten Male fuhren Boote des arabischen Homocafes Habib Ana und von der jüdischen Gemeinschaft Beit Ha‘Chidush mit. Auf dem Boot der Stand-up Comedians Chick with Dicks wurde mit einem Minarett gegen die Aussage eines Imam aus Rotterdam protestiert, der Homosexualität als „Krankheit“ bezeichnet hatte.
2002: Die Canal Parade bekam zunehmend internationale Aufmerksamkeit in den Medien. Ein Boot des Roten Kreuzes beteiligte sich und forderte mehr Toleranz für Menschen mit einer HIV- oder AIDS-Infektion. Freiwillige teilten kostenlose Kondome aus.
2003: Rund 300.000 Besucher kamen zur Parade. Möglicherweise, weil das GBA zu „mehr Nacktheit“ (meer bloot) der Teilnehmer auf den Booten aufgerufen hatte, aus Protest gegen die zunehmende Spießbürgerlichkeit und Prüderie (Vertrutting und Preutsheid) der Amsterdamer Stadtverwaltung.
2004: Die Organisatoren von Gay Pride machten sich wegen steigender Gemeindekosten (für Genehmigungen und Stadtreinigung) Sorgen über die Zukunft der Parade. Sie waren der Meinung, dass die Kosten zu hoch und letztendlich unbezahlbar wären. Der Organisator De Haan protestierte dagegen mit den Worten, dass mehr Nacktheit und weniger Tugendhaftigkeit gezeigt werden sollte („Uit protest roept hij iederen opnieuw op tot meer bloot en ondeugendere boten“). Die Polizei kommentierte dies mit den Worten: „Hier und da pikant, aber nicht vulgär“. Die Anzahl der Zuschauer war auf rund 400.000 angestiegen.
2005: Durch Verzögerung der Gemeindegenehmigungen und Problemen mit der Finanzierung kam es zu Problemen. GBA musste zusätzliche 600 Mitarbeiter für Sicherheitsvorkehrungen sowie 500 Ersthelfer wegen möglicher terroristischer Aktivitäten einstellen. Das erste Boot präsentierte ein großes Foto von zwei iranischen Jugendlichen, welche aufgrund ihrer Homosexualität exekutiert worden waren.
2006: Aufmerksamkeit erregten die Boote von politischen Parteien: GroenLinks und Democraten 66. Zum ersten Male beteiligten sich Boote unter dem Motto Personal Pride – Company Pride von den Firmen Shell, TNT und der ABN-AMRO-Bank. In diesem Jahr wurde der offizielle Name „We Are – Amsterdam Gay Pride“ geprägt. Die Anzahl der Besucher war auf 250.000 zurückgegangen. Das GBA hatte 2006 die Gemeindegenehmigung für die Parade zurückgegeben, da es wieder zu Verzögerungen von diversen Genehmigungen und der Finanzierung der AGB gekommen war. Die Stiftung ProGay übernahm die Durchführung von Amsterdam Gay Pride.. Niederländisch, abgerufen am 10. August 2010. mini|Gay Pride Amsterdam 2009 2007: Zum ersten Male fuhr ein Boot mit homosexuellen Jugendlichen unter 16 Jahren mit, zum Teil in Begleitung ihrer Eltern, und ein Boot mit heterosexuellen Teilnehmern. Die Gemeinde Amsterdam ließ ein neues Logo entwickeln: „We Are Proud“ (Wir sind stolz), um sich als tolerante Stadt zu profilieren. ProGay übernahm den Ausspruch auch für ihre zukünftigen Aktivitäten.
2008: Am 2. August beteiligten sich der frühere Bürgermeister Job Cohen, der Minister Ronald Plasterk und einige Polizeibeamte in Uniform an der Parade. Über 500.000 Zuschauer und Festgänger waren gekommen.Vgl. hierzu: Jan Willem Duyvendak, Laurens Buijs: Als ze maar van me afblijven. Zitat: „De botenparade van de Gay Pride in 2008 was een van de best bezochte ooit: volgens de organisatie stonden niet minder dan een half million mensen langs de grachten.“ S. 15 Die ING-Bank sowie TNT Express traten als Sponsor auf.
2009: Bei der 14. Canal Parade fuhren 80 Boote mit, den Anfang machte ein Boot der Gemeinde Amsterdam. Die Anzahl der Festgänger wurde auf 56.000 geschätzt. Die Parteien CDA, VVD und Militärangehörige in Uniform beteiligten sich. Um die Stadtbezirke näher bei der Canal Parade einzubeziehen, startete die Bootsrundfahrt in diesem Jahr in Slotervaart. Auf der ersten Brücke, die von den Booten passiert wurde, stand der Anti-Homospruch: „Homo’s gaan naar de hell“ (Homos gehen in die Hölle).Antihomotekst bij Canal Parade auf NU.nl vom 1. August 2009, abgerufen am 19. November 2023.
2010: Mit rund 300 verschiedenen Aktivitäten war die Gay Pride das bislang umfangreichste Festival dieser Art. Erstmals fuhr ein African-Pride-Boot mit. Am 6. August fand der Gay-Pride-Sporttag statt und am Nieuwmarkt ein Freiluft-Kino mit Filmen zu African Pride und Euro Pride. Mit CumShots (ein Wortspiel zwischen den englischen Wörtern Samenerguss und Kameraaufnahme) wurde das erste Lesbische Porno-Festival in den Niederlanden gehalten.Pornofestival für Frauen, in: Het Parool vom 18. Juli 2010. Niederländisch, abgerufen am 11. August 2010. 175 Organisationen und Gruppen hatten sich angemeldet, 80 Boote nahmen an der Parade teil, darunter ein Boot der Organisation COC mit homosexuellen Jugendlichen bis zu 18 JahrenInformation vom „COC“ über Beteiligung an der „Canal Parade“. und der Gewerkschaft FNV.
2011 bis heute