mini|Pullach vom östlichen Isarufer gesehen mini|Pullach am Isarhochufer
Pullach im Isartal (amtlich: Pullach i.Isartal) ist eine Gemeinde und ein Pfarrdorf im oberbayerischen Landkreis München. Die östliche Gemeindegrenze wird von der Isar markiert, an deren linkem Ufer die Gemeinde liegt.
„Pullach“ wurde teilweise als Synonym für den Bundesnachrichtendienst (BND) gebraucht, da sich dort von 1956 bis 2019 die BND-Zentrale befand.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt am westlichen Hochufer der Isar südlich von München.
Geologie Pullach liegt in der während mehrerer Eiszeiten entstandenen Münchner Schotterebene. Die Isar hat sich seitdem 40–50 m eingegraben und ein Hochufer ausgebildet. Am Fuß des Hochufers wurde die Grundwasserschicht angeschnitten, so dass dort zahlreiche Quellen zu Tage treten.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Grünwald am gegenüberliegenden Isarhochufer sowie südlich Baierbrunn. Im Norden grenzt Pullach an München, namentlich die Stadtteile Solln und Thalkirchen. Im Westen liegt das gemeindefreie Waldgebiet Forstenrieder Park.
Gemeindegliederung Es gibt drei amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Großhesselohe (Stadtrandsiedlung) Höllriegelskreuth (Industrieort) Pullach im Isartal (Pfarrdorf sowie Hauptort)
Zu den weiteren Ortsteilen, die keine amtlich benannten Gemeindeteile sind, zählen die Adolf-Wenz-Siedlung, die Gartenstadt und das Isarbad.
Adolf-Wenz-Siedlung
Die Siedlung liegt im Norden Pullachs zwischen dem Isar-Werkkanal im Osten und dem Hang des Isarhochufers im Westen. In Nord-Süd-Richtung erstreckt sie sich von der Stadtgrenze Münchens bis zur Großhesseloher Brücke. Sie entstand aus den Unterkünften für die Arbeiter einer dort gelegenen Klinkersteinfabrik. Die Siedlung ist mit dem Auto vom übrigen Gemeindegebiet aus nur über das Münchner Stadtviertel Thalkirchen oder eine steile Privatstraße zu erreichen.
Gartenstadt Die Gartenstadt wurde seit Mitte der 1920er Jahre westlich der Bahnlinie zwischen Jaiser-, Gistl-, Birken- und Wolfratshauser Straße unter der Gesamtplanung des Architekten und Künstlers Richard Riemerschmid erbaut.Angelika Bahl-Benker, Künstleridee und Geschäftsmodell, Die Gartenstadt Pullach, Pullacher Schriftenreihe Band 10, 2022 (Hg. Gemeinde Pullach) Von den ursprünglichen Holzfertighäusern (von den geplanten 180 wurden nur 16 realisiert) sind nur wenige erhalten, zwei stehen unter Denkmalschutz, das zweigeschossige mit Zeltdach in der Joseph-Heppner-Straße 11 und das erdgeschossige mit Walmdach in der Gistlstraße 58 (Liste der Baudenkmäler der Gemeinde Pullach). In der Gartenstadt, die sich heute bis zum Industriegebiet in Höllriegelskreuth ausgedehnt hat, dominieren Reihen- und Einfamilienhäuser in lockerer Bebauung. Die Straßen tragen für Siedlungen dieser Art typische Namen wie Ahornallee, Tannenstraße und Siedlerweg.
Großhesselohe
mini|links|Wehranlage Großhesselohe unterhalb der Waldwirtschaft Großhesselohe liegt im Norden der Gemeinde Pullach zwischen Solln und der Isar. Der Ort geht auf die Schwaige Hesselohe zurück, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Abgrenzung zu dem im Englischen Garten neu entstandenen Kleinhesselohe in Großhesselohe umbenannt wurde. Auf dem Gelände der Schwaige entstand 1820 eine Brauerei mit Bierkeller, woraus sich die Waldwirtschaft Großhesselohe entwickelte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Landwirtschaft aufgegeben und das Gelände der Schwaige parzelliert und bebaut. Das Ortsbild ist überwiegend geprägt durch Villen sowie ein- bis zweigeschossige Ein- und Mehrfamilienhäuser. Zentral liegt die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit.
Den Westen des Ortes durchquert die Bahnstrecke Solln–Wolfratshausen der S-Bahn München. In dem ehemaligen Bahnhofsgebäude des Haltepunkts Großhesselohe Isartalbahnhof wurde 1988 ein Brauhaus mit Wirtschaft eingerichtet. Im Norden Großhesselohes stehen an der Bahnstrecke München–Lenggries noch Reste des von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen gebauten Bahnhofs Großhesselohe, der am 31. Mai 1981 aufgegeben wurde. Von dort aus führt die Großhesseloher Brücke über die Isar in die Münchner Villenkolonie Menterschwaige.
Höllriegelskreuth
Im nach Franz Höllriegel benannten Gemeindeteil Höllriegelskreuth befindet sich der Großteil der Pullacher Gewerbe- und Industrieunternehmen. Das Gebiet wurde in jüngerer Zeit durch zwei Lebensmittelmärkte ergänzt, die auf dem Gelände des ehemaligen „Großmarktes Pullach“ sowie einer Holzhandlung errichtet wurden. Östlich der S-Bahn-Trasse entstanden in den letzten Jahren zudem die sogenannten (englisch, „Gartenbüros“), zu denen auch die neue Zentrale der Sixt AG gehört.
Isarbad Dieser Ortsteil besteht nur aus wenigen Häusern, dem ehemaligen Bade- und dem Kurhaus am Fuß des Hochufers direkt am Isarkanal, sowie dem Isarkraftwerk und einigen kleineren Bauten.
Pullach im Isartal Der Hauptort um den Kirchplatz bildet den Kern der Gemeinde. Am Kirchplatz befinden sich das Pullacher Bürgerhaus, die Heilig-Geist-Kirche sowie das denkmalgeschützte Gasthaus Rabenwirt, dessen Geschichte 1852 mit einer Bierzäpflerei für die Arbeiter an den nahegelegenen Steinbrüchen begann. 1852 erhielt der damalige Wirt eine Vollkonzession und der spätere Eigentümer und Wirt, Anton Köck, betrieb das Gasthaus erfolgreich bis zum Tode seiner Frau 1888. Dann verpachtete er es an den Bildhauer und Initiator der Künstlergemeinschaft „die Raben“, Josef Heppner, welcher damals die Wirtstochter Anna Iberl aus der Gaststätte Iberl in Solln geehelicht hatte und sich dort jüngst als Wirt verdingte. Familie Heppner erwarb das Anwesen 1899, erweiterte es bis 1903 um großzügigen Villenanbau nördlich des Anwesens und schuf Platz für damals bis zu 5000 Gäste. Nach einer wechselvollen Geschichte und dem Verkauf durch die Söhne der Familie Heppner an eine familiäre Verschwägerung in den 1930er Jahren, wurde das Gebäude ab 1985 bis 2015 von den Hauseigentümern und den nunmehr seit dem Jahr 2000 neuen Wirten und Pächtern, Sibylla & Klaus Abenteuer, umfangreich saniert. Am Isarhochufer ist die Jugendherberge Burg Schwaneck zu finden. Das Gelände der BND-Liegenschaft in Pullach erstreckt sich östlich der S-Bahn-Linie bis zur Isar und wird von der Heilmannstraße in der Mitte in zwei Teile geteilt. An der Wolfratshauser Straße befindet sich das Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum; das Gymnasium Pullach (von 2013 bis 2025 Otfried-Preußler-Gymnasium) und das Freizeitbad befinden sich nahe der S-Bahn an der Hans-Keis-Straße. Die Freiwillige Feuerwehr Pullach hat mit ihrem Standort im komplett renovierten und erweiterten Feuerwehrhaus in der Kagerbauerstraße eine zentrale Lage.
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Verordnung des Bezirks Oberbayern über den Schutz von Landschaftsteilen entlang der Isar in den Landkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen, München, Freising und Erding als LSG (LSG-00384.01) Landschaftsschutzgebiet LSG Forstenrieder Park einschließlich Forst Kasten und Fürstenrieder Wald (LSG-00114.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Oberes Isartal (8034-371)
Geschichte Hügelgräber im Gemeindeteil Höllriegelskreuth nahe dem Isarhochufer belegen die Besiedelung schon in keltischer Zeit. Auch die Römerstraße von Salzburg nach Augsburg überquerte das tief eingeschnittene Isartal südlich von Pullach.
Eine Kirche in Pullach wird für das Jahr 806 (nach anderen Angaben 804) in einem Güterverzeichnis des Herzogs Arnulf aus dem Jahr 1060 verzeichnet.
Pullach war eine bäuerlich geprägte Gemeinde. Der Ortsname Pullach leitet sich von den hier heimischen Buchen sowie der Endung Loch ab, die Wald oder Hain bedeutet. Eine erste sichere Erwähnung einer Kirche ist in der Konradinischen Matrikel als Filialkirche von Thalkirchen (München) im Jahr 1315 zu finden. Ende des 15. Jahrhunderts, als die heutige alte Kirche gebaut wurde, hatte der Ort nur etwa 250 Einwohner. Der Ort war nicht wohlhabend, was sich auch daran zeigt, dass der Bau der Kirche durch wohlhabende Münchner Patrizier unterstützt wurde. Pullach hatte lange keine eigene Schule, die Kinder mussten ins nördlich gelegene Thalkirchen laufen, wo es seit 1686 eine erste Schule gab. Ab 1795 gab es eine Schule in Hesselohe, die aber nur einige der Kinder aus Pullach aufnahm. Ein eigenes Pullacher Schulhaus wurde erstmals 1837 erbaut.Aenne Atzenbeck: Die Ortsgeschichte der Gemeinde Pullach im Isartal von ihren Anfängen bis zur Jahrhundertwende, 1956. Faksimile in: Gemeinde Pullach im Isartal (Hrsg.): Pullacher Ortschronik nach Aenne Atzenbeck und Dr. Herbert Drube (=Pullacher Schriftenreihe Band 1). Imma Marketing Verlag 2003, ISBN 3-9809307-2-6, S. 91 Beide Schulen waren in kirchlicher Trägerschaft. Eine Volksschule in öffentlicher Hand gab es ab 1877.Herbert Druhe: Pullach im Isartal – Unsere Heimat in Vergangenheit und Gegenwart, 1982. Faksimile in: Gemeinde Pullach im Isartal (Hrsg.): Pullacher Ortschronik nach Aenne Atzenbeck und Dr. Herbert Druhe (=Pullacher Schriftenreihe Band 1). Imma Marketing Verlag 2003, ISBN 3-9809307-2-6, S. 126–136
Die Einwohnerzahl Pullachs blieb bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts schwankend bei etwa 200 Personen. Erst mit der Industrialisierung wuchs die Einwohnerzahl rasch an.
Mit dem Bau der Maximiliansbahn 1854 und dem Bau der Isartalbahn 1891 entwickelte sich Pullach als regionales Ausflugsziel. Zur Bewältigung des hohen Fahrgastaufkommens am Staatsbahnhof hatte der Bahnhof mindestens sechs Gleise. Die Münchner pilgerten von dort in Scharen entlang des Isarhochufers zu den großen Biergärten, der Waldwirtschaft in Großhesselohe und dem Rabenwirt im Ortszentrum, die jeweils mehr als 5000 Plätze hatten, sowie dem Bürgerbräu.
Nebenbei entwickelte sich Pullach zu einer Künstlerkolonie südlich von München. Mehrere Villen aus dieser Zeit am Isarhochufer sind erhalten, u. a. die klassizistische Burg Schwaneck, erbaut durch Ludwig von Schwanthaler, die heute größtenteils als Jugendherberge genutzt wird.
1892 entstanden in Pullach ein Bade- und ein Kurhaus an der Isar, die allerdings nur bis 1904 in Betrieb blieben.
Ab 1894 wurde das Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth errichtet, ein weiteres Wasserkraftwerk entstand 1901 in Pullach. Diese legten den Grundstein für die Industrialisierung Pullachs durch die Firmen Lindes Eismaschinen (heute Linde AG) Elektrochemischen Werke München (heute United-Initiators).
In den Jahren 1936 bis 1938 wurde auf einem Gelände, das bis dahin zur Schwaige Hesselohe gehört hatte, die Reichssiedlung Rudolf Heß (damals Bormann-Siedlung genannt) als Wohnort für die Parteielite der NSDAP errichtet. Schon vor ihrem Bau hatte Martin Bormann aus Mitteln der Partei westlich der heutigen Heilmannstraße Grundstücke erworben. Auf diesen wurden nun durch den Architekten Roderich Fick auf ein zentrales Stabsgebäude ausgerichtete Ein- und Zweifamilienhäuser in schlichter Walmdachbauweise errichtet. Das Stabsgebäude war als repräsentative Villa ausgestattet und diente auch der Familie Bormann als Unterkunft. Auf dem östlich der Heilmannstraße gelegenen Grundstück wurde in den Jahren 1943 bis 1944 das Führerhauptquartier Siegfried als eines von 16 Hauptquartieren von der Organisation Todt errichtet. Das Führerhauptquartier bestand aus einem zentralen Bunker, Nahverteidigungsturm, Verwaltungs- und Mannschaftsgebäuden und war durch einen eigenen Bahnanschluss von der Isartalbahn aus erschlossen. Es wurde nie als Hauptquartier benutzt.
Nach dem Krieg wurde das Gelände nicht zurückgegeben. Die Vorgängerorganisation des BND, die Organisation Gehlen, bezog am 6. Dezember 1947 auf dem Gelände der Reichssiedlung Rudolf Heß und des Führerhauptquartiers Siegfried seine Zentrale. 1956 entstand daraus die BND-Liegenschaft in Pullach.