mini|Eine der ersten Erwerbungen: Der Mann mit dem Goldhelm Der Kaiser Friedrich Museumsverein (KFMV) ist der Förderverein der Gemäldegalerie sowie der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Die vom Verein erworbenen Kunstwerke werden den entsprechenden Sammlungen als Leihgaben überlassen. Die etwa 122 Gemälde sowie rund 164 Skulpturen (Stand Ende 2025) sind zu einem großen Teil in der Gemäldegalerie Berlin im Kulturforum und im Bode-Museum auf der Museumsinsel der Öffentlichkeit zugänglich.
Tätigkeit Der Verein verfolgt den Zweck, die Gemäldegalerie und die Skulpturensammlung in Berlin zu fördern. Dieses geschieht in erster Linie durch den Erwerb von Gemälden und plastischen Bildwerken vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, durch Unterstützung von Ausstellungen, Organisation von Veranstaltungen, Durchführung von kunsthistorischen Exkursionen, Vorträgen und wissenschaftlichen Veranstaltungen. Die vom Verein erworbenen Kunstwerke bleiben in seinem Besitz und werden den Museen als Leihgabe zur Verfügung gestellt.
Geschichte Vereinsgründung mini|hochkant|Max Liebermann: Bildnis Dr. Wilhelm Bode, 1904 Die Gründung des Vereins geht auf eine Initiative von Wilhelm Bode zurück, der seit 1883 die Skulpturensammlung und seit 1890 die Gemäldegalerie der Königlichen Museen zu Berlin als Direktor leitete. Er bemängelte die geringen staatlichen Finanzmittel für den Ankauf von Kunstwerken und kritisierte das übliche bürokratische Genehmigungsverfahren. Aus seiner Sicht waren größere und schnell verfügbare Geldmittel notwendig, um auf dem Kunstmarkt bedeutende Objekte erwerben zu können. 1894 entwarf Bode ein erstes Konzeptpapier, in dem er zunächst beabsichtigte, einen von „reichen Sammlern“Wilhelm Bode zitiert in Tilmann von Stockhausen: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Gemäldegalerie Berlin. Die Geschichte ihrer Erwerbungspolitik 1830–1904. S. 140. gespeisten Ankaufsfond für die Museen einzurichten. Vorbild hierfür war ein ähnlicher Fond, über den die National Gallery in London verfügte.Tilmann von Stockhausen: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Gemäldegalerie Berlin. Die Geschichte ihrer Erwerbungspolitik 1830–1904. S. 140. Aus der Idee des Fonds entwickelte sich der Gedanke, Freunde und Förderer der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung in einem Förderverein zusammenzuschließen. Die zunächst „in aller Stille“ am 28. April 1896 unter dem Namen „Museums-Verein“ gegründete InstitutionF. L. Herbig: Alte und neue Kunst in Berlin. In Die Grenzboten, Zeitschrift für Politik Litteratur und Kunst, Grunow, Leipzig 1897, S. 378. legte per 20. Januar 1897 ihre Statuten fest und wurde am 16. Juni 1897 als Kaiser-Friedrich-Museums-Verein durch Wilhelm II. mit den Rechten einer juristischen Person anerkannt. Mit dem offiziellen Gründungsjahr 1897 gehört der Kaiser Friedrich Museumsverein zu den ältesten bürgerlichen Kunstfördervereinen in Deutschland. Während bereits ab 1896 Kunstwerke für das namensgebende Kaiser-Friedrich-Museum erworben wurden, konnte dessen Gebäude erst 1904 fertiggestellt werden. Seit 1956 heißt trägt es die Bezeichnung Bode-Museum.
Wilhelm II. konnte als erstes Mitglied des Kaiser Friedrich Museumsvereins gewonnen werden, was einen erheblichen Prestigegewinn für weitere Mitglieder bedeutete. Die Gründungsmitglieder waren vor allem vermögende Persönlichkeiten, die einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 500 Mark oder eine einmalige Zahlung von 5.000 Mark leisteten und darüber hinaus meist weitere finanzielle Mittel beitrugen.Tilmann von Stockhausen: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Gemäldegalerie Berlin. Die Geschichte ihrer Erwerbungspolitik 1830–1904. S. 141. Zu dieser Gruppe gehörten neben Direktor Wilhelm Bode die Kunstsammler Willibald von Dirksen, Julie Hainauer, Fritz Harck und Martin Heckscher, der Kunsthistoriker Friedrich Sarre, der Historiker Ferdinand Güterbock und die Maler Josef Block, Max Liebermann, Ludwig Passini. Hinzu kamen die Politiker August von Dönhoff und Karl Egon IV. zu Fürstenberg, die Juristen Paul von Herrmann, Maximilian Kempner und Paul Joseph Liebermann von Wahlendorf sowie der Rittergutsbesitzer Arthur von Schnitzler. Zu den zahlreichen Bankiers im Verein gehörten Gustav Güterbock, August von der Heydt, Karl von der Heydt, Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, Robert von Mendelssohn, Franz von Mendelssohn, Ernst Meyer, Georg Meyer, Paul von Schwabach, Eduard Veit Hermann Wallich, Robert Warschauer und Valentin Weisbach. Hinzu kamen die Unternehmer Eduard Arnhold, Fritz von Friedlaender-Fuld, Oskar Hahn, Richard von Hardt, Guido Henckel von Donnersmarck, Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim, Oscar Huldschinsky, Friedrich Alfred Krupp, Rudolf Mosse, Gustav Salomon, Gustav Siegle, James Simon, Adolph Thiem, Alfred Thieme und August Zeiss.Namen der Gründungsmitglieder gemäß Angaben auf der Website des Kaiser Friedrich Museumsvereins Etwa die Hälfte der Gründungsmitglieder war jüdischen Glaubens.Tilmann von Stockhausen: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Gemäldegalerie Berlin. Die Geschichte ihrer Erwerbungspolitik 1830–1904. S. 141.
Aufbau einer bedeutenden Sammlung bis zum Ersten Weltkrieg Zu den ersten Ankäufen des Vereins, die bereits 1896 vor der offiziellen Gründung erfolgten, gehörte das Bildnis eines alten Mannes von Hans Memling, die Bildnisstudie eines jungen Juden von Rembrandt van Rijn, die Terrakottafigur Madonna mit dem Apfel von Luca della Robbia und die Vedute Architektonische Perspektive eines unbekannten italienischen Malers des ausgehenden 15. Jahrhunderts.Peter Bloch, Henning Bock: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Kaiser Friedrich Museumsverein: Wilhelm von Bode, Museumsdirektor und Mäzen, S. 92. 1897 folgte mit dem Gemälde Der Mann mit dem Goldhelm – seinerzeit Rembrandt zugeschrieben, heute dem Umkreis des Malers zugeordnet – eines der bekanntesten Objekte im Eigentum des Vereins.Peter Bloch, Henning Bock: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Kaiser Friedrich Museumsverein: ´Wilhelm von Bode, Museumsdirektor und Mäzen, S. 92. Bis zum Ersten Weltkrieg folgten zahlreiche weitere bedeutende Werke. Hierzu gehören die Gemälde Landschaft mit dem Schiffbruch des Paulus von Peter Paul Rubens, Bildnis eines feisten Mannes des Meisters von Flémalle, Der Ballonaufstieg von Francesco Guardi und Die Grablegung Mariae von Giotto di Bondone.Peter Bloch, Henning Bock: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Kaiser Friedrich Museumsverein: ´Wilhelm von Bode, Museumsdirektor und Mäzen, S. 92. Hinzu kamen Werke wie Die Goldwägerin von Pieter de Hooch, Junges Paar beim Wein von Gerard ter Borch, Vier Heilige von Masaccio, Bildnis eines Mädchens mit rotem Barett von Albrecht Dürer, Das Bienenwunder des Heiligen Ambrosius von Filippo Lippi, Die Geburt Christi Martin Schongauer, Maria mit dem Kind von Michael Sittow, David mit dem abgetrennten Haupt Goliaths von Orazio Gentileschi, Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers von Bernardo Strozzi und Die Kreuztragung Christi von Giovanni Battista Tiepolo. In den ersten Jahren nach Gründung des Vereins leistete der Verein auch Vorfinanzierungen für Ankäufe, deren Mittel später aus dem Museumsetat beglichen wurde. Dies betraf beispielsweise die Museumsankäufe der Gemälde Etienne Chevalier mit dem heiligen Stephanus von Jean Fouquet und Herr und Dame beim Wein von Jan Vermeer.Gerd Hardach: Die Geschichte des Kaiser Friedrich Museumsvereins. S. 8–9. Zu den wichtigen Ankäufen für die Skulpturengalerie gehört die Sammlung von 144 Kleinbronzen aus dem Besitz von Adolf von Beckerath, die Figurengruppe aus Holz Martyrium des Heiligen Sebastian des Monogamist IP aus Passau und das Holzrelief Beweinung Christi von Hans Leinberger.Peter Bloch, Henning Bock: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Kaiser Friedrich Museumsverein: ´Wilhelm von Bode, Museumsdirektor und Mäzen, S. 92.
Der Verein während der Weimarer Republik Die Zeit während der Weimarer Republik zwischen 1918 und 1933 ist vor allem durch schwierige wirtschaftliche Verhältnisse geprägt, die dem Förderverein nur wenig finanziellen Spielraum gab. Zwar konnte noch im Kriegsjahr 1918 das Bildnis Ludwig Graf zu Löwenstein von Hans Baldung erworben werden, das 25-jährige Vereinsjubiläum 1922 fiel hingegen mitten in die Nachkriegsinflationsjahre, in denen zahlreiche bisherige Förderer selbst wirtschaftliche Einbußen hinnehmen mussten.Peter Bloch, Henning Bock: Der Kaiser-Friedrich-Museumsverein. In Kaiser Friedrich Museumsverein: Wilhelm von Bode, Museumsdirektor und Mäzen, S. 93. Erst nach Einführung der Rentenmark 1923 standen auch dem Verein wieder umfangreicherer Mittel zur Verfügung, in denen einige bedeutende Ankäufe möglich wurden. Hierzu gehört beispielsweise 1926 der Ankauf des Gemäldes Interieur mit fröhlicher Gesellschaft von Willem Pietersz. Buytewech. Mit der ab 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise verschlechterten sich erneut die finanziellen Möglichkeiten der Vereinsmitglieder und in der Folge auch des Vereins.
Zeit des Nationalsozialismus mini|hochkant|Friedrich Schmidt-Ott (Foto: Nicola Perscheid, etwa 1917) In der Öffentlichkeit wurde viel beachtet und positiv bewertet, dass der Verein als erster „Freundeskreis“ der Berliner Museen seine Geschichte während der NS-Diktatur aus eigenem Antrieb quellennah, systematisch und kritisch hat aufarbeiten lassen. Nachdem im Kaiserreich und in der Weimarer Republik zeitweise gut 60 Prozent seiner mäzenatisch wirkenden Vereinsmitglieder jüdisch waren, demonstrierte der von 1929 bis 1954 amtierende Vorsitzende Friedrich Schmidt-Ott sogleich nach der Übergabe der Regierungsverantwortung durch Hindenburg an die Hitler-Papen-Hugenberg-Koalition seinen „ostentativ zur Schau gestellten Schulterschluss von Wissenschaft und Regierung“. Die „rasche ideologische Selbstanpassung“Lothar Mertens: Nur politisch Würdige. Die DFG-Forschungsförderung im Dritten Reich. Berlin 2004. des Vorsitzenden beweisen die rüstungs- und rassepolitischen Vorschläge an Ministerien und den „Führer und Reichskanzler“.Sören Flachowsky: Von der Notgemeinschaft zum Reichsforschungsrat. Wissenschaftspolitik im Kontext von Autarkie, Aufrüstung und Krieg (Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft 3). Stuttgart 2008, S. 110–131. Seine Denkschrift an den Minister Bernhard Rust (14. Juni 1934) offenbart die nationalistischen, antisemitischen und opportunistischen Züge seines Denkens deutlich (Bundesarchiv). „In dieser kritischen Phase vermisst man auch sein deutliches Eintreten für die jüdischen Mitglieder der scientific community […]. Man wird davon ausgehen müssen, dass Schmidt-Otts Neigung zur staatlichen Macht, seine sicher im Laufe der Jahre entwickelte Antipathie gegen demokratische Spielregeln und seine konservative Grundhaltung ihm keine unüberwindbaren Hindernisse zur Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten in den Weg legten.“Winfried Schulze: Selbstbild und Fremdbild. Friedrich Schmidt-Ott, ein Gestalter des deutschen Wissenschaftssystems. In: Forschung 1. (2005), S. 7 f.