Der tiefe inferiore epigastrische Perforatorlappen ist ein Gewebelappen, der in der plastischen Chirurgie typischerweise für die Rekonstruktion der weiblichen Brust verwendet wird. Auch in der deutschsprachigen Literatur ist als alternative Bezeichnung DIEP-Flap (engl. Deep Inferior Epigastric Perforator) geläufig.A. Berger et al.: Plastische Chirurgie: Mamma, Stamm, Genitale Band 3 von Moderne Plastische Chirurgie in vier Bänden. Springer, 2006, ISBN 3-540-00143-3, S. 199ff., books.google.deJ. Jähne et al.: Was gibt es neues in der Chirurgie? Jahresband 2010: Berichte zur Chirurgischen Fort- und Weiterbildung. Hüthig Jehle Rehm Verlag, 2010, ISBN 3-609-76985-8, S. 422, books.google.de Erstbeschrieben wurde diese Rekonstruktionstechnik 1989 von Koshima und Soeda.I. Koshima et al.: Inferior epigastric artery skin flap without rectus abdominis muscle. In: Br J Plast Surg, 1989; 42, S. 645–648, PMID 2605399M. Pierre et al.: Update on Breast Reconstruction Using Free TRAM, DIEP, and SIEA Flaps. In: Semin Plast Surg. 2004 May; 18(2), S. 97–104,

Anatomie und Operationstechnik Der DIEP-Lappen wird über einen oder mehrere Perforatoräste der Arteria epigastrica inferior profunda mit Blut versorgt. Diese Gefäße verlaufen durch oder zwischen den Fasern des Musculus rectus abdominis zur Haut und zum Unterhautfettgewebe der vorderen Bauchwand.

Bei der Entnahme werden geeignete Perforatoren im Muskel freigelegt und bis zum Gefäßstiel verfolgt. Anders als beim TRAM-Lappen wird dabei kein wesentlicher Teil des geraden Bauchmuskels mit entnommen. So sollen die Bauchmuskulatur und die sie versorgenden Nerven möglichst erhalten bleiben.

Das entnommene Haut- und Fettgewebe wird anschließend in den Brustbereich übertragen. Dort werden Arterie und Vene des Lappens mikrochirurgisch an die Empfängergefäße angeschlossen. Dafür werden häufig die Arteria thoracica interna und ihre Begleitvenen genutzt. Auch die thorakodorsalen Gefäße kommen infrage. Aus dem übertragenen Gewebe wird anschließend die Brust geformt. Da der Verlauf der Gefäße von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, kann vor der Operation eine CT-Angiographie helfen, geeignete Perforatoren zu finden. Bei Patienten mit vorheriger CT-Angiographie kam es seltener zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust des Lappens.

Komplikationen Bei einer DIEP-Lappenplastik kann die Durchblutung des übertragenen Gewebes gestört sein. Dadurch können Teile des Lappens oder der gesamte Lappen absterben. Weitere mögliche Komplikationen sind das Absterben von Fettgewebe, Blutergüsse, Flüssigkeitsansammlungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen. An der Entnahmestelle am Bauch können ebenfalls Wundheilungsstörungen sowie eine Vorwölbung oder eine Hernie auftreten.

Eine mögliche Ursache für Durchblutungsstörungen sind Blutgerinnsel in den Gefäßen des Lappenstiels. Eine retrospektive Studie aus dem Jahr 2026 untersuchte 154 Patienten, bei denen insgesamt 160 freie Lappen zur Brustrekonstruktion verwendet wurden. Bei neun rekonstruierten Brüsten (5,6 %) trat nach der Operation eine solche Thrombose auf. Die vor der Operation routinemäßig gemessenen Gerinnungswerte zeigten dabei keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem Auftreten einer Pedikelthrombose.

Einzelnachweise

Kategorie:Therapeutisches Verfahren in der plastischen Chirurgie Kategorie:Operatives Therapieverfahren Kategorie:Weibliche Brust