mini|Temperate House mini|Innenansicht eines Gewächshauses mini|Im Temperate House Die Royal Botanic Gardens, Kew (Kew Gardens) sind eine ausgedehnte Parkanlage mit bedeutenden Gewächshäusern; sie sind zwischen Richmond upon Thames und Kew im Südwesten Londons gelegen und zählen zu den ältesten botanischen Gärten der Welt. Es sind dort viele Pflanzen zu sehen, die in Europa oder auf der nördlichen Halbkugel nicht heimisch sind. Neben den weltbekannten viktorianischen Gewächshäusern finden sich in Kew Gardens auch großflächige Parkanlagen mit sehr alten Rhododendrongewächsen. Die Besucherzahlen liegen heute bei ein bis zwei Millionen pro Jahr. In jüngerer Zeit widmet sich Kew Gardens auch intensiv Zielen der Umweltbildung, der Forschung und des Naturschutzes.
Am Standort Wakehurst, rund 60 km südlich von London, befindet sich ebenfalls ein großer, von Kew Gardens genutzter botanischer Garten. In dem über 200 ha großen parkartigen Gelände dominieren Gehölze aus aller Welt und die sogenannte Millennium-Samenbank.
Geschichte mini|Blüte des Tulpenbaums Liriodendron tulipifera in den Kew Gardens Die Royal Botanic Gardens in Kew verdanken ihren Ursprung den exotischen Gärten, die Henry Capel, Baron Capel of Tewkesbury (1638–1696) bei Kew anlegte. Sie wurden von Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg, der Witwe Friedrich Ludwigs, des Prince of Wales, deutlich erweitert. Die Gärten waren Lustgärten, unter Augusta dienten sie seit 1759 zum ersten Mal auch als botanische Gärten. Diese Arbeiten wurden von William Chambers durchgeführt; eine 1762 von ihm gebaute chinesische Pagode steht noch heute. König Georg III. stellte William Aiton und Joseph Banks an, um die Gärten weiter auszubauen.
Einer der Botaniker des Gartens, David Nelson, begleitete James Cook und William Bligh in den Pazifik.
1840 wurden die Gärten in einen nationalen botanischen Garten umgewidmet und nochmals deutlich erweitert. In der Folge entstanden auch das Herbarium und eine Bibliothek. Am 3. Juli 2003 wurden die Royal Botanic Gardens von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
2019 wurden die Royal Botanic Gardens (Kew) von rund 2,32 Millionen Personen besucht. 2025 wurden die Royal Botanic Gardens von rund 2,25 Millionen Menschen besucht.
Beschreibung Die Gewächshäuser mini|Plan des Kew Gardens, Lage der Gewächshäuser Nach Plänen des englischen Architekten Decimus Burton entstanden im 19. Jahrhundert in Kew Gardens mehrere Gewächshäuser. Palm House Das zwischen 1841 und 1849 errichtete Palm House (Tropenhaus) ist das älteste noch existierende viktorianische Gewächshaus. Es beherbergt Palmen und andere Pflanzenarten der feuchten Tropen aus Afrika, Amerika, Asien, Australien und der Pazifikregion und ist durchgängig sehr gut besucht. Sehenswert im Palm House sind die Aquarien im Untergeschoss, wo exotische Fische und andere Wasserlebewesen beobachtet werden können.
Temperate House
Das von 1859 bis 1863Royal Botanic Gardens Kew Souvenir Guide (2011), S. 22. erbaute Temperate House (deutsch: Haus der gemäßigten Klimazonen) ist mit 4880 m²Royal Botanic Gardens Kew Souvenir Guide (2011), S. 18. etwa doppelt so groß wie das Palm House und damit das größte der Gewächshäuser in Kew. Dort wachsen Pflanzen aus Südafrika, Australien, Amerika, Neuseeland, Asien und der Lord-Howe-Insel, und unter anderem mit einer 16 m hohen, aus einem Samen gezogenen Honigpalme (Jubaea chilensis) die höchste in einem Gewächshaus wachsende Palme der Welt.Royal Botanic Gardens Kew Souvenir Guide (2011), S. 19. Als seltenste Art des Temperate House gilt der in Afrika beheimatete Brotpalmfarn Encephalartos woodii.Royal Botanic Gardens Kew Souvenir Guide (2011), S. 19/20. Nachdem das Gebäude über einen Zeitraum von fünf Jahren wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war, wurde es Anfang Mai 2018 wiedereröffnet.
Princess of Wales Conservatory Das dritte große Gewächshaus ist das Princess of Wales Conservatory. Es wurde in Gedenken an die Gartenbegründerin Prinzessin Augusta 1987 von Prinzessin Diana eröffnet. Es beherbergt Pflanzen aller zehn tropischen Klimazonen, von den Wüsten bis hin zu den immerfeuchten Regenwäldern. Unter seinem Dach sind wichtige tropische Nutzpflanzen, Orchideen und fleischfressende Pflanzen vereint. Besondere Attraktionen sind die Titanenwurz (Amorphophallus titanum) mit der weltweit größten Blüte und ein weiteres Becken mit Amazonas-Seerosen.Royal Botanic Gardens Kew Souvenir Guide (2011), S. 25.
Weitere kleinere Gewächshäuser Des Weiteren existieren mehrere kleinere Gewächshäuser: mini|Davies Alpine House Davies Alpine House: Im Südosten des Parks befindet sich das 2006 eröffnete Davies Alpine House. Es bietet Pflanzen der Hochgebirge optimale Wuchsbedingungen. Evolution House: nördlich des Temperate House Waterlily House: Das 1852 erbaute Waterlily House (deutsch: Seerosenhaus) beherbergt die nach der englischen Königin benannte Amazonas-Riesenseerose (Victoria amazonica) und andere tropische Wasserpflanzen und ist nur im Sommer zugänglich.Royal Botanic Gardens Kew Souvenir Guide (2011), S. 17.
Der See Der kleine See in Kew Gardens ist, wie fast alle landschaftlichen Darbietungen in den Gärten, künstlich angelegt. Er bietet vielen verschiedenen, auch ungewöhnlichen, Wasservogelarten eine Wohn- und Brutstätte und ist besonders sehenswert während der Paarungs- und Nistzeit.
Queen Charlotte’s Cottage mini|Queen Charlotte Cottage Das kleine Landhäuschen verdankt seinen Namen seiner ersten Besitzerin, Queen Charlotte, der Frau von König George III. Das Häuschen war ein Hochzeitsgeschenk für Charlotte und wurde von der Königlichen Familie als Picknickhäuschen genutzt, zu keiner Zeit aber als Wohnhaus. Der Innenraum ist Besuchern an bestimmten Tagen zugänglich.
Kew Palace mini|Kew Palace, nördliche Gartenseite mini|Queens Boudoir Room (Kew Palace) Kew Palace ist der einzige der ehemals drei königlichen Paläste der heute noch steht. Der 1631 erbaute Palast wurde von König Georg II. als eine Art Kindergarten gekauft.
Der einzige König, der selbst im alten Kew Palace, dem „White House“ gelebt hat, war Georg III. Dieses Haus wurde 1802 teilweise abgerissen. Im Jahre 1811, als Georg III. geistig erkrankte und erblindete, zog er in den Palast von Windsor Castle und weilte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1820.
Aufgrund seines flämischen Aussehens wird der Palast Dutch House (holländisches Haus) genannt. Der Palast wurde nach zehn Jahren Renovierung am 27. April 2006 für die Öffentlichkeit wieder freigegeben. Die Kosten für die Restaurierung des Hauses im Stil des frühen 18. Jahrhunderts beliefen sich auf umgerechnet 9,6 Millionen Euro. Königin Elisabeth II. feierte am Abend des 21. April 2006 mit engsten Familienangehörigen im frisch restaurierten Kew Palace ihren 80. Geburtstag. Hinter dem Gebäude findet man Queen's Garden (Garten der Königin), ein Kräutergarten, in dem Heilkräuter wachsen, die im 17. Jahrhundert verwendet wurden.
Das Chokushi-Mon mini|Karamon des Nishi Hongan-ji Das Chokushi-Mon („Das Tor des kaiserlichen Gesandten“) ist eine verkleinerte Nachbildung des Karamon („chinesisches Tor“), Haupteingang des Nishi Hongan-ji in Kyōto. Es wurde 1910 für die Japanisch-britische Ausstellung in London erbaut, danach abmontiert und in Kew Gardens wieder errichtet. Das Tor wurde im Stil der Azuchi-Momoyama-Zeit (spätes 16. Jahrhundert) ausgeführt. Das aus Holz gefertigte Tor enthält sehr viele handgeschnitzte Teile. Diese stellen vor allem Blumen und Tiere, aber auch eine alte chinesische Legende dar.
Umgeben ist das Chokushi-Mon von einem japanischen Steingarten im Stil des 16. Jahrhunderts. Dieser besteht aus drei Teilen, dem „Garten des Friedens“, dem „Garten der Aktivität“ und dem „Garten der Harmonie“, in denen verschiedene Aspekte japanischer Gärten dargestellt werden.
Die Pagode mini|Chinesische Pagode Im Südosten der Kew Gardens befindet sich die 1762 nach Plänen von William Chambers und chinesischem Vorbild errichtete Ziegelstein-Pagode (The Chinese Pagoda).Christina Kallieris: Von Nanjing bis London – die Pagode des Da Bao'en Si („Kloster der Dankbarkeit“) und ihre Nachfolgebauten in architekturtheoretischem Kontext. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 3 (1/2011), S. 73–86. Der Bau ist knapp 50 Meter hoch und hat am Boden einen maximalen Durchmesser von 15 Metern. Besucher können die Pagode über eine Treppe mit 253 Stufen besteigen. Obwohl Chambers während einer Chinareise eigene Skizzen von Pagoden angefertigt hatte, soll die Pagode von Johan Nieuhofs Darstellungen der Porzellanpagode von Nanjing inspiriert sein.
Die Bambusgärten In Kews Bambusgärten wachsen etwa 120 verschiedene Arten. Im Zentrum dieser Anlage befindet sich ein kleines, traditionelles japanisches Haus. Rund um das Haus, zwischen den Pflanzungen, sind einige aus Bambus gefertigte Dinge zu sehen, wie zum Beispiel ein Windspiel und ein Xylophon.
Der Steingarten Der Steingarten wurde bereits 1882 angelegt. Später wurde der verwendete Kalkstein durch Sandstein ersetzt, da letzterer mehr Wasser speichern kann. Damit konnten auch feuchtigkeitsliebende Pflanzen im Steingarten angepflanzt werden. Heute beherbergt der Steingarten feuchtigkeitsliebende Gewächse und Gebirgspflanzen aus allen Kontinenten.
Queen’s Beasts Neben dem Tropenhaus befindet sich eine Aufreihung von zehn Statuen mit Wappen-Fabeltieren. Sie sind als die Queen's Beasts (deutsch: Tiere der Königin) bekannt. Sie waren ursprünglich geschaffen worden für die Krönung der Königin Elisabeth II. 1953, die aktuell aufgestellten Statuen sind Nachbildungen in Portland-Stein. Die Tiere sind: der Löwe von England, der Greif des Königs Eduard III., der Falke des Hauses Plantagenet, der schwarze Bulle von Clarence, der weiße Löwe von Mortimer, das Yale von Beaufort, der weiße Greyhound von Richmond, der rote Drache von Wales, das Einhorn von Schottland und das weiße Pferd von Hannover.
Ausstellungen Das kleine Museum No. 1 in der Nähe des Tropenhauses präsentiert die ständige Ausstellung Plants and People (deutsch: Pflanzen und Menschen), die zeigt, wie die Menschheit Pflanzen genutzt hat. Eine weitere permanente Ausstellung, die in der Marianne North Gallery gezeigt wird, präsentiert Bilder der Künstlerin Marianne North, die viel gereist ist und fast ausschließlich Naturbilder gemalt hat. Das Gebäude wurde ausschließlich für diese Ausstellung errichtet, und die Bilder sind auf viktorianische Art ausgestellt, d. h. lückenlos, Rahmen an Rahmen die Wände zierend. Es gibt auch Wechselausstellungen verschiedener Kunstwerke, meist Skulpturen, im Freien und in den Glashäusern.
Thematische Pflanzungen Verstreut über die gesamte Parkanlage findet man Anlagen, in denen bestimmte Gewächse gezogen werden. Unter anderem befindet sich hinter dem Tropenhaus ein 1923 angelegter Rosengarten, in dem über zehn verschiedene Rosenarten kultiviert werden. In der Nähe der Bambusgärten besteht eine großflächige Anpflanzung von Rhododendron, das Rhododendron Dell, das über 700 verschiedene Exemplare enthält. Daneben gibt es eine Stechpalmenallee (englisch: Holly Walk). Diese ist mehr als einen Kilometer lang und besteht aus ausgewachsenen Stechpalmen, von denen die meisten bereits über 135 Jahre alt sind.
Weitere thematische Pflanzungen sind der Azaleengarten (englisch Azalea Garden), der Fliedergarten (Lilac Garden), in dem 105 Arten kultiviert werden und das Colour Spectrum (deutsch: Farbenspektrum), in dem jede Farbe des Regenbogens durch verschiedene Pflanzen repräsentiert ist. Der Mediterrean Garden (Mittelmeer-Garten) beherbergt vor allem Sträucher und Kräuter aus dem Mittelmeerraum. Der Waterlily Pond (Seerosenteich), in dem im Frühling verschiedenen Teichpflanzen blühen, ist umgeben vom Woodland Glade, wo neben anderen Nadelbaumarten auch Mammutbäume wachsen.
Wissenschaftliche Bedeutung
mini|Im Seerosenhaus