Brüssow [] ist eine Landstadt im Nordosten des Landkreises Uckermark in Brandenburg und Verwaltungssitz des Amtes Brüssow (Uckermark). Sie liegt zwischen den Städten Prenzlau und Pasewalk und der polnischen Metropole Stettin.
Geografie Brüssow, die nördlichste Stadt Brandenburgs, liegt in einem Grundmoränengebiet, das sich zwischen den parallel verlaufenden Tälern der Ucker und Randow ausbreitet. Die weiträumige Hügellandschaft ist durch viele kleine Seen und Tümpel (Sölle) gekennzeichnet, die den nordöstlichen Teil der uckermärkischen Seen bilden. Der Osten des Gemeindegebietes fällt um ca. 30 Meter zum Randowbruch ab; hier findet sich auch ein größeres zusammenhängendes Waldgebiet in der sonst weitgehend von der Landwirtschaft geprägten Gegend. Im Norden und Osten grenzt der mecklenburg-vorpommersche Landkreis Vorpommern-Greifswald an die Gemarkung Brüssow.
Stadtgliederung Die Gemeinde besteht laut ihrer Hauptsatzung aus den Ortsteilen Bagemühl Brüssow Grünberg Woddow Wollschow
Bewohnte Gemeindeteile ohne Ortsteilstatus sind Battin, Butterholz, Frauenhagen, Grimme, Hammelstall, Klausthal, Menkin, Moor, Petersruh, Stramehl und Trampe.
Hinzu kommen die Wohnplätze Battin-Ausbau, Heimstedt und Wassermühle.
mini|Generalfeldmarschall von Mackensen feierte am 6. Dezember 1939 auf seinem Gut Brüssow seinen 90. Geburtstag. Das Bild zeigt von rechts nach links: Generalfeldmarschall August von Mackensen, seinen Adjutanten Oberstleutnant Hans-Henning von Gersdorff, Botschafter Hans Georg von Mackensen – den Sohn des Marschalls, Frau von Mackensen und Generaloberst Walther von Brauchitsch, der dem Jubilar die Glückwünsche des Heeres überbrachte
Geschichte Die Gegend um Brüssow wurde recht spät besiedelt. Um die Stadt herum sind die Megalithanlagen von Brüssow-Hammelstall zu finden. In der Nekropole von Wollschow kamen 14 Urdolmen und 28 Steinkisten vor, von denen fünf Urdolmen erhalten sind.
Die ursprünglich slawische Siedlung wurde zum Ende des 12. Jahrhunderts deutscher Burgstandort.
Der Stadtname kommt wahrscheinlich aus dem Altpolabischen und dürfte sich von brus gleich Schleifstein ableiten.
Im Jahre 1259 wurde das Stadtrecht das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Urkunde wurde durch den Ritter Heinrich von Stegelitz verfasst. Das lag nicht zuletzt daran, dass Brüssow an der Straße Magdeburg–Berlin–Stettin lag. Das Stadtrecht wurde dem Ort zwischen 1550 und 1809 wieder entzogen.
Am 22. Oktober 1935 schenkte Adolf Hitler dem Generalfeldmarschall August von Mackensen die preußische Domäne Brüssow, die damals einen Umfang von über 1.231 Hektar hatte und später zum Erbhof erklärt wurde.
Albrecht Schönherr, der Schüler Dietrich Bonhoeffers und spätere Bischof der Region Ost der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, wurde von Mackensen nach Brüssow geholt und hatte hier von 1937 bis 1946 seine erste Pfarrstelle.
Verwaltungsgeschichte
Brüssow, Bagemühl, Grünberg, Woddow und Wollschow gehörten seit 1817 zum Kreis Prenzlau in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Pasewalk im DDR-Bezirk Neubrandenburg.
Seit 1849 bestanden in Preußen Kreisgerichte. Das Kreisgericht Prenzlau war dem Kammergericht nachgeordnet. in Brüssow bestand eine Zweigstelle (Gerichtskommission) des Kreisgerichts Prenzlau. Im Rahmen der Reichsjustizgesetze wurden diese Gerichte 1879 aufgehoben. Stattdessen bestand von 1879 bis 1952 das Amtsgericht Brüssow.
Die bis dahin selbstständige Gemeinde Menkin wurde am 1. Juli 1950 nach Wollschow eingemeindet. Zum 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Grimme nach Brüssow eingegliedert, die Gemeinden Battin und Trampe nach Grünberg.
Nach einem Bürgerentscheid gehört Brüssow seit dem 1. August 1992 wieder zum Land Brandenburg. Seit 1993 liegen die Orte im brandenburgischen Landkreis Uckermark.
Am 31. Dezember 2001 wurden die Orte Bagemühl, Grünberg, Woddow und Wollschow in Brüssow eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 669 1890 1 607 1910 1 624 1925 1 771 1933 1 812 1939 1 825 Jahr Einwohner 1946 2 431 1950 2 674 1964 2 214 1971 2 066 1981 1 929 1985 1 861 Jahr Einwohner 1990 1 755 1995 1 616 2000 1 580 2005 2 315 2010 2 023 2015 1 876 Jahr Einwohner 2020 1 804 2021 1 759 2022 1 792 2023 1 799 2024 1 842 2025 1 855
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Uckermark. S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Religion 1847 wurde in Brüssow mit dem Rothen Haus nach dem Vorbild des Rauhen Hauses in Hamburg die erste diakonische Einrichtung in der Uckermark gegründet.170 Jahre Diakonie und Stephanus-Stiftung in Brüssow, abgerufen am 10. Juni 2017 Seit 1973 gehört Brüssow kirchlich zur Pommerschen Evangelische Kirche bzw. ab 2012 zum Kirchenkreis Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Die evangelische Kirchengemeinde Brüssow und Fahrenwalde ist ein länderübergreifender Pfarrsprengel mit elf Kirchen in Brüssow, Bagemühl, Battin, Grimme, Grünberg, Menkin, Trampe, Woddow, Wollschow, Bröllin, Fahrenwalde und Friedrichshof.Kirchengemeinde Brüssow
Politik Stadtverordnetenversammlung mini|Rathaus Brüssow
Die Stadtverordnetenversammlung von Brüssow besteht aus 12 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,0 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 31,2 % 4 37,0 % 4 AfD – – 21,9 % 3 Einzelbewerber Norman Glowe 8,4 % 1 9,7 % 1 Demokratie und Vielfalt – – 7,9 % 1 Einzelbewerber Florian Matz – – 6,6 % 1 Bauern-Ländlicher Raum (BLR) 14,5 % 2 5,8 % 1 SPD 32,6 % 4 4,5 % 1 Einzelbewerber Lothar Naeth – – 4,0 % – Einzelbewerber Arne Hube – – 2,6 % – Aktives Brüssow Stadt und Land 13,3 % 1 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister 1998–2003: Klaus Wellmann (CDU) 2003–2008 Gisela Müllenhagen: (SPD)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 34 2008–2024: Michael Rakow (SPD)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 12 seit 2024: Torsten Eich (CDU)
Eich wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 56,0 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1) gewählt.
mini|Stadtbefestigung mini|Stadtkirche Brüssow mini|Heimatmuseum, ehemals Altlutherische Kirche Wappen
Flagge „Die Flagge ist Rot - Weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.“
Partnerstadt Mit der nordrhein-westfälischen Stadt Salzkotten besteht seit 16. August 1993 eine Städtepartnerschaft.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Heimat- und Auswanderungsmuseum der Stadt Brüssow, seit 1964 in der ehemaligen altlutherischen Kirche, einem neugotischen Backsteinbau, erbaut 1859/1860, kirchlich genutzt bis 1915 Stadtbefestigung mit Stadtmauer, Resten von Wiekhäusern und Torwächterhaus Stadtkirche Brüssow Dorfkirchen in den Orts- und Gemeindeteilen Bagemühl, Battin, Grimme, Grünberg, Menkin, Trampe, Woddow und Wollschow Freilichtbühne neben der Badeanstalt Kulturhaus der Stadt mit dem Kulturhaus-Kino BrüssowKulturhaus Kino Brüssow als eine der Brandenburger Dependancen und Vertretung des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern.
mini|Historischer Bahnhof von Brüssow
Verkehr In Brüssow kreuzen sich die Landesstraßen L 26 Prenzlau–Löcknitz und L 251 Pasewalk–Schmölln. Die Autobahnanschlussstelle Prenzlau-Ost an der A 20 (Kreuz Uckermark–Lübeck) ist ca. 12 km, die Anschlussstelle Schmölln an der A 11 (Berlin–Stettin) etwa 17 km von Brüssow entfernt.
Der Bahnhof Brüssow lag an der Bahnstrecke Prenzlau–Löcknitz, auf der der Verkehr 1991 eingestellt wurde. Jetzt befindet sich der nächste Bahnhof in Löcknitz an der Bahnstrecke Pasewalk–Stettin.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Friedrich Ehrenreich von Ramin (1709–1782), preußischer Generalleutnant und Generalinspekteur der Infanterie Moritz Pistor (1835–1924), Mediziner Karl Kollhoff (1846–1901), Wirklicher Geheimer Kriegsrat, Abteilungschef im preußischen Kriegsministerium Rudolf Hartmann (1856–1929), Politiker (DNVP) Arnold Hartmann (1861–1919), Architekt Joachim von Winterfeldt-Menkin (1865–1945), Jurist und Politiker, in Grünberg geboren Johanna Beckmann (1868–1941), Scherenschnitt-Künstlerin Georg Edmund Dann (1898–1979), Pharmaziehistoriker
Mit Brüssow verbundene Persönlichkeiten Carl Heinrich Poppenburg (1811–1869), Theologe, Superintendent in Brüssow August von Mackensen (1849–1945), preußischer Generalfeldmarschall, erhielt von Adolf Hitler die Domäne Brüssow als Dotation Albrecht Schönherr (1911–2009), evangelischer Theologe und Bischof, Pfarrer in Brüssow Dieter Frielinghaus (1928–2024), evangelisch-reformierter Pastor, lebte in Brüssow, Friedensaktivist und Publizist; Mitglied der DKP Volkmar Haase (1930–2012), Bildhauer, lebte in Brüssow
Literatur
Sabine Bock: Die Sophienkirche Brüssow und die Dorfkirchen Bagemühl, Battin, Bröllin, Fahrenwalde, Grimme, Grünberg, Menkin, Trampe, Woddow und Wollschow. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2020, ISBN 978-3-940207-88-3. Erwin Kieselbach: Aufzeichnungen über die Stadt Brüssow (Uckermark) bis 2013. Zeitzeugenbericht. Yontown Verlag, Prenzlau 2021. (Online verfügbar)
Weblinks
Stadt Brüssow beim Amt Brüssow Informationen zur Stadtgeschichte Kulturhaus Kino Brüssow: Kino, Galerie und Nachbarschaftstreff
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Uckermark Kategorie:Stadt in Brandenburg Kategorie:Stadtrechtsverleihung im 13. Jahrhundert Kategorie:Stadtrechtsaberkennung 1550 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1809