mini|hochkant|Megan Barnett springt vom 3-m-Sprungbrett bei den 3rd World Military Games mini|hochkant|Plastik eines Turmspringers Das Wasserspringen ist eine Wassersportart, bei der es darum geht, aus unterschiedlichen Höhen und mit verschiedenen Techniken möglichst elegant ins Wasser zu springen. Dieser Wettkampfsport ist mit mehreren Disziplinen seit 1904 Bestandteil der Olympischen Spiele. Unterschieden werden die Disziplinen Kunstspringen (1-m- und 3-m-Brett), Turmspringen (5-m-, 7,5-m- und 10-m-Turm) und Synchronspringen (3-m-Brett und 10-m-Turm). Wasserspringen ist auch ein beliebter Freizeitsport, der in manchen Schwimm- und Freizeitbädern ausgeübt werden kann. Als wichtiger Bestandteil der meisten Schwimmabzeichen und des Rettungsschwimmens hat Wasserspringen auch eine sicherheitsrelevante Bedeutung.

Eine Extremsportvariante des Wasserspringens ist das Klippenspringen. Dabei springen die Sportler von Felsklippen aus über zehn Metern Höhe in offene Gewässer. Sie verbindet Techniken des Turmspringens mit den Anforderungen, die die freie Natur an die Sportler stellt.

Geschichte mini|Antikes Bild aus Paestum, um 475 vor Chr. Im 8. Jahrhundert vor Christus wird das Wasserspringen im antiken Griechenland in Homers Odyssee erstmals erwähnt. Allerdings zählte es eher zur militärischen Ausbildung denn als sportlicher Wettkampf. Auch bei Römern und Germanen zählte das Springen mit anschließendem Tauchen als militärisches Mittel. Ein erstes Bild eines Wasserspringers fand man in Paestum, ungefähr aus dem Jahr 475 vor Christus. Das Tomba del Tuffatore (Grab des Tauchers) zeigt einen Mann, der anmutig von einer Plattform springt. Das Bild soll bildhaft den Verlauf des Lebens, von der Geburt bis zum Tod, symbolisieren.

Wasserspringen als moderner Wettkampfsport entwickelte sich ab dem 18. Jahrhundert in Deutschland und Schweden. In Deutschland ist die Entwicklung mit der Turnbewegung von Turnvater Jahn und GutsMuths verknüpft. Die Halloren, bei denen das Springen sportlicher Brauch wurde, zählten zu den ersten, die in Wettkämpfen vor Zuschauern ihre Sprünge zeigten. Gesprungen wurde zumeist von Brücken in die Saale. Der weltweit erste Verein für Wasserspringen wurde 1840 vom Halloren Tichy gegründet und hieß Tichy’sche Frösche. Da in dieser Zeit mehrere Schwimmbäder entstanden und das Springen dort ungefährlicher war als in offenen Gewässern, verbreitete sich das Wasserspringen. In Schweden wurden zu dieser Zeit Holzgerüste an Seen und Küsten erbaut, von denen Sportler ihre Sprünge zeigten. 1899 fand in Schweden die erste, allerdings inoffizielle, Weltmeisterschaft statt. Mit der Aufnahme von Wasserspringen in das Programm der Olympischen Spiele 1904 verbreitete sich die Sportart auch in anderen Ländern.

Seit der Gründung des Deutschen Schwimm-Verbands im Jahr 1886 finden deutsche Meisterschaften statt; seit 1921 (nur Kunstspringen) bzw. 1933 (auch Turmspringen) nehmen an diesen auch Frauen teil. Der internationale Dachverband, der World Aquatics, wurde 1908 gegründet.

Wasserspringen als Freizeitsport

In den meisten öffentlichen Schwimm- und Freizeitbädern steht den Besuchern ein Sprungbrett, manchmal auch ein Sprungturm und ein spezielles Sprungbecken, zur Verfügung. Im Gegensatz zum Wettkampfspringen, bei dem Eleganz und sauberes Eintauchen im Vordergrund stehen, zählt für mehrere Freizeitspringer vor allem der Mut zum Absprung, aus größeren Höhen auch das Gefühl des freien Falls. Ein beliebter Sprung ist die sogenannte Arschbombe, bei der man mit großer Oberfläche auf das Wasser trifft, sodass eine hohe Fontäne entsteht.

In Deutschland gehört Wasserspringen zum Bestandteil vieler Schwimmabzeichen. Beim Seepferdchen ist ein Sprung vom Beckenrand vorgeschrieben, für den Deutschen Schwimmpass Sprünge aus bis zu 3 Metern Höhe. Auch für das Erlangen des Rettungsschwimmabzeichens müssen Kopf- und Startsprünge gezeigt werden.

Ähnlich ist die Situation in Österreich. Für die Schwimmabzeichen der Arbeitsgemeinschaft Österreichisches Wasserrettungswesen (ARGE ÖWRW) müssen bestimmte Anforderungen im Wasserspringen erfüllt werden. Zum Beispiel ist für den Frühschwimmer ein Sprung vom Beckenrand, für den Freischwimmer ein 1-m-Kopfsprung bzw. 3-m-Fußsprung und sind für den Fahrten- und Allroundschwimmer Kopfstartsprünge vorgeschrieben.

mini|Schweizer Schwimmabzeichen Schwimmtest Wasserspringen In der Schweiz ist Wasserspringen Bestandteil im Schwimmunterricht an Schulen. Die Kinder und Jugendlichen können im Rahmen der Schwimmtests spezielle Tests für Wasserspringen machen und über acht Stufen entsprechende Stoffabzeichen erwerben. Über die staatliche Organisation Jugend und Sport wird Wasserspringen im Breitensport gefördert. Ab der fünften Stufe benötigt man bei einem Wettkampf eine bestimmte Punktzahl, um das Abzeichen zu erwerben.

Zu den Gefahren des Wasserspringens zählen Kopfsprünge in unbekannte Gewässer. Durch falsch eingeschätzte Wassertiefe oder unter der Wasseroberfläche liegende Teile kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen, insbesondere Querschnittlähmungen, und zu Todesfällen.

Wasserspringen als Wettkampfsport Im Junioren- und Erwachsenenbereich gibt es jeweils für Frauen und Männer Einzelwettbewerbe im Kunstspringen vom 1-m-Brett und 3-m-Brett und vom 10-m-Turm sowie Synchronwettbewerbe vom 3-m-Brett und 10-m-Turm.

Internationale Wettbewerbe Olympische Spiele Zu den wichtigsten internationalen Wettkämpfen gehören die Olympischen Spiele. Wasserspringen ist seit 1904 olympisch. In St. Louis standen zwei Disziplinen der Männer im Programm, Turmspringen und Kopfweitsprung, bei dem sich nach einem Brettsprung eine möglichst lange Tauchphase anschloss. 1908 kam das Kunstspringen hinzu. Der erste Frauenwettbewerb wurde 1912 in Stockholm ausgetragen. Seit 2000 sind bei den Männern und den Frauen auch die Synchronwettbewerbe olympisch.

Bei den olympischen Wettbewerben wird im Einzel vom 3-m-Brett und 10-m-Turm jeweils ein Vorkampf, Halbfinale und Finale ausgetragen. Die 18 besten Springer des Vorkampfs qualifizieren sich für das Halbfinale, die zwölf besten Springer des Halbfinales für das Finale. Die erzielten Ergebnisse aus dem Vorkampf bzw. dem Halbfinale werden nicht weiter berücksichtigt, die Springer beginnen wieder bei 0 Punkten. Allerdings starten die Springer im Halbfinale bzw. Finale in umgekehrter Reihenfolge zur zuvor erzielten Platzierung, sodass die besten Springer aus Vorkampf bzw. Halbfinale im Halbfinale bzw. Finale zum Ende eines Durchgangs an der Reihe sind. Das Kunstspringen vom 1-m-Brett ist keine olympische Disziplin. Für die Synchronwettbewerbe vom 3-m-Brett und 10-m-Turm qualifizieren sich bei Olympischen Spielen jeweils acht Paare, sodass direkt das Finale ausgetragen wird.

Der erfolgreichste Springer bei den Männern ist der US-Amerikaner Greg Louganis, der zwischen 1976 und 1988 viermal Gold und einmal Silber gewinnen konnte. Bei den Frauen ist die Chinesin Guo Jingjing mit insgesamt vier Gold- und zwei Silbermedaillen, die sie zwischen 2000 und 2008 gewinnen konnte, am erfolgreichsten. Bis in die 1970er-Jahre hinein dominierten US-amerikanische Athleten das olympische Wasserspringen. Die USA sind bis heute mit Abstand die erfolgreichste Nation. Heute sind allerdings chinesische Wasserspringer tonangebend. Bei den letzten Olympischen Spielen gewann China sieben von acht möglichen Goldmedaillen.

Weltmeisterschaften Die Weltmeisterschaften wurden von der FINA erstmals im Jahr 1973 ausgetragen. Zunächst fanden sie in unterschiedlichen zeitlichen Abständen statt, seit dem Jahr 2001 aber regelmäßig alle zwei Jahre. Zu Beginn wurden jeweils zwei Wettbewerbe für Männer und Frauen ausgetragen, Kunstspringen vom 3-m-Brett und Turmspringen vom 10-m-Turm. 1991 kam das Kunstspringen vom 1-m-Brett hinzu, 1998 das Synchronspringen vom 3-m-Brett und 10-m-Turm, jeweils für Männer und Frauen. Erstmals wurde 2013 auch ein Wettbewerb im Klippenspringen ausgetragen, bei dem Frauen aus 20 Metern Höhe und Männer aus 27 Metern Höhe sprangen.

Bei Schwimmweltmeisterschaften gelten für die Einzelwettbewerbe vom 3-m-Brett und 10-m-Turm gleiche Abläufe wie bei Olympischen Spielen. Vom 1-m-Brett gibt es jedoch kein Halbfinale, die zwölf besten Springer des Vorkampfs qualifizieren sich direkt für das Finale. In den Synchronwettbewerben gibt es aufgrund der höheren Teilnehmerzahlen jeweils einen Vorkampf, aus dem sich die besten zwölf Paare für das Finale qualifizieren.

Während bei den ersten Weltmeisterschaften noch US-amerikanische und sowjetische Athleten dominierten, konnte China in der Folgezeit zunehmend eine Vormachtstellung einnehmen. Heute haben chinesische Athleten mehr als die Hälfte aller Weltmeistertitel gewonnen. Zweimal konnten bei Weltmeisterschaften alle Titel durch Athleten eines Landes gewonnen werden, 1982 errangen die USA alle vier Titel, 2011 China sogar alle zehn möglichen Titel. Der erfolgreichste Athlet ist mit sechs Goldmedaillen Qin Kai, die erfolgreichste Athletin mit zehn Gold- und einer Silbermedaille Guo Jingjing.

→ Siehe: Liste der Weltmeister im Wasserspringen

Europameisterschaften Schwimmeuropameisterschaften wurden vom europäischen Dachverband LEN erstmals im Jahr 1926 ausgetragen. Zunächst fanden sie in unterschiedlichen zeitlichen Abständen statt, seit dem Jahr 2000 aber regelmäßig alle zwei Jahre. Seit dem Jahr 2009 finden zusätzlich zweijährlich getrennte Europameisterschaften nur für Wasserspringer statt. Bei den ersten Europameisterschaften im Jahr 1926 gab es nur Wettbewerbe für Männer, aber seit der zweiten Austragung im Jahr 1927 springen auch Frauen um Medaillen. Zunächst wurden nur Wettbewerbe im Kunstspringen vom 3-m-Brett und im 10-m-Turmspringen ausgetragen, im Jahr 1989 folgte auch das Kunstspringen vom 1-m-Brett und seit 1997 ist auch das 3-m- und 10-m-Synchronspringen Bestandteil der Europameisterschaften. Seit 2010 wird als zusätzliche Kategorie ein Wettkampf im gemischten Team ausgetragen bei dem jeweils eine Frau und ein Mann einer Nation 3 Sprünge zeigen und das Ergebnis addiert wird.

Bei Schwimmeuropameisterschaften werden die gleichen Wettbewerbe wie bei Weltmeisterschaften ausgetragen, allerdings gibt es keine Halbfinals. Die zwölf besten Springer bzw. Synchronpaare des Vorlaufs qualifizieren sich direkt für das Finale.

Erfolgreichster Teilnehmer ist Dmitri Sautin mit zwölf Titeln sowie vier Silber- und zwei Bronzemedaillen. Bei den Frauen ist Tania Cagnotto mit vierzehn Gold-, vier Silber- und vier Bronzemedaillen erfolgreichste Teilnehmerin.

→ Siehe: Liste der Europameister im Wasserspringen

Weitere internationale Wettkämpfe Weitere von der World Aquatics veranstaltete internationale Wettkämpfe sind der jährlich stattfindenden World Aquatics Diving Worldcup und die World Aquatics Championships. Wasserspringen ist zudem Bestandteil der größten Multisportveranstaltungen, zum Beispiel Commonwealth Games, Panamerikanische Spiele oder Asienspiele.

Beim Kunstspringen aus großer Höhe (auch High Diving genannt) gibt es klare Regeln. Es sind kein Neopren-Anzug oder Schuhe erlaubt. Zudem muss der Springer das Becken aus eigenem Antrieb heraus verlassen. Mit 52,4 m hält Dana Kunze seit 1983 den Weltrekord bei den Männern. Bei den Frauen hält Lucy Wardle mit 36,8 m seit 1985 den Weltrekord.

Nationale Wettbewerbe (Deutschland) Seit 1886 werden (mit wenigen Ausnahmen) jährlich an wechselnden Orten deutsche Meisterschaften im Wasserspringen ausgetragen. Die erste nationale Meisterschaft im Wasserspringen fand im August 1886 im Berliner Kaiser-Wilhelm-Bad statt; die 127. im Mai 2022 ebenfalls in Berlin.

Bedeutende Wasserspringer Auswahl bedeutender Wasserspringer der Vergangenheit 200px 195px 280px 225px 4 × Olympiasiegerin10 × Weltmeisterin3 × Asienmeisterin 2 × Olympiasieger5 × Weltmeister12 × Europameister 4 × Olympiasieger5 × Weltmeister6 × Panamerikameister Erfolgreichste deutscheWassersprung-Olympionikin3 × Gold, 1 × Silber