mini|hochkant|Filippo Lippi mini|Madonna mit Kind mini|Die Krönung der Jungfrau Maria im Himmel mini|Madonna mit Kind und zwei Engeln
Fra Filippo Tommaso Lippi (auch Fra Lippo Lippi, * um 1406 in Florenz; † um den 8. Oktober 1469 in Spoleto) war ein italienischer Maler der Frührenaissance. Seine Werke zeichnen sich durch feine Linienführung und sorgsame perspektivische Gestaltung der Hintergründe (insbesondere Landschaften) aus.
Lippis Malerei wurde, ebenso wie bei Masaccio, stark von der Perspektivlehre des Architekten Brunelleschi und von der plastisch-realistischen Darstellungsweise der menschlichen Figur durch den Bildhauer Donatello beeinflusst. Er unterhielt eine bedeutende Werkstatt in Florenz, wo auch Sandro Botticelli und sein Sohn Filippino Lippi ausgebildet wurden.
Leben Sowohl Lippis Vater, ein Metzger, als auch seine Mutter starben, als er noch ein Kind war. Als Waise wurde er von seiner Tante aufgezogen.Vasari, G.: Künstler der Renaissance, e-artnow, 2017 Mit 14 Jahren wurde er im Karmeliterkloster Santa Maria del Carmine in Florenz aufgenommen und blieb dort bis 1432. Seine ersten Schritte in der Malerei machte er wohl dort. In der benachbarten Kapelle der Brancacci konnte er die Werke Masaccios studieren und so schon früh dessen Techniken und Ausdrucksweise kennenlernen. Zwischen 1430 und 1432 führte er einige Werke für das Kloster aus, die 1771 von einem Feuer zerstört wurden.
Schließlich verließ Lippi das Kloster, wurde aber wohl zunächst nicht von seinem Gelübde entbunden. In einem 1439 datierten Brief spricht er von sich als dem ärmsten Mönch von Florenz und berichtet, dass er die Verantwortung für sechs heiratsfähige Nichten trage. 1452 wurde er zum Kaplan des Konvents San Giovannino in Florenz ernannt. Bereits seit 1442 war er Rektor (Rettore Commendatario) von San Quirico a Legnaia.
Sein Biograph Giorgio Vasari erzählt von einigen merkwürdigen und romantischen Abenteuern von Fra Filippo, aber heutige Biographen neigen dazu, diese Erzählungen abzulehnen. Außer von Vasari ist nichts über seine Reise nach Ancona und Neapel bekannt, und auch nicht über seine zwischenzeitliche Gefangennahme durch Berberpiraten und seine Versklavung, aus der ihn angeblich sein Talent in Porträtmalerei befreit habe.
Im Juni 1456 ließ sich Filippo in Prato nieder, um die Fresken im Chor des dortigen Doms zu malen. Bevor er die eigentliche Arbeit daran aufnahm, machte er sich 1458 an ein Bild für die Konventskapelle San Margherita in Prato und lernte dabei Lucrezia Buti kennen, die schöne Tochter des Florentiners Francesco Buti. Sie war entweder Novizin oder eine junge Frau in der Obhut der Nonnen. Er bat darum, dass sie Modell sitze für das Bildnis der Madonna oder der San Margherita. Mit ihr brannte er durch; das Ergebnis dieser Liebe war Filippino Lippi, der ebenfalls Maler wurde.
Fra Filippos letztes Werk waren die Fresken in der Apsis des Doms von Spoleto. Während dieser Arbeit starb er, und das Werk wurde von Fra Diamante beendet.
Werke Fresko: Bestätigung des Karmeliterordens (1432, Florenz) Altarbild: Trinität (Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, ehem. Florenz, Palazzo Medici, Kapelle) Altartafel: Maria mit Kind, Engeln und hll. Fredianus und Augustinus (1437, Paris Louvre, ehem. Florenz, S. Spirito, Capella de’ Barbadori) Die Tarquinia-Madonna, ein privat in Auftrag gegebenes Altarbild von 1437, als Dauerleihgabe des Museo Archeologico Nazionale in Tarquinia ausgestellt im Palazzo Barberini in Rom Verkündigung des Todes an Maria (1437–1438, Florenz) mini|rechts|Portrait einer Frau und eines Mannes in einer Fensternische, um 1440–44, MET, New York Portrait einer Frau und eines Mannes in einer Fensternische (um 1440–44, Metropolitan Museum of Art, New York) Die Krönung der Jungfrau (1441–1447, Florenz) Verkündigung Mariae (um 1450, München Alte Pinakothek) Tondo: Madonna mit Kind (1452, Florenz) Tafelbild: Maria mit Kind, hll. Stephanus und Johannes Bapt., Stiftergruppe (1452–1453, Prato, Museo Civico, ehem. Prato, Ospedale del Ceppo) mini|hochkant=1.2|Das Gastmahl des Herodes aus dem Freskenzyklus im Dom von Prato mini|hochkant=1.2|Das Begräbnis des hl. Stephanus aus dem Freskenzyklus im Dom von Prato Freskenzyklus: Szenen aus dem Leben der hll. Stephanus und Johannes des Täufers (1452–1457, Prato, Dom) Anbetung des Kindes im Walde (1459, Berliner Gemäldegalerie) Madonna mit Kind und zwei Engeln (1465, Florenz Uffizien) Maria mit dem Kinde (um 1465, München Alte Pinakothek) Altartafel: Jesu Darbringung im Tempel (1468, Prato, S. Spirito, ehem. S. Spirito, Hochaltar) Apsisausmalung: Szenen aus dem Marienleben (1466–1469, Spoleto, Dom)
Literatur
Quirin Engasser (Hrsg.): Große Männer der Weltgeschichte. 1000 Biographien in Wort und Bild. Neuer Kaiser Verlag, Klagenfurt 1987, ISBN 3-7043-3065-5, S. 275. Gloria Fossi: Filippo Lippi. Königstein i. Ts., Langewiesche, 1995, ISBN 978-3-7845-6385-5.
Raimund Marle: The Development of the Italian Schools of Painting, in 19 Bänden, Den Haag 1923–1938 (Nachdruck New York 1970), hier: Bd. X, S. 394–468. Henriette Mendelsohn: Fra Filippo Lippi. Julius Bard, Berlin 1909. Jeffrey Ruda: Fra Filippo Lippi. Life and Work. With a complete Cataloque. London 1993. Edward C. Strutt: Fra Filippo Lippi. London 1901. Pietro Toesca: Lippi, Filippo, detto fra Filippo. In: Enciclopedia Italiana. Band: 21 Leu–Malb, Rom 1934. Giorgio Vasari: Das Leben des Lippi, Pesello und Pesellino, Castagno, Veneziano und des Fra Angelico. Neu ins Deutsche übersetzt von Victoria Lorini. Hrsg., kommentiert und eingeleitet von Jana Graul und Heiko Damm, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011, ISBN 978-3-8031-5054-7.
Weblinks
Fra Filippo Lippi bei artcyclopedia.com Fra Filippo Lippi bei The National Gallery, London Filippo Lippi 1406–1469 auf beweb.chiesacattolica.it (italienisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Maler der italienischen Renaissance Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Person (Prato, Toskana) Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1469 Kategorie:Mann