Die Berliner Hütte ist eine Schutzhütte der Kategorie I der Sektion Berlin des Deutschen Alpenvereins.

Die seit 1997 unter Denkmalschutz stehende Alpenvereinshütte ist mit über 180 Übernachtungsplätzen in Zimmern und Matratzenlager die größte ihrer Art in den Zillertaler Alpen im österreichischen Tirol. Die Berliner Hütte ist die älteste und bekannteste Schutzhütte der Zillertaler Alpen. Sie war das erste und bis 2013 einzige Schutzhaus in Österreich, das den Status eines Baudenkmals erhielt.

Lage und Beschreibung

Die Berliner Hütte liegt auf einer Höhe von am oberen Ende, dem Talschluss des Zemmgrunds im Naturpark Zillertaler Alpen. Bei ihrer Einweihung befand sich die Hütte noch dicht am Rande der Gletscherzungen von Hornkees und Waxeggkees, die damals hier zusammentrafen. Mehrere Dreitausendergipfel liegen in der Umgebung und – auf einer Höhe von , eineinhalb Stunden Gehzeit entfernt – der Schwarzsee am Berliner Höhenweg, der von der Berliner Hütte weiter zur Greizer Hütte führt.

Zugang und Übergänge mini|400px|links|Lage der Berliner Hütte (mittig, gelber Kreis) im hinteren Zemmgrund, dahinter der Ochsner, links dahinter der Tristner, rechts daneben Melkerscharte, Zsigmondyspitze und Mörchnerscharten, rechts hinten die Ahornspitze, vorn das Waxeggkees, rechts vorn der Rossrugggrat Der talseitige Zugang zur Hütte beginnt am Gasthaus Breitlahner (Bushaltestelle) bei Ginzling (in einem Seitental oberhalb von Mayrhofen) und führt zunächst über einen Fahrweg durch den Zemmgrund. Auf einer Höhe von etwa endet dieser Weg an der Waxeggalm und wird zu einem alpinen Steig. Die Gehzeit beträgt laut Literatur rund drei Stunden. Da dieser Zugang im Bereich einer Klamm unterhalb der Südwestflanke des Ochsners () im Winter und Frühjahr stark lawinengefährdet ist, wird bei Schitouren die Hütte über die Übergänge Schwarzensteinsattel von Osten oder den Nöfessattel von Süden erreicht.

Die Berliner Hütte ist ein Etappenziel des Berliner Höhenwegs, der über insgesamt 70 km Länge durch die Zillertaler Alpen führt.

Aus westlicher Richtung ist die Berliner Hütte vom Furtschaglhaus aus in einer Gehzeit von rund sechs Stunden zu erreichen. Dabei wird mit dem Übergang über das Schönbichler Horn () der höchste Punkt des Höhenweges überschritten. Richtung Osten führt der Höhenweg über den Schwarzensee und die Nördliche Mörchenscharte () zur Greizer Hütte. Auch hier beträgt die Gehzeit rund sechs Stunden.

Von der Berliner Hütte kann man auf recht anspruchsvollem Weg in rund sechs bis sieben Stunden über die Melkerscharte () durch ein enges Tal, die Gunggl, zum Gasthaus Maxhütte und weiter nach Ginzling absteigen. Nach Süden hin ist eine Überschreitung des Zillertaler Hauptkamms zu der bereits in Südtirol liegenden Chemnitzer Hütte in etwa fünf bis sechs Stunden im Rahmen einer Hochtour, nur mit entsprechender Ausrüstung und Gletschererfahrung, möglich.

Gipfel- und Tagestouren mini|300x300px|Lage der Hütte im Berliner Höhenweg|alt=schematische Darstellung des Höhenprofils des Berliner Höhenwegs

Von der Berliner Hütte aus sind mehrere Gipfel- und Tagestouren, teilweise als Hochtouren, möglich. Nordöstlich des Schwarzensees liegt die, in dreieinhalb Stunden Gehzeit erreichbare, Zsigmondyspitze (). Das Schönbichler Horn () im Westen und den im Osten gelegenen Kleinen () und Großen Mörchner () erreicht man jeweils in vier Stunden. Der südöstlich gelegene Schwarzenstein () kann in vier bis fünf Stunden und die südlich gelegene Dritte Hornspitze, auch „Berliner Spitze“ genannt, () in vier Stunden bestiegen werden. Die höchsten von der Berliner Hütte erreichbaren Gipfel sind der südlich gelegene Turnerkamp (), der Kleine () und der Große Möseler (). Hier beträgt die Gehzeit sechs bis sieben Stunden.

Weitwanderwege Die Berliner Hütte ist ein wichtiger Stützpunkt für Wanderer am Zentralalpenweg, einem österreichischen Weitwanderweg von Hainburg an der Donau nach Feldkirch.

Geologie des Geländes Zentralgneiszone Die Berliner Hütte liegt genau auf der hier nordöstlich-südwestlich verlaufenden Grenze, an der die sogenannte Zentralgneiszone, mit äußerst harten Graniten und metamorphen Gneisen und die aus weichen, leicht erodierbaren Schiefern bestehenden Unteren Schieferhülle, mit hohem Anteil an Glimmer und anderen Mineralien, zusammentreffen. Entstanden ist die Zentralgneiszone nach der Erstarrung des Tiefengesteins durch tektonischen Druck und erneuter Kristallisation, der sogenannten Tauernkristallisation. Diese tektonische Hebung wird als Tauernfenster bezeichnet und ist für die im Gebiet ungewöhnlich hohen Berge verantwortlich. Zillertaler Alpen und Hohe Tauern werden, geologisch betrachtet, als Einheit aufgefasst.

Untere Schieferhülle Das westlich der Berliner Hütte hervortretende Gestein der Unteren Schieferhülle besteht aus Granat-Chlorit-Biotitschiefer. Besonders die Nussgröße erreichenden dunkelroten Kristalle der Granatgruppe wurden bis in die 1930er Jahre in der Nähe der Hütte gewerbsmäßig zur Herstellung von Schmuck und Schleifmitteln abgebaut. Auch heute noch ist das Gebiet bei Mineraliensuchern beliebt, die in erster Linie nach den mineralogischen Varietäten des Quarzes, besonders nach Bergkristall, suchen.

Gletschererosion In unmittelbarer Nähe, südlich der Hütte, ist durch den Rückgang der Gletscher, bedingt durch die globale Erwärmung seit 1850, die durch das Gletscherfließen hervorgerufene Erosion des Untergrundes deutlich zu beobachten. Glattgeschliffenes Gestein in Form von Schliffböden des kompakten Granitgneises tritt in großer Ausdehnung zutage und formt große, ebene und völlig glatte Steinflächen. Darüber hinaus ist die ausbrechende Gletschererosion, die sich an bis zu 5 Meter großen Blöcken zeigt, zu erkennen. Hier hat der Gletscherfluss die hervorstehenden Kanten und Ecken des Untergrunds herausgebrochen und weiter transportiert. Durch das plötzliche rasche Abschmelzen des Eises war der Weg nur kurz, sodass die Ausbruchstellen noch deutlich in unmittelbarer Nähe auszumachen sind.

Geschichte Erste Hütte 300x300px|mini|alt=Gemälde der Berliner Hütte, im Hintergrund der Gletscher|Ursprüngliche Hütte im Jahr 1879 Aquarell Bereits 1875 beriet sich die damals nur aus 47 Mitgliedern bestehende Sektion Berlin des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuOeAV) über einen Hüttenbau. Gesucht wurde ein Platz, der als Rast- und Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen in den Tiroler Alpen dienen konnte. Sollte ursprünglich im Vermuntertal, einem Seitental im Montafon in der SilvrettaJörg Robrecht: und , abgerufen am 15. Juli 2007, gebaut werden, einigte man sich nach einem Besuch des Zillertals auf die Schwarzensteinalpe. Allerdings durfte die Berliner Sektion das Grundstück nicht kaufen, da sie nicht rechtsfähig war. So erwarb 1877 Enno Schumann, ein Mitglied der dreiköpfigen Hüttenkommission, das Gelände privat.

Von Februar bis September 1878 wurde die Baugenehmigung beschafft, Holzschlagrechte erworben und der Rohbau der Hütte fertiggestellt. Bereits im Sommer 1879 konnten die Arbeiten unter der Leitung des Baumeisters Johann Hotter aus Mayrhofen abgeschlossen werden. Hotter errichtete ein zur damaligen Zeit typisch kompaktes und aus vor Ort gefundenen Steinen als Trockenmauerwerk aufgeschichtetes Gebäude, das zur Selbstversorgung ausgelegt war, also keine Gastwirtschaft war. Diese erste Hütte hatte eine Grundfläche von lediglich 6 Metern auf 10 Metern und war mit Bretterwänden aus Zirbenholz in einen Damen- und Herrenschlafraum, sowie eine Wohnküche, unterteilt. 300x300px|mini|Ursprüngliche Hütte im Jahr 1879 Foto Am 28. Juli 1879 wurde die Berliner Hütte als erste Schutzhütte der Zillertaler Alpen eingeweiht. Bereits nach zwei Jahren waren Grundstück und Gebäude durch eine gute Frequentierung durch zahlende Besucher schuldenfrei. Angesehene Bergsteiger wie die Brüder Emil und Otto Zsigmondy besuchten die Hütte und unternahmen von hier aus zahlreiche Touren. 1882 erfolgte der Ausbau des ursprünglichen Almsteigs zu einem Saumpfad, der weitere Besucher brachte, da er den Aufstieg wesentlich dadurch erleichterte, dass das Gepäck nun mit Maultieren transportiert werden konnte. Der Zuspruch war so rege, dass die Hütte ab 1883 durch einen Pächter bewirtschaftet wurde.

Die Eröffnung der Berliner Hütte stand am Beginn einer breit angelegten wissenschaftlichen Erforschung der Alpen und der touristischen Erschließung, nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Landvermessung und militärische Kartografie größtenteils abgeschlossen waren.Georg Biebel: 1999; abgerufen am 15. Juli 2007 Durch die Anlage von Wegen und weiteren Hütten schuf der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein schließlich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine noch heute bestehende Infrastruktur für Bergwanderer und legte die Grundlage für einen florierenden Fremdenverkehr in der Region.

Luxuriöse Erweiterungen vor dem Ersten Weltkrieg Die Bewirtschaftung der Hütte verstärkte den Besucherzuspruch derart, dass eine Erweiterung der kleinen Hütte unvermeidlich war. Im Juli 1885 wurde der erste, für 2.240 Gulden errichtete Erweiterungsbau unter dem Wahlspruch Dem Sturme Trutz, dem Wanderer Schutz, eingeweiht. Doch auch die neu geschaffene Unterkunftskapazität war schnell erschöpft und weitere Zubauten wurden notwendig. In den Jahren 1888 und 1889 entstand ein Anbau für die Bergführer, Küche und Speiseraum wurden erweitert und das Hüttendach mit Holzschindeln eingedeckt. Doch waren alle diese kleineren Erweiterungen nicht ausreichend, da der Bedarf weiter ständig wuchs.

Das Grundstück, auf dem die Hütte gebaut worden war, durfte die Sektion Berlin 1886 offiziell von Enno Schumann erwerben. 1890 beschloss der Sektionsvorstand, die Hütte nunmehr grundlegend zu erweitern und erwarb zusätzlich 600 m² Baugrund in der Umgebung. Die Ausführung der Bauarbeiten lag abermals bei Johann Hotter, die Planung und Leitung übernahm der Ratszimmerermeister Friedrich Schwager. Von 1891 bis 1892 entstand das dreigeschoßige sogenannte Logierhaus – ein Schlafhaus, dessen Grundfläche beinahe so groß war, wie die aller bisherigen Bauten. Das neue Gebäude sollte den Quartierbedarf endgültig decken. Eine halboffene Veranda (Laubengang) verband das Logierhaus mit den bestehenden Bauteilen und wurde in der folgenden Zeit als Kegelbahn genutzt. Für insgesamt 37.753,61 Mark richtete die Sektion neben dem neuen Bau außerdem eine Stube über der Küche ein, das Speisezimmer wurde vergrößert, ein beheizter Trockenraum für Schuhe und Kleidung und ein Abortgebäude gebaut, sowie eine Wasserleitung aus gebohrten Holzrohren verlegt. Danach kehrte eine sechsjährige Bauruhe ein. mini|Berliner Hütte 1912 (oben: Nordseite, unten: Südseite) |301x301px Die Vermittlung von auf der Hütte bereitstehenden Bergführern an Touristen steigerte die Attraktivität zusätzlich und ließ die Besucherzahlen abermals ansteigen. Von dem Besucherstrom wollte manch anderer profitieren und so wandten sich 1895 Investoren oder Spekulanten an den Eigentümer der östlich gelegenen Schwarzensteinalpe, um ein Hotel in der Umgebung der Hütte zu errichten. Dieser jedoch bot das Grundstück der Sektion Berlin an, die noch im selben Jahr für 11.400 Mark die 491 Hektar Weideland erwarb. Der Kauf ermöglichte die nächste große Erweiterung der Berliner Hütte. Abermals nach Plänen von Friedrich Schwager errichtete man östlich der alten Gebäude 1897 einen neuen Anbau, der 1898 eingeweiht wurde. Dessen 5 Meter hohe Decke im Parterre und stattliche Fenster wichen erheblich von den üblichen Baukonventionen alpiner Schutzhütten ab. Für rund 17.000 Mark wurden ein weiterer Speisesaal, der sogenannte Damensalon mit 82 Plätzen, eine Wohnung für die Pächterfamilie, 27 Zimmer mit 81 Betten und ein Matratzenlager für große Personengruppen eingerichtet.