mini|Königsforst Der Königsforst ist ein 2519 Hektar großes Waldgebiet östlich von Köln. Er ist Bestandteil der Bergischen Heideterrasse. Der Forst ist ein Vogelschutz- und FFH-Gebiet. Teile des Waldes gehören zum Naturschutzgebiet Königsforst (Köln) und Naturschutzgebiet Königsforst (Rhein-Berg).

Lage mini|Linie 9, Endhaltestelle Königsforst mini|Hochbehälter Tütberg

Das 25 Quadratkilometer große Waldgebiet berührt das Gebiet der Städte Köln, Bergisch Gladbach und Rösrath. Im Norden wird es begrenzt durch die Autobahn A 4 Köln – Olpe. Im Südwesten durchschneiden die A 3 Köln – Frankfurt und die Aggertalbahn () das Areal. Eine gleichnamige Autobahnausfahrt macht den Königsforst über die Autobahn A 3 zugänglich. Die Endhaltestelle Königsforst der Stadtbahnlinie 9 liegt unmittelbar am Waldrand. Im Süden schließt sich das Naturschutzgebiet Wahner Heide an.

Linie Verlauf / Anmerkungen Takt

Der Königsforst ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der rechtsrheinischen Mittelterrasse. Die höchste Erhebung ist der Tütberg mit . Die Grenze des Kölner Stadtgebiets läuft durch den Königsforst. Auf ihr liegt Kölns höchster Punkt, der Monte Troodelöh mit einer Höhe von .

Geschichte mini|Hügelgräber im Königsforst () Von einer eisenzeitlichen Besiedlung des Geländes zeugen zahlreiche Hügelgräber zwischen Köln-Rath und Forsbach. Sie werden der Hallstatt-Kultur des 6.–7. Jahrhunderts v. Chr. zugeordnet. Nach den systematischen Ausgrabungen vor ca. 50 Jahren sind die Grabhügel kaum noch zu erkennen. Die Funde finden sich im Römisch-Germanischen Museum.

Ursprünglich war der Königsforst ein Bannwald, der zum Krongut der Frankenkönige gehörte. Kaiser Otto der Große vermachte im 10. Jahrhundert den Königsforst seinem Bruder Brun, dem Erzbischof von Köln. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1003 n. Chr., in der der Erzbischof Heribert von Köln dem Deutzer Kloster ein Viertel des Königsforstes überlässt. Zwei weitere Viertel waren im Besitz des Kölner Klosters St. Pantaleon. Das letzte Viertel gehörte dem Erzbischof Bruno von Köln.

Im 12. Jahrhundert geriet das Gebiet zunehmend unter die Kontrolle der Grafen von Berg. Hiervon zeugen die alten Burgen und Rittersitze in Bensberg, Refrath (Motte Kippekausen) und Forsbach (Motte Beienburg), die zunächst in den Randbereichen entstanden.Peter Schönfeld: Die Motte und der Rittersitz Forsbach. Eine der ältesten mittelalterlichen Siedlungen im Königsforst., Rheinisch Bergischer Kalender 2015, Bergisch Gladbach 2014, S. 20–27

Die Herzöge zu Berg nutzten den Wald als Jagdgebiet. Erst im Jahre 1790 wurde der enorme Bestand an Rotwild reduziert, der die Regeneration des Waldes verhindert und manchen Acker verwüstet hatte. In diesem Jahr wurden etwa 4000 Hirsche erlegt.

Mit der Säkularisation gelangte der sich bis dahin im kirchlichen Besitz befindliche Königsforst in staatlichen Besitz des Großherzogtums Berg. Während der napoleonischen Besatzung wurde der Königsforst nahezu verwüstet. Die starken Eichen wurden gefällt und als Nutzholz nach Frankreich verfrachtet.

Mit dem Wiener Kongress 1815 wurde der „königliche Forst Königsforst“ preußisch. Nun begann eine planmäßige Wiederaufforstung, hauptsächlich mit nicht heimischen Kiefern. Diese Aufforstungen wurden lange Zeit fortgesetzt und umfassten nach entsprechenden Ankäufen auch landwirtschaftliche Flächen wie das Gut Schwiegelshohn.

mini|Splitterschutzzelle im Königsforst Im Zweiten Weltkrieg diente der Königsforst als militärisches Truppengelände und war für die Bevölkerung weitgehend gesperrt. Auf dem Grundstück des heutigen Kinderdorfs befand sich eine Munitionsfabrik. Von hier führte ein Gleisweg zum Bahnhof Bensberg an der Bahnstrecke Köln-Mülheim–Lindlar. Im Wald trifft man noch heute auf Betonmauern ehemaliger Bunker und Fundamente der Signalanlagen des Fliegerhorstes Ostheim.

Früher wurde der Königsforst vom Forstamt Königsforst in Bergisch Gladbach betreut. Durch eine Neugliederung der Forstämter ist inzwischen das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft mit Sitz in Eitorf für den Staatswald im Forstamtsbezirk Bergisches Land zuständig. Langfristiges Ziel der Forstwirtschaft ist es, die standorttypischen Laubbäume wieder anzusiedeln. Da in der ersten Jahreshälfte 2020 über 40.000 Bäume (meist Nadelbäume) krankheitsbedingt gefällt werden mussten, könnte dieses langfristige Projekt beschleunigt werden.

Ortschaften Im Königsforst gab und gibt es bewohnte Ortschaften. Mit der Industrialisierung begann allmählich eine Entsiedelung, die mehr und mehr zum Verfall einzelner Gebäude führte. In den 1960er Jahren erwarb der Fiskus den gesamten Königsforst und sorgte fortan dafür, dass die alten leer stehenden Häuser abgerissen oder abgebrannt wurden. Die nachfolgende Übersicht zeigt die einzelnen Ortschaften auf.Herbert Nicke: Tütberg, Ein Beispiel für den Untergang eines Siedlungsgebietes, in: Forsbach, vom Leben eines Dorfes zwischen Königsforst und Sülztal. (= Schriftenreihe des Geschichtsvereins Rösrath e. V. Band 26). Rösrath 2004, , S. 207 ff.

Nr. Ortschaft Stadtteil Stadt noch vorhanden? 1 Bahnhof Forsbach Bockenberg Bergisch Gladbach nein 2 Fahnberg Bockenberg Bergisch Gladbach nein 3 Großbuchholz Untereschbach Overath ja 4 Holz Bockenberg Bergisch Gladbach nein 5 Klein Buchholz Moitzfeld Bergisch Gladbach zum Teil ja 6 Röttgen Moitzfeld Bergisch Gladbach nein 7 Schwiegelshohn Bockenberg Bergisch Gladbach nein 8 Steinhaus Bockenberg Bergisch Gladbach ja 9 Tütberg Bockenberg Bergisch Gladbach ja

Bergbau mini|Stollenhalde der Grube Vereinigtes Glückauf, davor sammelt sich Wasser mit Eisenoxiden aus dem verbrochenen tiefen Stollen (dieser liegt im rückwärtigen Raum) Im gesamten Königsforst ist an vielen Stellen Bergbau im Bensberger Erzrevier betrieben worden. Am nordwestlichen Rand lagen die Bergwerke Grube Galilei und Grube Julien sowie am nordöstlichen Rand im Bereich der späteren Bundesautobahn 4 die Grube Leopold von Buch und die Grube Felix.Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes. Band 2: Die Gruben auf den Gangerzlagerstätten im Erzrevier Bensberg. Köln 2004, ISBN 3-00-014668-7. Im westlichen Königsforst gab es die Bergwerke Grube Copernicus, Grube Königsforst, Grube Löwenherz und Grube Quirin. Im Zentrum des Königsforsts waren die Bergwerke Grube Blondel, Grube Carlsglück, Grube Deutscher Michel, Grube Direktion Elberfeld, Grube Segen Gottes und Grube Vereinigtes Glückauf. Im östlichen Königsforst gab es die Bergwerke Grube Grünewald, Grube Henricus, Grube Klaproth, Grube Napoleon und Grube Victor.Herbert Stahl (Hrsg.): Das Erbe des Erzes. Band 5: Neue Nachrichten und Geschichten zum Erzrevier Bensberg. Bergisch Gladbach 2014, ISBN 978-3-00-044826-3, S. 17 ff. Die ehemalige Grube Grünewald wurde zuletzt von der Grube Lüderich dazu verwendet, um hier die Schlämme aus der Flotationsanlage abzulagern.Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer, Siegfried Raimann: Das Erbe des Erzes. Band 4: Der Lüderich. Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-932326-52-3. Schließlich gab es am Rather Weg am Beginn der Paffrather Kalkmulde in der Umgebung des Kinderdorfs Bethanien die Grube Consolidierte Catharina II.Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes. Band 3: Die Gruben in der Paffrather Kalkmulde. Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-932326-49-0.

Schutzgebiet mini|Eisvogel Große Teile des Königsforst gehören zum Vogelschutzgebiet Königsforst unter der Eintragung Natura 2000-Nr. DE-5008-401 durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Ausschlaggebend für diesen Schutz ist das Vorhandensein des Mittelspechts. Geschützt sind aber auch die Vogelarten Eisvogel, Grauspecht, Schwarzspecht, Baumfalke, Rotmilan und Wespenbussard.

Darüber hinaus ist der Königsforst im Rheinisch-Bergischen Kreis unter der Schlüssel-Nr. GL-038 mit 1572,81 Hektar und im Stadtgebiet Köln unter der Schlüssel-Nr. K-020 mit 988,63 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Außerdem wurde die Naturwaldzelle Großer SteinbergÜbersichten über die Flächen der NWR – Stand: 14. Juni 2018 als Teil des Königsforstes als Naturwaldzelle ausgewiesen.

Siehe auch Naturschutzgebiet Königsforst (Rhein-Berg) Naturschutzgebiet Königsforst (Köln) Naturwaldzelle Großer Steinberg Liste der Naturschutzgebiete im Rheinisch-Bergischen Kreis Liste der Naturschutzgebiete in Köln

Naherholungsziel für die Bevölkerung Der Königsforst ist ein beliebtes Naherholungsziel. Er wird von der Bevölkerung besonders an den Wochenenden gerne zum Wandern, Laufen, Reiten und Rad fahren angesteuert. Ein gut ausgebautes und gekennzeichnetes Wegenetz, dazu gehört auch ein Abschnitt des Jakobsweges, bietet hierzu vielfältige Möglichkeiten.

Wer keine Wanderkarte besitzt, kann sich auf einer Erläuterungstafel beim Wanderparkplatz in der Nähe der BASt orientieren. Von hier aus sind zwei Rundwanderwege mit 75 Minuten bzw. zwei Stunden Dauer markiert.

mini|Ehemaliger Bahnhof Porz-Königsforst Einst gab es an der Aggertalbahn einen Bahnhof Porz-Königsforst. Hier stiegen die Erholung suchenden Ausflügler aus und ein. Anfang der 1980er Jahre wurde der Bahnhof aufgegeben. Das 1890 erbaute Bahnhofsgebäude wurde zum Ausflugslokal Waldhaus Königsforst umgebaut. Seit 2006 heißt das Restaurant Asado.

Waldlehrpfad Wer den Wald mit der Straßenbahnlinie 9 über den Kölner Stadtteil Rath/Heumar ansteuert, hat Gelegenheit, einem Waldlehrpfad zu folgen, der am nahe gelegenen Forsthaus Rath beginnt und etwa eine Stunde in Anspruch nimmt. Auf dem vier Kilometer langen Rundweg erhält der interessierte Wanderer einen guten Einblick in die Vielfältigkeit des Waldes. 31 Schrifttafeln am Wegesrand erläutern den artenreichen Baumbestand.

mini|Waldlehrpfad – Lageplan

+ Stationen des Waldlehrpfades Baumart Nr. lat. Bezeichnung Kiefer 01 Pinus sylvestris Stieleiche 02 Quercus robur Hainbuche 03 Carpinus betulus Blitzeiche 04 Fichte 05 Picea abies Winter-Linde 06 Tilia cordata Vogel-Kirsche 07 Prunus avium Salweide 08 Salix caprea Roter Holunder 09 Sambucus racemosa Dickung 10 Sitkafichte 11 Picea sitchensis Hemlockstanne 12 Tsuga heterophylla Roteiche 13 Quercus rubra Esche 14 Fraxinus excelsior Douglasie 15 Pseudotsuga taxifolia Baumart Nr. lat. Bezeichnung Eibe 16 Taxus baccata Europäische Stechpalme 17 Ilex aquifolium Riesenlebensbaum 18 Thuja plicata Bergahorn 19 Acer pseudoplatanus Sandbirke 20 Betula verrucosa Roterle 21 Alnus glutinosa Feldulme 22 Ulmus carpinifolia Japanische Lärche 23 Larix letolepis Weymouths-Kiefer 24 Pinus strobus Gewöhnliche Traubenkirsche 25 Prunus padus Gewöhnliche Robinie 26 Robinia pseudoacacia Rosskastanie 27 Aesculus hippocastanum Korsische Kiefer 28 Pinus nigra corsicana Europäische Lärche 29 Larix decidua Gemeine Hasel 30 Corylus avellana Wildes Geissblatt 31 Lonicera periclymenum

Bodenlehrpfad An sechs Stationen erklären Schautafeln die jeweils durch Grabung offengelegten Bodenprofile.

Station Bodentyp Geologie Wasserverhältnisse 1 Gley-Braunerde Flugsand (Pleistozän) Grundwassereinfluss in 80 bis 130 cm Tiefe 2 Pseudogley sandig-lehmige Fließerde (Pleistozän) über Ton (Tertiär) starke Staunässe 3 Braunerde-Pseudogley Fließerde aus Verwitterungslehm (Pleistozän) über älterer Fließerde aus Sandsteinschutt (Pleistozän) über Sandstein (Unterdevon) Staunässe in 10 bis 45 cm Tiefe 4 Pseudogley-Braunerde, schwach podsolig sandige Fließerde (Pleistozän) über sandig-kiesiger Hauptterrasse (Pleistozän) über Ton (Tertiär) Staunässe in 50 bis 70 cm Tiefe 5 Braunerde-Podsol sandig-kiesige Fließerde (Pleistozän) über kiesigem Sand, Feinsand und Ton (Tertiär) abgesehen von schwachem Staunässeeinfluss im unteren Profilteil (im Winter) ist der Boden stauwasserfrei 6 Niedermoor Niedermoortorf (Holozän) über lehmig-sandigen Bachablagerungen (Holozän) und Fließerde (Pleistozän) Grundwasser reicht bis zur Geländeoberfläche