alternativtext=Denis Scheck im Anzug mit Krawatte gekleidet vor einer Bücherwand auf der Frankfurter Buchmesse 2022|mini|Denis Scheck, Frankfurter Buchmesse (2022) mini|Denis Scheck während einer Lesung (2020) Denis Scheck (* 15. Dezember 1964 in Stuttgart) ist ein deutscher Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist in Hörfunk und Fernsehen.

Leben Jugend und Ausbildung Denis Scheck wurde am 15. Dezember 1964 in Stuttgart als Sohn eines Poliers und einer Sekretärin geboren. Da die Eltern mit dem achtjährigen Jungen in das abgelegene Dorf Bretzenacker in der Nähe Stuttgarts zogen, sei er infolge mangelnder geistiger Anregung auf dem Land – nach eigener Aussage – aus reiner Langeweile zum Lesen gekommen. Er gründete bereits mit 13 Jahren eine Literaturzeitschrift namens Newlands.Kerstin Decker: Der Müllwerker. Porträt über Denis Scheck. In: Tagesspiegel. 18. März 2012.

Scheck besuchte das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart-Bad Cannstatt.

Scheck studierte Germanistik, Zeitgeschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten Tübingen und Düsseldorf sowie an der University of Texas in Dallas und wurde vom dortigen Center for Translation Studies mit einer Arbeit über Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas und E. L. Doctorows Ragtime zum Master of Arts graduiert.

Werk Denis Scheck arbeitet als Literaturagent, Übersetzer US-amerikanischer und britischer Autoren, Herausgeber und Literaturkritiker. Von 1997 bis 2016 Deutschlandfunk-PM vom 14. Juli 2016. war er Literaturredakteur beim Deutschlandfunk, wo er regelmäßig die Sendung Büchermarkt moderierte und jeweils freitags die Bestsellerliste des Spiegel kommentierte. Scheck kündigte die Stelle, um ab September 2016 die Moderation des Kulturmagazins Kunscht! sowie der Literatursendung lesenswert im Fernsehprogramm des Südwestrundfunks zu übernehmen. Im Juni 2024 wurde bekannt, dass lesenswert vom SWR zum Ende des Jahres eingestellt werde, weil im Zuge von Sparmaßnahmen in den ARD-Sendern Mittel in Angebote umgeschichtet werden sollen, die sich eher an jüngere Zuschauer wenden. Den Fernsehzuschauern ist er vor allem als Moderator des Büchermagazins Druckfrisch bekannt, das seit dem 9. Februar 2003 monatlich im Ersten ausgestrahlt wird. Porträt auf der Website des Goethe-Instituts, abgerufen am 1. November 2010.

2000 wurde Scheck mit dem Kritikerpreis des Deutschen Anglistentages ausgezeichnet. Von 2000 bis 2002 gehörte er der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt an. 2004 übernahm er für zwei Semester eine Gastprofessur für Literaturkritik an der Universität Göttingen.Denis Scheck übernimmt Gastprofessur für Literaturkritik in Göttingen Presseinformation vom 23. Januar 2004.

2007 erhielt Scheck die Übersetzerbarke vom Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ) „für sein anhaltendes, nicht nur von Sachkenntnis getragenes, sondern auch mit Witz und Charme vorgetragenes Engagement für die Belange der Literaturübersetzer, insbesondere in deren langjähriger Auseinandersetzung mit den Verlagen um eine angemessene Vergütung ihrer Arbeit.“

Die deutsche Übersetzerin Erika Fuchs verwendete Schecks Namen in einem Donald-Duck-Comic, in dem es eine Spielwarenhandlung Scheck gibt, die Donald Duck mit dem Satz betritt: „Mal sehen, was der gute Scheck wieder auf Lager hat.“Literaturkritiker Denis Scheck – „Kein Sex in Entenhausen!“, Interview mit Sarah Maria Deckert, Cicero, abgerufen am 14. Januar 2020

Scheck ist dem Europäischen Übersetzer-Kollegium des Landes NRW, EÜK, verbunden; er moderiert dort häufig, so zum Beispiel die Straelener Atriums-Gespräche.Scheck in der Suchmaske des EÜK

Regelmäßig empfiehlt Scheck die Schriften des US-Erfolgsautors T. C. Boyle und zeigt diese in Druckfrisch.

Von 2014 bis 2016 war Scheck einer von drei Juroren beim Bayerischen Buchpreis.

Schecks Kanon

Seit 2019 veröffentlicht Scheck unter dem Titel Schecks Kanon einen Kanon von 100 wichtigen Werken der Weltliteratur. Die Sammlung beruht auf einer Kolumne in der Welt und Radiosendungen (SWR, WDR).Denis Schecks Kanon der Weltliteratur Sie enthält kein Werk von Friedrich Schiller, aber z. B. Carl Barks’ Donald Duck (Die Wette), Khalil Gibran (Werke), Arno Schmidt (Zettel’s Traum), Hergé (Tim und Struppi), Inger Christensen, Dorothy L. Sayers (Mord braucht Reklame), Agatha Christie (Der Tod auf dem Nil), Charles M. Schulz (Die Peanuts), Selma Lagerlöf (Nils Holgerson), Clarice Lispector, Herta Müller (Atemschaukel), Ngũgĩ wa Thiong’o (Herr der Krähen), James Tiptree junior (Liebe ist der Plan, der Plan ist Tod), Ursula K. LeGuin (Planet der Habenichtse), J. R. R. Tolkien (Der Herr der Ringe), Astrid Lindgren (Karlsson vom Dach), Joanne K. Rowling (Harry Potter), Hypatia, von der zwar keine Schrift erhalten ist, die er aber als Symbol für verfolgte Autoren nimmt, deren Werke nicht überdauerten. Auf seiner Liste ist nur ein Sachbuch, Darwins Über die Entstehung der Arten.

Schecks Anti-Kanon

Seit Juni 2021 strahlt der SWR jeweils kurze Episoden der Sendung Schecks Anti-Kanon aus, in denen Scheck die in seinen Augen schlechtesten Bücher der Weltgeschichte vorstellt. Im Juli 2021 wurde die Sendung dafür kritisiert, dass sie die Erzählung Kassandra von Christa Wolf und Mein Kampf von Adolf Hitler auf eine Stufe stelle. Außerdem sei durch eine Animation, bei der das jeweilige Buch von einem Blitz getroffen wird, eine Assoziation zu Bücherverbrennungen geweckt worden. Der SWR entfernte die Hitler-Episode daraufhin und kündigte an, die Animation zu ändern.

Privates mini|Autogramm (2019) Denis Scheck ist seit 2014 mit der Journalistin Christina Schenk (* 1980) verheiratet, mit der er eine Sammlung von Aphorismen von Oscar Wilde herausgegeben hat.Christina Schenk. Kurzbiographie der Journalistin und Verlagswirtin Christina Schenk auf www.suhrkamp.de Mit Schenk verfasste Scheck zudem das Sachbuch Der undogmatische Hund über die Kulturgeschichte des Hundes anhand des eigenen Jack Russell Terriers. Denis Scheck bezeichnet sich selbst als begeisterten Jäger.SWR-Sendung: Der mit dem Wald spricht – Unterwegs mit Peter Wohlleben; Folge: Durch den Schönbuch mit Adele Neuhauser und Denis Scheck, gesendet am 6. Dezember 2020.

Kontroversen Nach seinem Verriss des Romans Ein alter Traum von Liebe von Nuala O’Faolain, der wenige Tage zuvor von Elke Heidenreich hochgelobt worden war, bezeichnete Heidenreich Scheck in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2003 als „hysterisches Rolltreppendickerchen“ und „Tchibo-Literatur-Vertreter“. Heidenreich hatte Schecks abschließenden Kommentar, das Buch sei das Richtige für „eine alte Schachtel“, auf sich bezogen. Scheck bestritt, dass er Heidenreich gemeint habe, sagte aber auch: „Ich sehe sie […] nicht als Kollegin, weil sie eben keine Literaturkritikerin ist. Bei ihr ist Literatur ein Mittel gegen seelische Blessuren. Für mich ist Literatur nicht dazu da, um uns über unsere Seelenwehwehchen hinwegzutrösten.“Lesen und lesen lassen. auf: taz.de, 2. April 2004. In der Ausgabe der Sendung Druckfrisch von 12. Dezember 2021 verriss Scheck das Sachbuch Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben von Elke Heidenreich mit den polemischen Worten: „Elke Heidenreich muss niemandem mehr beweisen, wie klug sie ist. In ihrem neuen Buch verzichtet sie deshalb auch ganz darauf.“Druckfrisch. TV-Literatursendung, 12. Dezember 2021, 30 Min. Moderation: Denis Scheck. Eine Produktion von MDR Fernsehen

Scheck kritisierte die Entscheidung der Verlage Oetinger und Thienemann, das Wort „Neger“ aus bestimmten Kinderbüchern von Otfried Preußler und Astrid Lindgren zu streichen, und sprach von einem „feigen vorauseilenden Gehorsam vor den Tollheiten einer auf die Kunst übergriffigen politischen Korrektheit“.Mit schwarzem Gesicht für den „Neger“. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Januar 2013. Um seine Meinung kundzutun, trat er in seiner Sendung im Januar 2013 mit Blackface im Stile einer Minstrel Show auf – mit schwarzgeschminktem Gesicht, roten Lippen und weißen Glacéhandschuhen.Debatte um schwarz geschminkten Denis Scheck. In: Der Tagesspiegel. 30. Januar 2013. Es folgte eine Debatte, bei der Scheck Rassismus oder zumindest ein verletzender Rückgriff auf rassistische Traditionen vorgeworfen wurde.Rassismus-Debatte: Die Maske des Denis Scheck. In: Spiegel Online. 31. Januar 2013.

Als Gast bei Maischberger bezeichnete Scheck das Ziel der Berliner Linken, den Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände umsetzen zu wollen, Ende September 2026 als „Rattenfängerei“. SPD und Grünen riet er mit der Redewendung „Wer sich mit Hunden zu Bett legt, der braucht sich nicht wundern, wenn er morgens mit Flöhen aufwacht.“ von einer möglichen Koalition ab. Auf den Protest und Vorwurf der Dehumanisierung Jan van Akens korrigierte sich Scheck mit den Worten: „Es tut mir leid. Ich hätte die Linke niemals mit einem Hund vergleichen dürfen, sondern gleich von einem Floh reden müssen“.

Auszeichnungen mini|hochkant|Denis Scheck (2010) 2000: Kritikerpreis des Deutschen Anglistentages. 2007: Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, Übersetzerbarke. 2011: Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie Besondere Leistung, gemeinsam mit Andreas Ammer. 2012: Sonderpreis des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für seine Sendung Druckfrisch in der ARD. Verleihung am 10. Oktober 2012 in Hamburg.Literaturkritiker Denis Scheck erhält Sonderpreis für Druckfrisch. Abgerufen am 25. Februar 2013. 2013: Bayerischer Fernsehpreis für seine Sendung Druckfrisch in der ARD. Verleihung am 17. Mai 2013 in München. abgerufen auf daserste.de am 3. Juli 2014. 2014: Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik. (PDF) 2015: Champagne-Preis für Lebensfreude im Hotel Louis C. Jacob, Hamburg-Nienstedten. Laudator Autor Frank Schätzing. 2015: Julius-Campe-Preis. 2025: Saumagen-Orden; erster Preisträger des neu ins Leben gerufenen Friedrich-Perthes-Preises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Werke Schriften „We all Coalhouse“: a comparative approach towards an interpretation of Heinrich von Kleist's Michael Kohlhaas. 1993, (M.A. University of Texas at Dallas 1993).Heinrich von Kleist; E L Doctorow; King Kong, Spock & Drella: Was Sie schon immer über amerikanische Popkultur wissen wollten. Droemer Knaur 1995. Kurt Vonnegut. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-422-07239-8. mit Eva Gritzmann: Solons Vermächtnis. Vom richtigen Zeitpunkt im Leben. Berlin Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8270-7840-7.

Literatur-Sachbücher Schecks Kanon: Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur – Von Krieg und Frieden bis Tim und Struppi. Piper, München 2019, ISBN 978-3-49205-934-3. Schecks Bestsellerbibel. Schätze und Schund aus 20 Jahren. Piper, München 2024, ISBN 978-3-49207-294-6.

Belletristik mit Eva Gritzmann: Sie & Er, der kleine Unterschied beim Essen und Trinken. Bloomsbury Berlin, London u. a. 2011, ISBN 978-3-8270-0888-6. Der undogmatische Hund. Eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau, einem Mann und einem Jack Russell Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-46204-951-0. Schecks kulinarischer Kompass. Köstliches und Kurioses aus meiner Küche und aller Welt. Piper, München 2022, ISBN 978-3-49260-206-8. mit Eva Gritzmann: Leibspeisen. Eine kulinarische Biografie Deutschlands. Insel Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-458-64625-9.

Herausgeberschaften mit Uwe Luserke: Zwischenfall in Luna City, seltsame Geschichten aus dem Jahre X. Franckh, Stuttgart 1983, ISBN 3-440-05196-X. Hell's kitchen: Streifzüge durch die US-Literatur. Maro, Augsburg 1994, ISBN 3-87512-214-3. mit Sabine Küchler: Vom schwierigen Vergnügen der Poesie. Straelen 1997. mit Hubert Winkels: Mutmassungen über die Poesie. Lesungen und ein Gespräch mit Hans Magnus Enzensberger und Raoul Schrott (Buch und 2 CDs). Eichborn, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-8218-5109-0.