Die Wasser- und Wiesennymphe ist eine Skulptur von Johann Heinrich Dannecker, die erstmals 1810–1815 von Friedrich Distelbarth unter Danneckers Aufsicht ausgeführt wurde. Sie wird oft auch als Nymphengruppe oder Danneckersche Nymphengruppe bezeichnet, in der älteren Literatur auch als Wiesennymphe, die Wassernymphe aus Dankbarkeit bekränzend.
Beschreibung Werktitel Wasser- und Wiesennymphe Künstler Johann Heinrich Dannecker Art Skulptur Motiv Die Wiesennymphe bekränzt aus Dankbarkeit die Wassernymphe. Material unterschiedlich Maße unterschiedlich Entstehungsjahr erstes Modell: 1808, erste Kopie: 1810–1815 Standort Modelle: Stuttgart, Kopien: Stuttgart und Tübingen mini|hochkant=0.7|Die Vasenöffnung (Pfeil) kennzeichnet die Vorderansicht mini|hochkant=0.7|Wassernymphe mini|hochkant=0.7|Wiesennymphe
Die Angaben links und rechts beziehen sich auf die Vorderansicht (siehe Abbildung rechts), bei Körperteilen gelten sie aus Sicht der Figur.
Der Kunstwissenschaftler Christian von Holst charakterisiert in seinem Dannecker-Katalog Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer 1987 Danneckers Nymphengruppe:
Das jugendliche Paar der beiden Nymphen ruht in halb sitzender, halb liegender Pose seitlich auf einer niedrigen, lehnenlosen Liege, die Körper einander zugeneigt und die Beine zur Seite gestreckt.
Die fast vollständig verhüllte Wassernymphe hält ihren Oberkörper aufrecht und wendet sich frontal dem Betrachter zu, mit geschwungener Hüfte und leicht angewinkelten, ausgestreckten Beinen. Mit dem linken Ellenbogen stützt sie sich auf eine große, dicke Bauchvase (Amphore) und berührt dabei fast den Ellenbogen der Schwester, mit der Hand umfängt sie eine Leier. Der ausgestreckte rechte Arm ruht mit der Hand lässig auf einer schlanken, hohen Vase (Kanne).
Die nur spärlich bekleidete Wiesennymphe kehrt dem Betrachter den Rücken zu. Sie lagert mit leicht angezogenen, übereinander liegenden Beinen seitlich auf der Liege, die linke Hüfte an die Amphore gelehnt und den gebeugten linken Arm darauf abgestützt. In einem dynamischen, diagonalen Schwung strebt ihr Körper zu ihrer Schwester hin. Sie streckt den rechten Arm vor und krönt das Haupt der Schwester mit einem Blütenkranz zum Zeichen der Dankbarkeit für das lebenspendende Nass, das die Wassernymphe über die Wiesen der Schwester ergießt.
Modelle und Kopien Die Modelle sind von M1 bis M5 und die Kopien von K1 bis K6 durchnummeriert.
Dannecker hat mindestens fünf Modelle der Nymphengruppe angefertigt oder anfertigen lassen. Sein erster Entwurf für die Nymphengruppe war eine kleine Skizze in gebranntem Ton aus dem Jahr 1808 (M1), die vermutlich im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.Christian von Holst vermutet die Existenz eines weiteren, wohl verlorenen Modells: Von dem etwas größeren, bereits ausgearbeiteten Modell M2 blieb ein Gipsabguss erhalten. Von dem wahrscheinlich lebensgroßen Modell M3 ist nur der Gipsabguss eines Nymphenkopfs überliefert, der Spuren der Punktierung zur Übertragung in Marmor aufweist.
Die beiden übrigen Modelle M4 und M5 wurden zur Anfertigung von Kopien verwendet. Die erste, doppelt lebensgroße Ausführung der Figurengruppe (K1) schuf Friedrich Distelbarth nach dem lebensgroßen Gipsmodell M4 in Sandstein unter Danneckers Aufsicht. Diese Version kann daher als von ihm autorisiert gelten und man kann davon ausgehen, dass die Veränderungen gegenüber dem zugrundeliegenden Modell M4 von ihm gewollt waren.
Nach der „Originalkopie“ K1 sind weitere Kopien entstanden: die Marmorkopie K2 (1922–1926) von Adolf Fremd und Kurt Fanghänel, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, die Marmorkopie K5 von Doris Schmauder (1982) und der Kunststeinguss K6 von Hans Volker Dursy (1986). Kurt Fanghänel schuf von dem Modell M4 außerdem eine 1:1-Kopie in Kunststein (K3). Von dem verlorengegangenen, dreiviertel lebensgroßen Gipsmodell M5 blieb eine Zinkgusskopie (K4) erhalten.
Modelle Modell Bild Beschreibung M1 zentriert|x100px Tonmodell Literatur Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer. Stuttgart 1987, Nr. 118a (Skizze Klinckerfuß) Jahr 1808 Beschreibung Gebranntes Tonmodell, bezeichnet auf dem Podest hinten rechts „Dannecker / 1808“ Provenienz wohl in den 1930er Jahren in den Besitz des Stuttgarter Stadtarchivs gelangt, im Zweiten Weltkrieg vermutlich zerstört Größe vermutlich 2/3 der Größe von Modell M2 Ort ehemals Stuttgart, Stadtarchiv, Inventarnummer S 441; im Krieg vermutlich zerstört M2 Modellabguss Literatur Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer. Stuttgart 1987, Nr. 118b („Modell“ Stadtarchiv), Werner Fleischhauer: Die Hohe Carlsschule. Stuttgart 1959, S. 187 Nr. 530 Jahr um 1808–1810 Beschreibung Gipsabguss nach einem verlorenen, ausgearbeiteten Tonmodell Provenienz 1956 von Adolf Spemann dem Stuttgarter Stadtarchiv geschenkt Größe 34 × 66 × 13,5 cm Ort Stuttgart, Stadtarchiv, Inventarnummer S 1465 M3 zentriert|x100px Modellfragment Literatur Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer. Stuttgart 1987, Nr. 118c (Fragment Stadtarchiv) Jahr unbekannt Beschreibung Gipsabguss des Kopfs der Wassernymphe, punktiert zur Übertragung in Marmor, aus Bruchstücken zusammengesetzt und zum Teil ergänzt Provenienz unbekannt Größe 26 cm hoch Ort Stuttgart, Stadtarchiv M4 zentriert|x100px Lebensgroßes Modell Literatur Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer. Stuttgart 1987, Nr. 118d (lebensgroße Gruppe Staatsgalerie) Jahr 1808–1810 Beschreibung Gipsmodell, im Zweiten Weltkrieg beschädigt, an der Oberfläche sehr mitgenommen Provenienz 1858 von König Wilhelm I. der Staatsgalerie Stuttgart geschenkt Größe 121 × 251 × 51 cm (Lebensgröße) Ort Stuttgart, Staatsgalerie, Inventarnummer P 707 Kopien K1, K2, K3, K5, K6 M5 Dreiviertel lebensgroßes Modell Literatur Helmut Hornbogen: Danneckers Nymphengruppe. Über die bewegte Vergangenheit und vielfältige Gegenwart zweier leichtbekleideter Frauen. Tübingen 1991, S. 36 Jahr unbekannt Beschreibung Gipsmodell Provenienz ursprünglich im Besitz von Herzogin Wera, die es dem Bildhauer Adolf Fremd schenkte, wahrscheinlich verloren, als Referenz kann die in Lebensgröße realisierte Kopie K4 dienen Größe ca. 91 × 188 × 38 cm (dreiviertel Lebensgröße) Ort Verbleib unbekannt Kopien K4
Kopien Kopie Bild Beschreibung K1 zentriert|x100px Künstler Friedrich Distelbarth Literatur Christian von Holst: Johann Heinrich Dannecker. Der Bildhauer. Stuttgart 1987, Nr. 118e (Ausführung Distelbarth) Jahr 1810–1815 Modell M4 Beschreibung Ausführung in doppelter Größe nach dem Modell M4 in Keupersandstein unter Aufsicht von Dannecker. Provenienz Aufstellung ursprünglich in Stuttgart zwischen dem Nordflügel des Neuen Schlosses und dem Oberen Anlagensee oder Theatersee (heute Eckensee), ab 1839 direkt am Oberen Anlagensee, ab 1926 am Anlagensee in Tübingen, 1985–1986 restauriert von dem Restaurator Hans Volker Dursy in Ladenburg, seit 1991 in der Tübinger Kunsthalle Größe ca. 242 × 502 × 102 cm (doppelte Lebensgröße) Ort Tübingen, Kunsthalle, Literaturcafé K2 zentriert|x170px Künstler Adolf Fremd und Kurt Fanghänel Literatur Helmut Hornbogen: Danneckers Nymphengruppe. Über die bewegte Vergangenheit und vielfältige Gegenwart zweier leichtbekleideter Frauen. Tübingen 1991, S. 30–34; Manfred Schmid: Städtisches Lapidarium. Museumsführer., S. 62, Nr. 91; Gustav Wais: Stuttgarts Kunst- und Kulturdenkmale. S. 78–79 (Nymphengruppe), 117 Nr. 127 Jahr 1922–1926 Modell M4 Beschreibung Kopie in Carrara-Marmor nach dem Modell M4 oder nach der Ausführung K1 von Friedrich Distelbarth. Provenienz Aufstellung 1926 in Stuttgart am Oberen Anlagensee (heute Eckensee) als Ersatz für Distelbarths Sandsteinkopie K1, 1944 durch Bomben zerstört, der Torso der Wiesennymphe und der Kopf der Wassernymphe blieben erhalten Größe ca. 242 × 502 × 102 cm (doppelte Lebensgröße); Torso (Zirkamaße): 100 × 190 × 90 cm Ort Torso der Wiesennymphe: Stuttgart, Städtisches LapidariumKopf der Wassernymphe: Stuttgart, Stadtarchiv K3 zentriert|x100px Künstler Kurt Fanghänel Literatur Helmut Hornbogen: Danneckers Nymphengruppe. Über die bewegte Vergangenheit und vielfältige Gegenwart zweier leichtbekleideter Frauen. Tübingen 1991, S. 32; Gustav Wais: Stuttgarts Kunst- und Kulturdenkmale. S. 117 Nr. 127 Jahr um 1926 Modell M4 Beschreibung Kunststeinkopie in Lebensgröße nach dem Modell M4. Provenienz Aufstellung um 1926 in Stuttgart im Freigelände des Mineralbads Berg Größe 121 × 251 × 51 cm (Lebensgröße) Ort Stuttgart, Mineralbad Berg, FreigeländeKoordinaten K4 zentriert|x100px Künstler NN Literatur Helmut Hornbogen: Danneckers Nymphengruppe. Über die bewegte Vergangenheit und vielfältige Gegenwart zweier leichtbekleideter Frauen. Tübingen 1991, S. 32; Gustav Wais: Stuttgarts Kunst- und Kulturdenkmale. S. 117 Nr. 127 Jahr um 1933 Modell M5 Beschreibung Zinkgusskopie in dreiviertel Lebensgröße nach dem Modell M5. Provenienz Ursprünglicher Aufstellungsort unbekannt. Größe 121 × 251 × 51 cm (Lebensgröße) Ort Stuttgart, Städtisches Lapidarium K5 zentriert|x100px Künstler Doris Schmauder Literatur Helmut Hornbogen: Danneckers Nymphengruppe. Über die bewegte Vergangenheit und vielfältige Gegenwart zweier leichtbekleideter Frauen. Tübingen 1991, S. 38–43 Jahr 1982 Modell K1 Beschreibung Kopie in Carrara-Marmor nach der Ausführung K1 von Friedrich Distelbarth Größe ca. 242 × 502 × 102 cm (doppelte Lebensgröße) Ort Stuttgart, Schloss Rosenstein, am Bassin vor dem HaupteingangKoordinaten K6 zentriert|x100px Künstler Hans Volker Dursy Literatur Helmut Hornbogen: Danneckers Nymphengruppe. Über die bewegte Vergangenheit und vielfältige Gegenwart zweier leichtbekleideter Frauen. Tübingen 1991, S. 46–49 Jahr 1986 Modell K1 Beschreibung Steingusskopie in doppelter Lebensgröße nach der Ausführung K1 von Friedrich Distelbarth, ausgeführt von dem Restaurator Hans Volker Dursy in Ladenburg. Größe ca. 242 × 502 × 102 cm (doppelte Lebensgröße) Ort Tübingen, AnlagenseeKoordinaten
Geschichte Die erste Kopie der Danneckerschen Nymphengruppe war die monumentale Ausführung Distelbarths (K1), die zwischen 1810 und 1815 fertiggestellt wurde. Sie wurde in Stuttgart beim Gartenflügel (Nordflügel) des Neuen Schlosses auf einem hohen Podest aufgestellt, am Anfang eines Kanals, der in den Oberen AnlagenseeDer See wurde im Volksmund „Epaulett-See“ genannt, weil sein Grundriss den Schulterstücken (Epauletten) von Militäruniformen glich. Nach der Errichtung des Hoftheaters (heute das Große Haus des Stuttgarter Staatstheaters) 1909–1912 wurde der See auch Theatersee genannt. Wegen seiner heutigen Winkelform wird der See nunmehr als Eckensee bezeichnet. einmündete. 1839 wurde der Kanal zugeschüttet und die Gruppe direkt an den See herangerückt, so dass die Vorderansicht nur noch aus der Entfernung vom gegenüberliegenden Seeufer betrachtet werden konnte. 1926 wurde die Sandsteinkopie durch die Marmorkopie K2 von Adolf Fremd und Kurt Fanghänel ersetzt. Sie wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört, jedoch konnte der Torso der Wiesennymphe und der Kopf der Wassernymphe gerettet werden. 1982 schuf Doris Schmauder als Ersatz die Marmorkopie K5, die am Bassin vor dem Haupteingang von Schloss Rosenstein aufgestellt wurde.
Die distelbarthsche Kopie wurde 1926 nach Tübingen an den Anlagensee versetzt, 1985–1986 generalüberholt und 1991 im Literaturcafé der Tübinger Kunsthalle so wieder aufgestellt, dass nur die Vorderseite sichtbar ist (Ausschnitte der Rückseite kann man in dem Spiegel dahinter sehen). Am Tübinger Anlagensee wurde als Ersatz für das Original die Steingusskopie K6 von Hans Volker Dursy installiert. Man kann die Vorderseite der Gruppe nur vom weit entfernten gegenüberliegenden Ufer des Sees aus frontal betrachten.
1926 wurde auf dem Freigelände des Stuttgarter Mineralbads Berg die lebensgroße Kunststeinkopie K3 von Kurt Fanghänel aufgestellt (Rückseite verdeckt), und um 1933 die dreiviertel lebensgroße Zinkgusskopie K4 im Städtischen Lapidarium.
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