mini|Etruskische Fibel aus der Grabstätte Tomba Regolini-Galassi, 675-650 v. Chr.
Tanaquil (lateinisch; etruskisch ; ; * um 600 v. Chr.) war der Legende nach die Frau des Lucius Tarquinius Priscus, des fünften römischen Königs, der ursprünglich Lucumo hieß und aus der etruskischen Stadt Tarquinii stammte. Titus Livius beschreibt sie als politische Figur, die in entscheidenden Augenblicken wegweisend intervenieren konnte.
Legende Wie Livius erzählt, stammte Tanaquil aus einer vornehmen Familie von Tarquinii und war mit der Gabe der Weissagung ausgestattet. Sie überredete ihren Mann, in die noch junge Stadt Rom auszuwandern, da ihm, obwohl sehr reich, als Sohn eines Ausländers, des Demaratos aus Korinth, in seiner Heimatstadt der Zugang zu Ämtern und Würden verwehrt war.
Lucumo nannte sich fortan Lucius Tarquinius Priscus und brachte es schließlich zum König der Stadt, indem er die Söhne seines Amtsvorgängers Ancus Marcius, deren Vormund er war, überging.Liv. 1,35,2. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 1987.
Während der Regierungszeit ihres Gemahls trat Tanaquil erneut in Erscheinung, als sie dem König das Feuer am Kopf eines schlafenden Sklavenjungen erklärte, der später der nächste König, Servius Tullius, sein sollte.Liv. 1,39,3. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 1987.
Wieder überzeugte sie ihren Ehemann und sie nahmen den Jungen bei sich auf, als wäre er ihr eigener Sohn.
Lucius Tarquinius Priscus wurde nach 38 Regierungsjahren im Auftrag der beiden Söhne von Ancus Marcius von zwei Bauern mit der Axt erschlagen.Liv. 1,40. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 1987. Nach der Ermordung ihres Gemahls sprach Tanquil zum inzwischen erwachsenen Servius Tullius:Liv. 1,41,3. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 1987.
Die kluge Königin Tanaquil verheimlichte den Tod ihres Mannes so lange, bis gegenüber den Ansprüchen der Königsmörder die Thronfolge für Servius Tullius, den Mann ihrer Tochter Tarquinia, gesichert war.Liv. 1,41. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 1987.
Überlieferung Die Erzählung wird von Livius und Dionysios von Halikarnassos überliefert.Dion. Hal. ant. 3,46. Dionysius von Halikarnaß. Urgeschichte der Römer. Gottfried Jakob Schaller, Band 1, Stuttgart 1827; Liv. 1,34. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 1987. Im Wesentlichen stimmen die beiden Geschichten überein. Es gibt nur eine Abweichung in der Beschreibung der Verwandtschaftsgrade. Während nämlich Livius mit Quintus Fabius Pictor und der Mehrzahl der römischen Annalisten Tanaquil als Mutter der beiden Tarquinier, des Aruns und des späteren römischen Königs, Lucius Tarquinius Superbus, kennt, folgt Dionysius von Halikarnassos der Angabe des Lucius Calpurnius Piso Frugi, der die Verwandtschaft um einen Grad hinausrückt und die genannten Männer aus Tanaquil's Söhnen zu ihren Enkeln macht.Dion. Hal. ant. 4,6,7. Dionysius von Halikarnaß: Urgeschichte der Römer. Gottfried Jakob Schaller, 1. Band, Stuttgart 1827. Siehe dazu das Stemma des Dionysius in Tarquinius
Plutarch führt Tanaquil viermal auf. In den römischen Fragen nennt er sie Gemahlin des Tarquinius Priscus, an anderer Stelle Gaia Caecilia als Frau eines der Tarquiniussöhne. In der Einleitung zu der Schrift über die Trefflichkeit der Frauen charakterisiert er sie als besonders listige Matrone und in der Abhandlung über Fortuna Romanorum kommt die Verbindung zwischen Tanaquil und Servius Tullius zur Sprache, dass sie kurz vor ihrem Tode ihrem Günstling den Eid abgenommen habe, dass er die königliche Herrschaft nicht niederlegen und die alte Verfassung Roms nicht ändern wolle.Die Sage von Tanaquil: Eine Untersuchung über den Orientalismus in Rom und Italien Johann Jakob Bachofen, Heidelberg 1870, S. 4. Dem gegenüber steht die Bemerkung von Livius, „[…] einige überliefern auch, er habe sich mit dem Gedanken getragen, selbst diese so milde und so besonnene Herrschaft niederzulegen, da es die eines einzelnen sei.“Liv. 1,48,9. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf/Zürich 1987, S. 129.
Literatur
Johann Jakob Bachofen: Die Sage von Tanaquil: Eine Untersuchung über den Orientalismus in Rom und Italien, Heidelberg 1870 (books.google.de). Hans Jürgen Hillen: T. Livius Römische Geschichte, Gesamtausgabe, Band 1, Düsseldorf/Zürich 1987.
Emma Southon: Tanaqil 616 BCE: The Queen. In: dies.: A history of the Roman Empire in 21 women. Oneworld Publications, London 2023, ISBN 978-0-86154-230-7, S. 25–34.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Person der römischen Mythologie Kategorie:Geboren im 7. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 6. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Frau Kategorie:Etrusker (Person)