Mannheimer Forum. Ein Panorama der Naturwissenschaften, war ein von Hoimar von Ditfurth 1972 begründetes und von ihm herausgegebenes Jahrbuch, verlegt in der Studienreihe Boehringer Mannheim. Es war eine Fortführung der seit 1964 ebenfalls von Ditfurth vierteljährlich herausgegebenen Zeitschrift n+m (Naturwissenschaft und Medizin). „Sein Motiv ist der Versuch, den von fachlicher Pflichtlektüre überlasteten Arzt den 'Blick über den Zaun' zu erleichtern, die Möglichkeit, sich über die wichtigsten und interessantesten Entwicklungen in den außerhalb seines eigenen Fachgebietes gelegenen Forschungsbereichen zu informieren.“ (v. Ditfurth, erstes Vorwort 1972)

Im Mannheimer Forum veröffentlichten "namhafte Wissenschaftler des In- und Auslandes" zu naturwissenschaftlichen, medizinischen, pädagogischen, philosophischen, historischen, archäologischen und allgemeinwissenschaftlichen Themen. Jeder Band bestand aus ca. 200 Seiten mit ca. drei bis sechs Beiträgen und vielen, oft farbigen Illustrationen und Fotografien. Die Jahrgänge 79/80, 80/81 und 81/82 sind neben Boehringer auch bei Hoffmann und Campe erschienen. Mit dem Band 88/89 kam Ernst Peter Fischer als zusätzlicher Herausgeber hinzu. Der folgende Band 89/90 erschien erstmals im Piper Verlag, es war zugleich der letzte Band mit Hoimar von Ditfurth als Mitherausgeber. Seit dem Jahrgang 92/93 erschien das Mannheimer Forum teils auch als Neue Horizonte im Piper Verlag. Das letzte Erscheinungsjahr war 1999 (das Mannheimer Forum wurde, nachdem die Pharmaziefirma Boehringer-Mannheim von Hoffmann-La Roche übernommen worden war, umgehend eingestellt, der letzte Band trägt die Nummer 98/99).

Inhalt der Jahrbücher

72 Konrad Lorenz: Wissenschaft, Ideologie und das Selbstverständnis unserer Gesellschaft. Kritische Anmerkungen zur "empty organism"-Doktrin der behavioristischen Schule. Theo Herrmann: Psychologie und der "nichtssagende Organismus". Eine Erwiderung auf den vorstehenden Aufsatz von K. Lorenz. Max Delbrück, Edward Lipson und Carol Lipson: Anfänge der Wahrnehmung. Untersuchungen über den Mechanismus der Wandlung von Sinnessignalen bei Phycomyces. Maarten Schmidt: Das Rätsel der Quasare. Ein zusammenfassender Bericht über diese kosmischen Objekte, die bisher allen Erklärungsversuchen getrotzt haben. James Mellaart: Älter als Babylon. Die Geschichte der Entdeckung und Ausgrabung von Catal Hüyük, einer Stadt aus der Steinzeit. Bernhard Hassenstein: Verhaltensbiologische Aspekte der frühkindlichen Entwicklung und ihre sozialpolitischen Konsequenzen. Neuere Erkenntnisse der Verhaltensforschung lassen manche unserer pädagogischen und juristischen Normen als fragwürdig erscheinen.

73/74 Günther Osche: Das "Wesen" der biologischen Evolution. Grundprinzipien, Wege und Möglichkeiten der stammesgeschichtlichen Entwicklung. Manfred Eigen und Ruthild Winkler: Ludus vitalis. Die theoretische Analyse zeigt, dass Entstehung und Ablauf des "Evolutionsspiels" weder allein dem Zufall noch ausschließlich gesetzmäßiger Notwendigkeit unterworfen sind. Die Schöpfung scheint einen dritten Weg gegangen zu sein. Georges Ungar: Der molekulare Code des Gedächtnisses. Die Untersuchung von Hirnextrakten, mit denen sich bestimmte Erfahrungen von einem Versuchstier auf ein anderes übertragen lassen, legt den Gedanken nahe, dass das Gehirn Informationen nach einem Prinzip speichert, das dem des genetischen Codes analog ist. Alfred Rust: Handwerkliches Können und Lebensweise der Steinzeitmenschen. Die vergleichende Auswertung der Artefakte ermöglicht eine erstaunlich detaillierte Rekonstruktion der Lebensumstände und der Entwicklung unserer prähistorischen Urahnen.

74/75 Hans Jürgen Eysenck: Psychoanalyse – Wissenschaft oder Ideologie?. Eine mit engagierter Polemik vorgetragene Attacke gegen die Wissenschaftlichkeit der Lehre Sigmund Freuds. Alexander Mitscherlich und Lutz Rosenkötter: Hans Jürgen Eysenck oder die Fiktion der reinen Wissenschaft. Zwei namhafte Psychoanalytiker antworten auf die im vorhergehenden Aufsatz vorgetragene Polemik. Earl Frieden: Zur biochemischen Evolution "essentieller" Elemente. Biochemische Überlegungen liefern heute Erklärungen für die Gründe, aus denen im Verlauf der Evolution nur ganz bestimmte Elemente zum Aufbau biologischer Strukturen und insbesondere zur Entwicklung der heutigen Enzymsysteme verwendet worden sind. David M. Gates: Der Energiefluß in der Biosphäre. Neue Daten erlauben es, den Weg der von der Sonne kommenden Energie bis zum Endverbraucher Mensch am Ende der Nahrungskette zu verfolgen und die Grenzen für die biologische Produktivität der Erdoberfläche quantitativ abzuschätzen. Franz Georg Maier: Methoden der Archäologie. Die moderne archäologische Forschung bedient sich bei der Aufspürung, Sicherung und Auswertung der Relikte untergegangener Kulturen einer großen Zahl den unterschiedlichsten Disziplinen entliehener Hilfsmittel, deren optimaler Einsatz eine sorgfältig geplante Strategie voraussetzt.

75/76 Karl R. Popper: Von den Quellen unseres Wissens und unserer Unwissenheit. Läßt sich "Wahrheit" erkennen? Können wir wissen, ob unser Wissen "wahr" ist? Welche Wege führen zu "wahrer" Erkenntnis? Peter Sitte: Zelluläres und Molekulares: Biologie der Minimal-Organismen. Biochemische und elektronenoptische Befunde eröffnen neue Einblicke in den Feinbau der Zellorganelle und damit in den Zusammenhang von Struktur und Funktion. Kenneth J. Hsü: Als das Mittelmeer eine Wüste war. Bericht über eine Forschungsreise, die zu einer revolutionierenden geologischen Entdeckung führte. Wolfhard Schlosser: Sterne und Steine. Urtümliche Formen der Astronomie und Zeitbestimmung von der Steinzeit bis heute.

76/77 Feodor Lynen und Guido R. Hartmann: Zur Struktur und Wirkungsweise von Enzymen. Am Beispiel der biologischen Fettsäuresynthese wird das Prinzip der enzymatischen Wirkung und des Aufbaus von Multienzymkomplexen geschildert. Arthur Kornberg: Die DNS-Synthese – ein Angelpunkt der biologischen Revolution. Die Erkenntnisse über den Mechanismus der Übersetzung genetischer Informationen kündigen eine revolutionierende Wende der Möglichkeiten für medizinische Therapie an. Paul Bach-y-Rita: Hirnplastizität und sensorische Substitution. Bei Versuchen, ausgefallene Sinnesleistungen durch elektronische Hilfsmittel zu ersetzen, ergab sich eine erstaunliche funktionelle Anpassungsfähigkeit des Zentralnervensystems. Vassos Karageorghis: Kition – eine phönizische Hafenstadt der späten Bronzezeit. Die Ausgrabungen der zyprischen Stadt hat neben einzigartigen kulturellen Dokumenten auch Spuren der Tatsache ans Licht gebracht, daß um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer schon vor drei Jahrtausenden nicht weniger hartnäckig gerungen wurde als heute.

77/78 John C. Eccles: Hirn und Bewußtsein. Die heute vorliegenden neurohistologischen und neurophysiologischen Befunde veranlassen den Autor zur Aufstellung einer wissenschaftlichen Hypothese über den Zusammenhang von Geist und Materie. Wolfgang Wickler und Uta Seibt: Vom Egoismus der Gene. Ein revolutionierend neues Erkenntnisprinzip macht erstmals die Besonderheiten der Evolution sozialer Verhaltensweisen verständlich. Klaus Schmidt-Koenig: Orientierung und Navigation bei Vögeln. Trotz aufwendiger Anstrengungen in zahlreichen Instituten und ungeachtet vieler neuer Entdeckungen sind die zentralen Fragen in diesem Forschungsgebiet noch immer unbeantwortet. Hartwig Altenmüller: Vom Weiterleben altägyptischer Symbole in der abendländischen Kultur. Wenn uns manche altägyptischen Symbole seltsam vertraut vorkommen, so deshalb, weil sie, wenn auch in mannigfaltig verwandelter Form und Bedeutung, durch Tradition über Jahrtausende hinweg bis in die Gegenwart überlebt haben.

78/79 Rupert Riedl: Über die Biologie des Ursachen-Denkens – ein evolutionistischer, systemtheoretischer Versuch. Eine Analyse des Zusammenwirkens der vier aristotelischen Ursachen im Schichtenbau der realen Welt ergibt, daß die uns von der Stammesgeschichte anerzogenen Denkstrukturen der Wirklichkeit keineswegs vollkommen entsprechen. Heinrich K. Erben: Über das Aussterben in der Evolution. Das Erlöschen einer Stammeslinie ist zwar ein ebenso unausweichliches Ereignis wie der individuelle Tod, dabei aber dennoch ein mit diesem nicht wirklich vergleichbares evolutionsspezifisches Phänomen. Die ihm ursächlich zugrundeliegenden Faktoren sind bis heute noch längst nicht vollständig bekannt. James A. Hopson: Waren die Dinosaurier Warmblüter?. Die Paläontologen begnügen sich heute nicht mehr mit der bloßen Rekonstruktion morphologischer Merkmale und evolutiver Abläufe, sondern schließen darüber hinaus auch auf die physiologischen Eigenschaften und Lebensgewohnheiten ausgestorbener Arten. Im Falle der Saurier hat dieser neuartige Ansatz zu einigen überraschenden Resultaten geführt. Franz Kollmansperger: Erosion – eine globale Gefahr. Neu ist nicht mehr die Erkenntnis, daß eine sich übermäßig vermehrende Menschheit die Biosphäre und damit ihre eigene Lebensgrundlage aus dem Gleichgewicht zu bringen droht. Neu und beunruhigend ist dagegen die Entdeckung, daß auch gutgemeinte "helfende" Eingriffe in die Umwelt immer häufiger zu großräumigen Zerstörungen führen, weil unser ökologisches Wissen noch zu lückenhaft ist.

79/80 Bernard Katz: Die Funktionsmechanismen der Synapse. Der Ort der interneuralen Impulsübertragung stellt sich der modernen Forschung mehr und mehr als molekularer Mikrokosmos dar, dessen Kompliziertheit hinter jener der zellularen Struktur des Zentralnervensystems nicht zurückbleibt. Anthony C. H. Durham: Wie verursachen Viren Krebs?. Viren werden häufiger als man noch bis vor kurzem glaubte zu einem Bestandteil des Genoms der befallenen Zelle. Mit diesem werden sie vererbt, um möglicherweise erst Generationen später zur "Transformation" einer Zelle, die deren krebsiger Entartung vorausgeht, beizutragen. Wolfgang Gentner, Hildegund Gropengiesser und Günter A. Wagner: Blei und Silber im ägäischen Raum. Die Möglichkeit der Bestimmung der exakten Isotopenverteilung im Metall antiker Münzen gestattete erstmals dessen Herkunftsnachweis und darüber hinaus die Rekonstruktion von Handelswegen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten in der Ägäis des 5. vorchristlichen Jahrhunderts.

80/81 Ilya Prigogine: Zeit, Entropie und der Evolutionsbegriff in der Physik. Die 1977 mit dem Nobelpreis gewürdigten Untersuchungen des Autors schlagen erstmals eine fundamentale Brücke zwischen Physik und Biologie: Zeitliche Abläufe und Evolution erweisen sich als zentrale Begriffe auch für das Verständnis der physikalischen Welt. Bernd-Olaf Küppers: Evolution im Reagenzglas. Experimente mit molekularen Systemen zeigen, daß selektierende Optimierungsprozesse nicht nur bei belebten Organismen eine Rolle spielen. Der Nachweis von Selektionsmechanismen und von ihnen gesteuerten evolutiven Abläufen an molekularen Strukturen trägt zum Verständnis der Lebensentstehung bei. Egon-Horst Schröter: Porträt eines Sterns. Ein zusammenfassender Bericht über den heutigen Stand der Erforschung der Sonne. Ungeachtet einer Vielzahl zum Teil gänzlich neuartiger Beobachtungstechniken sind die auf unserem Zentralgestirn herrschenden Bedingungen und Vorgänge noch immer weitgehend undurchschaut. Ann Rosalie David: Ägyptische Mumien. Die Autorin berichtet über die bisherigen Ergebnisse des von ihr geleiteten Manchester Museum Egyptian Mummy Research Project, die systematische Untersuchung einer großen Sammlung altägyptischer Mumien durch ein multidisziplinäres Forscherteam.

81/82 Werner Arber: Das Bakterium E. coli unter der Lupe der Molekulargenetiker. Eine zusammenfassende Darstellung des augenblicklichen Wissensstandes über Gene, Chromosom, Plasmide und Viren des bevorzugten Untersuchungsobjekts der Molekularbiologie mit einem Ausblick auf die Zukunftschancen der Gentechnologie.