mini|hochkant=1.2|Im Verlauf des Unternehmens Magic Carpet (1949–1950) wanderte die gesamte Gemeinde der Teimanim-Juden aus Jemen nach Israel aus, über 49.000 Personen. Die meisten hatten noch nie ein Flugzeug gesehen, gleichwohl glaubten sie an die biblische Prophezeiung: Gott versprach den Kindern Israels, zurückzukehren, getragen auf Adlerflügeln. mini|hochkant=1.2|Jemenitisch-jüdische Familie auf dem Weg zu einem Flüchtlingslager Die Juden im Jemen haben eine jahrtausendealte Geschichte, die im Alten Orient um etwa 1500 v. Chr. ihren Ursprung findet und über die Ansiedlung der Israeliten in Kanaan in den jüdischen Krieg (66–70 n. Chr.) mit Rom mündet, bevor im Jahr 70, nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels, viele Juden begannen, in Nachbarstaaten des zum Römischen Reich gehörenden Palästina auszuwandern. Bis zum Auftreten des Islam gehörten die Juden regelmäßig zur Oberschicht des Landes. Sie waren Kaufleute, im Dienste des Militärs oder als Minister tätig und vermittelten beachtliche Einflüsse auf die Kultur und Identität des Landes Jemen.Aviva Klein-Franke Die Juden im Jemen S. 256 Ihr Anteil an der Bevölkerung war erheblich. mini|hochkant=1.2|Familie aus Sana'a, um 1940 Während der islamischen Zeit veränderte sich die soziale und die rechtliche Stellung der Juden. Sie wurden zunehmend zurückgedrängt. Innerhalb ihres eingeschränkten Rechtsspektrums konnten sie dennoch bedeutende Beiträge zur islamischen Kultur des Mittelalters leisten, was für die Epoche der Ismāʿīlīya und der Muʿtazila in ganz hervorragender Weise galt. Im Zeitraum zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert hatten die Juden am Geistes- und Sozialleben einen hohen Anteil, als sie an philosophischen wie reformatorischen Fragen und Bewegungen teilnahmen.
Zwischen dem 17. Jahrhundert und der Auswanderung der meisten jemenitischen Juden im 20. Jahrhundert nach Israel lässt sich eine weitere Epoche des jüdischen Einflusses auf den Jemen verankern. In dieser Zeit verliehen sie als Kaufleute und Handwerker der Wirtschaft des Landes einen nachhaltigen Aufschwung.
Überlieferungen zur Ansiedlung der Juden in Südarabien Wann sich die ersten Juden in Südarabien ansiedelten, wie viele Südaraber zum Judentum übertraten, und ab wann es jüdische Könige in Südarabien gab, ist unbekannt. Es gibt verschiedene Theorien, die teilweise schon eine Ansiedlung vor der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und der damit verbundenen Fluchtwelle in die altsüdarabischen Diaspora annehmen.
Es lässt sich lediglich feststellen, dass die jüdischen Gemeinden Südarabiens bezüglich ihrer Herkunft nicht homogen sind. Einheimische, also jüdische Jemeniten, gab es bereits seit langer Zeit. Einwanderer zogen aus den Gebieten Eretz Israel, Babylonien, Persien, Ägypten, Syrien sowie Spanien und Nordafrika zu. Sie komplettierten das Gemeinschaftswesen und die jüdischen Bräuche im Land. Aufschluss über die Umstände und den zeitlichen Kontext lassen die Ansiedlungen der Juden im südarabischen Raum nicht zu. Vielmehr ist man auf die Auslegung von mündlichen Überlieferungen angewiesen.
mini|Jemenitisch-jüdische Frauen in traditioneller religiöser KleidungZum einen wird erwähnt. Danach siedelten Judäer zur Zeit des König Salomon in Gebieten, die von manchen mit arabischen Regionen wie dem Wadi Dschauf oder dem Wadi Sirhan identifiziert werden.Taib A, Golat Teiman (hebr.) Tel Aviv 1931, S. 20Shalom Gamliel, A gateway to the lives of zhe Yemenite Jews, in Yemenite Paths (hebr.), eds. Sh. Gamliel
Eine weitere Überlieferung knüpft zeitgleich an den Besuch der Königin von Saba an, denn sie habe von Kaufleuten, die wiederum judäische Untertanen waren, von der Weisheit Salomons erfahren, was auf die regionale Existenz von Judäern schließen lässt.
In Wellenbewegungen, so eine weitere mündliche Überlieferung, soll die Ansiedlung der Juden in Südarabien stattgefunden haben. Beginnend im Jahr 722 v. Chr., als der Verfall des Königreiches Israel einsetzte; erneut dann, so bereits oben erwähnt, 42 Jahre vor der Zeit der Zerstörung des salomonischen Tempels im Gefolge der Prophezeiung des Propheten Jeremias (Jer 36,2; Jer 38,2). Dann wieder und zuletzt mit der Vertreibung der Juden nach Babylon durch Nebukadnezar. Durch diese Vertreibung seien Juden zudem nach Jemen gekommen.M. Zadok, History and Customs of the Jews in the Yemen (hebr.), Tel Aviv 1967, S. 18
mini|Eine jemenitisch-jüdische Familie am SchabbatJizchak Ben ZwiJizchak Ben Zwi, The origin of the settlement of Jewish Tribes in Arabia In: Eretz Israel Book, vol. 6, 1960, S. 135 ermöglicht wiederum eine Auslegung, wonach die Aufgabe jüdischer Soldaten darin bestanden haben könnte, Verbindung zu den Juden Sanaas aufzunehmen, als es hieß, dass die Armee, mit der Aelius Gallus im Jahr 24 v. Chr. Südarabien erobern wollte, 500 jüdische (von König Herodes gestellte) und 1000 nabatäische Soldaten (vom König von Petra gestellt) umfasst haben soll.
mini|Ein jemenitischer Jude mit seinem Sohn Sicher nachgewiesen sind Juden im Jemen aber erst seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. An verschiedenen Orten in Südarabien wurden jüdische Inschriften und Synagogen entdeckt. Seit der Mitte des 4. Jahrhunderts hingen die Könige von Himyar einer monotheistischen Religion an (siehe Rahmanismus); dabei handelte es sich wahrscheinlich um das Judentum.Christian Robin: Himyar et Israël. In: Académie des inscriptions et belles lettres (Hrsg.): Comptes-rendus des séances de l'année 2004. 148/2, Seite 831–901. Paris 2004 Jedenfalls war Yusuf Asʾar Yathʾar nicht nur der letzte bedeutende König des Reiches Himyar in Südarabien, sondern der einzige (nachweislich) jüdische Herrscher dieses Reiches. Er regierte etwa von 521/522 bis 529/530.Vgl. Iwona Gajda: Le royaume de Ḥimyar à l’époque monothéiste. L’histoire de l’Arabie ancienne de la fin du ive siècle de l’ère chrétienne jusqu’à l’avènement de l’Islam. Paris 2009, S. 84.
Eine von mehreren 1970 gefundenen Inschriften aus Hadir bei Tanim, östlich von Sanaa, enthält eine Liste der 24 Priesterkasten Judäas (Mishmarōt ha-Cohanīm).Rainer Degen und Walter W. Müller, eine hebräisch-sabäische Bilinguis aus Bait al-Aswal aus dem Jemen Fn. 6 bei Aviva Klein-Franke, S. 257 Der russische Forscher Grjaznervic machte es sich 1971 zur Aufgabe diese Inschriften lückenlos zu fotografieren.
Eine weitere aufschlussreiche Quelle, wiederum eine südarabische Inschrift, hält fest, dass Jahuda sein Haus Jakrub gebaut und vollendet habe. Die Forschung geht davon aus, dass es sich um eine Synagoge gehandelt haben muss. Neben dem sabäischen Text erscheint dabei auch ein hebräischer Satz, einzigartig für Südarabien, der folgendermaßen übersetzt bedeutet: „Amen, Friede, Amen“. Die Inschrift gibt die Auftraggeber, König Dhara Amar Aiman von Saba und Dhu-Raydan wieder und die Vergabe einer Vollmacht zum Bau einer Synagoge.H. Z. Hirschberg: The Jewish Kingdom of Himyar. (Yemen) In: The Jews of Yemen, Studies and Researches. eds. Y. Yeshaýahu/Y. Tobi, Jerusalem 1975, S. 21–24
mini|Eine jemenitische JüdinIn den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung standen die Juden Himyars in engem Kontakt zu Tiberias und Galiläa. Bei den Ausgrabungen in Bet Sche’arim wurden aus dem 3. und 4. Jahrhundert stammende Grabstätten von Juden aus Himyar gefunden. Häuserbau und Baufortschritte auf Inschriften lassen den Schluss zu, dass Synagogen gemeint waren.
Unter Yusuf Asʾar Yathʾar kam es zu Christenverfolgungen. Nach einem mehrjährigen Krieg gegen das von Byzanz unterstützte christliche äthiopische Reich von Aksum unter Negus Ella Asbeha, verlor Yusuf Asʾar Yathʾar seine Macht. 525 wurde der Jemen von den Aksumiten erobert und das Christentum zur Staatsreligion. Mit Sumyafa ʿAshwaʿ wurde ein eigener Vasall Aksums eingesetzt. Auch eine jüdische Quelle nimmt Bezug auf Auseinandersetzungen mit politischen Fragen, Fragen der Beherrschung der Handelswege, Gegenstände, die zum Krieg mit den Christen führten, worauf zuerst die aksumitische und später die persische Besetzung Jemens folgte.Aviva Klein-Franke Die Juden im Jemen, S. 257 Himyar wurde dabei von den Juden Tiberias unterstützt.
Das Verhältnis der jemenitischen Juden zu den Juden Babylons und Ägyptens mini|links|Moses Maimonides-Statue Die Verbindungen der Juden Jemens zu den übrigen jüdischen Gemeinden, insbesondere Babyloniens und Ägyptens waren eng. Spirituelle Wegweiser in jener Zeit (zwischen 882 und 942) waren der bekannteste der Geonim, Rabbiner und gleichzeitig prominenter jüdischer Philosoph und Exeget, Said al-Fayyumi (auch: Saadia Gaon) sowie der jüdische Philosoph, Arzt und Rechtsgelehrte Moses Maimonides. Von Saadia Gaon übernahmen die Jemeniten die Fünf Bücher Mose und die Makkabäer-Rolle (Megila Ha-Haschmonaim). Saadia Gaon steht auch Pate für Gebete und Gedichte zum Sabbath und für Feiertage, welche ebenfalls in die jemenitische Tradition übergingen. Im gegenseitigen kulturellen Austausch wurden Talmudschulen (yeschīwot) in Sura durch die jemenitischen Juden finanziert, andererseits verehrten die Leiter der babylonischen Talmudschulen bedeutende Persönlichkeiten im Jemen mit dem Titel Nagid (hebräisch, Pl. Negidim, Führer einer jüdischen, meist sephardischen mittelalterlichen Gemeinschaft).Shlomo Dov Goitein: The Jews of Yemen between the Palestinian and the Babylonian Exilarch. In FN 10, S. 53–58 – Nachdem im 12. Jahrhundert im Jemen ein falscher Messias aufgetreten war und dieser – trotz großer jüdischer Anhängerschaft – entlarvt werden konnte, wurden viele Juden in der Folgezeit gezwungen, zum Islam überzutreten. Wer sich widersetzte, wurde (hart) bestraft oder gar getötet. Beistand und Hilfe erhoffte man sich im Gegenzug von Moses Maimonides. Dabei entstand im Jahr 1172 auf Petitionen hin das als Iggeret Temān (Brief nach Jemen) bekannt gewordene Antwortschreiben aus Kairo.
Die in der Geniza Kairos aufbewahrten Dokumente geben heute einen recht umfassenden Einblick in die Verbindungen der jemenitischen Juden mit ihren jüdischen Nachbarn rund um das Mittelmeer und Regionen des Nahen Ostens. Der jüdische Welthandel dieser Zeit erstreckte sich immerhin von Spanien in Südeuropa bis nach Indien hin.S. D.Goitein: Yemenite Jewery and the India Trade. in FN: 10, S. 33–52 Viele jemenitische Juden waren aus dem Jemen in verschiedene Regionen jüdischer Siedlungsgebiete ausgewandert. Andererseits kamen viele Juden aus anderen Ländern nach Jemen und begründeten hier eigene Gemeinden.S. D.Goitein, Yemenites in Jerusalem and Egypt in the times of Moses Maimonides and his son Abraham (hebr) in FN 10, S. 120–134
Jüdischer Welthandel mini|hochkant|Jemenitische Juden in Sa'da mini|hochkant|Jemenitischer Jude in Jerusalem (Ende des 19. Jahrhunderts) Bis in das 10. Jahrhundert war Bagdad Zentrum des islamischen Reichs und Hauptstadt des Welthandels. Mit einer Erstreckung über die Regionen Rom, Byzanz, China, Indien, Ägypten und Arabien wurden die Waren und Schätze der Welt gehandelt. Die Haupthandelsroute führte in jenen Jahrhunderten unweigerlich durch den Persischen Golf. Überlieferungen des Ibn Chordadhbeh (846–885) beschreiben detailliert die Seewege nach China und Indien; daneben jene nach Aden.K.N.Chauduri, Trade and Civilisation in the Indian Ocean, Cambridge 1985S.D.Goitein, From Aden to India In: Journal of the Economic and Social History ofe the Orient, XXIII (1980), S. 43–66.
Ab Mitte des 10. Jahrhunderts verlor Bagdad seine Stellung als mittlerweile größter Handelsplatz an Misr (al-Fusṭāṭ) = Alt-Kairo, (al-Qāhira). Während der Herrschaft der Fatimiden verlagerte sich der Handel der islamischen Staaten zum Roten Meer nach Ägypten. Von dort ließen sich schnell Handelsbeziehungen nach Palästina, Syrien, Mekka, Medina sowie zum seinerzeit von den Sulaihiden beherrschten Jemen aufbauen. Es folgten Byzanz, Amalfi, Pisa, Genua und Marseille.Subhi Y. Labib, Handelsgeschichte Ägyptens im Spätmittelalter (1157–1517), Wiesbaden 1965
1000 n. Chr. vermerkte al-Muqaddasi: