mini|300px|Ortsansicht von Munderkingen mini|300px|Ansichtskarte der Stadt von 1824 Munderkingen ist die kleinste Stadt im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Geographie Der historische Stadtkern liegt in einer Schleife der Donau, etwa 33 Kilometer südwestlich von Ulm. Er hat sich zu beiden Seiten des Flusses ausgedehnt.

Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an die Stadt Ehingen, im Osten an Rottenacker, im Süden an Unterstadion, Emerkingen und Hausen am Bussen sowie im Westen an Obermarchtal und Untermarchtal.

Schutzgebiete

Munderkingen hat Anteil am Naturschutzgebiet Flusslandschaft Donauwiesen zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen. Die Waldgebiete Mochental und Lautertal-Wolfstal sind als Schonwälder ausgewiesen. Einige Landschaftsteile auf dem Stadtgebiet wurden als Landschaftsschutzgebiet Munderkingen ausgewiesen. Die Stadt hat überdies Anteile am FFH-Gebiet Donau zwischen Munderkingen und Riedlingen und am Vogelschutzgebiet Täler der Mittleren Flächenalb.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Frühgeschichte Munderkingen ist zwar die kleinste Stadt im Alb-Donau-Kreis, sie dürfte aber mit der Nennung als Ort Muntaricheshuntare oder Munterichshuntare (792) und der Stadterhebung (1230) eine der ältesten Stadtgründungen des Alb-Donau-Kreises sein. Funde aus der Römerzeit weisen darauf hin, dass das Gebiet der heutigen Stadt Munderkingen schon in spätantiker Zeit besiedelt war. Von einer durchgehenden Besiedlung bis ins Frühmittelalter kann indes nicht ausgegangen werden, obwohl die Siedlung an einer wichtigen Donaufurt gelegen war, die den Zugang zum nahe gelegenen römischen Kastell in Emerkingen (3 km) erlaubte.

Der Name Munderkingen wird dabei erst im 13. Jahrhundert in den schriftlichen Quellen genannt. Hierbei wird vermutet, dass der Name aus dem altgermanischen Wort „Munt“ kommt, welches für Schutz steht. Dieses Wort kommt dabei in anderen Dörfern aus der Umgebung, wie Mundingen oder Mundeldingen ebenfalls vor. Die Endung -ingen werden dabei mit einem Namen eines Adligen verbunden, welche hierbei ihre Zugehörigkeit ausdrücken.Chronik I, S. 25 Ebenfalls gibt es in Bayern mit Mintraching oder Mundraching Dörfer, welche einen ähnlichen Namen wie Munderkingen tragen. Dies hängt damit zusammen, dass sowohl das schwäbische als auch das bayrische Herzogshaus eine zusammengehörende Sippe bildete.Chronik I, S. 27 mini|hochkant=0.7|Fachwerkhaus in der mittelalterlichen Innenstadt mini|hochkant=0.8|Der 1870 erbaute Bahnhof von Munderkingen

Mittelalter und frühe Neuzeit Erstmals wurde Munderkingen im Jahr 792 in einer Urkunde des Klosters Sankt Gallen erwähnt; genannt wird darin die Munterichshuntare, nach einer anderen Quelle Muntarihes huntari. Eine Huntare war eine Verwaltungseinheit des fränkischen Reiches, die einen Verband von Kriegern oder von Landgütern bezeichnen konnte; sie entspricht der altenglischen Verwaltungseinheit Hundred und näherungsweise der skandinavischen und norddeutschen Harde.

Das Stadtrecht wurde Munderkingen im Jahr 1230 von den Herren von Emerkingen verliehen. Ende des 14. Jahrhunderts verpfändeten die Habsburger Munderkingen an die Truchsessen von Waldburg. Die Stadt schloss sich daraufhin mit den ebenfalls an die Truchsessen verpfändeten Städten Mengen, Riedlingen, Saulgau und Waldsee zum Bündnis der Donaustädte zusammen. 1680 gelang es diesen, die Pfandherrschaft abzuschütteln und wieder direkt unter die Herrschaft der österreichischen Vorlande zu kommen.

Württembergische Zeit Mit dem Pressburger Frieden kam Munderkingen 1805 zu Württemberg. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg wurde die Stadt dem Oberamt Ehingen zugeordnet, wobei sie bis 1819 den Sitz eines eigenen Unteramts bildete. War Munderkingen früher von Handel und Handwerk geprägt, so führte der Bau der Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen und der damit 1870 erfolgte Anschluss an das Netz der Württembergischen Eisenbahn auch zur Ansiedlung von Industriebetrieben.

Um 1900 wurden die Mühlen an der Donau auf die Erzeugung von Elektrizität umgestellt. Noch heute besteht in der Stadt ein größeres Elektrizitäts- und Umspannwerk der EnBW. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Munderkingen 1938 zum Landkreis Ehingen.

Nachkriegszeit 1945 wurde Munderkingen zuerst durch amerikanische Truppen besetzt und kurze Zeit später der französischen Militärverwaltung übergeben. Munderkingen war nun Teil der französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1947 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. 1973 vollzog sich die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Munderkingen zum Alb-Donau-Kreis kam. mini|hochkant=0.8|Munderkingen mit Donau und katholischer Stadtpfarrkirche

Religionen Munderkingen ist von jeher katholisch geprägt. Zwar gab es in der Reformationszeit hier protestantische Bestrebungen, die jedoch von den Stadtoberen bekämpft wurden. Gemäß Zensus 2011 sind 58,7 Prozent der Bevölkerung katholisch, 18,2 Prozent evangelisch und 23,1 Prozent gehören sonstigen oder keiner Religionsgemeinschaft an.Zensusdatenbank – Munderkingen, Stadt – Bevölkerung im regionalen Vergleich nach Religion – in %

Eingemeindungen Der nahe gelegene Weiler Algershofen ist Teil der Stadt Munderkingen.

Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 2041 1. Dezember 1880 ¹ 2035 1. Dezember 1890 ¹ 1953 1. Dezember 1900 ¹ 1971 1. Dezember 1910 ¹ 2048 16. Juni 1925 ¹ 1944 16. Juni 1933 ¹ 1914 17. Mai 1939 ¹ 1840 13. September 1950 ¹ 2270 6. Juni 1961 ¹ 3435 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 4583 31. Dezember 1980 4858 27. Mai 1987 ¹ 4667 31. Dezember 1990 4849 31. Dezember 1995 5206 31. Dezember 2000 5055 31. Dezember 2005 5099 31. Dezember 2010 4912 31. Dezember 2015 5119 31. Dezember 2020 5430

Politik

Gemeinderat In Munderkingen wurde bis 2019 der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Munderkingen hat nach der letzten Wahl 18 Mitglieder (unverändert). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juli 2024 führte zu folgendem Endergebnis (mit Vergleichszahlen der beiden vorigen Wahlen):

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019Sitze2019%2014Sitze2014 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 46,4 8 47,5 9 50,7 9 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 37,6 7 24,8 4 28,7 5 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,0 3 24,7 4 20,6 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands -- -- 3,0 1 -- -- Gesamt 100 % 18 100 % 18 100 % 18 Wahlbeteiligung 55,7 % 53,4 % 49,3 %

mini|hochkant=0.8|Rathaus von Munderkingen Bürgermeister Der Bürgermeister wird in Baden-Württemberg für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2023 Thomas Schelkle. Er wurde am 21. Mai 2023 mit 62,5 Prozent der Stimmen gewählt. Schelkle folgte Michael Lohner nach, der von 1999 bis 2023 amtierte.staatsanzeiger.de

Verwaltungsverband Munderkingen ist Sitz des 1973 gegründeten Gemeindeverwaltungsverband „Verwaltungsgemeinschaft Munderkingen“, dem neben der Stadt die Gemeinden Emeringen, Emerkingen, Grundsheim, Hausen am Bussen, Lauterach, Obermarchtal, Oberstadion, Rechtenstein, Rottenacker, Untermarchtal, Unterstadion und Unterwachingen angehören.

Wappen und Flagge 100px 50px

Städtepartnerschaften Seit dem Jahr 1987 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Munderkingen und der französischen Stadt Riedisheim im Elsass.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|hochkant=0.8|Regional-Express nach Neustadt (Schwarzwald) im Bahnhof Munderkingen Verkehr Munderkingen liegt an der Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen. Es besteht ein Stundentakt mit Regional-Express-Zügen der Linie RE 55 nach Ulm, Sigmaringen und weiter nach Donaueschingen sowie ein Stundentakt mit Zügen der Regio-S-Bahn Donau-Iller nach Ulm. Die Stadt gehört zum Donau-Iller-Nahverkehrsverbund.

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Munderkingen über Rottenacker mit Ehingen und in der anderen Richtung über Untermarchtal und Obermarchtal mit Riedlingen verbunden.

Munderkingen liegt am Radfernweg Donauradweg, der von Donaueschingen über Passau, Wien und Budapest bis zur Mündung in das Schwarze Meer führt. Er wird ab Tuttlingen auch als EuroVelo-Route EV6 und zwischen Tuttlingen und Passau als D-Route 6 geführt.Eurovelo 6 Basel bis Ulm auf de.eurovelo.comD-Netz auf dem Radroutenplaner Deutschland

Öffentliche Einrichtungen Munderkingen verfügt je über eine Grund-, Haupt-, Real- und Förderschule. Ein Gymnasium gibt es in Munderkingen nicht, obwohl die Stadt früher eine eigene Lateinschule besaß. Die nächsten Schulstädte sind Ehingen (Donau) und Biberach an der Riß. Die Erwachsenenbildung wird von der stadteigenen Volkshochschule organisiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.8|Narrenfigur Wusele der Trommgesellenzunft Munderkingen Munderkingen liegt an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße sowie am Donauradweg von Donaueschingen nach Wien. Munderkingen ist so vor allem im Sommer ein beliebter Rastpunkt für viele Radwanderer.

Bauwerke Wasserbrunnen In der Mitte des Marktplatzes steht der Löwenbrunnen. Der Löwe auf der Spitze der Säule wurde erneuert und das Original befindet sich heute im Rathaus. Die Statue ist das Symbol der damaligen Herrschaft, die das Geschehen auf dem Markt überwacht. Die Löwenfigur trägt das Wappen der Stadt sowie das Wappen Österreichs auf seinen Pfoten. Der Martinsbrunnen ziert den zweiten Brunnen der Stadt. Der Name des Brunnens leitet sich von der Martinskapelle ab, die einst neben dem heutigen Café Blank stand. Erst im Jahr 1861 wurde die Statue auf dem Brunnenpfeiler aufgesetzt und im 20. Jahrhundert nochmals erneuert. Der Dionysiusbrunnen erhielt seinen Namen von der naheliegenden Kirche, der katholischen Pfarrkirche St. Dionysius. Erst im 19. Jahrhundert bekam der Brunnen das Marienbild, vermutlich als Ersatz eines verlorenen Standbildes des heiligen Dionysius. Im Jahr 1975 kam es zu Renovierungsarbeiten und der Standortversetzung des Brunnens.

Rathaus Das Rathaus mit seinem Giebelsockel befindet sich auf dem Marktplatz, welches 1563 vom damaligen Bürgermeister Dionysos Ruoff erbaut wurde. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude durch einen Brand beschädigt, wobei aber das charakteristische Dach aus dem 16. Jahrhundert erhalten werden konnte. Der alte Pranger befindet sich noch an der Frontseite des Gebäudes in einer Nische, in dem mit einem Bild der Vollzug einer Strafe dargestellt wird.

Pfarrhof Der Pfarrhof wurde in den Jahren 1706 und 1707 erbaut. Das Gebäude entstand als Wohnung für die Pfarrei und diente auch als Sommersitz und Residenz der Äbte des Prämonstratenser-Reichsstifts Marchtal. Das Bauwerk ist ein dreigeschossiger hochbarocker Bau mit risalitartig vorspringenden Flügelbauten, deren Giebel dreigeteilt und mit Voluten ausgestattet sind.

Donaubrücke