Der Renault Twingo ist ein viersitziger Kleinstwagen des französischen Herstellers Renault. Er wurde im Frühjahr 1993 eingeführt und gehört mit bis heute mehreren Millionen Einheiten zu den meistverkauften Großseriemodellen unter den Personenkraftwagen. Allein in Deutschland wurden 517.600 Twingo der 1. Generation abgesetzt. Er ist das kleinste und günstigste Modell in der Modellpalette von Renault; das nächstgrößere ist der Renault Clio.

Entwicklungsgeschichte mini|Renault Vesta II

Die Geschichte des Twingo ist eng mit Vesta-Prototypmodellen verbunden. Der Renault Vesta I wurde 1980 als Ergebnis des ECO 2000-Programms der Regierung entwickelt, das direkt von der französischen Regierung subventioniert wurde. Die ersten Annahmen des Renault Vesta I und die ersten Fotos des Autos erschienen 1981. Der Prototyp wurde jedoch erst 1982 vorgestellt. Basierend auf der Forschung am Vesta I-Prototyp wurde das W60-Projekt umgesetzt, das in Zukunft zu einer Serienversion eines kleinen Unibody-Autos werden sollte. Nach vielversprechenden Tests des Prototyps Vesta I wurde 1987 der Prototyp Vesta II vorgestellt. Nach dem Ende der Förderung des ECO2000-Programms durch die französische Regierung schloss Renault 1988 die Forschung am Vesta II-Prototyp ab. 1988 wurde das X-06-Programm eröffnet, das der Nachfolger des W60-Programms werden sollte. Das Ergebnis der Arbeit am X-06-Programm war schließlich die Präsentation des Renault Twingo im Jahr 1992 auf dem Pariser Autosalon.

Im Oktober 1992 stellte Renault auf dem Pariser Autosalon in Paris den von Patrick le Quément entworfenen Twingo vor, der mit seinem ungewöhnlichen Design und Innenraumkonzept ohne nennenswerte Änderungen fast 15 Jahre angeboten wurde.

Der Name wurde von Werbetexter Manfred Gotta erfunden. Der Name „Twingo“ ist ein reines Kunstwort und nicht wie fälschlicherweise angenommen eine Verschmelzung der Namen dreier Tänze: Twist, Swing und Tango.

Die erste Twingo-Baureihe wurde bis zum 28. Juni 2007 im Werk Flins-sur-Seine (Frankreich) produziert; in dieser Zeit wurden 2.478.648 Einheiten gebaut. Danach ging die Produktion bis zum 8. Juni 2012 weiter in Kolumbien für den südamerikanischen Markt. Insgesamt liefen über 2,6 Millionen Einheiten der ersten Twingo-Generation vom Band.

Twingo I (1993–2007)

Sterne im Euro-NCAP-Crashtest (2003)Der Twingo I im Euro-NCAP-Crashtest 2003 (englisch) 105px

Die erste Generation wurde im März 1993 mit einem zunächst 40 kW (54 PS) starken 1,2-l-OHV-Motor mit Steuerkette eingeführt, der seit 1972 im Renault 5 und in diversen anderen Renaults eingesetzt worden war (Cléon-Motor). Als Sonderausstattung gab es ab Oktober 1993 ein Faltdach, das 800 DM Aufpreis kostete.

Im September 1994 wurde der Fahrer-Airbag im Twingo serienmäßig, einen Monat später folgte der Twingo „Easy“ mit automatischem Kupplungssystem (Werbeslogan damals: „Schalten ohne Kuppeln“).

Im September 1995 wurde der Beifahrer-Airbag serienmäßig, ABS wurde gegen Aufpreis erhältlich.

Der D7F-Motor mit 1,2 Litern Hubraum wurde ab Mai 1996 im Twingo eingebaut. Anfänglich leistete er ebenfalls 40 kW (54 PS), bevor seine Leistung im August 1997 auf 43 kW (58 PS) angehoben wurde und im Januar 2001 auf 44 kW (60 PS).

Innenraumkonzept Der Innenraum des Fahrzeugs lässt sich mit wenigen Handgriffen flexibel umgestalten. Die Rückbank kann in drei Stufen in ihrer Position verschoben und sowohl komplett nach vorne geklappt, als auch eben nach hinten geklappt werden. Die beiden Vordersitze sind auf einer Schiene in Fahrtrichtung verschiebbar und im Sitzwinkel anpassbar. Entfernt man die Kopfstützen, kann man die Lehne komplett nach hinten klappen und erhält bündig mit der ebenfalls zurückgeklappten Rückbank eine zwei Meter lange Liegefläche.

Modellpflege Das Fahrzeug erhielt im Sommer 1998 eine umfassende Modellpflege zur Phase II (lackierte und geänderte Front- und Heckstoßfänger, neue Instrumententafel im Innenraum und technische Änderungen). Neu eingeführt wurde 1999 unter anderem eine „Initiale“ genannte Version mit Ledersitzen, Klimaanlage und optionalem Navigationssystem. Ende 2000 wurde er unter dem Blechkleid (u. a. Sicherheitstechnik, Bremsen, Motor) zur Phase III ausführlich modernisiert.

Im Herbst 2004 erhielt der Twingo ein weiteres leichtes Facelift (Phase IV), erkennbar am Renault-Rhombus an der Heckklappe.

Im August 2004 wurde der D7F-Motor mit 8 Ventilen durch den D4F 708 mit 16 Ventilen ersetzt. Die Leistung des Einstiegsmotors blieb unverändert bei 44 kW (60 PS).

Der Twingo I war wirtschaftlich erfolgreich und als Zweitwagen beliebt. Dazu trugen das auch heute noch zeitgemäße Design, das Innenraumkonzept und das gegen Aufpreis erhältliche Faltdach bei.

Technische Daten TwingoTwingo 1.2Twingo 1.2 16V Bauzeitraum 03/1993–10/1996 05/1996–12/2000 01/2001–06/2007 08/2004–06/2007 01/2001–06/2007 Motorkenndaten MotortypR4-Ottomotor Anzahl Ventile pro Zylinder24 Ventilsteuerung OHV, KetteOHC, ZahnriemenSOHC, Zahnriemen GemischaufbereitungSaugrohreinspritzung Motoraufladung— KühlungWasserkühlung MotorkennungRenault Twingo Motorcodes / Motorenübersicht / Motornummern / Motorenkennziffern auf mobilverzeichnis.de. Abgerufen am 24. März 2014. C3G 700/702 D7F 700/701 D7F 702/703/704 D4F 708 D4F 702/704 Bohrung × Hub 74,0 mm × 72,0 mm69,0 mm × 76,8 mm Hubraum 1239 cm³1149 cm³ Verdichtungsverhältnis 9,2:19,6:19,8:1 max. Leistung 40 kW(55 PS)bei 5300/min 43 kW(58 PS)bei 5250/min 44 kW(60 PS)bei 5250/min 44 kW(60 PS)bei 5500/min 55 kW(75 PS)bei 5500/min max. Drehmoment 90 Nmbei 2800/min93 Nmbei 2500/min 100 Nmbei 3750/min 105 Nmbei 3500/min Kraftübertragung AntriebVorderradantrieb Getriebe, serienmäßig5-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional—3-Stufen-Automatikgetriebe „Twingo Matic“5-Stufen-Automatisiertes Schaltgetriebe „Quickshift-5“ Gewichte Leergewicht, fahrbereit (ohne 75 kg Fahrer) 825 kg 815 kg 820 kg 840 kg 830 kgmit Quickshift: 835 kg Zulässiges Gesamtgewicht 1185 kg 1170 kg 1230 kg 1205 kg 1255 kgmit Quickshift: 1260 kg Zulässige Anhängelast, ungebremst 450 kg 445 kg 395 kg k. A.mit Quickshift: 395 kg 450 kgmit Quickshift: 395 kg Zulässige Anhängelast, gebremst (12 %)450 kg600 kg Messwerte Höchstgeschwindigkeit150 km/h 151 km/hmit Automatik: 150 km/h 156 km/hmit Quickshift: 155 km/h 169 km/h Beschleunigung, 0–100 km/h 14,0 s13,4 smit Automatik: 16,4 s 14,7 smit Quickshift: 13,3 s 11,7 smit Quickshift: 13,3 s Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert) 5,1 l S5,1 l Smit Automatik: 6,0 l S 4,9 l S 5,8 l Smit Quickshift: 5,7 l CO2-Emission (kombiniert) k. A.143 g/km 118 g/km 138 g/kmmit Quickshift: 135 g/km

Sicherheit Ein Twingo mit Front- und Seitenairbags erreichte 2003 im Euro-NCAP-Crashtest bei der Bewertung der Insassensicherheit 23 von maximal 35 Punkten und damit drei von fünf möglichen Sternen und mit zehn Punkten zwei von vier möglichen Sternen bei der Bewertung der Fußgängersicherheit.

Zuverlässigkeit Die bis 1996 verwendeten 1,2-l-Motoren mit untenliegender Nockenwelle und Stoßstangen haben häufiger klappernde Ventile. Undichte Kühler sorgten besonders bei den Baujahren 1993 bis 1995 für Motorschäden wegen Überhitzung. Bis zur Modellpflege im Sommer 1998 brachen gerne die Vorderachsfedern, die jedoch von Renault laufleistungsunabhängig auf Kulanz erneuert werden können.

Sondermodelle Anlässlich der Eröffnung der Attraktion „Galaxy“ im Phantasialand in Brühl, dem Hauptsitz von Renault Deutschland, wurde 1994 ein Sondermodell („Twingo Galaxy“) in einer Stückzahl von etwa 200 Fahrzeugen produziert, dessen Kennzeichen eine Vielzahl aufgesprühter Sterne war und das ausschließlich im Rheinland verkauft wurde.

Greenpeace verwendete einen Twingo als Basis für die 1996 vorgestellte Studie Twingo Smile.

Twingo II (2007–2014)

Sterne im Euro-NCAP-Crashtest (2007)Der Twingo II im Euro-NCAP-Crashtest 2007 (englisch) 105px

Erstmals zu sehen war die zweite Generation des Twingo im März 2007 auf dem 77. Genfer Auto-Salon. Im Juli 2007 kam sie schließlich auf den Markt.

Der Twingo II ist technisch stark an den Clio bzw. Modus angelehnt. Er besitzt die gleiche Plattform wie diese, abgerufen am 26. Oktober 2013 und ist fast 17 cm länger als das alte Modell. Stärkstes und schnellstes Modell des in fünf Ausstattungsvarianten angebotenen Fahrzeuges ist der RS (Renault Sport) mit 133 PS. Die Produktion wurde aus Frankreich nach Slowenien zu Revoz in Novo mesto verlagert. Ab dem Modellwechsel wurde auch ein Dieselmotor angeboten.

Die Gestaltung der Frontpartie zeigt die Verwandtschaft mit dem größeren Clio und hat im Vergleich zum Vormodell einen geringeren Wiedererkennungswert. Im Innenraum wurde das typische Mitteldisplay mit Digitaltacho beibehalten. Die Varianten Dynamique, RS und GT sind serienmäßig mit einem Drehzahlmesser auf der Lenksäule ausgestattet. Das Lenkrad selbst ist höhenverstellbar und eine rutschfeste Ablage mit Noppenstruktur bietet Platz für kleinere Gegenstände. Außer beim Grundmodell Authentique und den beiden Sportversionen GT und RS, die eine klappbare Rücksitzlehne haben, sind hinten verschiebbare Einzelsitze vorhanden, die bei hochgeklappten Lehnen ein variables Kofferraumvolumen von 165 bis 285 Litern ermöglichen.

Das Design des Wagens wurde als ausstrahlungslos und extrem konventionell kritisiert. Es sei nicht wie das Vorgängermodell revolutionär konzipiert und sympathisch wirkend.Paolo Tumminelli im Handelsblatt vom 12. Oktober 2006: Tumminellis Designkritik: Neuer Renault Twingo: Eine Notlösung Abgerufen am 26. Oktober 2013

Ausstattungsvarianten Alle Twingo haben ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent, Seitenaufprallschutz, Gurtstraffer und zwei Airbags (nur beim Grundmodell Authentique – alle anderen haben zusätzlich vordere Seitenairbags, gegen Aufpreis auch Kopfairbags für vorn und hinten). Weiterhin elektrische Fensterheber, Funk-Zentralverriegelung und eine elektrische Servolenkung. Authentique (Grundmodell nur mit 43-kW-Benzinmotor – in Österreich: „Access“) Expression Dynamique Initiale GT (nur 1.2 16V TCE mit 74 kW) RS (nur 1.6 16V mit 98 kW) Gordini (nur 1.2 16V TCE mit 74 kW und 75 kW) Gordini RS (nur 1.6 16V mit 98 kW)

Sondermodelle Der Twingo Nokia war ein limitiertes Sondermodell, welches im November 2008 auf den deutschen Automobilmarkt kam. Dieser Twingo basierte auf dem Dynamique, bot aber technische Zusatzfeatures. So wurden die Heckscheibe und die Seitenscheiben getönt, eine Audio Connection Box bot den direkten Anschluss eines USB-Gerätes, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und ein CD-Radio mit MP3-Funktion waren dann grundsätzlich inbegriffen. Zudem hatte Renault mit der Mobiltelefon-Herstellerfirma Nokia den Vertrag geschlossen, zu jedem verkauften Auto das Modell Nokia 6110 Navigator mit UMTS und GPS mitzuliefern. von inside.handy.de

Der Twingo RS war die Topvariante des Sportmodells GT und bot einen neu entwickelten 1,6-Liter-16V-Benzinmotor mit 98 kW (133 PS). Der RS wurde in den Versionen „Normal“ und „Cup“ angeboten. Die Spurweite beider Achsen ist etwa sechs Zentimeter größer; daneben hatte der Wagen straffere Federn und Dämpfer, eine um zehn Millimeter tiefergelegte Karosserie und 16-Zoll-Räder. Die Variante „Cup“ auf 17-Zoll-Rädern war wegen der flacheren Reifen nur sechs Millimeter tiefergelegt und hatte einen längeren Heckspoiler. Beide Versionen boten serienmäßig Sportsitze, Leichtmetallfelgen, Aluminiumpedale, Klimaanlage, Lederlenkrad und ESP mit ASR (abschaltbar). Vorhangairbags (Windowbags) für vorn und hinten gab es nur gegen Aufpreis (380 Euro).Kleiner Sport, in autobild.de vom 25. August 2008

Der Twingo Rip Curl war mit den Motorisierungen 1.2 16V 75 (56 kW/76 PS) oder dem dCi 85 (62 kW/84 PS) bestellbar.