mini|Straßenansicht von Dietenheim mini|Luftbild von Dietenheim (1983)
Dietenheim ist eine Stadt am südöstlichen Rand des Alb-Donau-Kreises in Baden-Württemberg.
Geographie Dietenheim liegt auf halber Strecke zwischen Ulm und Memmingen bzw. den Regionen Schwäbischer Alb und Allgäu an der Iller.
Ausdehnung des Gemeindegebiets Da die Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern nicht dem heutigen Verlauf der Iller folgt, sondern etwas westlich davon liegt, an der Stelle, an der der Fluss sich Anfang des 19. Jahrhunderts befand, haben Dietenheim und Regglisweiler bei ihrem Wachstum Richtung Osten bald diese Grenze erreicht. Das führt zu der Besonderheit, dass die Sportanlagen in Regglisweiler, ein kurzes Stück der Landesstraße 260 in Regglisweiler, die Sportanlagen in Dietenheim sowie einige Häuser am östlichen Ortsrand Dietenheims (in der Straße Grenzweg) bereits in Bayern liegen.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Süden an Balzheim, im Westen an Wain und Schwendi, beide im Landkreis Biberach, im Norden an Illerrieden und im Osten an die bayrische Stadt Illertissen, wobei hinter der Landesgrenze zunächst ein Streifen liegt, der zum gemeindefreien Gebiet „Auwald“ gehört, bevor das eigentliche Gebiet der Stadt Illertissen beginnt.
Stadtgliederung Zur Stadt gehört neben dem namengebenden Dietenheim der Ortsteil Regglisweiler, der etwa ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl umfasst.dietenheim.de Auch das ehemalige Schlossgut Brandenburg (siehe auch Herrschaft Brandenburg), heute eine kirchliche Einrichtung, liegt auf der Stadtmarkung. Hier unternahmen württembergische Separatisten unter Führung einer Gruppe aus Rottenacker im Jahr 1816 den Versuch, eine radikalpietistische Siedlung zu gründen. Als der König von Württemberg die Genehmigung verweigerte, emigrierten die Separatisten nach Ohio und gründeten dort die Siedlung Zoar. Die Gruppe war 1800 auf Anregung der Magd Barbara Grubenmann aus Teufen im schweizerischen Kanton Appenzell Ausserrhoden entstanden, die sich in Rottenacker aufhielt.Eberhard Fritz: Radikaler Pietismus in Württemberg. Religiöse Ideale im Konflikt mit gesellschaftlichen Realitäten (Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte, Band 18). Epfendorf 2003, S. 197–200. Schutzgebiete
Einige Landschaftsteile auf dem Stadtgebiet wurden als Landschaftsschutzgebiet Dietenheim ausgewiesen. Zwischen Dietenheim und Regglisweiler liegt der Schonwald Halde. Die Stadt hat überdies Anteile am FFH-Gebiet Donau zwischen Munderkingen und Ulm und nördliche Iller.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Vorgeschichte Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Dietenheim finden sich ab dem Neolithikum, einer archäologischen Epoche, die im Gegensatz zum vorausgegangenen Mesolithikum mit Sesshaftigkeit und Ackerbau in Verbindung gebracht wird. An der ehemaligen Straße nach Weihungszell wurde beim sogenannten „Stumpengraben“ im Jahre 1908 eine durchbohrte Hammerknaufaxt aus Serpentin gefunden (Länge 12,9 cm).Fundberichte aus Schwaben, NF, 1, 1922, S. 25 f. Ebenfalls der Jungsteinzeit zugehörig ist ein aus der südwestlich des Gerthofs gelegenen, eigentlich hallstattzeitlichen Nekropole (siehe unten) stammendes, aus Grünstein hergestelltes Beil (aus Grabhügel 1 im Jahre 1934 geborgen).Der Stadt- und der Landkreis Ulm. Amtliche Kreisbeschreibung. Hrsg. von der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit der Stadt Ulm und dem Landkreis Ulm (1972) S. 38 f.
Inwieweit die Region um Dietenheim während der Bronzezeit genutzt wurde, ist unbekannt. Die Eisenzeit ist mit zwei Grabhügeln in der Nähe der Kreuthöfe (circa einen Kilometer von Regglisweiler)Fundberichte Schwaben VIII (1900) S. 13 f. und dem oben erwähnten, ehemaligen Grabhügelfeld beim Gerthof vertreten. Die mittlerweile völlig eingeebneten Bodendenkmäler zählten im Jahre 1897 noch 19 Grabhügel in „2 Gruppen – von 8 bis 23 m Durchmesser und bis zu 1 m Höhe“. Bereits im Jahre 1900 schienen alle Hügel durchwühlt gewesen zu sein. Spätere Nachgrabungen erbrachten eine eher geringe Anzahl an Funden, welche die Nekropole aber in die Hallstattzeit datierten. Bei der Bestattungsform handelte es sich durchwegs um Brandbestattungen.H. Zürn: Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmale und die mittelalterlichen Burgstellen der Kreise Göppingen und Ulm. Veröff. Staatl. Amt Denkmalpfl. Stuttgart A 6, Stuttgart 1961, S. 20 f. Vergleichbare eisenzeitliche Bestattungsplätze liegen im Illertal zum Beispiel bei Kirchberg an der Iller oder vor allem in der Gegend um Tannheim (Württemberg).K. Bittel, W. Kimmig, S. Schiek (Hrsg.): Die Kelten in Baden-Württemberg. Stuttgart 1981, S. 483 ff.
Antike Aus römischer Zeit ist eine Münze aus der Zeit von Marc Aurel (zwischen 161 und 180 römischer Kaiser) nordwestlich von Dietenheim gefunden worden. Eine dazugehörige Ansiedlung ist nicht überliefert, doch ist nördlich von Unterbalzheim ein ehemaliger römischer Gutshof mit Resten einer Hypokaustanlage bekannt,Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 2. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1975, S. 219. Mit der Errichtung des Donau-Iller-Rhein-Limes, vermutlich im 3. nachchristlichen Jahrhundert, fiel das Gebiet um das heutige Dietenheim wohl wieder außerhalb der Reichsgrenzen Roms. Historisch belegt sind in diesem Zusammenhang römische Grenzschutzeinheiten an Iller und Donau, wie z. B. die cohors III Herculea Pannoniorum in Caelius Mons (Kellmünz) oder die cohors V Valeria Frigum in Pinianis, einem unbekannten Kastell im Bereich der Illermündung.W. Czysz, K. Dietz, T. Fischer, H. J. Kellner (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Stuttgart 1995, S. 365.
Mittelalter Aus dem Mittelalter stammen vermutlich eine Wallanlage aus Regglisweiler („Teufelsgraben“) sowie zwei Wallanlagen auf dem Altenberg bei Dietenheim. Hier wurde erst in jüngster Zeit Schaden durch Raubgrabungen angerichtet.423930.forumromanum.com mini|Regglisweiler um 1920 80px|mini|Ehemaliges Wappen Regglisweiler
Im Jahr 973 wurde Dietenheim erstmals als Töttinheim in einer Urkunde des Klosters Reichenau erwähnt. Bereits um 1280 erhielt Dietenheim das Stadtrecht von den Grafen Hartmann und Otto von Brandenburg, nachdem es in einer Abmachung mit König Rudolf von Habsburg Reichsgut geworden war, mit gleichzeitiger Verlehnung an die Grafen – daher stammt sein Wappen mit habsburgischem Bindenschild und Reichsadler. Von den Grafen Hartmann und Brandenburg geht die Stadt 1313 an Burchart von Ellerbach über.
mini|Buch von 1862 Herrschaft der Fugger 1446 kaufte der Ulmer Patrizier Heinrich Krafft (Ludwigs Bruder) die Herrschaft, die aber schon 1481 an Hans von Rechberg, 1539 an Anton Graf Fugger fiel. In deren Herrschaft blieb die Stadt bis zur Mediatisierung 1806.
Während des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1628 befand sich die Armee des Grafen Graf Tilly im Illertal. Dabei entstand eine große Hungersnot in der Bevölkerung sowie eine Teuerung der Lebensmittel. 1629 gab es weitere Durchzüge der kaiserlichen Armee in der Gegend, wobei alle Nahrungsmittel der Herrschaft aufgezehrt wurden. 1631 erlebte Dietenheim und die Umgebung die größte Not während des Dreißigjährigen Krieges als Fürst Egon von Fürstenberg mit etwa 25.000 Mann hier ankam. Zur Armee des Fürsten gehörten auch etwa 2500 Kroaten die grausam vorgingen und es kam zu Plünderungen und schweren Verbrechen an der Bevölkerung. Die Schweden und ihre 12.000 Mann starke Armee kamen im Jahr 1633, von der Donau herauf, nach Dietenheim und es folgten weitere Plünderungen und Grausamkeiten gegen die Bewohner. Dabei soll die Stadt niedergebrannt worden sein.
1796 sowie 1800, während der Napoleonische Kriege, besetzten französische Truppen die Stadt. Dabei wurde die Illerbrücke bei Regglisweiler von den Franzosen zerstört.
Württembergische Zeit 1806 fiel die Stadt ans Königreich Bayern, wurde aber schon 1810 im Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg dem Königreich Württemberg zugeschlagen, das die vormalige Stadt zur Gemeinde Dritter Klasse zurückstufte und im Oberamt Wiblingen der Landvogtei an der Donau zuschlug. 1818 kam das Oberamt Wiblingen und somit auch Dietenheim zum neu geschaffenen Donaukreis. Das Oberamt Wiblingen wurde 1845 in Oberamt Laupheim umbenannt. In den 1830er Jahren kaufte Johann Gottlieb Freiherr von Süßkind aus Augsburg die Herrschaft Dietenheim, von dem sie über den Erbweg an die Freiherren von Herman auf Wain gelangte.
1938 kam Dietenheim im Zuge einer württembergischen Gebietsreform während der NS-Zeit zum Landkreis Ulm.
Während des Ersten Weltkriegs war Dietenheim durch den Kriegsausbruch im Jahr 1914 mit verschiedenen Problemen konfrontiert. Das gesellschaftliche Leben wurde komplett zurückgestellt, da die meisten Männer zwischen 18 und 40 Jahren zum Kriegseinsatz herangezogen wurden. Auf vieles musste verzichtet werden. Die Kriegswirtschaft war zu damaliger Zeit geprägt durch Ablieferungen von Nahrungsmitteln, Zuweisungen von wichtigen Gebrauchsgütern und Rationierungen in allen Bereichen. Die Preise für wichtige Lebensmittel stiegen dabei enorm in die Höhe und die Menschen verarmten. Durch den Krieg hatte Dietenheim in den Jahren 1914 bis 1918 insgesamt 54 Gefallene zu beklagen.
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in Dietenheim durch den Volkssturm Panzersperren errichtet, um den Vormarsch der Amerikaner und den Franzosen zu stoppen und zu erschweren. Als die französischen und amerikanischen Truppen fast zeitgleich am Morgen des 24. April 1945 die Stadt besetzten, gab es keine Gegenwehr und die Bewohner waren danach aufgefordert, alle Waffen im Rathaus abzugeben. Kurz vor dem Einmarsch der alliierten Streitkräfte wurden mehrere Brücken wie in der Stadt als auch über der Iller, eine davon mit Verbindung nach Illertissen, durch die SS und Angehörige des Volkssturms gesprengt. Aufgrund dieser entstandenen Situation befanden sich etwa 6.000 alliierte Soldaten für mehrere Tage in Dietenheim und mussten dort beherbergt werden. Die Stadt hatte insgesamt 97 Gefallene, bei Kampfhandlungen im Krieg oder in Kriegsgefangenschaft geratene, zu beklagen. Weitere 61 wurden als vermisst gemeldet.
Nachkriegszeit 1945 geriet Dietenheim als Teil des Landkreises Ulm in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Infrastruktur von Dietenheim weiter ausgebaut, einschließlich den Straßen, der Wasserversorgung und der Energieversorgung. Ab Mitte der 50er Jahre entstanden weitere neue Wohngebiete, wodurch sich das Stadtbild völlig veränderte. Des Weiteren wurde auch das Industrie- und Gewerbegebiet erweitert, das sich über die Jahre hinweg weiter vergrößerte.
Durch die vielen Ankömmlinge der Heimatvertriebenen und aufgrund von Mangel an Wohnraum entstand auch das neue Baugebiet wie die „Auwaldsiedlung“. Die Not war nach dem Krieg groß und so versuchten viele Einwohner, vor allem die sogenannten „Neubürger“, sich selbst zu versorgen, indem sie Anträge für den Bau von Kleintier- und Schweineställen bei der Gemeindeverwaltung stellten. Durch die gestiegene Einwohnerzahl fehlte es an Lehrkräften als auch Räumlichkeiten für den Unterricht der Schülerinnen und Schüler. Daher beschloss die Stadtverwaltung die damalige Schule zu erweitern und die Einweihung des Neubaus, der mit der Turnhalle jetzt verbunden war, fand im Jahr 1952 statt.
1953 erhielt der Ort wieder das Stadtrecht verliehen. In den 60er Jahren folgte dann der Bau des neuen Schulzentrums, der für eine Hauptschule vorgesehen war, bei dem später nicht nur Schüler aus Dietenheim unterrichtet wurden, sondern auch aus Balzheim und Regglisweiler. Das vormals selbstständige Regglisweiler votierte in einer Abstimmung für eine Fusion mit Dietenheim.