Die Burg St. Petersberg ist eine Höhenburg auf einem Hügel oberhalb des Inntals westlich von Silz in Tirol. Rund um den Burgberg liegen verstreut einige Häuser, die als Weiler St. Petersberg einen Ortsteil von Silz bilden. Die Burg bildet das Zentrum des Engelwerkes.

Lage In 730 Meter Höhe, nur 70 Meter über der Talsohle des Inns, liegt am rechten Berghang auf einer langgezogenen Felskuppe an einem historischen Stauweiher die ehemalige Grafenburg St. Petersberg. Dennoch ist Petersberg vom Tal aus schnell und leicht zu erreichen und dabei doch sehr gut zu verteidigen. Die Flanken des Burgbergs sind vom Gletscher glattgeschliffen, sodass ein Angreifer hier kaum Halt finden kann. Nahebei gibt es eine ergiebige Quelle und zwei Bergbäche, die seit dem frühen Mittelalter einen künstlich angelegten See speisen.

Mit diesem Wasser wurden unterhalb der Burg jahrhundertelang verschiedene Mühlen und ein Sägewerk angetrieben. Umgeben ist die Burg St. Petersberg von Feldern im Talgrund und dem angrenzenden Gebirgswald. Hinzu kommt die strategische Bedeutung des Burgplatzes als Sicherung der Handels- und Heeresstraße im Inntal.

Geschichte Archäologische Funde der Bronzezeit Die Burg St. Petersberg liegt auf einem Hügel, der durch seine exponierte, erhöhte Lage schon in der Urgeschichte ideale Voraussetzungen für eine Besiedlung geboten hat. Auch die bislang entdeckten urgeschichtlichen und römischen Hinterlassenschaften bei der Burg St. Petersberg lassen auf eine über längere Zeit andauernde Besiedlung schließen.

Bereits 1969 kamen bei Umbauarbeiten zwischen der Burg und dem Ostturm prähistorische Keramikfragmente zum Vorschein. 1972 wurde im Kirchenschiff über dem anstehenden Fels eine bis zu 55 cm dicke Schicht freigelegt, die eine große Anzahl an Siedlungskeramik aus der Urnenfelderzeit (späte Bronzezeit, ca. 1330–800 v. Chr.) und der Hallstattzeit (frühe Eisenzeit, ca. 800–475 v. Chr.) beinhaltete. In den Profilen dieses Kulturhorizontes waren Reste einiger Holzbalken zu sehen, die auf ein Gebäude schließen lassen.

Die archäologischen Untersuchungen brachten auch eine mit Steinen und Holzkohle abgedeckte Grube ans Tageslicht, die als Feuerstelle interpretiert wird. In den Profilen eines 41 m vor der Toranlage abgelegten kleinen Grabens wurde Keramik aus der La-Tène-Zeit (späte Eisenzeit, ca. 475–15 v. Chr.) freigelegt.

Einige Fragmente, die im eingefüllten Material in der Apsis zwischen den östlichen Fundamenten und dem Altarfundament lagen, werden auf die Römerzeit datiert.

11.–13. Jahrhundert Die Geschichte der Burg ist eng verknüpft mit der bis heute nicht endgültig geklärten Frage nach der Grafschaft im oberen Inntal, die die Historiker seit hundert Jahren beschäftigt. Fest steht, dass Herzog Welf II. infolge seiner Beteiligung am Aufstand Herzog Ernsts von Schwaben seine Grafschaften in Tirol verlor. Kaiser Konrad übertrug dieselben im Jahr 1027 dem Bischof von Brixen, wobei die Grenzen nicht fixiert waren. Sie umfassten jedenfalls das Eisacktal, nördlich von Klausen; das Wipptal und das Inntal zwischen Ziller und Melach, – wahrscheinlich aber bis Finstermünz.

Bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts sind zahlreiche Welfenschenkungen an bayerische Klöster und welfische Ministeriale im Vinschgau und Oberinntal bezeugt, doch reichen die Belege nicht aus, um eine Amtstätigkeit zwingend nachzuweisen.

Die Burg wurde von den Welfen als zentraler Stützpunkt der Verwaltung ihrer Tiroler Besitzungen errichtet und aus der Zeit Ulrichs von Ulten um 1244 stammt die erste urkundlich gesicherte Nennung von Petersberg als castrum meum novo domus in Intal genannt. Auch waren Vogteirechte im Ötztal in seinem Besitz. 1263 dann als castrum in monte sancti petri in valle Eni bezeichnet, erscheint die Feste erstmals unter ihrem heutigen Namen und kam über verschiedene Eigentümer in den Besitz der Grafen von Tirol. Meinhard II. ließ die Burg großzügig ausbauen und machte sie zu einem wichtigen Verwaltungszentrum als Gerichtssitz, Urbaramt und Vogtsburg für das Inntal zwischen Roppen und Rietz, das Mieminger Plateau und das Ötztal. Von dort wurde auch der Grundbesitz von Petersberg verwaltet. Er hielt sich selbst öfters dort auf und ließ auch die Amtskasse in der cista maiore im Bergfried verwahren. Die Burg wurde befestigt und war mit Wachpersonal versehen. Auch der Weiher war bereits vorhanden. Seit 1275 amtierte der Richter auf Sankt Petersberg; später übersiedelte er nach Silz. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erscheint die Burg unter verschiedenen Namen; nova domus, „Ulten“, castrum sancti Petri werden abwechselnd verwendet, bis sich unter Graf Meinhard „Sankt Petersberg“ durchsetzt; jedoch ist auch vom „Neuen Schloss bei Silz“, vom „Neuen Schloss des Hl. Petrus“ oder später einfach nur von „St. Petersberg“ die Rede. Als „Altes Schloss“ wird im Volksmund ein Felsvorsprung am Berghang oberhalb der Burg bezeichnet. Dieser Platz scheint allerdings viel zu klein und ungünstig für eine Burganlage zu sein. Hier stand eventuell ein Turm als Aussichtswarte ins Inntal. Aus all dem geht hervor, dass es auf dem Petersberg lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung eine Wehranlage gegeben hat, die Graf Ulrich v. Ulten auf älteren Grundmauern neu erbauen und großzügig erweitern ließ.

Urkundliche Nennungen von Petersberg aus dem 12. Jh. des Historikers Josef v. Hormayr werden heute von der Geschichtsforschung als Fälschungen verworfen.Die vermeintliche Erstnennung wurde inzwischen als gelehrte Fälschung des Historikers Joseph von Hormayr aus der Zeit vor 1838 erkannt, s.

14.–15. Jahrhundert Bereits 1299 wird eine Schlosskapelle erwähnt: Für das Lesen der Messe erhielt der Silzer Pfarrer 4 Yhren Wein, das Patrozinium war St. Peter. Zwischen 1295 und 1338 wurde die Burghut von der Familie Milser ausgeübt. Der äußere Turm, zu Meinhards Zeiten „neuer Turm“, später „Schnitzerturm“ und heute „Faulturm“ genannt, wurde 1348 samt dem Schloss an Petermann von Schenna verliehen.

1407 verlieh Herzog Friedrich IV., der inzwischen die Regierung in Tirol übernommen hatte, Petersberg samt dem Jagdrecht und Straßberg an seine Räte Hans und Ulrich von Freundsberg. Der Kärlingerturm war als Lehen der Familie selben Namens übertragen. Allerdings verkaufte ihn 1408 Ulrich Kärlinger an die Freundsberger. Nachdem 1404 Bischof Ulrich von Brixen von Herzog Friedrich in Einsisheim eingekerkert und seine Schlösser besetzt wurden, erhielt 1411 Heinrich Snitzer den Petersberg. Zwar söhnte sich Friedrich IV. mit Bischof Ulrich von Brixen aus, aber die Freundsberger rückten ihre Schlösser trotz eines bei der Kurie angestrengten Prozesses nicht mehr heraus. Mit einem Tausch im Jahr 1475 kam auch der Ansitz Steig bei St. Petersberg, später das Jägerhaus genannt, in den Besitz der Freundsberger.

16.–18. Jahrhundert Die Freundsberger blieben im Besitz der Burg bis zum Tod des letzten Lehensträgers Georg von Freundsberg im Jahre 1586. Die Güterverwaltung ließen sie durch Pfleger besorgen, da sie seit 1486 nicht mehr in Tirol lebten. Schon vor dem Tod des Georg von Freundsberg hatte Erzherzog Ferdinand 1582 die Anwartschaft seiner Söhne auf das freiwerdende Lehen angemeldet. Nach längeren Verhandlungen mit den Erben verfügte ab 1588 zuerst Ferdinands älterer Sohn Andreas, nach dessen Tod der jüngere Karl von Burgau über Petersberg. 1619 erhielt Maria Fugger Petersberg, Sterzing und Seifriedsberg, dazu wurde ihr im Gericht Petersberg das Jagdrecht eingeräumt. Der Vertrag galt ursprünglich nur für vier Jahre, wurde aber nach ihrem Tod 1624 mit ihren Söhnen Friedrich und Hans Ernst Fugger verlängert. Im selben Jahr begann der Pfleger Jakob Stöckl mit dem Neubau des Hauses in Kühtai, nachdem er das alte abgerissen hatte.

Auf Petersberg hatte die Hofkammer ein wachsames Auge. Immer wieder erging an die Pfleger Befehl, das Inventar zu überprüfen, das Bettzeug instand zu setzen, neuen Hausrat anzuschaffen und Baufälligkeiten zu beseitigen. 1628 wird Petersberg von den Fuggern zurückgelöst. 1638 erfolgte eine Besichtigung und Inventarisierung durch den Pfleger Jakob Stöckl und den Hofbaumeister Elias Gumpp. Die Zimmer waren mit Möbeln, Teppichen und Bildern recht gut ausgestattet, in der oberen Kapelle befanden sich ein geschnitztes Marienbild mit Jesuskind, Altargeschirr und verschiedene Messgewänder, die untere Kapelle war leer. Kornkasten, Badstube, Schlossdach und Dach des Faulturmes waren reparaturbedürftig, die Kammer und Schreibstube des Pflegsverwalters sollten neu getäfelt werden. Manche dieser Reparaturen wurden in Angriff genommen. 1640, nach dem Tod von Jakob Stöckl, wurde Christoph Heffter neuer Pflegsverwalter, ihm folgte Severin Stöckl. Das Schloss war immer bewohnt, der Bergfried wurde als Gefängnis genutzt, der Faulturm 1646 als Munitionslager adaptiert.

1777 überließ der Urenkel des ersten Pfandinhabers, Carl von Clary-Aldringen, seinem Schwager Theodor Peregrin Graf Wolkenstein, der mit Maria Anna von Clary-Aldringen verheiratet war, die Herrschaften Petersberg, Wiesberg und die Vorarlbergischen Güter. 1788 gehörten zum Burgfrieden von Petersberg fünf Häuser mit 31 Personen, zwei Pferden, 25 Kühen, 23 Kälbern und sieben Schweinen. Wöchentlich zweimal wurde in der Kapelle die Messe gelesen.

19. Jahrhundert mini|St. Petersberg, Lithographie, zwischen 1850 und 1859 1849 erreichte Ernst von Wolkenstein eine kaiserliche Entscheidung, die ihm die Überlassung von Petersberg zusicherte. 1857 brannte das Schloss anlässlich einer Doppelhochzeit im Hause Wolkenstein ab. Beim Brand wurden alle hölzernen Teile zerstört, nur die Kapelle und das Archiv blieben unbeschädigt. Da das Schloss Pfandherrschaft war und somit im Besitz der öffentlichen Hand, zahlte die Finanzlandesdirektion die nötigsten Wiederherstellungskosten, was um so leichter fiel, als eine Feuerversicherung bestanden hatte. 1868 erwarb Arthur von Wolkenstein den gesamten Besitz und verpachtete ihn an die 1. Tiroler Stierzucht- und Nutzvieh-Export A.G. 1887 übernahm sein Sohn Wolfgang die Verwaltung, musste aber 1893 eine öffentliche Versteigerung beantragen.

20. Jahrhundert Nachdem Kaiser Franz Josef das Schloss erworben hatte, diente es im Ersten Weltkrieg als Lazarett, danach der italienischen Besatzung. Durch den habsburgischen Erbvertrag kam es an die Erzherzogin Valerie, die es 1919 ihrer Tochter Hedwig und deren Ehemann Graf Stolberg-Stolberg schenkte.

Im selben Jahr stellten die Tiroler Sozialdemokraten im Landtag den Antrag, das unbewohnte Schloss nach dem Schlössergesetz vom 30. Mai 1919 zu enteignen und als Kinderheim, landwirtschaftliche Schule oder Erholungsheim für Kriegsinvaliden zu nützen. Um der Enteignungsdiskussion die Spitze zu nehmen, überließ Graf Stolberg das Schloss ab 1921 dem Bund Neuland, der es 1923 auf fünf und 1928 auf weitere 15 Jahre pachtete.

Als Entgelt mussten Reparaturen und Erhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Die Neuländer richteten die Räume wohnlich her. Max Weiler und Fritz Berger sorgten für die künstlerische Ausgestaltung. Auch die Kapelle sollte nach Plänen von Rudolf Schwarz, dem Landesplaner von Nordrhein-Westfalen, renoviert werden. Vor allem plante man die Öffnung der alten romanischen Fenster in der Apsis.

Seit 1931 hielt Felix Messerschmidt, später langjähriger Leiter des Bildungshauses in Tutzing, auf Petersberg seine Singwochen ab, wurden die Ostertage nach der neuen Liturgie im Sinne Romano Guardinis gefeiert, malte Max Weiler seine Bilder und bereitete Ignaz Zangerle seine Vorträge vor.

1938 wurde das Schloss kurzfristig als Jugendheim genutzt. Ab 1943 wurden Bestände des Landesarchivs, des Volkskunst- und Bergiselmuseums dort gelagert, um sie vor Bombenschäden zu bewahren. 1965 verkaufte Graf Stolberg die bereits reichlich ruinöse Anlage an die Schutzengelbruderschaft, die sie mit Schenkungsvertrag vom 17. Juni 1980 dem Kloster auf Sankt Petersberg des Ordens der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz übertrug.

Historische Bedeutung