Mytischtschi ( , wiss. Transliteration Mytišči) ist eine russische Großstadt in der Oblast Moskau. Mit 279.000 Einwohnern (Stand: 2025) ist sie einer der größten Orte der Oblast.
Lage Mytischtschi liegt unmittelbar vor dem nordöstlichen Stadtrand von Moskau am Fluss Jausa, 19 km vom Moskauer Zentrum entfernt. Südlich der Stadt erstreckt sich das Waldgebiet des Nationalparks Lossiny Ostrow, auf dem entlang des Autobahnrings MKAD die Grenze zwischen Mytischtschi und Moskau verläuft.
Außer Moskau grenzt die Stadt Koroljow an Mytischtschi. Zum Ballungsgebiet rund um Mytischtschi gehören darüber hinaus die Städte Puschkino, Dolgoprudny, Iwantejewka und Schtscholkowo.
Geschichte mini|links|Denkmal für die erste russische Wasserleitung in Mytischtschi Die Stadt ging aus einer Zollstation auf dem Weg nach Sergijew Possad hervor, die 1460 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Dabei hat die Stadt Überlieferungen zufolge ihren heutigen Namen der Tatsache zu verdanken, dass in diesem Bereich der Straße Maut (altrussisch: myt) erhoben wurde.
Spätestens aus dem 17. Jahrhundert stammt auch die erste Erwähnung von Mytischtschi als eigenständiges Dorf. Dieses konnte sich im Laufe der Jahrhunderte vor allem dank seiner Lage an der wichtigen Straße, die Moskau mit dem Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad und weiter mit Jaroslawl verband, wirtschaftlich entwickeln. Mitte des 19. Jahrhunderts zählte der Ort knapp 1000 Einwohner.
Eine zusätzliche Bedeutung erhielt Mytischtschi mit dem Bau der ersten russischen Wasserleitung durch Friedrich Bauer Ende des 18. Jahrhunderts, die Trinkwasser aus den umgebenden Quellen bis nach Moskau speiste. Diese Leitung versorgte Moskau noch bis ins 20. Jahrhundert mit Wasser. 1862 wurde durch Mytischtschi mit der Strecke von Moskau nach Sergijew Possad eine der ersten russischen Eisenbahnlinien verlegt. Ende 1892 wurde die von Nikolai Simin gebaute neue Wasserversorgung in Betrieb genommen. Mit der Errichtung von Baumwollmühlen Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Industrialisierung der Stadt ein, die ihren Höhepunkt mit der Gründung der Waggonfabrik (heute: Metrowagonmasch) durch den Industriellen Sawwa Mamontow erreichte. Gleichzeitig wurde die Gegend rund um Mytischtschi, auch dank der hier zahlreichen Wälder, als Datschenvorort Moskaus beliebt.
1925 erhielt Mytischtschi, mittlerweile eine große Arbeitersiedlung der Waggonfabrik mit über 20.000 Einwohnern, den Stadtstatus. Das heutige Stadtbild wird vor allem durch Wohnviertel aus der Nachkriegszeit bestimmt, die weit über das Territorium des ehemaligen Dorfes hinaus reichen.
Bei Mytischtschi befindet sich der 2013 eröffnete Militärgedenkfriedhof der Russischen Föderation als Nachfolgeeinrichtung der Nekropole an der Kremlmauer.
Städtepartnerschaften Mytischtschi listet folgende dreizehn Partnerstädte und -kreise auf: StadtLandseitAngarsk 15px2007Bachtschyssaraj 15px2015Baranawitschy 15px2001Borissow2000Düren 15px2011, 13. Aprilhttp://kreis-dueren.de/aktuelles/presse/presse_dat.php?pm=/aktuelles/presse/politik/mytischi.phpGabrowo 15px2002Lecco 15px2005Nymburk 15px2004Die Partnerschaft mit Nymburk wurde am 10. März 2022 beendetPanevėžys 15px2001Płock 15px2003Schodsina 15px1996Smaljawitschy 15px1998Tschernihiw 15px2001Die Partnerschaft mit Tschernihiw wurde am 1. März 2016 beendet
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 1.000 1926 17.000 1939 60.118 1959 98.606 1970 118.653 1979 140.656 1989 154.068 2002 159.900 2010 173.1602016201.130 Anmerkung: Volkszählungsdaten (bis 1926 gerundet)
Wirtschaft Heute ist Mytischtschi eine industriell geprägte Satellitenstadt von Moskau. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen der Maschinenbau – der bekannteste Industriebetrieb der Stadt ist das 1897 gegründete Metrowagonmasch-Werk, das unter anderem U-Bahn-Züge für Moskau und viele andere Städte produziert. Weiterhin gibt es in der Stadt Gerätebau und Kabelproduktion und seit 2008 eine Großbrauerei. mini|Hauptbahnhof Mytischtschi mini|Mytischtschi-Arena
Verkehr Straße Mit der Lage an der „Jaroslawler Chaussee“ – der heutigen M8 – ist Mytischtschi an das russische Fernstraßennetz angebunden.
Bahn Die Stadt ist vor allem ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt: Sie befindet sich an der Teilstrecke der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Jaroslawl, von der in diesem Bereich zwei Stichstrecken für den Personenverkehr abzweigen. Vom Hauptbahnhof Mytischtschi aus bestehen regelmäßige Zugverbindungen nach Moskau zum Jaroslawler Bahnhof, darunter mit S-Bahn-ähnlichen Expresszügen Sputnik, die zur Hauptverkehrszeit im 15-Minuten-Takt fahren.
Sport
Mytischtschi-Arena: Die Stadt Mytischtschi war im Jahr 2007 Austragungsort der 71. A-Eishockey-Weltmeisterschaft, die in Russland stattfand. Dazu wurde im Jahre 2006 die Mytischtschi-Arena gebaut. Diese ist auch die Spielstätte des in der Stadt beheimateten Eishockeyklubs Atlant. Dynamo-Schießanlage: In Mytischtschi liegt auch die Dynamo-Schießanlage, in der während der XXII. Olympischen Sommerspiele in Moskau 1980 die Wettbewerbe im Schießen abgehalten wurden.
Söhne und Töchter der Stadt
Grigori Sokolow (1904–1973), GeneralleutnantСоколов Григорий Григорьевич, shieldandsword.mozohin.ru (russisch) Sergei Kisseljow (1905–1962), Archäologe und Historiker Jewgeni Sawizki (1912–1984), Physikochemiker, Metallkundler und Hochschullehrer Juri Medwedew (1920–1991), Schauspieler und Synchronsprecher Wiktor Bystrow (1931–1992), Boxer Lew Schustko (1935–2004), GeneraloberstШустко Лев Сергеевич, elita-army.ru (russisch) Juri Besmenow (1939–1993), sowjetischer Journalist Gennadi Strekalow (1940–2004), Kosmonaut Jelena Kondakowa (* 1957), Kosmonautin Tatjana Golikowa (* 1966), Ökonomin und Politikerin Swetlana Sabolujewa (* 1966), BasketballspielerinSvetlana Zaboluyeva-Antipova in der Datenbank von Sports-Reference (englisch) Swetlana Moskalez (* 1969), Leichtathletin Jewgeni Ditrich (* 1973), Politiker, Verkehrsminister Alexander Pitschuschkin (* 1974), Serienmörder Wadim Jewsejew (* 1976), Fußballspieler und -trainer, rusteam.permian.ru (russisch) Alexei Bassow (* 1977), Autorennfahrer Jewgeni Kirillow (* 1987), Tennisspieler
Weblinks
Offizielle Website des Rajons Mytischtschi (russisch) Stadt Mytischtschi auf mojgorod.ru (russisch) Inoffizielle Website (russisch) Zur Geschichte von Mytischtschi (russisch) Die Satellitenkarte und der Katalog der Organisationen der Stadt Mytischtschi (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Moskau
Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1925