Alpbach (mundartlich Åibåch) ist eine Gemeinde im Bezirk Kufstein in Tirol in Österreich mit Einwohnern (Stand ) und liegt am Ende des Alpbachtals. Die Gemeinde ist Teil des Gerichtsbezirks Rattenberg. Die Gemeinde ist nach dessen Hauptort (ein Dorf) benannt, wo der Sitz der Gemeindeverwaltung ist.
Bekannt ist Alpbach insbesondere durch sein weitgehend einheitliches Ortsbild im traditionellen Holzbaustil sowie als Austragungsort des seit 1945 jährlich stattfindenden Europäischen Forums Alpbach.
Geografie Alpbach liegt in den Kitzbüheler Alpen südöstlich des Inntals. Das Gemeindegebiet erstreckt sich entlang des Alpbachs bis nach Inneralpbach und umfasst zahlreiche Weiler und Einzelhöfe. Die Höhenlage reicht von den Talbereichen auf rund 700 Metern bis zu den Gipfeln der umliegenden Berge mit über .
Lage Alpbach liegt in den Kitzbüheler Alpen im inneren Alpbachtal am Fuß des 1898 Meter hohen Gratlspitz. Der Ortsteil Inneralpbach (mundartlich Innătåi) bildet den Talschluss.
Der Große Galtenberg mit seinen liegt am südlichen Talschluss von Alpbach und ist vom Ortsteil Inneralpbach aus zu erreichen. Zwischen Alpbach und Reith im Alpbachtal liegt im Südwesten das Wiedersberger Horn mit einer Höhe von , welches touristisch sowohl im Winter als Skigebiet als auch im Sommer genutzt wird. Der Schatzberg im Osten trennt mit seinen Alpbach von der Wildschönau.
Landschaft Das Gemeindegebiet ist geprägt von Almflächen, Bergwäldern und den Gipfeln der Kitzbüheler Alpen. Zu den bekanntesten Bergen zählen der Große Galtenberg (), das Wiedersberger Horn (), die Gratlspitze () sowie die Joelspitze (). Das gesamte Tal wird vom Alpbach durchflossen, der schließlich bei Brixlegg in den Inn mündet.
Gemeindegliederung
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte Die älteste urkundliche Erwähnung erfolgte 1240. Aufgrund seiner abgeschiedenen Lage war Alpbach bis in das frühe 20. Jahrhundert nur schwer erreichbar; eine Straßenverbindung ins Inntal entstand erst 1926. Diese lange Isolation trug wesentlich zum Erhalt traditioneller Bauformen und bäuerlicher Strukturen bei.
Jedoch zeugt der Fund einer Bronzeaxt, die auf die mittlere Bronzezeit (1600–1250 v. Chr.) datiert wurde, von einem bereits früheren Aufenthalt von Menschen in Alpbach. Namen von gelegenen Örtlichkeiten wie Greit und Mareit lassen auch auf eine Besiedelung in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt schließen, da auch Funde im Nachbarort Reith im Alpbachtal auf eine römische Besiedelung hinweisen.
Eine Rolle spielte die Almwirtschaft und der Bergbau, der im 15. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte. Besonders Kupfer, aber auch Silber wurden hauptsächlich in Stollen rund um die Gratlspitze abgebaut, wobei die ältesten überlieferten Angaben über den Bergbau in Alpbach im Salbuch von 1416 enthalten sind.
Die Handelsfamilie Fugger aus Augsburg übernahm neben dem Bergbau in Kitzbühel und Schwaz auch den Bergbau in Alpbach. Sitz des Berggerichts sowie der fuggerischen Verwaltung war der Böglerhof. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bergbau jedoch aufgrund geringer Erträge wieder eingestellt.
In den 1930er Jahren wurde der Ort vom Fremdenverkehr entdeckt. Eine schon 1953 beschlossene Bauordnung schrieb traditionelles Bauen im Holzstil vor, was das Entstehen von großen, das Ortsbild verändernden Hotelbauten verhinderte, wie sie andernorts in Tourismusregionen zu finden sind. Die Gemeinde erhielt für ihre Bemühungen die Auszeichnungen „Schönstes Dorf Österreichs“ und „Schönstes Blumendorf Europas“. In Alpbach sind circa 22 Bauernhöfe als Erbhöfe geführt, was bedeutet, dass jeder dieser Bauernhöfe für mindestens 200 Jahre hindurch im Besitz derselben Familie war. Dabei wurden hauptsächlich nur Vererbungen in männlicher Linie beachtet, mit einem Landesgesetz von 1957 wurde jedoch auch die weibliche Erbfolge stillschweigend anerkannt.
Name und Etymologie Alpbach [] wird mundartlich als Åibåch (Bairische Schreibung) [] und seine Einwohner als Åibékchărinnă [] und Åibékchă [] bezeichnet.
Der Ortsname leitet sich von der Alp, nicht jedoch von Bach ab. Vielmehr ist -ach hier ein Kollektivsuffix, sodass Alpbach als „Ansammlung von Almen“ verstanden werden kann. Erstmals genannt wurde der Ort ca. 1150 (fraglich) und 1231–1234, wo er auch Alpach geschrieben wurde. Allerdings wurde schon im Hochmittelalter das Wort „Bach“ eingekreuzt (erstmals 1300 als Alppach, später auch Altpach). Heute ist der Bach auch im Gemeindewappen vertreten. Er ist in Silber gehalten, um den ehemaligen Bergbau in der Region zu symbolisieren, während das Grün die fruchtbaren Almen darstellt.
2009 wurde der Asteroid (13217) Alpbach nach dem Ort benannt.
Bevölkerungsentwicklung
Ortsbild und Architektur Das Ortsbild von Alpbach ist durch eine weitgehend einheitliche Bauweise geprägt. Wohn- und Wirtschaftsgebäude besitzen oberhalb des gemauerten Sockels Holzfassaden oder sind vollständig in Holzbauweise errichtet. Einen nachhaltigen Einfluss auf das Ortsbild hatte die 1953 beschlossene Bauordnung, welche den traditionellen Holzbaustil für Neubauten vorschreibt. Diese Regelung gilt als wesentliches Merkmal der Ortsentwicklung.
Zum Ortsbild gehören zahlreiche Erbhöfe, die sich über mehrere Generationen im Besitz derselben Familien befinden. Neben traditionellen Bauernhäusern prägen die Pfarrkirche St. Oswald, der historische Dorfkern sowie das teilweise in den Hang integrierte Congress Centrum Alpbach das Erscheinungsbild der Gemeinde.
Bauwerke mini|hochkant|Pfarrkirche Alpbach Pfarrkirche Alpbach: Katholische Pfarrkirche zu Ehren des Hl. Oswalds mit umliegendem Ortsfriedhof. Kennzeichnend für den Ortsfriedhof ist das einheitliche Erscheinungsbild der Grabstätten, wobei schmiedeeiserne Kruzifixe über den Gräbern errichtet worden sind bzw. errichtet werden. Vollholzhäuser: Sehenswert sind die Vollholzhäuser, die im Sommer mit Blumen reichlich geschmückt werden, und weiters die Bauernhöfe an den Hängen Hof Vorderunterberg: als Bergbauernmuseum eingerichtet Congress Centrum Alpbach: 1999 wurde das Congress Centrum Alpbach eröffnet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Europäisches Forum Alpbach mini|hochkant|Congresscentrum Alpbach Seit 1945 findet jährlich das Europäische Forum Alpbach statt. Die Konferenz vereint internationale Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik, darunter auch mehrere Nobelpreisträger, jährlich im Spätsommer im Congress Centrum Alpbach.
Das Europäische Forum wurde im August 1945 von Otto Molden und Simon Moser unter dem Namen Internationale Hochschulwochen gegründet. Wenig später, im Jahr 1949, erfolgte die Umbenennung in Europäisches Forum Alpbach. Mit dem Bau des Congress Centrums Alpbach erhielt die Veranstaltung Ende der 1990er Jahre einen modernen Veranstaltungsort.
Brauchtum Das Brauchtum nimmt in Alpbach einen wichtigen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde ein und ist eng mit dem Kirchenjahr, der Almwirtschaft sowie den bäuerlichen Traditionen verbunden. Zahlreiche Bräuche werden bis heute von örtlichen Vereinen und der Bevölkerung gepflegt und regelmäßig durchgeführt.
Almabtrieb Zu den bedeutendsten traditionellen Veranstaltungen zählt der Almabtrieb im Herbst. Nach dem Ende des Almsommers werden die festlich geschmückten Rinder von den Hochalmen zurück ins Tal geführt. Der Almabtrieb geht häufig mit Musik, regionaler Kulinarik und einem Rahmenprogramm einher und wird von Einheimischen wie Gästen besucht. Die geschmückten Tiere gelten als Zeichen dafür, dass während des Almsommers kein Vieh verunglückt ist.
Anklöpfeln Eine lange Tradition besitzt auch das Anklöpfeln, das in der Adventzeit stattfindet. Gruppen von Anklöpflern ziehen in den Wochen vor Weihnachten von Haus zu Haus und tragen Lieder sowie kurze Spielszenen vor. Der Brauch erinnert an die Herbergssuche von Maria und Josef und ist in vielen Gemeinden Tirols verbreitet.
Kirchliche Feste Im Jahresverlauf finden außerdem verschiedene kirchliche Prozessionen und Feste statt. Dazu gehören unter anderem die Fronleichnamsprozession sowie Erntedankfeiern, die gemeinsam von der Pfarrgemeinde, Vereinen und der Bevölkerung gestaltet werden. Diese Veranstaltungen werden traditionell von den örtlichen Musikkapellen und Schützenkompanien begleitet.
Volkstanz und Musik Ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens sind die Alpbacher Plattler, die Tiroler Volkstänze und Schuhplattler aufführen und damit zur Pflege des regionalen Brauchtums beitragen.
Ebenso prägt die Bundesmusikkapelle Alpbach, gegründet im Jahr 1823, mit Konzerten, kirchlichen Feiern und Festveranstaltungen das kulturelle Leben der Gemeinde. 2018 zählte der Verein 74 Mitglieder.Vereinsleben | Bundesmusikkapelle Alpbach. Abgerufen am 2. August 2018. Die Musikkapelle Alpbach ist in den Sommermonaten durchschnittlich jeden dritten Tag im Einsatz. Im Sommer finden wöchentlich Platzkonzerte statt. Weitere Aufgaben sind die musikalische Umrahmung von Beerdigungen, kirchlichen Festen und Prozessionen sowie die Teilnahme an landesüblichen Empfängen.
Bekannt ist Alpbach auch für seine Volksmusikanten. Erwähnenswert ist hier vor allem Peter Moser, der mit viel Einsatz für den Erhalt von unzähligen Liedern und Weisen im Alpenraum eintrat. Weiteren Bekanntheitsgrad erlangten Alpbach und das Alpbachtal als Drehort der Fernsehserie Wildbach.
Tracht Die Trachten haben im öffentlichen Leben weiterhin einen hohen Stellenwert. Bei kirchlichen Feiertagen, Festumzügen und traditionellen Veranstaltungen werden vielfach die Alpbacher Festtracht sowie regionale Trachten getragen.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Landwirtschaft, insbesondere Alm- und Grünlandwirtschaft, bildet weiterhin einen Teil der örtlichen Wirtschaftsstruktur. Daneben stellen Tourismus, Beherbergungsbetriebe, Gastronomie sowie das Kongresswesen wichtige Wirtschaftszweige dar. Durch das Europäische Forum Alpbach und weitere Kongresse hat sich der Ort zusätzlich als Veranstaltungsstandort etabliert.Abseits des Tourismus sind auch Kleinbetriebe wie Tischlereien, Zimmereien oder eine Schmiede wichtige Arbeitgeber im Ort.
Tourismus Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Gemeinde Alpbach. Seine Entwicklung setzte verstärkt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein und wurde durch den Ausbau der Straßenverbindung ins Inntal sowie durch die zunehmende touristische Erschließung der umliegenden Bergwelt begünstigt. Heute ist Alpbach sowohl im Sommer als auch im Winter ein bedeutender Ferienort innerhalb der Tourismusregion Alpbachtal.
Die touristische Infrastruktur umfasst Beherbergungsbetriebe, Gastronomiebetriebe, Bergbahnen sowie Einrichtungen für den Kongress- und Veranstaltungstourismus. Eine besondere Rolle spielt dabei das Congress Centrum Alpbach, das vor allem im Zusammenhang mit dem jährlich stattfindenden Europäischen Forum Alpbach genutzt wird. Dadurch weist die Gemeinde neben dem klassischen Urlaubsverkehr auch einen ausgeprägten Tagungs- und Kongresstourismus auf.
Sommertourismus Im Sommer bildet vor allem der Wander- und Bergtourismus einen Schwerpunkt. Das Gemeindegebiet ist durch ein weitläufiges Netz an Wanderwegen erschlossen, die zu Almen, Berggasthöfen und Gipfeln in den Kitzbüheler Alpen führen. Zu den häufig besuchten Zielen zählen unter anderem das Wiedersberger Horn, die Gratlspitze und der Große Galtenberg. Die Wanderwege reichen von einfachen Spazier- und Familienwegen bis zu anspruchsvolleren Bergtouren.
Die Wiedersbergerhornbahn erschließt das Gebiet rund um das Wiedersberger Horn und dient während der Sommermonate als Ausgangspunkt für Wanderungen und Freizeitangebote. Im Bereich der Bergstation befinden sich Einrichtungen, die insbesondere auf Familien mit Kindern ausgerichtet sind. Daneben gehören Mountainbiken, E-Biken und weitere alpine Freizeitaktivitäten zum touristischen Angebot.