Podolsk (, Transliteration Podol'sk) ist eine russische Großstadt in der Oblast Moskau, rund 40 km südlich von Moskau. Sie ist Verwaltungszentrum eines gleichnamigen Stadtkreises und hat 313.000 Einwohner (Stand: 2025).
Geografie und Klima Podolsk befindet sich im Zentrum der Osteuropäischen Ebene. Durch die Stadt fließt die Pachra (ein rechter Nebenfluss der Moskwa). Das Moskauer Stadtzentrum liegt etwa 43 km nördlich der Stadt.
Das Klima ist durchweg kontinental geprägt. Es sind aber auch Einflüsse durch Tiefdruckgebiete vom Atlantischen Ozean und vom Mittelmeer möglich, so dass es im Winter mild und im Sommer feucht werden kann.
Die Durchschnittstemperatur im Januar liegt bei etwa −10,5 °C, während sie im Juli 17,5 °C beträgt.
Geschichte Frühe Geschichte Die Region des heutigen Podolsk war bereits in der Mittelsteinzeit (7. Jahrtausend v. Chr.) besiedelt. Dies beweisen Ausgrabungen auf dem Stadt- und Stadtkreisgebiet, die von 1994 bis 1997 durchgeführt wurden und bei denen Gegenstände aus Knochen und Stein gefunden wurden. Die erste menschliche Siedlung dürfte sich in der Dubrowiza am Zusammenfluss der beiden Flüsse Desna und Pachra befunden haben.Podolsker Heimatmuseum (Подольский краеведческий музей): Archäologische Vergangenheit (Археологическое прошлое), besucht am 2. Oktober 2008 () Heute befindet sich im Schutzgebiet Podolje (Подолье) an der Stadtgrenze das einzige mehrschichtige archäologische Denkmal der Moskauer Oblast, wo es Spuren der menschlichen Aktivität seit der Mittelsteinzeit gibt, also inklusive späterer Epochen wie Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und frührussischer Zeit.I. Romankjewitsch (Романкевич И.): Alles begann aus einer Siedlung... (Начиналось всё с селища… (Начало)) (PDF; 2,3 MB), in: Подольский рабочий, Nr. 53 (19012), S. 15, besucht am 17. Oktober 2011. ()
In der Eisenzeit siedelten finno-ugrische Völker (darunter der Stamm der Merja) und baltische Stämme auf dem Gebiet des heutigen Podolsk. Im Zuge von Ausgrabungen auf dem linken Ufer der Pachra wurden tönerne und eiserne Objekte gefunden und auf diese Epoche datiert. Die Funde beweisen, dass Geschirr aus Ton damals ohne Töpferscheibe gefertigt und im Lagerfeuer gebrannt wurde.A. A. Jarzewa: , besucht am 1. November 2008 Unter den Siedlungen der Eisenzeit sticht die finno-ugrische Siedlung Kusnetschiki heraus, die an der Petriza, einem Nebenfluss der Motscha, gelegen war. Hier wurden Reste von Häusern, Feuerstellen und keramischen Erzeugnissen, die alle auf die Djakowskaja-Kultur deuten, gefunden.W. A. Pozeluew und I. W. Petreew (В.А. Поцелуев И.В. Петреев): Das Umland von Podolsk (Подольские окрестности), besucht am 1. November 2008 () Der finno-ugrische Einfluss bleibt bis heute an Ortsbezeichnungen sichtbar: der Name des Flusses Pachra ist auf diese frühgeschichtlichen Bewohner zurückzuführen.
Im neunten und zehnten Jahrhundert wurde das Territorium des späteren Podolski rajon durch slawische Stämme besiedelt, die in Nachbarschaft mit den Finno-Ugren lebten. Archäologische Funde von Ringen, Schmuck sowie auf Töpferscheibe gefertigter Keramik aus grauem und weißem Ton zeigen, dass im 10. bis 14. Jahrhundert die slawischen Wjatitschen hier siedelten. Auch diese Bewohner prägten Ortsnamen: die Namen der Flüsse Desna und Motscha stammen aus dieser Zeit. Desna bedeutet im Altrussischen rechts, was darauf hindeutet, dass die Slawen die Region von der Mündung der Pachra in Richtung ihrer Quelle erschlossen.
Die Frage der politischen Zugehörigkeit des Gebiets im 11. und 12. Jahrhundert ist umstritten. Im 19. Jahrhundert schloss der Historiker P. W. Golubowski nach Analyse der Gründungs- und Schenkungsurkunden des Fürsten Rostislaw, dass das Pachra-Becken im 12. Jahrhundert Teil des Smolensker Fürstentums war. Diese Schlussfolgerung basiert auf der Annahme, dass der in der Gründungsurkunde erwähnte Pogost Dobrjatina mit dem Ort Dobrjatina am Rande des heutigen Podolsk identisch sei. Gegen diese Version spricht, dass der Ort und Fürstensitz (Wotschina) Dobrjatina erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand und seinen Namen den Dobrjatiner Bienenwäldern verdankt – die Zeidlerei war damals ein bedeutendes Gewerbe für die Bewohner der Region.I. Romankjewitsch (Романкевич И): Podol an der Pachra (Подол на Пахре) (PDF; 2 MB), in: Подольский рабочий, №252-253 (18335-18336) vom 9. November 2006, S. 4–5, besucht am 17. Oktober 2011 () In Chroniken aus dem zwölften Jahrhundert erscheinen Berichte über wjatitschische Städte, vor allem über das am Fluss Motscha gelegene und 1152 von Juri Dolgoruki gegründete Peremyschl Moskowski, das unweit des heutigen Podolsk lag.S. W. Schpoljanski (С.В. Шполянский): Peremyschl Moskowski Перемышль Московский (к проблеме возникновения и роли города в системе обороны границ Московского княжества), besucht am 1. November 2008 () Bis zum 17. Jahrhundert verlor dieses Peremyschl aber seine Bedeutung und wird in den russischen Katastern dann nurmehr als umwallte Siedlung, nicht mehr als Stadt, bezeichnet.
Etwa in den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts fiel der östliche Teil des Smolensker Fürstentums, und damit auch das heutige Podolsk, an das Moskauer Fürstentum. Im Jahre 1559 wurde Dobrjatino zusammen mit seinen Dörfern (80 Dörfer und zwei Pogoste) dem Danilow-Kloster geschenkt. Die von Zar Iwan dem Schrecklichen ausgefertigte Schenkungsurkunde ist das erste historische Dokument, das über die Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Podolsk Auskunft gibt. Unter diesen Siedlungen befindet sich mit einem Dorf namens Podol auch der Vorläufer der Stadt Podolsk.
Die genaue Zeit der Entstehung dieses Ortes ist unbekannt, weil noch keine Ausgrabungen an den Orten, wo sich die ältesten Kulturgegenstände aus der Podolsker Geschichte befinden dürften, durchgeführt wurden. Gleichwohl darf man annehmen, dass dies an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert oder vielleicht sogar davor geschah. Es ist nur bekannt, dass sich das Dorf etwa 50–80 m flussaufwärts von der heutigen Straßenbrücke über die Pachra befand. Aus der Schenkungsurkunde des Jahres 1559 geht hervor, dass in dem Ort namens anderes Strelnikowo einige Höfe aus Holz niedergerissen worden waren. Weiterhin kann man aus diesem Dokument schlussfolgern, dass das zukünftige Podol aus drei Teilen zusammengesetzt sein würde: dem eigentlichen Dorf Podol, dem Pogost an der Pachra mit der Christus-Auferstehungs-Kirche und einer Poststation.I. Romankjewitsch (Романкевич И.): Подол, что «на речке на Пахре (PDF; 3,9 MB), in: Подольский рабочий, Nr. 54 (19013) vom 20. Juli 2011, besucht am 17. Oktober 2011. ()
Das Dorf Podol Während der Zeit der Smuta war auch das Dorf Podol Schauplatz kriegerischer Handlungen. Wenngleich dokumentarische Belege aus dieser Periode spärlich sind, berichtet eine Meldung aus dem Jahre 1606 von einer Schlacht zwischen Regierungstruppen und der Rebellenarmee von Iwan Bolotnikow: es gab einen Kampf mit räuberischen Leuten an der Pachra, und die räuberischen Leute wurden besiegt. Erhaltene Dokumente aus dem Dienstlistenamt geben an, dass im November 1606, also einen Monat nach der Schlacht, auch der Geistliche von Podol, Elisej, und der Bauer des Danilow-Klosters, Danil Mitrofanow, unter den Gefangenen waren. Genau aus diesem Jahr 1606 stammt auch die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Podol.
Gemäß den Kataster-Einträge der Jahre 1626–1628 war Podol bereits eine große Siedlung innerhalb der Besitzungen des Danilow-Klosters an der Pachra, und es übertraf den Umfang des Ackerlandes von Dobrjatino, das das Zentrum des klösterlichen Besitzes war, um das Doppelte. Angesichts dessen, dass das Ackerland von Podol zehnmal so groß wie das eines gewöhnlichen Dorfes war, darf man annehmen, dass der Ort und seine Ländereien sich bis zu den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts formierte, und dass er sich außergewöhnlicher Stabilität erfreute. Zur Mitte des 16. Jahrhunderts bestand Podol aus einer Straße, der großen Serpuchowsker Straße, an der beiderseitig Bauernhöfe standen und die in ihrer Mitte vom Fluss Pachra gekreuzt wurde. Die Kirche und der Pogost lagen innerhalb des Ortes, etwas östlich auf einem höher gelegenen Uferabschnitt (hier lagen, abgesehen von der Kirche, auch bis zu drei Höfe der Popen und Einsiedler). Aus dem Wachstum des Dorfes Podol stammt auch seine administrative Beziehung zum Pogost, wodurch sich die Siedlung bildete.
Das weitere Wachstum und die Entwicklung von Podol, das Teil des Molozker Stans im Moskauer Ujesd wurde, waren mit der Serpuchowsker Straße, die durch den Ort führte, unmittelbar verbunden. Auf diese Weise bildete Podol sich als ein Straßendorf heraus. Neben Ackerbau und Gemüseanbau widmeten sich die Bewohner auch dem Fuhrgewerbe, arbeiteten als Fährleute über die Pachra, betrieben Herbergen und Gaststätten, gewannen Baumaterial, Werkstein und Podolsker Marmor. Sie transportierten vor allem Nahrungsmittel nach Moskau, und brachten Manufakturprodukte aus Moskau zurück.
In den darauffolgenden Jahren gewann die Straße nach Serpuchow aufgrund des Konfliktes mit dem Khanat der Krim noch an strategischer Bedeutung und wurde eine sogenannte Botschafterstraße. So wuchs auch die Wichtigkeit des Ortes Podol als Umlageplatz. Am 30. März 1687, in der Hitze des Krimkrieges, wurde angeordnet, eine Postverbindung von Moskau nach Ochtyrka und Kolomak einzurichten, wovon die erste Poststation im Moskauer Kreml war, die zweite an der Pachra und die dritte in Podol unter dem Namen Pachra Tulskaja. Im Jahre 1696, als der Bau der russischen Flotte in den Werften von Woronesch begonnen hatte, wurde neuerlich zwischen Moskau und Woronesch eine Postlinie aufgebaut, die wiederum in Podolsk eine Station hatte. Die Rolle als Umschlagplatz blieb Podol bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. In den Jahren 1743 und 1744 plante man beispielsweise die Errichtung eines Reiseschlosses für eine Reise der Zarin Elisabeth nach Kiew. Man beschloss jedoch, die Baumaßnahmen zu Gunsten von Lebensmittelspeichern zu begrenzen.I. Romankjewitsch (Романкевич И.): Спасители отечества (Retter des Vaterlandes) (PDF; 1 MB), in: Подольский рабочий, Nr. 2 (18674), S. 7 vom 15. Januar 2009, besucht am 17. Oktober 2011. ()
Die günstige Lage des Ortes verhalf Podol zu raschem Wachstum. Von 1678 bis 1704 wuchs die Anzahl der Bauernhöfe von 43 auf 78; von 1626 bis 1766 wuchs die Fläche von Podol um das Vierfache. Die Bevölkerung wuchs dabei ausgesprochen stabil auf natürliche Weise und nicht durch Zuwanderung.
Im Jahre 1764 wurde die Fähre über die Pachra durch eine Schwimmbrücke ersetzt. Im gleichen Jahr wurden die klösterlichen Territorien säkularisiert und unter die Verwaltung des staatlichen Wirtschaftskollegiums gestellt (1764–1781). Die Einwohner fielen somit in die Kategorie der Ökonomiebauern, was ihre Lebensumstände im Vergleich zu ihrem früheren Status als leibeigene Bauern wesentlich verbesserte, da ihre Abgaben an den Staat deutlich niedriger waren als jene an die Kirche.
Im 18. Jahrhundert wurden in Podol die ersten steinernen Gebäude errichtet, allen voran die Kirche. Die Auferstehungskirche des 16. und 17. Jahrhunderts war aus Holz und gehörte zum einfachen Typ Kirche, der auf einem Blockbau mit einem Giebeldach basierte. Im Jahre 1722 brannte sie ab, so dass sich im Jahre 1728 der Klostervorsteher des Heiligen Moskauer Danilow-Klosters Igumen Gerasim und seine Brüder an das Synodenamt mit der Bitte wandten, auf dem Platz der einstigen Holzkirche eine neue Kirche aus weißem Werkstein bauen zu dürfen. Die Bauarbeiten zogen sich jedoch noch 40 Jahre hinaus.Подольское благочиние (Kirchenkreis Podolsk): Храм Воскресения Христова г. Подольска (Christi Auferstehungskirche Podolsk), besucht am 3. November 2008 () Bis in die 1780er Jahre existierte nur noch ein einziges weiteres Steingebäude im Ort, nämlich die Mälzerei auf dem linken Pachra-Ufer neben der Brücke.
Entwicklung der Stadt bis zum 20. Jahrhundert mini|Holzbrücke über die Pachra, Beginn des 20. Jahrhunderts