mini|Fridolinsmünster mini|Hauptschiff des Fridolinsmünsters

Das Damenstift Säckingen, auch Fridolinsstift, war ein Kloster im heutigen Bad Säckingen () im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg. Es wurde im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet und war ursprünglich ein Doppelkloster.R. Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds. S. 945. Das Herrenkloster scheint im 11. Jahrhundert nicht mehr bestanden zu haben. Das Damenstift war ein königliches Eigenkloster und seine Äbtissin wurde 1307 von König Albrecht I. in den Reichsfürstenstand erhoben. 1806 wurde auch das Damenstift im Zuge der Säkularisation aufgehoben.

Geschichte mini|Konstanzer Bistumskarte von 1779 mini|Mittelalterliches Stadtsiegel Säckingens mini|Säckinger Urbar aus dem Jahr 1310 mini|Rheininsel Säckingen von Süden 1663 mini|Rheininsel Säckingen von Norden ca. 1825 mini|Wappenstein der Äbtissin Agathe Hegenzer von Wasserstelz mini|Wappenstein der Äbtissin Marianna Franziska von Hornstein mini|Deckenfresko des Fridolinsmünsters mini|Orgel

Gründungsgeschichte Das Kloster Säckingen wurde angeblich unter dem Schutz des Franken-Königs Chlodwig I. (466–511) im 6. Jahrhundert gegründet. Stumpf datiert das Gründungsjahr auf das Jahr 495,Johannes Stumpf: Schweytzer Chronick. allgemein jedoch gilt das Gründungsjahr 522, welches jedoch von einigen Historikern in Frage gestellt wird, die annehmen, dass die Gründung nicht auf die Zeit Chlodwigs I., sondern auf Chlodwig II. (634–657) zurückgeht. Nach dem heutigen Stand der Forschung jedoch ist das Leben des heiligen Fridolin, der als Gründer des Klosters gilt, eher im 6. als im 7. Jahrhundert anzusiedeln,Bernhard Oeschger: Geschichte des Stifts und der Stadt Säckingen, S. 20. was wiederum den alten Überlieferungen entspricht.

Der Gründungslegende nach schickte Papst Coelestin I. im 5. Jahrhundert Mönche nach „Erin“ (Irland), um dort die Menschen vom christlichen Glauben zu überzeugen. Der Missionar Patrizius gründete dort im Jahre 472 das Erzbistum Armagh. Aus der dortigen Klosterschule soll der um das Jahr 480 geborene Fridolin hervorgegangen sein. Von Poitiers in Gallien aus begab dieser sich im Jahre 507 zur damaligen Hofstatt des Königs Chlodwig I. nach Orléans, um dort Gelder für den Wiederaufbau des zerstörten Klosters und der Kirche von Poitiers zu erbitten, die Chlodwig I. schließlich gewährte. Nachdem dieses Werk vollbracht war, wollte Fridolin seine Missionsarbeit in anderen Gebieten fortsetzen. Chlodwig versicherte ihm bei einem erneuten Besuch im Jahre 511 seinen Schutz und stellte ihm die entsprechenden Geleitbriefe aus. Von Portiers aus zog er über Metz und über die Vogesen nach Straßburg. Weiter führte sein Weg nach Chur, bis er schließlich um das Jahr 522 die Rheininsel bei Säckingen entdeckte und dort eine Kirche und eine Missionsstätte zu Ehren des heiligen Hilarius von Poitiers errichtete. Auf seiner Wanderung traf er die Brüder Ursus und Landolphus, die als besondere Wohltäter Fridolins auftraten.

Obgleich die Gründungsperiode zu Zeiten Chlodwigs I. heute teilweise in Frage gestellt wird, spricht dennoch einiges dafür, dass das Kloster Säckingen in der Tat um diese Zeit gegründet worden sein könnte.Johann Friedrich: Kirchengeschichte Deutschlands: Die Merovingerzeit, S. 418.Markus Schäfer: Die Frühgeschichte der Burg Hauenstein, Herausgeber Geschichtsverein Hochrhein, Jahrbuch 2011. Nach den Entscheidungsschlachten der Franken gegen die Alamannen in den Jahren 496 (Schlacht von Zülpich) und 506 (Schlacht bei Straßburg) benötigten die Franken einen Vorposten zur Ausbreitung ihrer Macht im Stammesgebiet der Alamannen. Die Gründung eines Klosters auf der gut zu verteidigenden Rheininsel bei Säckingen bot sich als mögliches Instrument hierfür an.Klemens Schaubinger: Geschichte des Stiftes Säckingen und seines Begründers, des heiligen Fridolin 1852.

Die Alamannen im rechtsrheinischen Gebiet im Süden unterstellten sich nach der Schlacht bei Straßburg dem Schutz der Ostgoten. Demnach hatte Chlodwig I. wohl kaum die Möglichkeit, über dieses Gebiet zu verfügen oder gar Schenkungen auf diesem Gebiet zu machen. Das linksrheinische Gebiet lag jedoch nach Unterwerfung und Umsiedlung der Burgunden spätestens ab dem Jahr 500 im fränkischen Machtbereich. Schäfer vertritt die Ansicht, dass sich bei Säckingen eine römische, rechtsrheinische Enklave erhalten hatte, die im Osten bis zur Südschwarzwälder Alb und im Westen bis zur Wehra reichte, welche bis zur Machtübernahme der Franken von diesen übernommen werden konnte.Markus Schäfer: Die Frühgeschichte der Burg Hauenstein. Geschichtsverein Hochrhein (Hrsg.), Jahrbuch 2011. Demnach gehörte Säckingen und die dortige Rheininsel damals zum linksrheinischen Burgund, wodurch die Voraussetzung für die Schenkung zur Zeit Chlodwigs I. und die Klostergründung wenige Jahre danach gegeben war. Einen geschichtlichen Kern für die frühe Gründung sehen Jehle und Englert in der Unterstützung des merowingischen Königtums und deren Nachfolger, den Karolingern und Ottonen, worin es als königseigenes Kloster erscheint.Fridolin Jehle, Anton Englert: Geschichte der Gemeinde Dogern, 1978, S. 23. Eine Siedlung befand sich bereits zu Zeiten der Römer in Säckingen, wie man den Berichten des Historikers Ammianus MarcellinusAmmian Marcel XXI. c. 2. entnehmen kann. Seinen Aufzeichnungen nach wurde im Jahr 360 der Heerführer comes Libino gegen den bündnisbrüchigen Alamannenstamm der Breisgauer () entsandt, der jedoch bereits beim ersten Treffen auf den Feind in Säckingen „prope oppidum Sanctio“ den Tod fand.Julius Cramer: Die Geschichte der Alamannen als Gaugeschichte. Scientia, 1971, ISBN 978-3-511-04057-4.Franz Joseph Mone: Urgeschichte des badischen Landes, Bd. I, S. 310.Johann Friedrich: Kirchengeschichte Deutschlands: Die Merovingerzeit. S. 415, Anmerkung 1349. Schließt man nun daraus, dass Säckingen eine römische Gründung ist, könnten Teile der dortigen Bevölkerung bereits zur fraglichen Gründungszeit christianisiert gewesen sein. Wie Schaubinger erwähnt, führte der Gang Fridolins über das in Rätien gelegene Chur, dem Vorposten des Ostgotenreichs, das kurze Zeit nach dem vermeintlichen Gründungsjahr 522 zusammen mit dem Protektorat über die Alamannen in fränkische Vorherrschaft überging.

Nach Brandmüller ist das Kloster in Säckingen das älteste Kloster im Raum Alemanniens.Walter Brandmüller: Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte: Von den Anfängen bis zur Schwelle der Neuzeit. I. Kirche, Staat und Gesellschaft.; II. Das kirchliche Leben. EOS Verlag, 1999. Dies bestätigen auch Wehling und Weber. Sie datieren die Gründung des Klosters Säckingen um das Jahr 600, noch vor der Gründung der Klosterzelle St. Gallen im Jahre 612.Hans-Georg Wehling, Reinhold Weber: Geschichte Baden-Württembergs. 2007. Chlodwig II. wurde jedoch erst im Jahre 634 geboren.

6. bis 10. Jahrhundert Das Stift unterstand dem Bistum Konstanz, dessen rechtsrheinische Grenzen bis einschließlich Kleinbasel reichten. Ays spricht sich dafür aus, dass das Kloster Säckingen dem Alamannenbistum Vindonissa (Windisch) unterstand, was somit für die Gründung des Klosters im 6. Jahrhundert spräche,Hermann Ays: Der Hl.Fridolin und seine Zeit. Books on Demand, 2010, ISBN 978-3-8391-8019-8. da dieses Bistum noch vor der Zeit Chlodwig II. nach Konstanz verlegt wurde. Leider fehlen dazu Quellenangaben, worauf er seine Aussage stützt. Als gesichert hingegen gilt, dass das Königskloster Säckingen gute Beziehungen zu Poitiers und zum fränkischen Königshof pflegte, dem es direkt unterstand und von welchem es mit reichlichen Besitzungen ausgestattet wurde. Zeitweise fungierte das Kloster Säckingen neben Basel, Zürich und dem Kloster Reichenau als Königspfalz am Hochrhein.Bernhard Oeschger: Geschichte des Stifts und der Stadt Säckingen. S. 25.

Von den Brüdern Ursus und Landolphus soll das Kloster Säckingen noch zu Lebzeiten Fridolins seinen umfangreichen Besitz in Glarus erhalten haben. Neuere Forschungen datieren den Erwerb des Glarnertals durch das Stift Säckingen wesentlich später. Demnach soll das Glarnerland erst Mitte des 8. Jahrhunderts an das Kloster Säckingen gekommen sein.Helmut Maurer: Die Konstanzer Bischöfe vom Ende des 6. Jahrhunderts bis 1206. S. 21. Im 7. Jahrhundert war das Stift an der Erschließung des Schwarzwaldes beteiligt. Von Hochsal aus unternahm das Stift Säckingen Siedlungsvorstöße bis weit in den Schwarzwald hinein, die bis Herrischried reichten wo eine Fronmühle entstand. Das Stift legte Höfe an, aus denen die Dörfer Rippolingen, Harpolingen, Niederhof, Oberhof, Hänner, Binzgen und Rotzel entstanden.R. Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwalds, S. 945.

Den weitaus autonomen Status, den die Alemannen unter den merowingischen Königen genossen, versuchten die Karolinger im 8. Jahrhundert zu beseitigen. Beim Blutgericht zu Cannstatt im Jahre 746 wurde auf Veranlassung des fränkischen Hausmeiers Karlmann nahezu die gesamte Führungsschicht der Alemannen ausgelöscht. Ziel dieser Aktion war die vollständige Unterwerfung der Alemannen. Klöster wurden nun zu Machtinstrumenten der karolingischen Herrschaft. Um einer Enteignung durch die Karolinger zu entgehen, vermachten nun viele Alemannen ihren Besitz einem ihnen zugeneigten Kloster. Im Gegenzug dafür erhielten sie ihren Besitz wieder in Form eines Lehens zurück, womit eine drohende Enteignung umgangen werden konnte. Dem Kloster St. Gallen, welchem zunächst mehrheitlich rätische Mönche angehörten, folgten im 8. und 9. Jahrhundert verstärkt alemannische Adelsfamilien. Es entwickelte sich somit zur „Fluchtburg“ für den alemannischen Adel und dessen Besitz. Das mitten im Gebiet der Alemannen gelegene Stift Säckingen entwickelte sich hingegen zur karolingischen Bastion, wie man in den Folgejahren an den Mitgliedern des fränkischen Hochadels unschwer erkennen kann. So soll Heilwig, die Gattin Welfs I. und Äbtissin in Chelles, ebenfalls Äbtissin des Damenstifts Säckingen gewesen sein.

Eine Urkunde vom 10. Februar 878, worin Karl III. bestätigt, dass seine Schwester Bertha, die Tochter Ludwigs II., Äbtissin des Damenstifts Säckingen sei und er seine Gemahlin Richardis als deren Nachfolgerin bestimmt, ist gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung Säckingens quod dicitur Seckinga.Philippe-André Grandidier: Histoire de l’eglise et des évêques-princes de Strasbourg. Levrault, Straßburg 1778. Bd. 2, Anhang, S. CCLXVI f. (Online bei Google Books im PDF-Dokument S. 600 f.)Klemens Schaubinger: Geschichte des Stiftes Säckingen und seines Begründers, des heiligen Fridolin. Verlag K. und N. Benziger, Einsiedeln 1852. S. 30, 33 (Online bei Google Books).

Das Herrenkloster des einstigen Doppelklosters Säckingen – es ist von Chorherren und Mönchen die Rede – scheint bereits im 10. Jahrhundert aufgelöst worden zu sein. Im 11. Jahrhundert werden Chorherren und Mönche nicht mehr erwähnt. Von da an erscheinen lediglich Kapläne, die die priesterlichen Aufgaben für die weiblichen Insassen übernahmen. Wie die Führung des Klosterverbandes erfolgte, kann aufgrund des Urkundenmangels aus dieser Zeit nicht mehr zweifelsfrei rekonstruiert werden. Dennoch darf angenommen werden, dass die Gesamtführung des Klosters, ähnlich dem Doppelkloster in Zürich, der Äbtissin unterstand.Bernhard Oeschger: Geschichte des Stifts und der Stadt Säckingen, S. 23.

Von den Einfällen der Ungarn, die in den Jahren 917 und 926 brandschatzend und mordend das Herzogtum Schwaben entlang Bodensee und Hochrhein verheerten, blieb auch das Damenstift Säckingen nicht verschont; es wurde zerstört und geplündert.Ekkehart Balther: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtum Badens. S. 906. und: Maximilian Georg Kellner: Die Ungarneinfälle im Bild der Quellen bis 1150: von der Gens detestanda zur Gens ad fidem Christi conversa (= Studia Hungarica. Bd. 46). München 1997. Vermutlich wurde Säckingen wie auch Basel bereits 917 zerstört.