St. Lucia ist die katholische PfarrkircheBistum Augsburg im Ortsteil Zell von Neuburg an der Donau in Oberbayern.

Gebäude mini|Pfarrkirche von Zell

Die katholische Pfarrkirche St. Luzia ist räumlich gesehen, durch die Umsiedlung der Gehöfte, etwas ins Abseits gerückt, aber nach wie vor der religiöse Mittelpunkt der Gläubigen. Seit wann die Pfarrei besteht und wann die erste Kirche hier gebaut wurde, ist unbekannt. Schon 1318 bestätigte König Ludwig dem Neuburger Nonnenkloster die Rechte, die das Kloster auch am Dorf Zell hatte.

Das heutige Gotteshaus verdanken die Gläubigen ihrem einstigen Pfarrer Dr. Claudius Kirchbauer. Er ließ die Kirche fast ganz auf seine Kosten errichten – viel schöner und größer als die alte – und stiftete eine neue Glocke. Auf 1739 ist die Weihe des Sakralbaues datiert, das Chronostichon über dem Chorbogen bezieht sich darauf. Die Kirche ist im Stil barock. Viele Putten und zahlreiche Heiligenfiguren beleben den Innenraum. Über dem Tabernakel des Hochaltars steht eine lebensgroße Figur der Patronin der Pfarrei, der heiligen Luzia.

Turm und Turmuhr mini|Räderuhr der Pfarrkirche Zell aus dem Jahre 1872

Das älteste Stück Mauerwerk ist wohl der Kirchturm. Eine Steintafel auf der Westseite gibt das Alter an: Erbaut 1480. Die Zeller nahmen dies zum Anlass, das fünfhundertjährige Jubiläum kirchlich zu feiern. Einen Teil des Turmes zerstörten die Schweden während des Dreißigjährigen Krieges. Das Glockengeschoss mit dem Satteldach dürfte deshalb erst nach 1648 errichtet worden sein.

Die Glocken sind nicht nur ein ehrwürdiges Metall, sie sind der Rufer zum Gebet und Kirchgang. Mindestens 479 Jahre musste der Mesner immer pünktlich zur Stelle sein, um die Gläubigen zum Gebete zu mahnen. 1959 ereilte auch dem Kirchturm die „Neuzeit“, das Glockenseil hatte ausgedient und wurde durch ein elektrisches Geläute ersetzt.

Eine Räderuhr auf dem Turm war bisher der öffentliche Zeitmesser. Eine Reparaturrechnung von 1779 bestätigt dies. Die Zeiger wurden vergoldet und die Uhr mit einem Schlagwerk versehen, erst ab jetzt gab es für die viertel- und die ganzen Stunden einen Glockenschlag. Die Uhren hatten damals noch keine Präzision und waren sehr ungenau. Deshalb holten sich die Bürger der Pfarrei Zell 1872 die Genehmigung zum Kauf eines neuen Uhrwerks. Nach 87 Jahren durfte diese Räderuhr wieder ihren Dienst quittieren. Mit dem elektrischen Geläute im Jahre 1959 musste auch eine elektrische Uhr mit einem automatischen Schaltwerk eingebaut werden.

Glocken und ihr Kriegstribut mini|Luzia-Glocke, gestiftet von Kronprinz Rupprecht, geweiht 1953 mini|Glockenweihe 1956 mit Ortspfarrer Georg Reiner

Eine Kirche ohne Glocken wäre in unserem christlichen Abendlande unvorstellbar, sie sind die Stimme des Herrgotts. Doch die Zeiten stellten sich manchmal in die Quere und raubten die ehernen Gesellen.

Lange Zeit war der Kirchturm von Zell mit zwei Glocken bestückt. Vor dem Ersten Weltkrieg war es bereits ein 3-er Geläute. Die größte Glocke stammte aus dem Jahre 1843 und wurde von Ignatz Beck in Augsburg gegossen, die zweite stammte aus dem Jahre 1558 und war ein Werk von Hans Glockengießer aus Nürnberg, die dritte leistete seit 1506 ihre Dienste. Da kam der Erste Weltkrieg. Metall wurde Mangelware und so musste die größte Glocke aus dem Jahre 1843 abgeliefert werden. Ein Chronist datierte den Zeitpunkt der Abnahme auf den 8. August 1917. Es gab sogar eine Entschädigung, das Kilo wurde mit 4,50 Mark vergütet, was einen Gesamtwert von 2650,50 Mark entsprach.

Lange Zeit begnügte sich nun die Pfarrei mit dem Zweier-Geläute. Im Jahre 1933 wurde der Wunsch nach einem neuen und größeren Geläute laut. Die beiden vorhandenen Glocken aus den Jahren 1558 und 1506 sollten dafür eingeschmolzen werden. Aber das Landesamt für Denkmalpflege machte nicht mit. Jetzt wurde die Glocke von 1558 mit eingebunden. Die Glocke aus dem Jahre 1506 bekam die Kapelle in Bruck als Geschenk.

Am Sonntag, den 4. Oktober 1933 wurde das neue Geläut eingeweiht. Vereine, Schulkinder und der Kirchenchor, sowie zahlreiche Gläubige gaben den festlichen Rahmen. Am Kirchweihsonntag 1933 ertönten erstmals die Glocken in neuer Besetzung. Am 4. Januar 1934 bekam der neue Glockenstuhl bei einem Probeläuten das Prädikat „in Ordnung“. Auch der Zweite Weltkrieg schrieb Glockengeschichte auf seine Art. Im Jahre 1942 wurden die Kirchtürme wieder beraubt. Inzwischen hatte Zell ein Vierergeläute. Drei Glocken mussten abgeliefert werden, darunter die alte aus dem Jahre 1558, die bereits einen Sprung hatte. Nur die Sebastian-Glocke aus dem Jahre 1933 blieb einsam im Turm.

Und wieder raffte sich die Kirchengemeinde auf zu einem neuen Geläute. Und das Glück stand zur Seite. Kronprinz Rupprecht von Bayern stiftete die beiden Glocken. Es war eine zwölf Zentner (600 kg) schwere Rupprechtsglocke sowie die Luziaglocke mit einem Gewicht von 7 ½ Zentner (375 kg). Dieses Geläute ist ein Dankeschön an die Pfarrei Zell für die gute Betreuung und die Gottesdienste auf dem Gut Rohrenfeld.

Höhepunkt war Sonntag, 12. Juli 1953 mit dem Festakt der Glockenweihe. Prinz Joseph Clemens von Bayern war der prominente Vertreter des Wittelsbacher Hauses. Auch Landrat Gaßner aus Neuburg war zugegen, Dekan Ferdinand Wachter aus Untermaxfeld übernahm das kirchliche Zeremoniell.

Am 29. April 1956 standen in Zell die Glocken abermals im Mittelpunkt. Das kinderlose Ehepaar Maria Vonficht und ihr verstorbener Ehemann Anton stifteten eine Glocke, die St. Anton und Maria geweiht wurde. Glockengießer war die Glockengießerei Czudnochowsky aus Erding. Wieder war Dekan Ferdinand Wachter aus Untermaxfeld mit dem Weiheakt beauftragt. Am nächsten Tag gab es bereits ein viertelstündiges Probeläuten im Viererklang. Heute noch besteht das Viererteam aus der Rupprechts-, der Luzia-, der Sebastian- sowie der Antonius-Maria-Glocke.

Kircheninnere mini|Deckenfresco mit St. Luzia

Schutzpatronin der Kirche ist St. Luzia. Zahlreiche Gemälde bereichern das Gotteshaus und schildern das Leben der Heiligen und ihr Martyrium. Die Darstellungen sind ausführlich durch lateinische Schriften erläutert. Ein Schmuckstück ist das Deckenfresko im Kirchenschiff und erinnert an den Religionswechsel im Jahre 1617. Das Gemälde schildert, wie in einer Prozession die katholische Religion wieder nach Zell gebracht wurde. Bildhauer und Maler der Kirche sind unbekannt.

Pfarrsprengel Seit eh und je hatte Zell einen Pfarrhof und war auch der Sitz des Pfarrers. In der Pfründestatistik der Diözese Augsburg aus dem Jahre 1906 wird das Sprengel der Pfarrei genau beschrieben. Es umfasste die beiden politischen Gemeinden Zell und Bruck, so wie sie vor der Gebietsreform bestanden haben. Zur Gemeinde Zell zählten auch die Filialen Rothheim, Zitzelsheim, das Jagdschloss Grünau, der Weiler LängenmühleDer Weiler ist abgegangen, das heißt die Flur zwischen Münchner Straße und Bahntrasse, östlich Längenmühlweg, ist durch die Erweiterung der Stadt Neuburg überbaut. sowie Marienheim mit Rödenhof. Die Gemeinde Bruck umfasste auch den Ort Maxweiler und den Bahnhof Rohrenfeld. Außerdem ist der Ort Rosing der Pfarrei Zell angegliedert. Das Gut Rohrenfeld war zu dieser Zeit noch in der Pfarrei Weichering eingegliedert und kam erst 1916 kirchlich nach Zell.

Die Pfarrei St. Luzia liegt in der Diözesanregion Altbayern und im Dekanat Neuburg-Schrobenhausen. Sie bildet mit St. Ulrich in Neuburg eine Pfarreiengemeinschaft und wird von dort aus betreut.

Pfarrhof mini|Der denkmalgeschützte Pfarrhof

Der Pfarrhof von Zell ist ein ehrwürdiges Denkmal. Eigentlich sollte er abgerissen werden, aber aufgrund seines Alters steht er unter Denkmalschutz. Letzter Bewohner war Pfarrer Georg Reiner, der 1980 starb.

Im Jahr 1612 meldet ein Visitationsbericht, dass das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand ist, es regnet überall herein. Aber es ist keine Abhilfe in Sicht. Noch Ende des 17. Jahrhunderts waren der Pfarrhof und das Ökonomiegebäude ruinös. Von 1799 bis 1816 schufteten die Handwerker, das Gebäude ist eine ständige Baustelle. Pfarrer Bihl streckt das Geld vor und rechnet 1816 mit der Pfarrei ab.

Die Koalitionskriege von 1800 bis 1815, das Hungerjahr 1816 und eine weitere Missernte 1817 setzten den Pfarrangehörigen schwer zu. Trotz alledem wurde nicht nur repariert, sondern auch ein neuer Pfarrstadel erbaut.

Doch um 1830 wieder die gleichen Klagelieder. Für eine gute Ernte ist das Gebäude viel zu klein, der Knecht muss sogar im Pferdestall nächtigen. Erst 1840 wurden Reparaturen vorgenommen, 1871 und 1956 waren weitere große Renovierungen. Die elektrische Beleuchtung wurde in Zell 1913 installiert, doch dem Pfarrer verweigert. Ihm wurde dies erst 1921 zugestanden.

Heute steht der Pfarrhof einsam da, denn die umliegenden Gebäude wurden wegen der Fluggefahr abgebrochen. Der denkmalgeschützte Pfarrhof ist zurzeit unbewohnt.

Kirchliche Persönlichkeiten Georg Claudius Kirchbauer mini|Gedenkstein für den Erbauer der Pfarrkirche Zell, Dr. Claudius Kirchbauer

Er zählt wohl zu den markantesten Zeller Geistlichen, der immer noch bei den Bürgern in Erinnerung ist. Kirchbauer war nicht nur Geistlicher, er war auch wohlhabend. Er ließ fast ganz auf seine Kosten die Zeller Kirche bauen, heißt es im Neuburger Kollektaneenblatt.Neuburger Kollektaneenblatt 1861, Seite 102, digitalisat Er konnte ein Witzbold sein. So wurde er einmal gefragt, warum er nur die Kirche gebaut hat und nicht auch den Turm, so meinte er schlagfertig: „Ich heiße doch Kirchbauer und nicht Turmbauer“.

Kirchbauer wurde am 17. April 1700 in Monheim als Sohn des dortigen Stadtschreibers geboren. Er studierte in Neuburg Philosophie und in Ingolstadt Theologie. 1718 stellte er bei seiner Disputation in Freising 55 Lehrsätze auf, die sich später in der Zeller Kirche auf einer Tafel befanden, aber heute nicht mehr vorhanden sind. Von 1720 bis 1723 weilte der junge Priester in Rom, um dort das weitere Studium zu absolvieren. Er wurde in jungen Jahren „Doktor der heiligen Theologie“. Seine Doktorarbeit liegt heute noch im Münchner Staatsarchiv auf. Kirchbauer bereiste ganz Italien, sah sich Konstantinopel an und weilte an den geweihten Stätten. Seine Wanderfahrten legte er schriftlich nieder. 1731 übernahm Kirchbauer die Pfarrei Zell, zu der die beiden Gemeinden Zell und Bruck zählten. Jetzt konnte er nochmals seine ganze Kraft entfalten. 1739 ließ er die Kirche bauen (ohne den Turm, der viel älter ist und heute noch steht) und spendierte dazu eine Glocke im Wert von 1800 Gulden, die in Straubing gegossen wurde. Zwölf Bilder mit den Aposteln schmückten einst die Kirche, die ebenso von Kirchbauer stammten. Er ließ sich dabei als Judas Thaddäus in der scharlachroten Alumnenkleidung abbilden.

Der Seelenhirte genoss großes Ansehen und wurde zum kurfürstlichen Rat ernannt. 1746 wählten ihn seine Amtsbrüder zum Kämmerer des Kapitels Rain-Neuburg. Seit dem 13. April 1750 wurde er als Kanonikus des Kollegiatstifts St. Johann Baptist in Vilshofen, Diözese Passau, aufgenommen. Am 27. April 1750 wurde er zum Geistlichen Rat ernannt, am 1. Februar 1768 ist er gestorben. Am Kircheneingang wurde ihm ein schmucker Gedenkstein gewidmet. Am Anfang der Tafel ist zu lesen: Ite Missa est, also „Gehet, es ist die Entlassung“. Und weiter ist in Stein gemeißelt: Anima in Coelum, Corpus in Terram, „die Seele [ist] im Himmel, der Leib in der Erde“. Den Abschluss setzen die drei Buchstaben „R. I. P.“, „Ruhe in Frieden“.

Franziskus Antonius Kopp Sein Leben und seine Amtszeit waren kurz. Eine Gedenktafel widmete ihm die Pfarrei, die uns ein paar Geheimnisse lüften. Er war Pfarrer zu Großmehring und übernahm 1768 die Pfarrei mit den Orten Zell und Bruck. Kopp erbaute den Pfarrhof neu. „Er war sehr eifrig und ist in Frömmigkeit gestorben“, jedoch allzu früh, denn er war erst 48 Jahre.

Pfarrer Joseph Sebastian Vogl