Die Streifenkreuzspinne (Mangora acalypha) ist eine Spinne aus der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae). Sie ist paläarktisch verbreitet und bewohnt meistens offene und sonnige Habitate (Lebensräume), wo sich die Art bevorzugt in bodennaher Vegetation aufhält. Die markant gefärbte und eher kleine Spinne fällt vor allem durch ihre gelblichen Farbanteile auf und ist der einzige in Europa vorkommende Vertreter aus der gleichnamigen Gattung der Streifenkreuzspinnen (Mangora).

Die Streifenkreuzspinne ist eine wie alle Spinnen räuberisch lebende und dabei euryphage (nicht auf bestimmte Nahrung angewiesene) Art. Das für Echte Radnetzspinnen typische und namensgebende Radnetz hat bei der Streifenkreuzspinne mit maximal 60 Speichen die größte Anzahl aller in Europa vorkommenden Arten der Familie. Damit erbeutet sie verschiedene Insekten. Der Lebenszyklus und vor allem das Fortpflanzungsverhalten der Art sind nicht ganz erforscht. Ein begattetes Weibchen legt einige Zeit nach der Kopulation einen Eikokon an. Die Jungtiere überwintern halbwüchsig und erlangen die Geschlechtsreife im Folgejahr.

Die Arachnologische Gesellschaft wählte die Streifenkreuzspinne zur Spinne des Jahres 2026. Einer der Hauptgründe neben ihrem vergleichsweise engmaschigen Radnetz und ihrer Häufigkeit ist vor allem ihre markante Färbung, die die Spinne auffällig werden lässt. Ihren Trivialnamen verdankt die Art dem streifenartigen Muster auf dem Opisthosoma (Hinterleib).

Merkmale Das Weibchen der Streifenkreuzspinne erreicht eine Körperlänge von 3,6 bis zu 4,5 und im Durchschnitt 4 ± 0,3 Millimetern, während das Männchen eine von 2,2 bis zu 2,8 und im Durchschnitt 2,5 ± 0,2 Millimetern erreicht. Damit handelt es sich um einen vergleichsweise kleinen Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Der Körperbau der Art gleicht dem anderer Streifenkreuzspinnen (Mangora).

+ Maße des Peltidium oder Carapax (Rückenschild des Prosomas) der Streifenkreuzspinne nach AlmquistGeschlecht Länge in mm Durchschnittliche Länge in mm Breite in mm Durchschnittliche Breite in mm Längen-Breiten-Verhältnis Durchschnittliches Längen-Breiten-Verhältnis Anzahl untersuchter TiereWeibchen1,31 bis 1,91,58 ± 0,111,12 bis 1,521,27 ± 0,091,16 bis 1,351,25 ± 0,0525Männchen1,13 bis 1,41,26 ± 0,081,13 bis 1,41,05 ± 0,050,96 bis 1,131,2 ± 0,0518

Sexualdimorphismus

Die Streifenkreuzspinne hat einen für Spinnen üblichen Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter). Dieser macht sich neben den Dimensionen bei den Färbungen von Männchen und Weibchen bemerkbar.

Weibchen Beim Weibchen ist das Peltidium gelblich braun gefärbt. Er trägt eine medial (mittig) verlaufende schwarze Linie. Marginal (am Rand) ist der Carapax ebenfalls schwarz gefärbt und posterior und diese Schwarzfärbung posterior (hinten) verbreitert. Die Augen haben eine schwarze Umrandung. Die Cheliceren (Kieferklauen) besitzen eine blass gelbliche Färbung. Das Sternum (Brustschild des Prosomas) und die Maxillae (umgewandelte Coxen bzw. Hüftglieder der Pedipalpen) sind ebenfalls schwarz gefärbt und letztere haben distal (von der Körpermitte entfernt) je einen gelblichen Eckpunkt.

Die Beine erscheinen gelblich und tragen schwarze Linien und Punkte. Die Tarsen (Fußglieder) der ebenfalls gelblichen Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) haben schwarze Enden.

Das Opisthosoma (Hinterleib) ist dorsal (oben) weißlich gefärbt und trägt ein dunkelbraunes Medianband, das vorne kreuzförmig erscheint, während es sich im hinteren Abschnitt zu einem Rechteck verbreitert sowie blassere Punkte trägt. Lateral (seitlich) ist das Opisthosoma mit rötlich braunen und kurvig verlaufenden Linien bestückt, die anterior aufeinander treffen. Außerdem tragen die Flanken des Opisthosomas schwarze Linien. Ventral (unten) ist das Opisthosoma median schwarz gefärbt und diese Färbung weiß umrandet.

Männchen Der Carapax des Männchens ist gelblich braun und die Medianlinie schwarz gefärbt, während submarginal (annähernd randseitig) auf dem Carapax ein Schwarzstich ausgeprägt ist. Sein Rand ist gänzlich schwarz gefärbt. Die Färbung der gelblich braunen Cheliceren fällt apikal (zur Spitze gelegen) am Dunkelsten aus. Das Sternum ist ausschließlich schwarz gefärbt. Die Beine sind blass gelblich braun gefärbt und an den Gelenken schwärzlich. Die Tibien (Schienen) des ersten Beinpaares tragen lange Stacheln.

Die Grundfarbe der dorsalen Oberfläche des Opisthosomas ist gelblich weiß. Anterior trägt sie ein netzartiges Muster aus rotbraunen Linien und schwarzen Punkten sowie posterior ein weiteres, nahezu rechteckiges Muster aus schwarzen und grauen Linien. Die schwarzen seitlichen Flächen haben rostrote Streifen. Die ventrale Fläche des Opisthosomas ist ebenfalls schwarz gefärbt und mit weißen Längslinien umrandet.

Genitalmorphologische Merkmale mini|Einzelner Bulbus eines Männchens Ein einzelner Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) der Streifenkreuzspinne hat ein gelblich braunes Cymbium (vorderstes Sklerit bzw. Hartteil des Bulbus), das distal dunkler ausfällt. Das Paracymbium (weiteres an das Cymbium anhaftendes Sklerit) hat ein apikales Knotengebilde. Terminal (am Ende) befindet sich eine stark sklerotisierte (verhärtete) Apophyse (Fortsatz), eine weitere median angelegte Apophyse hat distal zwei Punkte. Der vergleichsweise kurze Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) ist übergehend an das Tegulum (zweites und mittleres Sklerit) angebunden.

An der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) ist deren eher kurzer Scapus (dreieckiger Schaft) apikal eng berandet. Nahe dem Scapus befinden sich auch die Kopulationsöffnungen. Die Kopulationskanäle sind kurvig verlaufend und die Spermatheken (Samentaschen) haben eine ovale Gestalt.

Verbreitung und Lebensraum mini|links|In der Vegetation befindliches Weibchen, gefunden bei Trient in Italien Das paläarktische Verbreitungsgebiet der Streifenkreuzspinne reicht von den Azoren über Madeira, Europa, Nordafrika, der Türkei, Kaukasien, Russland (Europa bis Südsibirien), dem Nahen Osten, Kasachstan, Zentralasien bis nach China. Im gesamten Kontinentaleuropa selber ist die Art flächendeckend anzutreffen, fehlt jedoch in Europa auf der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land, der Inselgruppe Spitzbergen und Island sowie ferner in Nordirland. In Nordafrika fehlt die Spinne in Ägypten. In Großbritannien ist die Streifenkreuzspinne verstreut in Südengland und im Süden von Wales verbreitet.

Die Streifenkreuzspinne bevorzugt vor allem offene, sonnige Gebiete als Habitat (Lebensraum). Sie bewohnt beispielsweise Trockenrasen, Heiden und Wegränder. Auch Dünen werden genommen. Daneben kann die anpassungsfähige Art auf Äckern, Ruderalflächen und Gärten und somit auch in menschengemachten Arealen angetroffen werden. Des Weiteren bewohnt die Spinne lichte Wälder, Moore und die Ränder von Gewässern sowie Frisch- und Feuchtwiesen. Sie ist also ökologisch eurytop und kann im Gegensatz zu stenotopen Arten sehr unterschiedliche Biotope besiedeln. Allgemein bevorzugt die Streifenkreuzspinne die Kolline Höhenstufe, wurde jedoch auch schon in Deutschland in Höhenstufen von bis zu 1000 und in Frankreich bis zu 1500 Metern über dem Meeresspiegel nachgewiesen.

Lebensweise mini|Weibchen in seinem Netz, auffällig ist die Schieflage des Netzes Die Streifenkreuzspinne ist wie alle Echten Radnetzspinnen (Araneidae) tagaktiv und bevorzugt die Vegetation in Bodennähe. Sie hält sich in ihren Lebensräumen auf Gräsern, Kräutern, Stauden oder auch Sträuchern auf. Beispiele der von den Spinnen bewohnten Pflanzen bilden Wacholder (Juniperus) und die Besenheide (Calluna vulgaris).

Netzbau und Beutefang mini|links|Weibchen beim Einspinnen einer Fliege Die wie alle Spinnen räuberisch lebende Streifenkreuzspinne legt nach Eigenart der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) ein für die Familie typisches und namengebendes Radnetz an. Entsprechend der Lebensweise der Spinne wird es in Bodennähe zwischen den Pflanzen gespannt und ist meist stark geneigt bis nahezu waagerecht angelegt. Das Netz weist einen Durchmesser von gut 20 bis 30 Zentimetern auf. Außerdem ist das Gespinst auffallend engmaschig konstruiert und die Umgänge der Fangspirale betragen gut einen einzelnen Millimeter. Das Radnetz der Streifenkreuzspinne weist 40 bis 60 Radien und damit die höchste Anzahl davon unter allen in Europa vorkommenden Echten Radnetzspinnen auf. Durch die engmaschige Bauweise ist das Zentrum des Netzes immer verdichtet ausgesponnen.

Mithilfe ihres Radnetzes erbeutet die euryphage (nicht auf bestimmte Nahrung angewiesene) Streifenkreuzspinne verschiedene Insekten, beispielsweise Zweiflügler, die sich darin verfangen. Einen Schlupfwinkel baut die Art nicht und hält sich deshalb auch am hellichten Tag bei Inaktivität in der Netzmitte auf. Bei Störungen sucht die Spinne entweder Schutz in der Vegetation oder lässt sich zu Boden fallen und legt dabei einen Spinnfaden an, mit dem sie anschließend wieder an das Netz klettern kann. Das Netz wird möglicherweise jeden Morgen erneuert.

Lebenszyklus und Phänologie mini|Jungtier Der Lebenszyklus der Streifenkreuzspinne ist nur lückenhaft erforscht. Die Phänologie (Aktivitätszeit) ausgewachsener Individuen beläuft sich bei dem Weibchen der Art auf den Zeitraum zwischen April und August und beim Männchen zwischen Mai und demselben Endmonat wie beim Weibchen. Die Periode der Fortpflanzung beläuft sich innerhalb der Phänologie vom späten Frühling bis zum Sommer. Das Paarungsverhalten der Art selber ist nicht dokumentiert. Der nach der Kopulation vom Weibchen ab Mai angefertigte Eikokon besteht aus lose angelegten weißen Fäden und hat einen Durchmesser von 4 bis 5 Millimetern, die eigentliche Eiermasse nimmt davon 3 Millimeter ein. Er enthält etwa 25 Eier, womit die Gelegeanzahl vergleichsweise gering ausfällt.

Die Jungtiere schlüpfen im Juni und wachsen über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heran. Die ersten davon durchlaufen sie bereits im Jahr des Schlupfes, ehe die halbwüchsigen Individuen in Moos- oder Streuschichten überwintern. Im Folgejahr erreichen sie dann die Geschlechtsreife.

Systematik Die Art wurde 1802 von Charles Athanase Walckenaer erstbeschrieben und dabei unter dem Namen Aranea acalypha wie damals alle Spinnen der heute nicht mehr bestehenden Gattung Aranea zugeordnet. Anschließend erhielt sie von verschiedenen Autoren unterschiedliche Bezeichnungen. Roger de Lessert transferierte die Art 1910 zur Gattung der Streifenkreuzspinnen (Mangora) unter der noch heute gültigen Bezeichnung Mangora acalypha, die seitdem durchgehend angewandt wird.

Benennung mini|Spitze Seten an den Beinen eines Weibchens von Mangora acalypha. Wissenschaftlicher Name Der Artname acalypha ist vom altgriechischen Wort ἀκαλύφη (akalúphē), in anderer Schreibweise ἀκαλήφη (akalḗphē), für „Nessel“ abgeleitet. Der Erstbeschreiber, Walckenaer, spielte mit dieser Bezeichnung auf die spitzen Seten an den Beinen der Streifenkreuzspinne an, die den Brennhaaren der Brennnessel ähneln.Christoph Hörweg, Norbert Milasowszky: Die Streifenkreuzspinne Mangora acalypha (Walckenaer, 1802): Spinne des Jahres 2026 – charakteristische Zeichnung und feinmaschiges Netz. Entomologica Austriaca, 33, 2026, S. 255–264.

Über die Bedeutung des Gattungsnamens Mangora herrscht Unklarheit. Zur Zeit von Octavius Pickard-Cambridge, der die Gattung 1889 unter diesem Namen für Exemplare von Mangora picta aus Guatemala erstmals aufstellte, war es noch nicht Pflicht, die Bedeutung eines Namens und die Motivation zur Namensgebung in der Erstbeschreibung zu benennen. Guatemala ist für die landwirtschaftliche Produktion von Früchten des Mangobaums bekannt und alljährlich findet in Ciudad de Guatemala ein Mangofestival statt. Es wurden Vermutungen geäußert, dass der Name Mangora mit der Mangofrucht in Beziehung stehen könnte.

Trivialnamen