Drake’s Plate of Brass (d. h. „Drakes Messingtafel“ oder „Drakes Messingplatte“) ist die englische Bezeichnung für eine Platte aus Messing, die der Entdecker Francis Drake angeblich im Jahr 1579 bei seiner Landung in Kalifornien an einen Pfosten nageln ließ. Laut einem historischen Bericht stand auf dieser Tafel, dass Drake das Land im Namen der englischen Königin Elisabeth in Besitz nehme.

Anhand der detaillierten historischen Beschreibung wurde Drakes Messingtafel 1933 in Kalifornien als Fälschung angefertigt. Die gefälschte Tafel tauchte 1936 auf. Entgegen der Erwartung der Fälscher wurde sie von mehreren Wissenschaftlern und Institutionen als echt anerkannt. Zweifel an der Echtheit konnten sich zunächst nicht durchsetzen. Erst in den 1970er Jahren, nach rund vier Jahrzehnten, wurde die Fälschung anhand von Materialprüfungen nachgewiesen. Anfang der 2000er Jahre konnte schließlich rekonstruiert werden, dass die Fälschung im Umfeld der Vereinigung E Clampus Vitus entstanden und als spielerischer Streich (Hoax) unter Historikern geplant war.

Die historische Messingtafel mini|Francis Drakes Landung in Kalifornien 1579, Theodor de Bry 1590

Francis Drake landete bei seiner Weltumsegelung im Jahr 1579 an einem unbekannten Ort an der nordamerikanischen Westküste. Laut dem Bericht von Francis Fletcher, der an der Weltumsegelung teilgenommen hatte, ließ Drake vor der Abfahrt eine Platte aus Messing mit einer eingravierten Inschrift an einen großen Pfosten nageln.

Auf der Tafel sei Folgendes bekannt gegeben worden: der Name der englischen Königin, das Datum der Ankunft der englischen Seefahrer sowie die freiwillige Übergabe von „Provinz und Reich“ in die Hände der Königin. Die Tafel habe absichtlich ein Loch gehabt, und zwar für eine Sixpence-Münze mit dem Bild der Königin und ihrem Wappen. Und unten der Name „unseres Generals“.Detail – 1579 americasbesthistory.com, Abschnitt The New Albion (Nova Albion) Landing. Zitat:“Before we went from thence, our Generall caused to be set vp a monument of our being there, as also of her maiesties and successors right and title to that kingdome ; namely, a plate of brasse, fast nailed to a great and firme post ; whereon is engrauen her graces name, and the day and yeare of our arriuall there, and of the free giuing vp of the prouince and kingdome, both by the king and people, into her maiesties hands : together with her highnesse picture and armes, in a piece of sixpence currant English monie, shewing itselfe by a hole made of purpose through the plate, vnderneath was likewise engrauen the name of our Generall, etc.”

Unmittelbar vor der Beschreibung der Messingtafel erwähnte Fletcher, dass Drake dem Land den Namen Albion gegeben habe, unter anderem deshalb, weil auch „unser eigenes Land“ so genannt worden sei.Detail – 1579 americasbesthistory.com, Abschnitt The New Albion (Nova Albion) Landing. Zitat: “This country our Generall named Albion […]” Nach einer anderen Version des Textes nannte Drake das Land Nova AlbionFrancis Pretty: Sir Francis Drake’s Famous Voyage Round The World, 1580. In: Modern History Sourcebook, online, drittletzter Absatz. (In dieser Version des Textes wird Francis Pretty als Verfasser angegeben und die Schreibweisen wurden modernisiert.) (d. h. „Neues Albion“ oder „Neu-Albion“).

Die historische Messingtafel wurde nie gefunden.

Die gefälschte Messingtafel Idee und Umsetzung mini|Oben: eine Platte, die beim Hämmern der gefälschten Tafel verwendet wurde. Unten: die gefälschte Messingtafel (rechts unten das Loch für die Sixpence-Münze).

1933 inspirierte George Ezra Dane, einer der Neugründer des Ordens E Clampus Vitus (ECV), vier seiner Freunde zu einer folgenschweren Fälschung. Diese waren der Museumskurator George Barron, der Kritiker George Clark und die Kunsthändler Lorenz Noll und Albert Dressler; anders als Dane waren sie keine Mitglieder des Ordens. Das Quintett kannte den Bericht, in dem die historische Tafel erwähnt wird.

Barron war Kurator im De Young Museum in San Francisco, er besorgte ein Messingblech bei einer Schiffswerft. Dieses war dort mit einer Schlagschere zugeschnitten worden. Die Fälscher bearbeiteten das Blech mehrmals mit einem Hammer. Sie glühten es mehrmals durch, vor und nach der Beschriftung. Clarke schuf die Beschriftung. Mit einer nur unter UV-Licht sichtbaren Farbe schrieben die Fälscher ECV auf die Rückseite.

Geplant war, die nachgemachte Tafel dem prominenten Historiker und ECV-Mitglied Herbert Eugene Bolton (1870–1953) unterzuschieben und den Streich im Rahmen einer Clampers-Versammlung aufzulösen. Bolton lehrte an der University of California, Berkeley und leitete die Bancroft Library, die renommierte Bibliothek dieser Universität. Er pflegte seinen Studenten zu sagen, sie sollten nach Drakes Messingtafel und der Sixpence-Münze die Augen offen halten.Edward Von der Porten, Raymond Aker, Robert W. Allen, James M. Spitze: Who Made Drake’s Plate of Brass? Hint: It Wasn’t Francis Drake. In: California History 81, 2002, No. 2, S. 116–133 (, mit Zugangsbeschränkung), hier S. 116.

Die aufwendig beschriftete und patinierte Platte wurde 1933 am passenden Ort versteckt. Schon kurze Zeit später wurde sie vom Chauffeur einer Jagdgesellschaft gefunden und ohne große Beachtung etliche Meilen weiter weggeworfen.

Beschreibung Die gefälschte Messingtafel ist nahezu rechteckig und etwa 5 × 8 ZollDrake’s “Plate Of Brass”, in: American Heritage, Band 10, Nr. 3, April 1959, online bei 4score.org. (ca. 13 × 20 Zentimeter) groß. Unterhalb des Textes ist rechts ein Loch, in dem eine historische Sixpence-Münze Platz gehabt hätte. Zwei rechteckige Aussparungen am oberen und unteren Rand dienten anscheinend dazu, die Tafel an einen Pfosten nageln zu können.

Auch die Inschrift entspricht den Angaben in dem historischen Bericht von Francis Fletcher. Sie lautet:

Text BEE IT KNOWNE VNTO ALL MEN BY THESE PRESENTS. IVNE.17.1579 BY THE GRACE OF GOD AND IN THE NAME OF HERR MAIESTY QVEEN ELIZABETH OF ENGLAND AND HERR SVCCESSORS FOREVER, I TAKE POSSESSION OF THIS KINGDOME WHOSE KING AND PEOPLE FREELY RESIGNE THEIR RIGHT AND TITLE IN THE WHOLE LAND VNTO HERR MAIESTIEES KEEPEING. NOW NAMED BY ME AN TO BEE KNOWNE V(N) TO ALL MEN AS NOVA ALBION. FRANCIS DRAKE

Übersetzung Allen Menschen sei durch die hier Anwesenden kund. 17. Juni 1579 Durch die Gnade Gottes und im Namen Ihrer Majestät Königin Elisabeth von England und all ihrer Nachfolger nehme ich dieses Königreich zu Besitz, dessen König und Volk ihre Anrechte und Titel im ganzen Land freiwillig an ihre Majestäts Behalt abtreten. Dies nun von mir so benannt und von nun an allen bekannt als Nova Albion. Francis Drake

Auftauchen der Tafel Erst 1936 tauchte die Platte wieder auf. Sie gelangte zu einem Studenten, der sie – entsprechend dem ursprünglichen Plan der Fälscher – zu Bolton brachte. Dieser beriet sich mit Robert Gordon Sproul, dem Universitätspräsidenten, und Allen L. Chickering, dem Vorstand der California Historical Society. Chickering und Bolton waren schnell bereit, den stolzen Betrag von 3500 Dollar für die Tafel aufzubringen und den Fund unverzüglich der California Historical Society vorzustellen. Nach dem Kauf wurde die Tafel der Bancroft Library gestiftet. Der Schwindel war nun nicht mehr im Rahmen des ECV aufzulösen.

Hinweise der Fälscher Die an der Fälschung Beteiligten gaben mehrmals und schon früh indirekte Hinweise auf die Fälschung. Bereits 1937 gab der ECV ein Taschenbuch (Ye Preposterous Booke of Brasse) mit detaillierten Beschreibungen einzelner möglicher Fehlerquellen heraus, darin wiesen sie auch auf die nur unter UV-Licht sichtbaren Buchstaben „ECV“ auf der Rückseite hin. Am 29. Mai 1937 stellte der ECV auch eine Nachfolgerin der Drake-Tafel vor: Bei einer Veranstaltung mit William Fuller, dem damaligen Häuptling der Miwok-Indianer und ECV-Mitglied, nahm dieser die angebliche Schenkung Kaliforniens an die englische Königin offiziell zurück.Albert Shumate: The Mysterious History of E Clampus Vitus. ECV-Ansprache, 25. Juni 1991. In: Julia C. Bulette Chapter 1864. The Ancient and Honorable Order of E Clampus Vitus. Der Clamper Edwin Grabhorn, ein Verleger von Historienbüchern, veröffentlichte einen angeblichen Werbebrief einer „Consolidated Brasse and Novelty Company“ für serienmäßig hergestellte historische Messingtafeln.

Zweifel an der Echtheit Die Echtheit der Tafel wurde von Anfang an bezweifelt. Unter anderem die Gleichmäßigkeit des Metalls und die Patina weckten Misstrauen. Zudem wies Reginald B. Haselden, ein Experte für elisabethanische Literatur, im September 1937 in der Zeitschrift California History auf verdächtige sprachliche Merkmale der Inschrift hin. Einige Wörter waren zu modern, beispielsweise the und this anstelle der Schreibweisen ye bzw. ys oder yis, die in Texten aus dem 16. Jahrhundert vorkommen. Bei der Wortfolge Queen Elizabeth of England entsprach die Position von Queen vor dem Namen Elizabeth nicht dem seinerzeit Üblichen. Haseldens Kritik wurde jedoch zum Teil ihrerseits kritisiert. Chickering verteidigte die Echtheit der Tafel in derselben Ausgabe der Zeitschrift California History.

Anerkennung als authentisch Bolton neigte dazu, die Tafel für echt zu halten, war aber zunächst mit entsprechenden Äußerungen vorsichtig. Mit der Zeit gab er diese Vorsicht auf. So rief er bereits 1937 bei einem Essen mit prominenten Historikern, es gebe für ihn keinen vernünftigen Zweifel an der Authentizität.

Unterdessen bat er Professor Colin Fink, den Dekan der Fakultät für Elektrochemie der Columbia University, die Tafel zu prüfen. Fink und der Metallurg Eugene Polushkin begutachteten sie und bewerteten sie als authentisch. Ihr Untersuchungsbericht hatte einen Umfang von 28 Seiten und erschien im Jahr 1938, herausgegeben von der California Historical Society. Das Ergebnis – die Bestätigung der Echtheit der Tafel – wurde auf dem Umschlag schon im Titel bekanntgegeben: Drake’s Plate of Brass Authenticated. Drake’s Plate of Brass Authenticated Angaben zu dem Untersuchungsbericht (1938) bei Google Books.Drake’s Plate Of Brass Authenticated, The Report Angaben zu dem Untersuchungsbericht (1938) bei iberlibro.com (spanisch). Mit Foto des Einbandes (zum Vergrößern anklicken).

Obwohl die Zweifel an der Echtheit nicht verstummten, galt Drakes Messingtafel nun lange als Kaliforniens größter historischer Schatz.Kathleen Maclay: Historical journal reports secrets behind infamous “Drake’s Plate” hoax. Pressemitteilung der University of California, Berkeley, 18. Februar 2003. Sie wurde „rund um die Welt“ ausgestellt (laut der Los Angeles Times). Lady Bird Johnson und Königin Elisabeth II. erhielten Kopien.

Aufklärung der Fälschung Anfang der 1940er Jahre starben Dane, Barron und Clark, somit waren von den fünf Fälschern nur noch Noll und Dressler am Leben. Nachdem auch Bolton 1953 gestorben war, begann Noll die Details einem kleinen Kreis darzulegen und zu dokumentieren.

Doch erst in den 1970er Jahren wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass es sich um eine Fälschung handelte.Edward Von der Porten, Raymond Aker, Robert W. Allen, James M. Spitze: Who Made Drake’s Plate of Brass? Hint: It Wasn’t Francis Drake. In: California History 81, 2002, No. 2, S. 116–133 (, mit Zugangsbeschränkung). Zu dieser Zeit nahte das 400-jährige Jubiläum des Jahres 1579, an dem Drake laut der Tafel das Land in Besitz genommen hatte. Das absehbare Jubiläum veranlasste den Gelehrten James D. Hart als damaligen Leiter der Bancroft Library, nochmals verschiedene metallurgische Untersuchungen in Auftrag zu geben, zumal die Frage der Echtheit nie eindeutig geklärt worden war.