Das Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug, kurz GTK Boxer (Schreibweise beim Hersteller: ‚BOXER‘), ist ein Radpanzer, der von Artec, einem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland (bis März 2024 Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG), hergestellt wird. Die Besonderheit des GTK Boxer ist der Aufbau aus einem achträdrigen Fahrmodul, auf das ein austauschbares Missionsmodul aufgesetzt wird. Der Boxer kann somit für unterschiedliche Aufgaben wie Transport-, Sanitäts-, Artillerie- (RCH 155) oder Schützenpanzer ausgerüstet werden. Er ist seit 2011 bei der Bundeswehr und seit 2013 beim niederländischen Heer im Einsatz, weitere Nutzer sind das britische, litauische und das australische Heer.

Entwicklung Im April 1995 vereinbarten Frankreich, Deutschland und Großbritannien, zusammen ein allradgetriebenes 8×8-Radfahrzeug zu entwickeln. Frankreich zog sich im Sommer 1999 wieder aus der Zusammenarbeit zurück, um mit dem VBCI ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln. Im selben Jahr bildete sich das Konsortium Artec (Armoured Vehicle Technology), das ursprünglich aus dem niederländischen Hersteller Stork, dem britischen Alvis, Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann bestand. Artec entwickelte einen 6×6-Technologiedemonstrator, der einige Eigenschaften des geplanten GTK erproben und demonstrieren sollte. Im Jahr 1999 wurde der Entwicklungsvertrag, der eine Option für eine erste Serienfertigung von 600 Stück ab 2005 vorsah, unterzeichnet sowie die Artec GmbH mit Sitz in München gegründet und mit der Entwicklung beauftragt. Der erste von acht Prototypen wurde im Jahr 2001 fertiggestellt. Daraufhin stiegen die Niederlande mit einer Bestellung von 200 Fahrzeugen in das unter dem Produktnamen Boxer vermarktete Programm ein. Einen erheblichen Rückschlag gab es im Jahr 2003, als Großbritannien aus dem Programm ausstieg. Das Fahrzeug sollte im Vereinigten Königreich nicht mit dem Future Rapid Effect System (FRES) konkurrieren.

Im Februar 2006 gab Artec den Serienpreis des Boxers bekannt, der allerdings von den Niederlanden und Deutschland als zu hoch und inakzeptabel zurückgewiesen wurde. Aufgrund der Wichtigkeit des binationalen Programms, auch für die Industrie, wollte Deutschland allerdings weitere Preisverhandlungen unternehmen, wogegen die Niederlande nach einer Meldung der Jane’s Information Group einen Rückzug und eine Neuausschreibung in Betracht zogen. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt. Ende Juni 2006 entschied das niederländische Parlament, nach Durchführung einer Marktsichtung für alternative 8x8 Fahrzeuge, eine Fortführung des Programms und bewilligte gleichzeitig die Ausgaben für 200 Fahrzeuge. Pressemitteilung des niederländischen Verteidigungsministeriums, 28. Juni 2006 (niederländisch). Laut einem Bericht der Welt im August 2006 rechnete das deutsche Verteidigungsministerium mit Kosten von 891 Millionen Euro für die 272 Boxer, mit denen die Bundeswehr ausgerüstet werden sollte.Hans-Jürgen Leersch: Jung bestellt für sechs Milliarden neue Rüstungsgüter. In: Die Welt, 25. August 2006. Im Dezember 2006 genehmigte der Deutsche Bundestag die Beschaffung von insgesamt 272 GTK Boxer. Der Vertrag wurde im Dezember 2006 in der Bernardkaserne im niederländischen Amersfoort unterzeichnet. 2008 übernahm Rheinmetall den niederländischen Partner Stork, so dass Rheinmetall 64 % und Krauss-Maffei Wegmann 36 % der Gesellschaftsanteile von Artec hielten.https://www.rheinmetall.com/de/unternehmen/tochtergesellschaften/rheinmetall-defence-nederland

Produktion Leitstandorte der Boxer-Produktion sind das Rheinmetallwerk in Kassel sowie das Münchner Werk von KNDS Deutschland (ehemals Krauss-Maffei Wegmann). Darüber hinaus sind für internationale Kunden Produktionsstätten in den Niederlanden, Australien und gegebenenfalls dem Vereinigten Königreich eingerichtet bzw. angekündigt. Ursprünglich sollte die Produktion der Serie im Jahr 2004 anlaufen. Aufgrund der Verzögerungen durch den Ein- und Ausstieg der Teilnehmerstaaten und technische Modifikationen verschob er sich jedoch auf 2008. Im September 2009 wurde das erste Serienfahrzeug von Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall an die OCCAR und das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ausgeliefert, wo das Fahrzeug bis zu seiner Indienststellung im März 2011 unter Einsatzbedingungen getestet wurde. Im Juli 2018 lief das 200. und letzte Fahrzeug des ersten niederländischen Loses bei Rheinmetall MAN Military Vehicles Nederland von der Produktionsstraße. Im Jahr 2017 begannen die Lieferungen für die litauischen Streitkräfte. Im Februar 2019 lieferte Artec den insgesamt 500. Boxer aus. Im Juni 2021 wurde das letzte Fahrzeug des zweiten deutschen Loses und damit der vorerst letzte Boxer in der Variante GTFz von Artec an das BAAINBw geliefert.

Technik Aufbau Das Fahrzeug ist modular aufgebaut und besteht aus einem Fahrmodul und einem auf dem Heck aufgesetzten variantenspezifischen Missionsmodul. Die Kernkomponenten des Fahrmoduls sind das allradgetriebene 8×8-Fahrwerk, die ABC-Schutzanlage und das im vorderen Gehäuse befindliche Triebwerk mit danebenliegendem Fahrerraum. Der Fahrer sitzt dabei rechts und verfügt über eine Dachluke sowie drei Winkelspiegel, der mittlere kann durch ein Nachtsichtgerät ersetzt werden. Ab der Version A2 wird der Fahrer durch ein Kamerasystem unterstützt. Links neben dem Fahrer befindet sich der Triebwerksraum, der über eine Feuerlöschanlage verfügt. Eine zentrale Reifendruckregelanlage gehört zum Standard. Der Fahrerraum verfügt über einen Durchgang zum Missionsmodul, das gasdicht mit diesem abschließt. Das Missionsmodul kann innerhalb einer halben Stunde gegen ein anderes ausgetauscht werden und wiegt bis zu vierzehn Tonnen. Die verschiedenen Module verfügen über eine ABC-Schutzbelüftung. Für das Fahrzeug wurden möglichst viele herkömmliche Bauteile (commercial off-the-shelf) verwendet, um die Kosten zu senken.

Panzerung und Schutzsysteme Fahrmodul und Missionsmodul werden als Gehäuse mit adaptierter Panzerung gefertigt. Diese Konstruktion ermöglicht neben einer Reduzierung der Infrarotsignatur, durch einen Luftspalt zwischen Grund- und Adaptionspanzerung, das schnelle Austauschen beschädigter Elemente beziehungsweise das Anpassen an das benötigte Schutzniveau.Rolf Hilmes: Kampfpanzer Heute und Morgen. Bautechnologie der Kampfpanzer. Motorbuchverlag, Stuttgart, ISBN 978-3-613-02793-0, S. 329.

Die Panzerung besteht aus der Grundpanzerung (Panzerstahl) und der von IBD Deisenroth Engineering entwickelten Verbundpanzerung AMAP (Advanced Modular Armour Protection), die schockgedämpft (mit Shock-mounts genannten Gummielementen) auf der Grundpanzerung befestigt wird. AMAP besteht aus einer Trägerschicht (backing), der aufgeklebten Keramikschicht sowie einer Abdeckschicht und ist eine Weiterentwicklung der Mexaspanzerung. Der Innenraum des Boxers ist mit Gewebematten (Spall-Liner, AMAP-L) aus hochfesten Fasern wie Aramid (Kevlar) ausgekleidet, um den Splitterkegel bei einem Durchschlagen der Panzerung zu reduzieren oder komplett zu verhindern. Der ballistische Schutz (AMAP-B) schützt die Besatzung gegen Beschuss mit mittleren Kalibern sowie gegen Einwirkung von Artilleriesplittern (Kaliber 155 mm) sowie Bomblets und hält gemäß Hersteller auch mehreren Treffern an derselben Stelle stand. Darüber hinaus verfügt der Boxer über einen Minenschutz (AMAP-M und AMAP-IED), In: ibd-deisenroth-engineering.de. der die Forderung der Klasse IIIb nach STANAG 4569 erfüllt, was einer Sprengkraft von acht Kilogramm TNT entspricht.

Während die Ausbaustufe A1 vorwiegend die Panzerung verbesserte, wird in der Version A2 neben der Panzerung auch der passive Schutz durch eine verbesserte Feuerlöschanlage gesteigert. Fahrzeuge der Niederlande verfügen ab der Ausführung A2 über Gewichtsoptimierungen im Bereich des ballistischen Schutzes, wodurch die Gesamtmasse reduziert wird.

Technische Daten

Das GTK Boxer ist mit Abstand das größte und schwerste Fahrzeug seiner Klasse. Ein Lufttransport in einer C-130 Hercules ist daher nicht möglich. Für das Fahrzeug wird mindestens ein Airbus A400M zum strategischen Lufttransport benötigt, in dem die Missionsmodule getrennt vom Fahrmodul transportiert werden.

Missionsmodule Maschinenkanone Vom Boxer wurden drei Varianten mit Drehturm für eine Maschinenkanone bestellt. Sie werden von den jeweiligen Armeen als Schützenpanzer (engl. Infantry Fighting Vehicle, IFV), Spähpanzer oder Waffenträger zur Feuerunterstützung eingesetzt.

Boxer Samson MK II mini|Erster Boxer in Samson-IFV-Variante für Litauen Als erstes Land beschaffte Litauen den Boxer als IFV. Aufgrund der Ausstattung dieser Variante mit der fernbedienbaren Waffenstation des Typs Samson MK II des israelischen Rüstungsunternehmens Rafael Advanced Defense Systems erhielten die Fahrzeuge vom Hersteller die Bezeichnung GTK Boxer Samson, beim Litauischen Heer wurden sie hingegen unter dem Namen Vilkas eingeführt. Die ungeschützte Waffenstation wird mit einer 30-mm-Maschinenkanone Bushmaster II Mk44, einem Werfer für Panzerabwehrflugkörper Spike LR und einem Maschinengewehr vom Kaliber 7,62-mm eingesetzt. Andere Bewaffnungen sind jedoch möglich. Der GTK Boxer Samson kann, neben dem Fahrer, dem Kommandanten und dem Richtschützen, bis zu 8 Soldaten transportieren.

Boxer mit LANCE-Turmsystem mini|Boxer mit Lance-Turm für Australien Ausgerüstet mit dem Lance-Turm präsentierte Rheinmetall auf der Eurosatory 2010 ihre Variante eines Boxer mit Maschinenkanone. Der Turm ist mit der MK30-2/ABM und einem Maschinengewehr bestückt. Das Fahrzeug verfügt darüber hinaus über einen integrierten Werfer für Panzerabwehrlenkflugkörper des Typs Spike LR2. Die Besatzung besteht aus dem Fahrer sowie zwei Soldaten im Turm, die Absitzstärke beträgt bis zu sechs Mann. Im Mai 2012 führte Rheinmetall den voll funktionsfähigen Prototyp im Erprobungszentrum in Unterlüß potentiellen Kunden vor. In Australien wird der Boxer in der Ausführung mit dem Lance-Turm in der Funktion als Spähpanzer (engl. Combat Reconnaissance Vehicle, kurz CRV) mit einer Absitzstärke von 6 Infanteristen eingeführt. Bei der Bundeswehr ist die Nutzung der Lance-Boxer ohne Absitzstärke als „schwerer Waffenträger Infanterie“ (sWaTrInf) zur Feuerunterstützung bei den Mittleren Kräften vorgesehen.

Boxer IFV-RCT30 mini|Boxer mit RCT30-Turm des SPz Puma KNDS Deutschland bietet eine Radschützenpanzervariante mit dem unbemannten Turm RCT30 an, wie er auch beim Schützenpanzer Puma verwendet wird. Durch ein C4I-System können die Fahrzeuge in ein Führungssystem integriert werden, was die Versorgung der Infanteriesoldaten mit Navigations- und taktischen Informationen ermöglicht. Der Turm verfügt als Hauptwaffe über eine Maschinenkanone MK 30-2/ABM, die Sekundärbewaffnung besteht aus einem koaxialen Maschinengewehr im Kaliber 7,62 × 51 mm NATO und einem Werfer für Panzerabwehrflugkörper Spike LR/LR2. Die Besatzung besteht aus dem Kommandanten, dem Fahrer sowie einem Richtschützen, der Kampfraum bietet laut Hersteller Platz für bis zu 7 weitere Soldaten. Eine Weiterentwicklung von KNDS ermöglicht die Bekämpfung von Klein- und Kleinstdrohnen mittels programmierbarer Air Burst Munition in einer Entfernung von bis zu 1500 m. Bei der Bundeswehr sollen die Boxer RCT30 als Radschützenpanzer „Schakal“ für die Grenadiere der Mittleren Kräfte eingesetzt werden.

Gruppentransportfahrzeug