mini|Porträt von Arno Holz, erstellt von Erich Büttner (1916) rahmenlos|zentriert|150px Arno Hermann Oscar Alfred Holz (Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen (zusammen mit Johannes Schlaf), Hans Volkmar (zusammen mit Oskar Jerschke); * 26. April 1863 in Rastenburg, Ostpreußen; † 26. Oktober 1929 in Berlin) war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus und Impressionismus. Als seine Hauptwerke gelten die gemeinsam mit Johannes Schlaf verfassten beiden Arbeiten Papa Hamlet (1889) und Die Familie Selicke (1890) sowie der Gedichtband Phantasus (1898).
Leben Arno Holz wurde in Rastenburg als Sohn des Apothekers Hermann Holz (1825–1886) und seiner Gattin Franziska geb. Werner (1833–1920) geboren. 1875 zog die Familie nach Berlin. Nachdem er das Gymnasium aus ökonomischen Gründen hatte abbrechen müssen, arbeitete Arno Holz ab 1881 zunächst als Journalist, entschied sich dann aber für eine Existenz als freier Schriftsteller. Finanzielle Probleme begleiteten fortan sein Leben. Er knüpfte Kontakte zum Berliner Naturalistenverein Durch, in dem er unter anderem Gerhart Hauptmann kennenlernte. 1885 erhielt er für seinen Gedichtband Buch der Zeit den Schiller-Preis. Ab dieser Zeit beschäftigte sich Holz mit dem Darwinismus.
Ab 1888 lebte und arbeitete er mit Johannes Schlaf zusammen. Gemeinsam entwickelten sie in der programmatischen Schrift Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze die Theorie eines „konsequenten Naturalismus“, der auf exakte Milieuschilderung unter Einbeziehung auch umgangssprachlicher Elemente abzielte. Zugleich wollten sie jegliche Subjektivität eliminieren und möglichst wissenschaftlich sein. So kamen sie (wobei hinzugefügt werden muss, dass der Großteil der Schrift von Holz stammt) zu der Formel „Kunst = Natur − x“. Damit meinten sie, dass die Kunst so weit wie möglich der Natur entsprechen sollte und es also die Aufgabe des Künstlers wäre, das x aus der Formel möglichst klein sein zu lassen. Den theoretisch postulierten „konsequenten Naturalismus“ wandten sie praktisch in den unter dem gemeinsamen Pseudonym Bjarne P. Holmsen erschienenen Werken Papa Hamlet und Die Familie Selicke (Schauspiel, Uraufführung 1890 gleichzeitig am Stadttheater Magdeburg und an der Freien Bühne Berlin) an. Die Forderung, Kunst solle genaue Wiedergabe der Realität sein, führte zu neuen, experimentellen Ausdrucksweisen, beispielsweise zum „Sekundenstil“, in dem soziales Elend minutiös genau geschildert wird. Die Reaktionen auf Papa Hamlet waren äußerst verschieden. Die meisten Kritiker schrieben dagegen, aber es gab auch einige, wie zum Beispiel Theodor Fontane, die einen hohen künstlerischen Wert darin erkannten.
Als Johannes Schlaf sich mit Holz über die Einnahmen aus beiden Werken, die relativ gering waren, zu streiten begann, kam es zum Bruch. Holz behauptete, dass er mehr geleistet habe, und man kann an Textpassagen erkennen, dass zwar das Thema, also der Stoff beider Werke, von Schlaf stammt, aber die künstlerische Verarbeitung von Holz.Samuel Lublinski: Ein Attentat von Arno Holz. In: Das Magazin № 1 vom 2. Juli 1904, S. 31–35. Holz experimentierte nun in seiner Lyrik mit einem reimlosen Stil und gab die traditionellen Formregeln auf. Die Werke sollten vom „inneren Rhythmus“ bestimmt werden und frei von Reim und Versmaß sein. Programmatisch legt er diese Prinzipien in seiner Schrift Revolution der Lyrik (1899) nieder. Über die dort dargelegten „modernen“ Auffassungen geriet er mit dem Germanisten Richard M. Meyer in einen öffentlich ausgetragenen Streit. „Stürzt sich ein Kritiker auf einen Autor, so kann er von vornherein sicher sein, dass der Janhagel ihm Beifall johlt. Dreht sich dann aber mal ein Autor gegen einen Kritiker und verdrischt er ihn gar, nach allen Kanten und mit dem Knieriemen, so verdriesst dieses Schauspiel auch den Gebildeten und er runzelt missbilligend die Stirn. Missbilligend und – misstrauisch. Ich lege den Hauptton auf das Zweite. Ich halte es daher für unumgänglich nöthig, den Punkt, von dem ich hier ausgehe, mit aller Präzision festzulegen. Ich gehe davon aus, dass seit Jahr und Tag ein ‚System‘ gegen mich existirt, und dass Herr Richard M. Meyer eine der Stützen dieses Systems ist. Dieses System wird bereits auch von Dritten bemerkt.“Dr. Richard M. Meyer, Privatdozent an der Universität Berlin, ein litterarischer Ehrabschneider, S. 11.
1893 heiratete Holz Emilie geb. Wittenberg, mit der er drei Söhne hatte.
Der 1896 begonnene, von Zolas Romanzyklus Rougon-Macquart inspirierte Dramenzyklus Berlin. Wende einer Zeit in Dramen, der auf ursprünglich 25 Stücke ausgelegt war, blieb bis auf drei Werke unvollendet: die Komödie Sozialaristokraten (1896) und die Erkenntnistragödien Sonnenfinsternis (1908) und Ignorabimus (1913). Die Dramen des Spätwerks fielen allesamt beim zeitgenössischen Theaterpublikum durch, die Buchausgaben fanden trotz zahlreicher Umarbeitungen kaum Käufer.
1898 veröffentlichte er seinen sprachlich virtuosen Gedichtband Phantasus, der als sein lyrisches Hauptwerk gilt. Die Gedichte über einen dahindämmernden, hungernden Dichter spiegeln das Milieu wider, in dem Holz im Berliner Wedding lebte. Am Phantasus hat Holz fast während seiner ganzen Schaffenszeit gearbeitet, da er die Gedichte der Sammlung vielfach abänderte und teils immer mehr erweiterte. Eine formale Besonderheit der Gedichte bestand darin, dass die einzelnen Verszeilen zentriert, das heißt, um eine gedachte Mittelachse gedruckt wurden, weshalb dieser Stil auch Mittelachsenlyrik genannt wird, so dass rechts und links ein Flatterrand entstand. Ein Beispiel ist die Reverenz an die St.-Georgs-Kirche in Rastenburg, die sich im Abschnitt Kindheitsparadies findet:Arno Holz: Werke, Band I, Phantasus I. Herausgegeben von Wilhelm Emrich und Anita Holz, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied / Berlin-Spandau 1961, S. 185. mini|Foto der St.-Georgs-Kirche in Kętrzyn (Rastenburg) aus den 1920er Jahren (davor mit Walmdach die Johanneskirche) … landfernhin schauenden, landfernhin lugenden, landfernhin sichtbaren Burgbelfriedtürme der massig, der mächtig, der wuchtig der sturmtrotzig, ehrwürdig, bollwerkkühn, letztzufluchtstark stolzen, feldsteinuntermauerten, ziegelstumpfbraunrötlichen, berghügelkrönenden, strebepfeilerigen, sternkreuzgewölbigen, buntfensterigen Sankt Georgenkirche.
1894 veröffentlichte Arno Holz Großstadtmorgen, um die Ambivalenz und das Spannungsfeld zwischen Natur und aufkommender Großstadt darzustellen. Er wollte zeigen, wie die lebendige Natur mit der harschen, industriellen Großstadt kontrastiert und wie dieser Wandel den Menschen innerlich berührt. Das Gedicht reflektiert auch die moderne Großstadtgesellschaft mit ihren sozialen Gegensätzen und beschreibt die Gefühle der Isolation und Sehnsucht in einer schnelllebigen, urbanen Welt.
Morgen! es ist ein Klang und eine Kraft, Wie sie durch die Straßen rauschen, rauschen; Die Häuser steh’n, wie von Dämonen geschafft, Die Gassen schlaff an den Füßen lauschen. Der Himmel grau, das Licht kalt und matt, Doch Menschenherzen pochen und schlagen, Und in des Lärms gewaltigem Spagat Scheint Lebensmut und Angst sich zu jagen. Die Straßen endlos ziehn und zerschellen, Und Menschenmengen stieben und fließen, Als müßten die Häuser die Straßen fällen Und diese in Ströme zerspringen und sprießen.
Aufgrund Holz’ Initiative wurde 1902 in Berlin das Kartell lyrischer Autoren gegründet. 1903 schuf er die Lieder auf einer alten Laute, die der Dichtung des Barock nachempfunden waren. Dieser Gedichtband wurde später erweitert und als Dafnis bei Reinhard Piper verlegt, einer seiner äußerst wenigen finanziellen Erfolge. Die im Dafnis enthaltenen Gedichte waren von der Textgestaltung, von der Thematik und auch von der Stilistik Barockgedichte, die sich hauptsächlich um Feiern, Essen und erotische Begebenheiten drehen. Bekannt wurde die Tragikomödie Traumulus (1904), das erste von fünf gemeinsam mit dem Freund Oskar Jerschke unter dem Pseudonym Dr. Hans Volkmar verfassten Bühnenstücken. Traumulus wurde in der ersten Zeit nach der Veröffentlichung auf zahlreichen Bühnen gespielt. 1935 war das Stück Vorlage für den von Carl Froelich produzierten und inszenierten Tobis-Film mit Emil Jannings in der Titelrolle. Die Justizsatire Frei! und die Komödie Gaudeamus! kamen nie zur Aufführung, die Provinzkomödie Heimkehr wurde einige Male in Berlin gezeigt und lediglich die Justizposse Büxl kam in Wien, Frankfurt, Leipzig und Berlin zur Aufführung.
Im Jahr 1929 stand Holz auf der Kandidatenliste für den Literaturnobelpreis.
Von 1910 bis zu seinem Tod wohnte Arno Holz in Berlin-Schöneberg. 1926 ließ er sich von seiner Ehefrau Emilie scheiden und heiratete im selben Jahr AnitaHolz, Anita. In: Gudrun Wedel: Autobiographien von Frauen. Ein Lexikon. Böhlau, Köln 2010, S. 357. geb. Gewelke.
Tod und Grabstätte mini|Ehrengrab von Arno Holz auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend mini|Einweihung des Ehrengrabs von Arno Holz am 26. April 1933, bei der Gottfried Benn einen Kranz niederlegt Arno Holz starb nach längerem Leiden in der Nacht zum 26. Oktober 1929 im Alter von 66 Jahren in seiner Schöneberger Wohnung.Monty Jacobs: Arno Holz †. In: Vossische Zeitung. Montag, 26. Oktober 1929, Abend-Ausgabe. S. 3. Bei der Trauerfeier, die am 30. Oktober 1929 im Krematorium Wilmersdorf in einem kleinen, hauptsächlich aus Schriftstellern bestehenden Kreis stattfand, sprachen unter anderen Hans W. Fischer, Alfred Döblin und Alfred Richard Meyer.Trauerfeier für Arno Holz. In: Berliner Volks-Zeitung. Donnerstag, 31. Oktober 1929, Morgen-Ausgabe. S. 2. Die Urne wurde zunächst auf dem Friedhof Alt-Schöneberg beigesetzt.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 714.
1933 erfolgte die Umbettung von Arno Holz auf den Friedhof Heerstraße im heutigen Ortsteil Berlin-Westend. Die Einweihung des Grabmals fand am 70. Geburtstag des Verstorbenen statt, dem 26. April 1933. Gottfried Benn legte bei der Feier einen Kranz nieder im Namen der Preußischen Akademie der Künste, die sich mitten im Prozess der nationalsozialistischen Gleichschaltung befand.Das Ehrengrabmal für Arno Holz. In: Vossische Zeitung. Donnerstag, 27. April 1933, Morgen-Ausgabe. S. 6. Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. S. 488. Zur Gleichschaltung der Preußischen Akademie der Künste in den Monaten Februar bis Mai 1933, siehe: Hildegard Brenner: Ende einer bürgerlichen Kunst-Institution. Die politische Formierung der Preußischen Akademie der Künste ab 1933. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1972, ISBN 978-3-421-01587-7. S. 27–89. Den Grabstein mit Namenszug des Verstorbenen und einem großen bronzenen Portraitmedaillon im Profil schuf der Bildhauer Kurt Harald Isenstein. Die davor liegende Grabplatte trägt einen Vers aus seinem Werk Phantasus: „Mein Staub verstob, wie ein Stern strahlt mein Gedächtnis.“. Kurzbiografie und Beschreibung des Grabmals auf www.berlin.friedparks.de. Abgerufen am 12. November 2019. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde das Grabmal später rekonstruiert.Klaus M. Rarisch: Wüster, rothester Socialdemokrat. Zum 50. Todestag von Arno Holz. Erstmals veröffentlicht in: die horen. Jg. 24 (1979), Heft 4, Nr. 116, , S. 81–83. Abgerufen am 12. November 2019. Die Witwe Anita Holz geb. Gewelke wurde 1975 ebenfalls hier bestattet.
Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Arno Holz auf dem Friedhof Heerstraße (Grablage: 3-B-27/28) seit 1952 nunmehr als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung wurde 2016 um die inzwischen übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF, 413 kB), S. 38. Abgerufen am 12. November 2019. Anerkennung und weitere Erhaltung von Grabstätten als Ehrengrabstätten des Landes Berlin (PDF, 205 kB). Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 17/3105 vom 13. Juli 2016, S. 1 und Anlage 2, S. 6. Abgerufen am 12. November 2019.