Blankenburg (Harz) ist eine Stadt im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt, Deutschland und staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie
Die Stadt Blankenburg liegt dicht am östlichen Nordrand des Harzes in etwa 234 m Höhe. Blankenburg befindet sich westlich von Quedlinburg, südlich von Halberstadt und östlich von Wernigerode.
Der nach Norden weitgehend wind- und wettergeschützte Blankenburger Talkessel am Ostharz wird umrahmt von dessen Ausläufern mit dem Schloss Blankenburg im Südwesten und dem gegenüber liegenden westlichen Teil der Teufelsmauer und der Burg Regenstein im Nordosten. Richtung Quedlinburg befinden sich die Sand-Silberscharten-Standorte, ein FFH-Schutzgebiet.
Nur nach Nordosten ist der Talkessel in Richtung Halberstadt geöffnet. Er hat auch kein fließendes Gewässer. Dies findet sich erst im drei Kilometer nördlich von Blankenburg gelegenen Goldbach, der am Kloster Michaelstein vorbei durch dessen Forellenteiche von links zur Bode fließt.
Stadtgliederung mini|Blankenburg, Luftaufnahme (2018)
Die um 1200 angelegte historische Altstadt schmiegt sich nördlich an den Blankenstein mit dem Schloss Blankenburg. Dieser Stadtkern ist anhand des Verlaufs der ehemaligen und noch bestehenden Stadtmauer nachvollziehbar. Ab dem 18. Jahrhundert kann von einer Überwindung dieser engen Grenzen gesprochen werden. In diese Zeit fällt im Wesentlichen die Anlage der Parks und Gärten sowie repräsentativer Gebäude im barocken Stil. Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Villen im klassizistischen, historistischen und im Jugendstil erbaut, die sich westlich, nördlich und östlich der Altstadt bis in höhere Berglagen erstrecken. Die Stadtränder sind von Wohn- und Gewerbegebieten des 20. und 21. Jahrhunderts geprägt.
Neben dieser Kernstadt gehören die dörflichen Ortsteile Börnecke, Cattenstedt, Heimburg, Hüttenrode, Timmenrode, Wienrode und die Stadt Derenburg zu Blankenburg (Harz). Am 1. Juli 2014 ist das neue Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Kraft getreten. In dessen §14 (2) wird den Gemeinden die Möglichkeit gegeben, den Ortsteilen, die vor der Eingemeindung Städte waren, diese Bezeichnung zuzuerkennen.Kommunalverfassungsgesetz des Landes in der Fassung vom 1. Juli 2014 Die Stadt Blankenburg (Harz) hat von dieser Regelung Gebrauch gemacht. Ihre geänderte Hauptsatzung ist mit Wirkung vom 13. Januar 2017 in Kraft getreten.
Des Weiteren existieren noch folgende inoffizielle Bezeichnungen für Gebiete innerhalb der Kernstadt: Birkental, Eichenberg, Gehren, Helsungen, Michaelstein, Oesig, Pfeifenkrug, Regenstein, Sonnenbreite, Stukenbreite und Westend. Einige davon waren bis zur Gebietsreform 2010 offiziell Stadtteile.
Nachbargemeinden
Klima mini|Blankenburg im Regenschatten des Harzes Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Blankenburg beträgt 9,1 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,3 beziehungsweise 17,9 °C und die kältesten Januar und Februar mit 0,5 beziehungsweise 0,7 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Juni mit durchschnittlich 86 Millimeter, der geringste im Februar mit durchschnittlich 45 Millimeter.
Das Klima, genauer die Niederschlagsmenge und Temperatur, wird insbesondere in den Sommermonaten durch den vom Mittelgebirge Harz verursachten Steigungsregen beeinflusst. Da die Stadt auf der Regenschattenseite (Lee-Seite) des Harzes liegt, kommt dort weniger Niederschlag an als in ähnlichen klimatisch gemäßigten Regionen ohne einen Schutz durch ein Gebirge. Durch den dabei gelegentlich entstehenden Föhn (sogenannter „Harzföhn“) kommt es außerdem zu einer Temperaturerhöhung.Artikel zum Harzföhn auf wetteronline.de
Geschichte Von der Stadtgründung bis 1599 mini|x200px|Blankenburg mit dem Großen Schloss im Hintergrund mini|Marktplatz mit Rathaus Funde in der weiteren Umgebung der Stadt Blankenburg verweisen auf unterschiedliche Besiedlungsphasen des nördlichen Harzvorlandes seit der Jungsteinzeit bis in die Römische Kaiserzeit.Paul Höfer: Die vorgeschichtliche Besiedlung der Umgegend von Blankenburg. In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde. 46, 1913, S. 66–69. Für die Zeit von ca. 400 bis 600 n. Chr., die sogenannte Völkerwanderungszeit, kann aufgrund fehlender archäologischer Spuren eine Entvölkerung dieser Region angenommen werden.
Die erste urkundliche Erwähnung der Burg Blankenburg geht auf das Jahr 1123 in einer Urkunde Kaisers Lothar von Supplinburg zurück. Dieser überließ wenige Jahre später seinem Gefolgsmann Poppo I. von Blankenburg die Anlage. Den Nachkommen Poppos, die als Grafen von Regenstein-Blankenburg bezeichnet werden, unterstanden in der Folgezeit die nahe Burg Regenstein und auch die Burg Heimburg. Die sich herausbildende Grafschaft Blankenburg bestand als ein welfisches Lehen, wobei die Lehnshoheit gelegentlich auch durch das Bistum Halberstadt eingefordert wurde. 1180/82 ließ Friedrich Barbarossa die Blankenburg verwüsten, weil sich die Grafen der „Alleintreue“ zu dem Welfen Heinrich dem Löwen verschworen hatten.
Eine erste Erwähnung der Stadt Blankenburg findet sich zweifelsfrei in einer Urkunde des Bischofs von Halberstadt aus dem Jahr 1212. Die Stadt entstand demnach um 1200 als planmäßige Anlage zwischen der namensgebenden Burg und der nördlich gelegenen älteren Siedlung Linzke. Dieses Dorf fiel im Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit wüst und ging vollständig in der Stadt Blankenburg auf.Christoph Georg Rohrbach: Die Wüstung Linzke im Blankenburger Stadtgebiet. In: Harz-Zeitschrift. 69, 2017, S. 48–65. Die Bausubstanz des Blankenburger Rathauses geht vor allem auf das späte Mittelalter und die Renaissancezeit zurück. Eine sich am Bergeshang abbildende hierarchische Struktur von weltlicher Herrschaft (Burg/Schloss), Kirche (St. Bartholomäus) und Bürgertum (Rathaus) ist stadtbildprägend und die mittelalterliche Struktur durch Reste der Stadtmauer und durch die Straßenverläufe der Altstadt heute noch erkennbar.
Mitte des 13. Jahrhunderts verpfändete die Äbtissin von Quedlinburg abteiliche Güter an Blankenburger Juden. Diese haben offenbar in Blankenburg und auch in Quedlinburg gewohnt.Eberhard Brecht, Manfred Kummer: Juden in Quedlinburg. Halberstadt 1996, S. 7. Eine Synagoge ist für Blankenburg jedoch nicht belegt. Die älteste Pfarrkirche der Stadt St. Bartholomäus entstand Ende des 12. Jahrhunderts und zeugt baulich von unterschiedlichen Nutzungsphasen, u. a. als Doppelkloster (weltliches Chorherrenstift und Zisterzienserinnen).Karl Steinacker: Das Problem der Bartholomäuskirche in Blankenburg a. H. In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde. 47, 1914, S. 281. Im 14. Jahrhundert übernahm die Heimburger Linie der Grafen Regenstein-Blankenburg nach dem Aussterben der anderen Blankenburger Linien die Hoheit über Stadt und Burg. Innungsrechte, das heißt die Erlaubnis zur Bildung von Handwerkszünften, werden erstmals um 1380 von den Blankenburger Grafen vergeben.Georg Bode: Zur Geschichte der Innungen in Blankenburg a/H. In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde. 19, 1886, S. 478–481.
Nach dem Tode des letzten Grafen von Regenstein, Johann Ernst, fiel sie 1599 als „erledigtes Lehen“ an die Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg zurück.
Von der Verwüstung zur Residenzstadt mini|Blankenburg um 1708 vor dem Ausbau zur Residenzstadt mini|Barocke Gärten am Schlossberg Mit einer Anzahl von 255 Häusern im Jahre 1616 kann Blankenburg als eine Stadt mittlerer Größe der weiteren Region zu dieser Zeit gelten.H. Müller: Ueber die Einwohnerzahl und die Größe der Stadt Blankenburg vor Beginn des 30jährigen Krieges. In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde. 39, 1906, S. 325–329. Von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges blieb die Stadt lange verschont, wurde jedoch schließlich durch den Oberst Jean de Merode unter der Befehlsgewalt Albrecht von Wallensteins hart bedrängt und 1625 besetzt. Neun im Rathaus eingemauerte Kanonenkugeln erinnern an diese Begebenheiten.Rudolf Steinhoff: Geschichte der Graffschaft ‒ bezw. des Fürstentums Blankenburg, der Graffschaft Regenstein und des Klosters Michaelstein. Blankenburg a. H./Quedlinburg 1891. S. 152. Nach dem Krieg lag die Stadt weitestgehend brach und verarmte, erste Maßnahmen des Wiederaufbaus wurden jedoch schon durch den um Blankenburg bemühten Herzog Rudolf August gefördert.Gustav Adolph Leibrock: Chronik der Stadt und des Fürstentums Blankenburg. Band 2, Blankenburg 1865. S. 131.
Die Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg machten den Ort im 17. Jahrhundert zu einer Nebenresidenz, die ihre Blütezeit (1690–1731) unter Herzog Ludwig Rudolf, dem zweiten Sohn Anton Ulrichs von Wolfenbüttel, hatte. Rudolf erhielt Blankenburg 1707 als Paragium. Gleichzeitig wurde die Grafschaft Blankenburg zu einem Reichsfürstentum erhoben und bis 1731 selbständig regiert, dann aber durch Ludwig Rudolf wieder mit Braunschweig vereint. Durch die fürstliche Förderung von Berg- und Hüttenwesen erlebte die Stadt auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Unter Ludwig Rudolf wurden viele repräsentative Gebäude und Anlagen geschaffen, deren Entwürfe nicht selten vom Baumeister Hermann Korb stammten. Die im Dreißigjährigen Krieg entstandenen Baulücken wurden geschlossen, wobei eine vollständige Bebauung innerhalb der Stadtmauern erst wieder Mitte des 19. Jahrhunderts erreicht werden konnte.
Herzog Ludwig Rudolf sorgte für ein reges kulturelles Leben mit Festspielen und Theateraufführungen. Am 22. November 1717 trat auf Schloss Blankenburg erstmals als Schauspielerin Friederike Caroline Neuber auf. Als ihr Mäzen förderte Ludwig Rudolph gemeinsam mit seiner Ehefrau Christine Luise die deutsche Theaterreform. Nicht zuletzt durch Bemühungen um sein Blankenburger Gut und die Unterstützung des Regenten prägte Berend Lehmann diese Zeit deutlich, so dass beispielsweise für kurze Zeit sogar eine hebräische Druckerei in der Stadt existierte.
Neubauten und Umbauten unter Herzog Ludwig Rudolf Umbau des Großen Schlosses zur barocken Residenz Herzogliche Domäne in der Altstadt Barocke Gärten mit Kleinem Schloss Schützenhaus auf dem Thie (nicht erhalten) Palais Behrend Lehmanns (Heutige Stadtverwaltung) Lustschlösschen Luisenburg Stiftung des barocken Altars der Bartholomäuskirche Neubau des Hospitals Georgenhof Kirche im Kloster Michaelstein Wiederaufbau der Katharinenkirche als Garnisonskirche
Nach dem Tode Ludwig Rudolfs im Jahre 1735 wurde Blankenburg Witwensitz seiner Witwe Christine Luise von Oettingen-Oettingen bis zu deren Tode 1747. Sie verfügte, dass die reichhaltige Bibliothek ihres Gemahls zur Erinnerung an ihn auf Schloss Blankenburg verbleiben sollte. Diese wurde jedoch später nach Braunschweig in das 1745 eröffnete Collegium Carolinum und 1764 in die Herzog August Bibliothek nach Wolfenbüttel überführt. auf hab.de Im Siebenjährigen Krieg gewährte die völlige Neutralität der Stadt dem braunschweigischen Hofe unter Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel eine sichere Zuflucht. In Blankenburg wohnte auch der spätere französische König Ludwig XVIII. nach seiner Flucht aus Dillingen unter dem Namen „Graf von Lille“ vom 24. August 1796 bis zum 10. Februar 1798. Seit 1731 war das Fürstentum zwar dauernd mit Braunschweig-Wolfenbüttel in Personalunion verbunden, blieb jedoch bis 1805 selbständiger Reichsstand.
Von 1805 bis Ende des Zweiten Weltkriegs mini|Stadtplan von 1891 mini|Blankenburg um 1900 mit Villen im Vordergrund mini|Kurhotel Fürstenhof (erbaut 1895), 2020
Von 1807 bis 1813 gehörte Blankenburg zum Königreich Westphalen. Nach dem Wiener Kongress wurde aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel das Herzogtum Braunschweig gebildet. Die Braunschweigischen Harzgebiete und das Gebiet des Fürstentums Blankenburg wurden 1833 zum Landkreis Blankenburg zusammengefasst. Ab 1850 bestand in der Stadt das Amtsgericht Blankenburg.