Die Burschenschaft Danubia München ist eine pflichtschlagende, farbentragende Studentenverbindung in München. Die Burschenschaft gehört dem Korporationsverband Deutsche Burschenschaft (DB) und innerhalb dieser der völkischen Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) an. Sie wird dem rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet und ihre Aktivitas vom Bayerischen Verfassungsschutz beobachtet.

Als Studentenverbindung ist die Burschenschaft Danubia ein Lebensbund, in dem Studenten nach ihrem Studienabschluss Mitglied der Altherrenschaft werden, die die jungen Studenten (Aktivitas) finanziell und ideell unterstützt (umgekehrter Generationenvertrag). Außerdem ist sie nach dem Conventsprinzip organisiert, das heißt Entscheidungen werden in Abstimmungen und Wahlen getroffen, wobei die Mehrheit entscheidet.

Die Danubia trägt die Farben Weiß-Grün-Rosenrot mit silberner Perkussion, weiße MützenErnst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 98. im Münchner Tellerformat und führt den Wahlspruch „Frei in Rede, kühn in Tat!“ Sie verlangt von ihren Mitgliedern das Schlagen von drei genehmigten Mensuren. Geschichte Gründungszeit Die Burschenschaft Danubia wurde am 6. März 1848 im Zuge der Auseinandersetzungen um die Tänzerin Lola Montez und König Ludwig I. gegründet und ist damit nach der damaligen Algovia (heute Arminia-Rhenania) die älteste Burschenschaft Münchens.Hans-Georg Balder: Die Deutschen Burschenschaften. Ihre Geschichte in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 319. Danubia war Teil der bürgerlich-revolutionären Bewegung von 1848 und musste sich wegen ihrer Beteiligung an der Revolution in München am 1. Mai 1853 zeitweilig auflösen. Schon zuvor war der erste Sprecher der Danubia wegen Hochverrats verhaftet worden, das Verfahren wurde jedoch später eingestellt. 1871 wurde einer der einstigen Revolutionäre, Nepomuk Fäustle, schließlich königlich bayerischer Justizminister.

1874 gründeten Passauer und Straubinger Abiturienten eine zwanglose Vereinigung Passavia, die sich im Wintersemester 1875/76 in Danubia umbenannte, die gleichen Farben und den gleichen Zirkel wie die ursprüngliche Danubia trug und deren Ideale vertrat; ab dem 23. Mai 1877 nannte sich die Danubia Burschenschaft.Max Droßbach und Hans Hauske (Hrsg.): Handbuch für den Deutschen Burschenschafter. 6. Aufl., Berlin 1932, S. 434.

1877 wurde sie in den Eisenacher Deputierten-Convent (EDC) aufgenommenMax Droßbach und Hans Hauske (Hrsg.): Handbuch für den Deutschen Burschenschafter. 6. Aufl., Berlin 1932, S. 433. und wechselte 1881 zum Allgemeinen Deputierten-Convent (ADC), aus dem später die Deutsche Burschenschaft hervorging. Für einige Jahre trat die Danubia aus dem ADC aus und gehörte in den Jahren 1883 bis 1886 keinem Dachverband an. 1890 schlossen sich die Mitglieder der Danubia von 1848 als Alte Herren der neuen Burschenschaft Danubia an. 1898 erfolgte die endgültige Aussöhnung mit dem Haus Wittelsbach, als Prinz Ludwig von Bayern (später König Ludwig III.) das 50. Stiftungsfest der Burschenschaft besuchte.

mini|Die Danubia als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915)

Die Zeit der Weltkriege Im Ersten Weltkrieg kamen 30 Mitglieder der Danubia als Soldaten ums Leben.Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 320. 1919 waren Mitglieder der Danubia an der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik in Bayern beteiligt, auch gehörten viele Danuben dem Freikorps Epp an. Am 10. Januar 1920 gründete die Danubia zusammen mit weiteren Burschenschaften die Rote Richtung. 1923 traten alle Mitglieder der freien Verbindung Avaria zur Danubia über. Mit Walter Schmadel stellte sie 1927–29 den Vorsitzenden des damaligen AStA-Dachverbands Deutsche Studentenschaft.Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 5: R–S. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1256-9, S. 255.

1935 löste sich die Danubia auf, da sie sich der Eingliederung in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund widersetzte und das damit verbundene Führerprinzip ablehnte. Danubia gehörte zu den nur sieben deutschen Burschenschaften, die sich nicht am Aufbau einer Kameradschaft beteiligten. Im Zweiten Weltkrieg kamen insgesamt 44 Danuben als Soldaten ums Leben.

Nachkriegszeit Ab April 1946 kam es erneut zu regelmäßigen Treffen der ehemaligen Danuben in München. 1949 gründete sich die Burschenschaft Danubia wieder und nahm noch im selben Jahr den Aktivbetrieb auf. Am 15. Juni 1950 war sie an der Wiederbegründung der Deutschen Burschenschaft beteiligt. 1953 wurde sie durch den akademischen Senat in das Verzeichnis der an der Universität München bestehenden Vereinigungen aufgenommen. Im Geschäftsjahr 1954/55 übernahm Danubia den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft.

In den 1960er Jahren waren mehrere Mitglieder der Danubia aktiv am Südtirolkampf beteiligt. Nachdem auf dem Burschentag 1961 eine Fusion der österreichischen und deutschen Burschenschaften gescheitert war, wurde am 15. Juli 1961 von den diesen Vorstoß unterstützenden Burschenschaften im Haus der Danubia die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG) gegründet. Die 42 deutschen und österreichischen Burschenschaften bekennen sich im Gründungsprotokoll der BG „zum volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ und fordern „die geistige und kulturelle Einheit aller, die dem deutschen Volke angehören und sich zu ihm bekennen“. Die BG bezieht sich positiv auf ein „Großdeutschland“ in den Grenzen vom 1. September 1939.

1967 errang die Danubia zusammen mit anderen Korporationen zum letzten Mal die Mehrheit im AStA.

Verbindungshäuser mini|Ehemaliges Haus der Burschenschaft Danubia München in Bogenhausen, Möhlstraße 21 (2011) Als Verbindungshaus der Danubia diente vor dem Zweiten Weltkrieg das Grützner-Haus, Grütznerstraße 1, in Au-Haidhausen.Gerd Meyding: Danubia hat wieder ein Haus. In: Burschenschaftliche Blätter, 75. Jg. (1960), H. 10/11, S. 236.Grütznerstraße 1, abgerufen am 9. April 2025 Von 1958 bis 2016 besaß die Danubia das Haus Möhlstraße 21. Es war 1901 vom später durch die Nationalsozialisten als Juden deklarierten und verfolgten lutherisch-evangelischen Ehepaar Julius und Luise Kaufmann erbaut worden. Die Familie Kaufmann bewohnte es, bis das Gebäude am 1. Februar 1938 „arisiert“ wurde und an die Familie der Freiherren von Leonrod überging. Julius und Luise Kaufmann nahmen sich zusammen mit ihrem Sohn Bruno 1940 das Leben, um der Deportation zu entgehen.Wolfram P. Kastner (Hrsg.): Auf einmal da waren sie weg ... Zur Erinnerung an Münchener Juden - ein Beispiel, das zur Nachahmung anregen könnte (Ausstellungskatalog), Verlag Ernst Vögel, 2004, ISBN 978-3-89650-192-9, S. 118f. Literaturangabe in: Julius, Luise und Bruno Kaufmann, www.nordostkultur-muenchen.de Der Sohn der neuen Besitzer, Ludwig Freiherr von Leonrod, war als Wehrmachtsmajor an der Verschwörung gegen Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt. Er wurde am 25. August 1944 hingerichtet.Benedikt Weyerer: München 1933-1949, Stadtrundgänge zur politischen Geschichte, München 1996, S. 294.

Im Jahr 2016 zog die Burschenschaft aus dem Haus in der Möhlstraße aus. Wer es übernahm und zu welchem Preis, sei laut Süddeutscher Zeitung nicht bekannt. Ins Grundbuch eingetragen sei der Verein Möhlstraße 21 e. V.Sebastian Krass: Danubia. Die rechten Burschen ziehen um, Süddeutsche Zeitung, 18. Mai 2016. Die Danubia erwarb ein Gebäude in der Potsdamer Straße in Schwabing.mini|Verbindungshaus der Burschenschaft Danubia München in der Potsdamer Straße 1aAuf dem Haus der Danubia residiert außerdem die Schülerverbindung Pennale Burschenschaft Saxonia Czernowitz zu München, zu der es große personelle Überschneidungen gibt.

Auswärtige Verhältnisse 1961 gründete sie mit der Wiener akademischen Burschenschaft Teutonia, der Alten Breslauer Burschenschaft zu Bonn und der Königsberger Burschenschaft Teutonia & Greifswalder Burschenschaft Germania vereinigt zu Marburg das Ostdeutsche Kartell.Dieter Michel: Gründung des „Ostdeutschen Kartells“. In: Burschenschaftliche Blätter, 77. Jg. (1962), H. 5, S. 123. Letztere Burschenschaft gehört dem bis heute bestehenden Kartell allerdings nicht mehr an. Zur Innsbrucker akademischen Burschenschaft Brixia besteht ein Freundschaftsverhältnis.

Danubia hatte bisher dreimal (1930, 1955, 1977) den Vorsitz der Deutschen Burschenschaft inne.

Vortragsreihen Seit den 1980er Jahren veranstaltet die Burschenschaft Danubia regelmäßig die Bogenhausener Gespräche in ihrem Verbindungshaus in München-Bogenhausen. Zu diesen Gesprächen waren unter anderem bekannte Rechtsextremisten wie Pierre Krebs und Günter Deckert eingeladen sowie der Holocaustleugner Wilhelm Stäglich.Thomas Grumke, Strukturen. Rechtsextreme Vordenker: Diskursbestimmende Organisationen und Personen des deutschen Rechtsextremismus, In: Bulletin 3/2003: Volksgemeinschaft gegen McWorld. Rechtsintellektuelle Diskurse zu Globalisierung, Nation und Kultur, Schriftenreihe des Zentrum Demokratische Kultur, Leipzig: Ernst Klett Schulbuchverlag 2003, S. 66 1998 erregte im Rahmen der Bogenhausener Gespräche der Vortragsabend mit Horst Mahler, Peter Furth und Bernd Rabehl Aufmerksamkeit. Horst Mahler ließ Rabehls Vortrag mit dem Titel „Dreißig Jahre nach 68 – Wege das geistige Vakuum in Deutschland zu überwinden“ unabgesprochen der Jungen Freiheit zukommen, die diesen abdruckte. Auch Jürgen Schwab trat bei der Burschenschaft als Redner auf."Burschenschafter treffen sich an Hitlers Geburtstag " sueddeutsche.de vom 17. April 2013 Die Danubia kündigt ihre Bogenhauser Gespräche regelmäßig in der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit an.

Die Burschenschaft veranstaltet außerdem die regelmäßige Vortragsreihe Herrschaftsfreier Dialog.Burschenschaft Danubia: Herrschaftsfreier Dialog Im Juni 2014 wurde bekannt, dass Martin Pfeiffer, Chefredakteur der rechtsextremen österreichischen Zeitschrift Die Aula und Vorsitzender der vom deutschen Verfassungsschutz als „größte rechtsextremistische Kulturvereinigung“ in Deutschland eingestuften Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), als Referent vorgesehen war. Der Vortrag wurde von der Altherrenschaft daraufhin kurzfristig abgesagt, ihr Vorsitzender nannte die Einladung „ein bedauerliches Versehen“.Sebastian Krass: Danubia zieht die Notbremse. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Juni 2014.

Auch der wegen eines Bombenanschlags in Südtirol verurteilte Peter Kienesberger und Alain de Benoist, Vordenker der Neuen Rechten, hielten Vorträge bei der Danubia.

Am 18. Januar 2017 trat ein damals hochrangiger Vertreter der IB Österreich als Redner eines Vortragsabends der IB im Haus der Münchner Burschenschaft Danubia zum Thema „Die Perspektiven der Reconquista im 21. Jahrhundert. Eine Bestandsaufnahme und ein Ausblick“ auf.

Am 5. Juli 2019 führte die Aktivitas eine Vortragsveranstaltung zu einem Projekt der Identitären Bewegung (IB), der sogenannten Alternative Help Association (AHA), mit dem ehemaligen Vorsitzenden der IB Bayern und ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der IB Deutschland durch.

Für den 21. November 2019 kündigte die Aktivitas einen Vortrag mit dem Referenten Thor von Waldstein an. Diesen bezeichneten sie in ihrer Einladung als einen bedeutenden Denker der Neuen Rechten. In der Vergangenheit trat er immer wieder in rechtsextremistischen Zusammenhängen in Erscheinung.

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