mini|hochkant|Was ist Contact-Tracing?
Als KontaktpersonennachverfolgungKontaktpersonennachverfolgung bei respiratorischen Erkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 RKI, Stand 18. März 2020, abgerufen am 7. September 2020. (, auch Kontaktverfolgung oder Kontaktnachverfolgung) bezeichnet man im Rahmen der Umgebungsuntersuchung das Nachverfolgen von Kontaktpersonen sowie die Ermittlung von Personen, welche Kontakt zu einem Erkrankten (oder zu einem infektiösen Verdachtsfall) hatten und infiziert sein könnten.Wolfgang Kiehl: Hrsg.: Robert Koch-Institut, Berlin 2015, ISBN 978-3-89606-258-1, S. 27, Stichwort Contact tracing.
Beschreibung Durch diese epidemiologische Methode kann zum einen die infizierte Person medizinisch behandelt werden und zum anderen kann die Übertragung auf andere Menschen verhindert werden. Beim „Contact Tracing“ wird das Ziel verfolgt, Personen zu identifizieren, die einen direkten oder auch indirekten Kontakt zu einer Indexperson hatten. Dabei werden alle potenziell durch die Indexperson infizierten Personen über das bestehende Risiko einer möglichen Ansteckung informiert und bezüglich notwendiger Maßnahmen beraten.World Health Organization and Joint United Nations Programme on HIV/AIDS. Sexually transmitted diseases: policies and principles for prevention and care. Geneva: UNAIDS Best Practice Collection, 1999 Bei den infektiösen Erkrankungen kann es sich sowohl um virale als auch um bakterielle Erkrankungen handeln. Die Umgebungsuntersuchung ist in allen demokratischen Ländern gesetzlich geregelt. Bei welchen Erkrankungen sie angewendet wird, entscheidet jeweils die Gesundheitsbehörde eines Landes.
Bewertung der Maßnahme Kontaktpersonennachverfolgung wird als effiziente und kostengünstige medizinisch-epidemiologische Maßnahme beschrieben, um gezielt Ansteckungsketten von infektiösen Erkrankungen wie etwa den Pocken aufzudecken (Rückverfolgung von Infektionsketten).Martin Eichner: Case Isolation and Contact Tracing Can Prevent the Spread of Smallpox. Am J Epidemiol 2003; 158:118-128 Durch Kontaktpersonennachverfolgung könne vor allem bei Geschlechtskrankheiten eine Fülle von Informationen über das Ausbreitungsmuster einer infektiösen Erkrankung gesammelt werden und deren Ausbreitung letztlich auch – durch gleichzeitige Information aller an den Kontakten beteiligten Personen – eingedämmt werden.Katz, B. P., Caine, V. A., and Jones, R. B.: Evaluation of field follow up in a sexually transmitted clinic for patients with Neisseria Gonorrhoea and Chlamydia Trachomatis. Sexually Trans. Dis. 1992; 19:99-103S. N. Wakasiakai: Partner Notification in the management of sexually transmitted infections in Nairobi, Kenya. East African Medical Journal Vol. 80 No. 12 December 2003 Gegen die Ausbreitung von Influenza-Viren sei Kontaktpersonennachverfolgung gemäß Weltgesundheitsorganisation hingegen im Allgemeinen kaum eine geeignete Maßnahme.Global Influenza Programme. Non-pharmaceutical public health measures for mitigating the risk and impact of epidemic and pandemic influenza (PDF, 1,4 MB), World Health Organization 2019.
Obwohl in der Regel als aussagekräftiger als Log-in-Systeme bewertet, kritisierte Bruce Schneier 2020 auch GPS- und Bluetooth-gestützte Apps zur Kontaktnachverfolgung wegen Zuverlässigkeitsmängeln.
Anwendungsbeispiele mini|Drei Methoden zum Check-In für die Kontaktverfolgung in der COVID-19-Pandemie, Juli 2021 Ein typisches Beispiel für eine seit Jahrzehnten angewendete Umgebungsuntersuchung ist die Tuberkulose. Sobald bei einem Menschen Tuberkulose diagnostiziert wird, werden seine Umgebung wie Familie, Schulklasse, Militäreinheit ebenfalls auf Tuberkulose getestet und wenn notwendig wird eine Behandlung begonnen. Die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der erkrankten Person durch die Tuberkulose und eine Übertragung auf andere Personen kann dadurch verringert werden.
Um die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie zu verlangsamen, werden via Bluetooth arbeitende Contact-Tracing-Apps verwendet.
Einzelnachweise
Kategorie:Epidemiologie Kategorie:Infektiologie