Die Liste der Synagogen in Hamburg umfasst die Synagogen und ehemaligen Synagogen auf dem heutigen Hamburger Stadtgebiet.

Geschichte Im Hamburger Raum siedelten sich seit Ende des 16. bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts Juden an. Sie ließen sich in Hamburg und in den bis 1938 selbstständigen Städten Altona, Wandsbek und Harburg nieder. In Hamburg und Altona bestanden getrennte Gemeinden der Sepharden aus Spanien und Portugal und den Aschkenasim aus dem deutschsprachigen Raum und Osteuropa.

Das älteste Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg befand sich in der Altstadt am Alten Wall. Nach dem Bau der Wallanlagen 1627 kamen Gebiete in der Neustadt hinzu. Nach der Aufhebung der Torsperre 1861 verließen viele Einwohner die engen Stadtviertel und zogen in die neu entstehenden Stadtteile am Rothenbaum, in Harvestehude und vor allem ins Grindelviertel. Synagogen und andere Einrichtungen des sozialen Lebens folgten ihren Nutzern.

In Hamburg war der Bau von Synagogen lange Zeit nicht erlaubt, so dass der Gottesdienst in Privathäusern stattfinden musste. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren Synagogen zumindest von außen nicht als Synagogen erkennbar oder hinter den Vorderhäusern verdeckt. Während des Zusammenschlusses der Dreigemeinde Altona, Hamburg Wandsbek (1671–1812) unterhielten die Altonaer und Wandsbeker Gemeinde in Hamburg eigene Synagogen für ihre in Hamburg lebenden Mitglieder.

Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Vereinssynagogen und Lehrhäuser, die eigene Gottesdienste abhielten. Auch einige jüdische Einrichtungen und Wohnstifte besaßen Synagogen. Während der Novemberpogrome 1938 wurden die meisten Synagogen demoliert und geschändet. Wegen der Hoflage oder nahegelegener Wohnbauten wurde in den meisten Synagogen kein Feuer gelegt. Anschließend wurden sie enteignet, einige abgerissen oder zweckentfremdet, andere durch Kriegseinwirkung zerstört. Einzig in der Neuen Dammthor-Synagoge konnten noch bis 1942 Gottesdienste abgehalten werden. Die 1945 wieder gegründete Gemeinde errichtete 1960 eine neue Synagoge mit Gemeindehaus.

Hamburg Portugiesisch-Jüdische Gemeinde mini|In der Innocentiastraße befand sich 1935–1939 die letzte sephardische Synagoge in Hamburg Alter Wall (60/62) Seit 1612 war in einem Privathaus der Betraum der sephardischen Gemeinde „Newe Salom“. 1652 schlossen sie sich mit den Gemeinden „Keter Tora“ und „Talmud Tora“, die vorher eigene Beträume gehabt hatten, sich zu einer Gesamtgemeinde „Beit Israel“ zusammen, die hier ihren gemeinsamen Betsaal hatte. Der Bau einer Synagoge und auch der Ausbau des Gebäudes wurden im 17. Jahrhundert vom Senat auf Drängen von Bürgern und der protestantischen Geistlichkeit unterbunden. Die Synagoge bestand bis 1833. Hinter Marcusstraße 36Michael Halévy: Wie eine morgenländische Pflanze. Die Portugiesensynagoge in der Marcusstrasse. In: David. Jüdische Kulturzeitschrift. Heft 132, 04/2022 (davidkultur.at; mit Fotos). Innocentiastraße 37 Die Villa in Harvestehude wurde 1935 von der Sephardischen Gemeinde angemietet und als Synagoge eingerichtet. Das Gebäude trug die hebräische Inschrift „Heilige Gemeinde der Sephardim Beit Israel – Nahe ist Gott allen, die ihn rufen“; auf dem Erker stand ein Magen David. Beide mussten trotz eines Protestes der NSDAP bei der zuständigen Behörde nicht entfernt werden. 1938 wurde die Synagoge vermutlich nicht angegriffen. Nach Ablauf des Mietvertrages Ende 1939 wurde das Gebäude wieder zu Wohnzwecken eingerichtet. Es diente danach als „Judenhaus“, zur zwangsweisen Unterbringung von Juden bis zu deren Deportation. Heute wird das Gebäude privat genutzt.

Aschkenasische Gemeinde Synagoge Neuer Steinweg, Neuer Steinweg 24–28, Die Synagoge befand sich im Obergeschoss eines umgebauten Wohnhauses im Hof. Sie wurde 1654 errichtet und 1859 verkauft. mini|Gedenktafel für den Friedhof

mini|Synagoge Kohlhöfen Synagoge Kohlhöfen, Kohlhöfen 19/20, Die Synagoge Kohlhöfen wurde 1857–1859 nach Plänen des Architekten Abraham Rosengarten erbaut. Sie wurde als repräsentativer Ziegelbau im Rundbogenstil entworfen und war mit einer Tambourkuppel gekrönt. Der Bau war der erste in Hamburg, der von der Straße aus einsehbar war. Nach dem Bau der Bornplatzsynagoge 1906 leitet die Gemeinde 1914 einen Verkauf des Grundstücks an die Stadt ein, der wegen des Ersten Weltkriegs nicht zustande kam. 1934 wurde die Synagoge dann im Rahmen der Sanierung des Gebiets verkauft und anschließend abgerissen. mini|Die Bornplatzsynagoge kurz nach der Einweihung 1906. Sie war die größte Synagoge Hamburgs. Bornplatzsynagoge Bornplatz (heute: Jospeph-Carlebach-Platz) Die Synagoge wurde 1906 als Hauptsynagoge des Deutsch-Israelitischen Gemeinde erbaut, 1938 zerstört und geschändet und bis 1940 abgetragen.

Synagoge Hohe Weide, Hohe Weide 34, Die heutige Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hamburg wurde von dem Architektenbüro Wongel & May entworfen und 1960 fertiggestellt.

Synagogen des Tempelverbandes

Aus der Bewegung des Reformjudentums heraus gründeten 65 jüdische Hausväter im Dezember 1817 in Hamburg den Neuen Israelitischen Tempelverein und bezogen 1818 ihr erstes Gotteshaus in der südlichen Neustadt (Brunnenstraße). Der Neue Tempel (Name für die Reformsynagoge und für die Tempelgemeinde) in der Poolstraße 12–13 wurde vom Tempelverein ab 1829 geplant, weil der erste provisorische Tempel zu klein wurde. Der Tempel in der Poolstraße wurde von 1842 bis 1844 nach Plänen des Architekten Johann Hinrich Klees-Wülbern erbaut.Wülbern hatte schon das Israelitische Krankenhaus entworfen Von dem ehemaligen dreischiffigen Gotteshaus sind heute noch die Reste der westlichen Vorhalle und das östliche Apsisgebäude als unverbundene Kriegsruinen erhalten, das Hauptschiff wurde 1944 durch einen Bombentreffer zerstört. 1931 wurde ein neuer Tempel in der Oberstraße am Rothenbaum bezogen, der nach den Novemberpogromen 1938 geschlossen und zwangsverkauft werden musste.

Brunnenstraße Poolstraße Oberstraße 120

Neue Dammtorsynagoge Neue Dammtorsynagoge (Allendeplatz 3 (früher hinter Beneckestraße 4)

Die Neue Dammtorsynagoge wurde 1895 im maurischen Stil errichtet. Sie wurde von einem Verein gleichen Namens getragen und feierte einen konservativen Gottesdienst mit maßvollen Neuerungen. 1924 wurde der Verein ein eigenständiger Kultusverband im innerhalb der Gemeinde, neben dem orthodoxen Deutsch-Israelitische Synagogen-Verband und dem Israelitische Tempel-Verband. Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Sie konnte jedoch durch private Spenden wieder für den Gottesdienst hergerichtet werden und war bis zu ihrer Beschlagnahme 1943 in Betrieb. Kurze Zeit später wurde das Gebäude durch einen Bombentreffer zerstört.

Alte und Neue Klaus mini|Alte und Neue Klaus (heutiges Gebäude) Die Alte Klaus wurde 1680 gegründet und die Neue Klaus 1756. Beide Anstalten fusionierten 1798 zur Vereinigten Alten und Neuen Klaus. Bis 1905 traf man sich in der Peterstraße, dann in der Synagoge im Hinterhof Rutschbahn 11. An diesem Lehrhaus der Synagogengemeinschaft im gemeinsamen Hinterhof von Rutschbahn und Grindelallee in Hamburg-Rotherbaum lehrten Selig Pinchas Bamberger und die Rabbiner Steingut, Diamant, Cohn und Jaffé. Nach der Pogromnacht 1938 mussten die Gebäude verkauft werden und werden seither anderweitig genutzt.

Altona Hochdeutsche Israelitengemeinde zu Altona Synagoge der Hochdeutschen Israelitengemeinde zu Altona (Hochstraße 50)

Die Synagoge wurde 1694 gebaut, 1713 im Großen Nordischen Krieg wurde sie, wie große Teile Altonas, durch Brand zerstört und erst 1716 wieder aufgebaut. 1938 wurde sie verwüstet und musste 1942 zwangsweise verkauft werden. Das Gebäude sollte zur Unterbringung von Zwangsarbeitern dienen, wurde aber schon 1943 durch Bomben zerstört. Heute erinnert eine Gedenktafel (am ehemaligen Postamt Ecke Amundsen-/Kirchenstraße) an dieses Zentrum des religiösen jüdischen Lebens in Altona.

Zwi-Hirsch-Aschkenasi-Klaus, in der Nähe der Synagoge.

Die Klaus wurde 1689 von Gemeindemitgliedern für den Rabbiner Zwi Hirsch Aschkenasi eingerichtet. Er wurde 1707 Oberrabbiner und verließ Altona 1710. Die Klaus bestand weiter bis in die Zeit des Nationalsozialismus.S. 129

Altonaer Filialgemeinde in Hamburg Betsaal der Altonaer Gemeinde in der Altstadt (im Gang „Hinter dem Blauen Turm“ zwischen Altem Wall und Kleiner Alster)

Die Synagoge wurde 1719 in den beiden oberen Stockwerken eines dreistöckigen Gebäudes eingerichtet und bestand bis 1790. 1746 wurde ein Vertrag zur Anmietung und Einrichtung einer größeren Synagoge in der Nähe abgeschlossen, der Besitzer des alten Gebäudes bestand jedoch auf der Erfüllung des bestehenden Vertrages. Der Ausgang des Konflikts ist nicht bekannt.S. 45 f.

Synagoge Elbstraße (genannt „Altonaer Schul“) (heute Neanderstraße)

Die Synagoge wurde 1788 als Synagoge der Altonaer Gemeinde in der Neustadt erbaut. Als Architekt wird Ernst Georg Sonnin genannt, obwohl es keine archivalischen Belege gibt. Nach der Trennung der Dreigemeinde diente das Gebäude der Deutsch-Israelitische Gemeinde, die auch die Vorderhäuser besaß. 1906 wurde sie zum Abbruch verkauft.S. 47 f.

Ostjüdische Synagoge Die meist aus Polen zugewanderten „Ostjuden“ unterhielten in Altona eigene Beträume. In der Polenaktion 1938 wurden die meisten von ihnen abgeschoben.

Synagoge der ostjüdischen Vereinigung Adas Jisroel Bernstorffstraße 69 (früher Adolphstraße), .

Der Betraum in einer ehemaligen Werkstatt wurde 1920 eingerichtet. Während des Jom-Kippur-Gottesdienstes 1936 fing ein Toravorhang Feuer von einer der zahlreichen zur Illumination benutzen Kerzen. Die Torarollen und der Toraschrein wurde durch das Feuer zerstört. Die unbrauchbar gewordenen Torarollen wurde unter großer Anteilnahme auf dem Friedhof Bornkampsweg begraben. 1942 musste das Gebäude verkauft werden.

Synagoge des Ostjüdischer Verein Ahawat Thora, Wohlersallee 62 .

Die Synagoge bestand von 1928 bis 1938.

Portugiesisch-Jüdische Gemeinden Synagoge der Altonaer Portugiesischen Gemeinde (Hoheschulstraße 12–14)

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach dem Brand 1713 benutzte die Gemeinde einen Saal in der Breiten Straße, der war nach einer zeitgenössischen Beschreibung mit vielen Kronleuchter und kostbaren Thoravorhängen ausgestattet war.Saskia Rohde: Die Synagogen der Sefardim. S. 144. Erst als die Gemeinde Unabhängigkeit von der Hamburger erlangte, wurde 1771 eine Gemeindesynagoge gebaut. 1887 wurde sie geschlossen, da die Gemeinde zu klein geworden war, um die benötigte Anzahl von zehn erwachsenen Männern für den Gottesdienst (Minjan) zusammenzubekommen. Die Synagoge wurde danach durch die aschkenasische Gemeinde genutzt und schließlich 1940 abgerissen.

mini|Gedenkstein für die Synagoge Wandsbek

Abraham-Sumbel-Klaus, Wohlersallee 62

Die Klaus wurde 1853 als testamentarische Stiftung eingerichtet. Der 1844 verstorbene Abraham Sumbel stammte aus Marokko und hatte auch dort eine Jeschiwa gestiftet. Die Verwalterstelle war ursprünglich einem Sepharden vorbehalten, ging nach der Auflösung der sephardischen Gemeinde in Altona 1882 an die aschkenasische über. Die Klaus bestand, bis sie 1942 zwangsweise aufgelöst wurde.S. 15.

Wandsbek Synagoge der Gemeinde Wandsbek (Königsreihe 43).

Die Synagoge wurde 1840 errichtet und ersetzte einen älteren Betsaal, der seit 1634 bestand. Anfang der 1930er Jahre gehörten der Wandsbeker Gemeinde etwa 200 Personen an.Gedenkstein Wandsbeker Synagoge. In: Stefan Romey: Wandsbek erinnert an 1933–1945. Hrsg. von der Bezirksversammlung Wandsbek. Hamburg 2020, S. 39. Die Synagoge wurde 1938 geschändet, dann enteignet. Die Überbauung wurde im Krieg teilweise zerstört, die Reste 1975 abgerissen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich seit 1988 ein Gedenkstein.

Harburg mini|160px|Verbliebener Torbogen der Synagoge, heute ein Mahnmal Synagoge der Synagogengemeinde Harburg-Wilhelmsburg Eißendorfer Straße 15 links|mini|Synagoge Harburg an der Elbe