mini|Wappen derer von Warendorf mini|Wappen der Familie von Warendorf-A auf der kaiserlichen Adelsbestätigung 1641 Warendorf, oder niederdeutsch Warendorp, ist der Name eines ursprünglich aus Warendorf in Westfalen stammenden Adelsgeschlechts, das zu den Erbmännergeschlechtern in Münster gehörte, auch im Lübecker Patriziat aufstieg und in beiden Städten vom 12. bis 17. Jahrhundert Domherren, Ratsherren und Bürgermeister stellte.
Geschichte In Münster In Münster, wo Erbmännerfamilien wie die Warendorp schon im Mittelalter als adelig galten und die Stadt regierten, waren die Warendorp zwischen 1354 und 1532 mit 10 Ratsherren, darunter mehreren Bürgermeistern und Kämmerern vertreten, darunter Hinrich (1380/81–1418) sogar 39 Jahre lang. Lambertus de Warendorpe war 1369/68 dort Kämmerer, Hinricus de Warendorpe 1379–94 und 1397/98, 1399–1411 sowie 1412, 1414–19 Bürgermeister. Johannes Warendorp war 1415/26 Ratsherr und 1443/44 Bürgermeister, Hermannus Warendorp 1444/45 Kämmerer der Stadt Münster. Johannes Warendorp war 1447/48 Bürgermeister, 1448/49 zusammen mit dem Ratsherrn Herman Warendorp Weinherr und wurde 1449/50 wieder Ratsherr dort. Hinrich Warendorf war 1450/51 und 1453/54 Ratsherr und 1454/55 Bürgermeister dort. Hermann Warendorf war 1458/59 dort Ratsherr, zugleich mit dem Ratsherrn Hinrich Warendorp. Johannes Warendorp war 1459/60 Ratsherr, Henrich (Henricus) 1464–66, 1475–77 und 1480–83 Bürgermeister von Münster. Johannes Warendorp zu Nevinghof war dort 1493/94 Kämmerer, 1501/02 Ratsherr und 1502/03 wieder Kämmerer. 1521/22 und 1531/32 war Hinrich Warendorp, und – wohl als Letzter seiner Familie – 1532 Johan Warendorp up de Salzstraße Schöffe in der Stadt Münster.Mirko Crabus: Die Ratsherren der Stadt Münster im Mittelalter in: Westfälische Zeitschrift für Geschichte 166, 2016 Z. B. war Johann von Warendorp 31-mal zwischen 1379 und 1418 Bürgermeister; dort war seine Familie, die allerdings zwei andere Familienwappen führte, verwandt mit Geschlechtern wie z. B. den Droste zu Hülshoff.Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9. Durch die Hanse bestanden enge Beziehungen nach Lübeck.
Aus dem Erbmännergeschlecht ist der Domherr Johannes von Warendorf (* im 14. Jahrhundert; † im 15. Jahrhundert) bekannt. Die Familie war auch am sog. Erbmännerstreit beteiligt. Nach dem Täuferreich Münster, in dem das Stadtarchiv und Archive der Erbmänner vernichtet worden waren, wurden die Stadt Münster und deren Ratsherren durch den Bischof entmachtet. Die nicht erbmännische Ritterschaft nutzte die dadurch entstandene Situation. So wurde im Hochstift Münster am Ende des 16. Jahrhunderts die Adelsqualität der Erbmänner im Kampf um die Pfründen des Domkapitels Münster angezweifelt. Die später im Domkapitel vertretenen nichterbmännischen Familien hatten ein verständliches Interesse daran, den Kreis der Zugangsberechtigten möglichst klein zu halten. So stieg die Chance, die eigenen nachgeborenen Söhne standesgemäß versorgen zu können. Es wurde auch Mitgliedern auswärtiger Adelsfamilien der Zugang zum Domkapitel verwehrt mit dem Argument, man könne ihre Stiftsfähigkeit nicht überprüfen. Im Erbmännerstreit, der wegen seiner enormen Dauer und seiner historischen Bedeutung als „einmalig“ bezeichnet wird, verteidigten die Warendorf gemeinsam mit anderen Erbmännerfamilien erfolgreich ihre rechtliche Gleichstellung mit dem Landadel. Der Münsteraner Erbmann Johann Schenckinck erreichte 1557 eine päpstliche „Präsentation“ auf ein solches münstersches Domkanonikat, stieß jedoch auf den Protest des aus der ländlichen Ritterschaft zusammengesetzten Domkapitels. Die Erbmännerfamilien, darunter Boldewin Warendorf zu NevinghoffWolfgang Weikert: Erbmänner und Erbmännerprozesse. Ein Kapitel Münsterscher Stadtgeschichte. Waxmann, Münster u. a. 1990, ISBN 3-89325-060-3 (Zugleich: Münster, Univ., Diss., 1989: Eine Darstellung des münsterischen Stadtpatriziats, der sogenannten Erbmänner, sowie eine Schilderung der „Erbmännerprozesse“ als Beispiel ständischer Auseinandersetzung.) reichten zur Unterstützung von Schenckinck eine Bittschrift an den Papst ein und er war unter den Beklagten des folgenden Prozesses. Denn das Domkapitel und die in ihm vertretenen Stände klagten 1597 beim Reichskammergericht in Speyer gegen diese „unanständige“ Besetzung mit Johann, verloren aber gegen die Erbmänner – nach vielem Hin und Her – schließlich durch kaiserlichen Rechtsspruch. Der Prozess dauerte – mit Revisionen und Gegenklagen – rund zwei Jahrhunderte. Am Erfolg konnten jedoch die Warendorf nicht mehr partizipieren, da sie im 17. Jahrhundert erloschen.
Besitzungen in Münster
Im 15. Jahrhundert gehörte den Warendorf einige Jahrzehnte lang Haus Giesking in Appelhülsen, bis 1530 Haus Getter bei Hiltrup, im 16. Jahrhundert auch Kückelsheim und Nevinghof in Münster-Kemper.
1402–1663 bzw. ab 1550 besaßen sie in der Stadt Münster zwei Erbmannshöfe am Alten Steinweg und einen Erbmannshof an der Salzstraße.Karl-Heinz Kirchhoff: Die Erbmänner und ihre Höfe in Münster in: Westfälische Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 116. Band, 1966, S. 14 (PDF; 2,3 MB).
Grabkapellen und Begräbnisse in Münster
Heinrich Warendorf gen. von dem Emeshaus († am 1. Januar 1575) wurde lt. Inschrift eines verlorengegangen Epithaphs in der St.-Mauritz-Kirche (Münster) neben seinen Ehefrauen Anna Steveninck und Gertrud Kerckerinck beerdigt.Wilhelm Kohl: Das Kollegiatstift St. Mauritz vor Münster. Germania Sacra (Neue Folge 47), Berlin / New York 2006, ISBN 978-3-11-019235-3 (Digitalisat).
In Lübeck Bereits 1183 kam ein Giselbert v. Warendorp aus dem Raum Münster als Bürgermeister der Hansestadt Lübeck zu Macht und Ehren. Er wurde 1188 vom Rat in einem Streit der Stadt mit dem Grafen Adolf von Holstein zu Kaiser Friedrich I. (HRR) (Barbarossa) gesandt und soll dort den großen Freibrief vom 19. September 1188 erwirkt haben, dem Lübeck zuerst seine bevorrechtigte Stellung verdankte. Ob er der Stammvater der späteren Namensträger war, ist jedoch ungewiss.Hans-Cord Sarnighausen: "Dier Lübecker Patrizier von Warendorp seit 1285" in: Sonderheft Genealogie 2005/2006
In Lübeck wurde diese Familie zur Unterscheidung in der Literatur auch Warendorf-A genannt. Sie gehörte zwar 1379 nicht zum Kreis der Gründer der exklusiven Zirkelgesellschaft, aber schon 1428 wurde Brun Warendorp darin aufgenommen. Sie gehörte 1641 zu den sechs Lübecker Familien der Gesellschaft, deren Adel vom Kaiser bestätigt wurde.
Das Geschlecht ist zu unterscheiden von den nicht verwandten, aber gleichfalls im 14. Jahrhundert in Lübeck ratssässigen Geschlechtern von Warendorf-BAhnherr Hermann von Warendorp († 1333), Bürgermeister von Lübeck (1328–1333), vgl. Fehling, Ratsline Nrn. 305, 352 (Bürgermeister Tidemann Warendorp (1310–1366)) und 357 (Ratsherr Wedekin v. W.). Weiter auch der Schleswiger Bischof Heinrich I. von Warendorp (1343–1351)., von Warendorf-CFehling, Ratslinie Nr. 324 und von Warendorf-D.Fehling, Ratslinie Nr. 287 Die Unterscheidung erfolgt anhand der unterschiedlichen Familienwappen.
Wappen Der Wappenschild ist von Gold und Blau sechsmal schrägrechts geteilt. Der mittlere blaue Balken ist mit drei hintereinander fliegenden silbernen Lerchen belegt. Auf dem Helm zwei schräg einwärts gelehnte ovale Schilde mit dem Wappenbild, jeweils besteckt mit (einem Busch von) fünf Blau und Gold wechselnden Straußenfedern. Die Helmdecken sind blau-golden.
Eine Variante zeigt in Gold drei blaue Balken (quer), der mittlere breitere belegt rechts hin mit drei fliegenden goldenen Lerchen. Auf dem Helm ein offener goldener mit blauen Punkten besäter Flug.Nach J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch. Teil III, 3: Der Adel der Freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck. Nürnberg: Bauer und Raspe 1871, S. 22; Abb. auf Tafel 19
Als Helmzier finden sich auch zwei gold getupfte braune Damwildschaufeln.So auf der Bekrönung der Warendorpkapelle im Dom, siehe BuK III, S. 71, auch auf dem Privileg von 1641 sind zwei Geweihe zu sehen
Erwähnung in der Literatur
Der Schriftsteller Werner Bergengruen lässt in seiner Novelle "Die Feuerprobe", die im mittelalterlichen Riga spielt, einen dortigen Ratsherrn Henning von Warendorp auftretenWerner Bergengruen: Die Feuerprobe - Novelle. Reclam 1953. Es ist möglich, dass die Familie Warendorp im Rahmen der Hanse auch im Baltikum vertreten war.
Bedeutende Vertreter
Münsteraner Erbmänner
Johannes von Warendorf (* im 14. Jahrhundert; † im 15. Jahrhundert), römisch-katholischer Geistlicher und Domherr in Münster. Hinrich von Warendorp, Bürgermeister von Münster 1380/81–1418 Johann von Warendorp, zwischen 1379 und 1418 Bürgermeister von Münster Anna von Warendorp (16. Jahrhundert), Erbtochter auf Grosse Getter (Amelsbüren), verheiratet mit Berthold von Bischopinck, Enkel des Bürgermeisters von Münster Johann IV. Droste zu Hülshoff Benedicta von Warendorp gen. von dem Emenshus, verh. 1494 mit dem Bürgermeister von Münster Johann VII. Droste zu Hülshoff Richmond von Warendorp, um 1530/40 Priorin des Klosters Hohenholte bei Havixbeck Johann von Warendorp zu Nevinghoff, verheiratet mit Anna Elisabeth Droste zu Hülshoff, einer Schwester des Bürgermeisters von Münster Johann VII. Droste zu Hülshoff
Lübecker Ratslinie mini|Grabplatte des Bürgermeisters Brun Warendorp († 1369) in der Lübecker Marienkirche Gieselbert von Warendorp, Bürgermeister Lübecks 1183 Bruno Warendorp (um 1255–1341), Bürgermeister der Hansestadt Lübeck von 1301 bis 1341 Hermann Warendorp (Bürgermeister) Hermann Warendorp (Ratsherr) († 1350), seit 1334 Ratsherr in LübeckFehling, Ratslinie Nr. 345 Tidemann Warendorp (1310–1366), 1339 Ratsherr, Bürgermeister von Lübeck (1351) Gottschalk Warendorp († 1365), seit 1343 Ratsherr in Lübeck Bruno von Warendorp († 1369), Bürgermeister der Hansestadt Lübeck (1367–1369), wurde im 19. Jahrhundert auch in der Walhalla verewigt Bruno Warendorp († 1411), 1367–1408 Ratsherr in Lübeck Bruno Warendorp († 1457), Bürgermeister der Hansestadt Lübeck (1432–1434 oder 1435) Volmar Warendorp († 1504), seit 1475 Ratsherr in Lübeck Volmar Warendorp († 1566), seit 1558 Ratsherr in LübeckFehling, Ratslinie Nr. 668
Lübecker Domherren Johann Warendorff (1608–1680), Domherr seit 1627, Senior des Kapitels und Großvogt Bruno Warendorff († 1659), Domherr seit 1636
Weitere siehe Liste der Mitglieder der Zirkelgesellschaft
Besitzungen in Lübeck Israelsdorf 1354–1448 Roggenhorst, Zarnewitz und Ovendorf 1346– Dunkelsdorf 1353–1688 Brandenbaum und Hohewarte –1697 Bergrade 1394–1418
Grabkapellen und Begräbnisse in Lübeck mini|Gitter der Warendorp-Kapelle im Lübecker Dom Neben der Warendorp-Kapelle und der bekannten Grabplatte in der Marienkirche befinden sich Grabkapellen (Warendorp-Kapellen) der Familie in der Jakobikirche an der Südseite des Schiffes und im südlichen Seitenschiff des Lübecker Doms. Die Warendorp-Kapelle im Dom war Grabkapelle des 1341 verstorbenen Bürgermeisters Bruno Warendorp und seiner Ehefrau Helenburg Warendorp.
Literatur Erbmänner in Münster Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 353 f. (Google Bücher) Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 1, Bd. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 1: Die Ritterschaft, Bd. 2: Edelleute (Hertell–Zoritsch); Nachträge und Berichtigungen, Nürnberg 1898, S. 416 f. (uni-goettingen.de) und Tfl. 163 (uni-goettingen.de). Johann Holsenbürger: Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen. Münster i. W. 1869.