Dirty Mind ( für Schmutzige Fantasie) ist das dritte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 8. Oktober 1980 bei Warner Bros. Records. Musikalisch erweiterte Prince sein Spektrum und kombinierte Songs aus den Genres Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock, was er zuvor nicht getan hatte. Die als obszön geltenden Liedtexte thematisieren unter anderem Inzest, Oralsex und Wollust.
Musikkritiker bewerteten das Album zum Teil hervorragend und das US-Musikmagazin Rolling Stone platzierte Dirty Mind 2023 auf Rang 326 der 500 besten Alben aller Zeiten. Kommerziell blieb das Album zunächst erfolglos und erreichte in den USA erst 1984 den Goldstatus.
Die Tournee zu Dirty Mind war Prince’ erste als Headliner; zugleich absolvierte er seine ersten Auftritte in Europa, blieb jedoch aus kommerzieller Sicht erfolglos.
Entstehung mini|Prince, 1980 Im April 1980 nahm Prince mit When You Were Mine den ersten Song für Dirty Mind auf. Zu dieser Zeit war er als Vorgruppe von Rick James auf dessen Fire It Up Tour in den USA unterwegs. Das Stück schrieb Prince in einem Hotelzimmer, während er Musik von John Lennon hörte. Von September 1979 bis Ende 1980 mietete er ein Haus nahe dem Lake Minnetonka in Orono (Minnesota), in dessen Keller er ein 16-Mehrspurrekorder-Tonstudio namens North Arm Drive Home Studio einrichten ließ. Dort nahm Prince im Mai und Juni 1980 alle weiteren Songs von Dirty Mind auf.Nilsen (1999), S. 69.
Laut dem Gitarristen Dez Dickerson basiert Uptown auf einer von André Cymone, Prince’ früherem Schulfreund und damaligem Bandmitglied, entworfenen Bassline. Cymone spielte diese bei Proben, die Prince übernahm, ohne ihn in den Liner Notes von Dirty Mind zu nennen. Partyup beruht auf einem von Morris Day (* 13. Dezember 1957) entwickelten Groove, den Prince mit einem Liedtext versah und aufnahm. Als Gegenleistung bot er Day entweder 10.000 US-Dollar (damals etwa 22.600 DM) oder Unterstützung bei der Suche nach einem Plattenvertrag an. Day lehnte das Geld ab; Anfang 1981 machte Prince ihn zum Leadsänger der von ihm gegründeten Band The Time.Uptown (2004), S. 365.Nilsen (1999), S. 67.
Als Prince seinem damaligen Management den Rohentwurf von Dirty Mind präsentierte, verlangte dieses eine Nachproduktion der Songs, bevor er das Album Warner Bros. Records vorstellen durfte. Das erneute Mixing nahm Prince im Juni 1980 im Tonstudio Hollywood Sound Recorders in Los Angeles (Kalifornien) vor. In dieser Zeit überarbeitete er auch Gotta Stop (Messin’ About), das nicht auf dem Album erschien, sondern im Mai 1981 als Non-Album-Track als Single veröffentlicht wurde.
Prince stellte Warner Bros. Records schließlich Dirty Mind vor, was bei der Schallplattenfirma wegen der anzüglichen Liedtexte und der kargen Musikproduktion auf Empörung stieß. Marylou Badeaux, damals Vizepräsidentin bei Warner, erinnerte: „Er brachte die ganze Plattenfirma durcheinander. Die Promotionmanager riefen mich völlig verzweifelt an: ‘Sowas kann ich doch nicht den Radiosendern vorstellen! Spinnt der?’“Hahn (2016), S. 60.
Bob Cavallo (* 1939) und Steve Fargnoli (* 1949; † 2001), Prince’ damalige Manager, überzeugten Warner Bros. Records jedoch, Dirty Mind in der von Prince vorgesehenen Form zu veröffentlichen.Hahn (2016), S. 61.
Gestaltung des Covers Das Cover zeigt Prince in einem Schwarzweißfoto nur mit schwarzem Slip und offenem Trenchcoat, sodass sein Bauch sichtbar ist. Auf dem Trenchcoat befindet sich ein Anstecker mit der Aufschrift „Rude Boy“, um den Hals trägt er ein Halstuch. Im Hintergrund sind Sprungfedern eines Bettgestells erkennbar. Der Name „Prince“ steht am oberen Rand, die Buchstaben wirken dekorativ umrandet, als seien sie mit einer Spezialschere ausgeschnitten.Hahn (2016), S. 62.Hill (1989), S. 124.Greenmann (2017), S. 167–168
Der aus Minneapolis stammende Fotograf Allen Beaulieu (* 1952) erklärte, das Cover sei Prince’ Idee gewesen, in Schwarzweiß zu fotografieren. Prince habe ihn zudem gebeten, vor Sprungfedern zu posieren, deren Stapelung jedoch Beaulieus Idee war. Beaulieu sagte: „Er wollte ganz und gar auf das Image des Unterprivilegierten setzen, das die Leute weitergaben, und nicht auf etwas, das sich durch Werbung zunichtemachen lässt.“
Die Innenhülle der LP und das Booklet zur CD sind schlicht gehalten; lediglich ein Foto von Prince mit seiner damaligen Begleitband ist enthalten. Die Liedtexte sind nicht abgedruckt. In den Liner Notes bedankt sich Prince unter anderem bei „Joni“, womit er Joni Mitchell meinte, die ihn musikalisch inspiriert hatte.Uptown (2004), S. 529.
Musik und Liedtexte Prince’ Songwriting wirkt ausgereifter, die Tracks enthalten mehr melodische und harmonische Variationen als zuvor. Sein charakteristischer Falsettgesang zusammen mit basslastigem Schlagzeug und E-Bass im Vordergrund erzeugt einen markanten Sound. Radiofreundlich sind die Songs meist jedoch nicht.
Abgesehen vom Titelstück und Head, in dem Keyboarder Dr. Fink Parts übernahm, spielte Prince alle Musikinstrumente selbst. Wie bei seinen ersten beiden Alben ist Dirty Mind stark keyboardgeprägt. Die meisten Songs enthalten Oberheim-Synthesizer-Linien, oft scharf und metallisch, andere Stücke setzen ein E-Piano ein. Gitarrenspiel ist meist sparsam. Prince verbindet auf Dirty Mind Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock; einzelne Songs zeigen Einflüsse von Bluesrock und Rock ’n’ Roll.Hahn (2016), S. 58.Hill (1989), S. 115., S. 118., S. 120. und S. 126.Hahn (2016), S. 65.
Die Liedtexte singt Prince ausschließlich in Falsett und melodisch vertont; sie handeln meist von Sex und Wollust, kaum von Liebe oder Romantik. Auf Dirty Mind veranschaulicht Prince seine Vorstellungen sexueller Offenheit und Freiheit von gesellschaftlichen Normen. Einige Ideen zu sexueller Freiheit und Toleranz fasst der Song Uptown zusammen, den Prince in einem Interview als einen Song über „offen für Dinge zu sein, die man nicht versteht“ bezeichnete. Dirty Mind Das Titelstück entstand aus einem Synthesizer-Lick, den Dr. Fink bei Rehearsals spielte. „Prince schrieb eine Bridge, machte ein paar Änderungen und das war’s“, sagte Fink. Gegen Mitternacht hätten sie die Musik geschrieben; am nächsten Morgen präsentierte Prince den fertigen Song mit den Worten: „Hey, das ist das Titelstück für mein nächstes Album“. Dirty Mind besitzt einen eindringlichen Puls aus Bassdrum-Beat und E-Bass, darüber liegen eine Synthesizer-Phrase und spärliche Gitarren-Fills. Der Liedtext handelt ausschließlich von Sex; Prince begehrt eine Frau, bei der er „versaute Gedanken“ bekommt, und will sie „nur flachlegen“, was auch in „Daddys Auto“ passieren kann.Uptown (2004), S. 365–366. When You Were Mine Das Stück gehört zum Genre New Wave und verfügt über einen markanten Orgelsound, während Schlagzeugbeat und Backing Vocals an Popmusik der 1960er Jahre erinnern. Jede Strophe endet mit einer prägnanten Keyboard-Hookline, die einen gesungenen Refrain ersetzt. Im Liedtext trauert Prince seiner Freundin nach, die ihn verlassen hat, und bringt dies teils mit sarkastischem Unterton zum Ausdruck. Obwohl er weiß, dass sie einen neuen Partner hat, liebt er sie „mehr als ich es jemals tat“.Uptown (2004), S. 366. Do It All Night Der Song gehört zu Funk und Pop und wird von Staccato-artigem E-Piano sowie Prince’ perkussivem, zupfendem Bassspiel getragen. Im Liedtext begehrt Prince eine Frau, die er schon lange attraktiv findet. Da sie jedoch von einem anderen Mann begehrt wird und er schüchtern ist, traut er sich nicht, sie anzusprechen, und fantasiert stattdessen darüber, was er mit ihr tun würde; er will es ihr „richtig besorgen“ und „‚es‘ die ganze Nacht tun“.Hill (1989), S. 115.Ewing (1994), S. 29. Gotta Broken Heart Again Die Soul-Ballade im Pop-Bereich wird hauptsächlich vom E-Piano begleitet. Im Liedtext trauert Prince seiner Freundin nach, die nun mit seinem „einzigen vermeintlichen Freund“ zusammen ist. Uptown Die Up-tempo-Nummer aus Funk und Pop entwickelt sich um eine synkopische Basslinie. „Uptown“ ist ein Geschäftsviertel im Südwesten von Minneapolis, bekannt für Geschäfte, Nachtleben und Kultur. Im Liedtext singt Prince, man könne dort seinen „Geist frei machen“. Er trifft ein Mädchen, das ihn „Bist du schwul?“ fragt; er antwortet: „Nein, du?“ und nimmt es ihr nicht übel, da sie „nur ein Opfer der Gesellschaft“ sei. In Uptown feiern alle zusammen, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft, und Prince bemerkt, „sie hat sogar mit mir geschlafen“. Head Der Song aus dem Genre Funk besitzt einen knappen, straffen Groove, den Prince aus Synthesizer-Lick, Single-Note-Bass und Schlagzeug entwickelte. Der Liedtext ist sehr anzüglich und handelt von Oralsex zwischen Prince und einer Braut auf dem Weg zum Altar. Die Frau entgegnet: „Ich bin noch Jungfrau und auf dem Weg zu meiner Hochzeit. Aber du bist so ein toller Kerl, voller Energie“, worauf Prince antwortet: „Ich blase dir einen, bis du brennst, bis du genug hast“, und gesteht: „Ich bin auf deinem Hochzeitskleid gekommen“. Die Frauensätze sprach die damals 19-jährige Lisa Coleman, die erstmals auf einem Prince-Album mitwirkte und Keyboarderin Gayle Chapman (* 1957) ersetzte, die aus religiösen Gründen die Band verlassen hatte.Nilsen (1999), S. 68.Ewing (1994), S. 29. Sister Der aggressive Rocksong enthält Einflüsse aus Rock ’n’ Roll. Der Liedtext ist erneut sehr anzüglich: Prince beschreibt Inzest mit seiner älteren Schwester („Ich war erst 16, aber das ist wohl keine Entschuldigung“, „meine Schwester war 32, hübsch und locker drauf“, „trägt keine Unterwäsche“, „hat nie mit jemand anderem als mir geschlafen“). Im echten Leben hatte Prince drei ältere Halbschwestern, seine einzige leibliche Schwester war zwei Jahre jünger als er. Partyup Der letzte Song des Albums kombiniert Pop- und Funk-Elemente und ist von Bluesrock beeinflusst. Wie in Uptown setzt Prince auf eine synkopische Basslinie, die zusammen mit Schlagzeug, Handclaps und sparsam eingesetztem Gitarrenspiel den Rhythmus prägt. Ein zweiter Abschnitt konzentriert sich auf ein Staccato-E-Piano. Partyup ist das einzige Albumstück ohne sexuelle Thematik. Stattdessen ist es ein wütender Anti-Kriegs-Song, inspiriert von Anti-Draft-Demonstrationen. Laut Prince handelt der Text von Menschen, die Spaß dem Töten vorziehen, und kritisiert die Werte einer als fehlgeleitet empfundenen Gesellschaft – eine Thematik, die in Uptown direkter angesprochen wird.
Titelliste und Veröffentlichungen #TitelDauer1Dirty Mind4:132When You Were Mine3:433Do It All Night3:424Gotta Broken Heart Again2:145Uptown5:326Head4:437Sister1:318Partyup4:25Spieldauer: 30:14 min.Autor aller Songs ist Prince Dirty Mind erschien am 8. Oktober 1980 in den USA.Parke (2017), S. 214. Zunächst auf LP und MC veröffentlicht, folgten später Ausgaben auf CD und als Download.
Singles mini|Prince, 1981 Von dem Album wurden vier Singles ausgekoppelt. Am 10. September 1980 erschien Uptown als 4:08-minütige Edit-Version; die B-Seite Crazy You stammt vom Debütalbum For You. In Europa wurde die Single nur in den Niederlanden veröffentlicht.Clerc (2023), S. 48.Uptown (2004), S. 26. Am 26. November 1980 folgte das Titelstück als 3:39-minütige Single mit der B-Seite When We’re Dancing Close and Slow aus dem Album Prince; diese Ausgabe erschien nicht in Europa.
Ende 1980 wurde Head als dritte Single ausschließlich auf den Philippinen veröffentlicht; die B-Seite enthält die Albumversion von Uptown. Das genaue Veröffentlichungsdatum ist nicht belegt. Am 6. März 1981 erschien in Großbritannien die vierte Single Do It All Night mit Head als B-Seite. Ebenfalls Ende 1980 erschien in den USA die Promo-Maxi-Single When You Were Mine, auf deren A-Seite die Albumversion von When You Were Mine und Gotta Broken Heart Again enthalten sind, die B-Seite enthält die Albumversion von Uptown.