mini|Königsee und Watzmann von Süden aus der Luft gesehen
Der Königssee ist ein Gebirgssee in der Gemeinde Schönau am Königssee im Landkreis Berchtesgadener Land. Eingebettet zwischen den steilen Berghängen von Watzmann und Hagengebirge hat der langgestreckte See zusammen mit dem südöstlich vorgelagerten kleineren Obersee – um den das Steinerne Meer den Talabschluss bildet – einen fjordartigen Charakter. Er gehört zu den saubersten Seen Deutschlands.
Der Großteil des Königssees liegt im Nationalpark Berchtesgaden. Eigentümer ist der Freistaat Bayern. Der See zählt mit (Stand: 2014) 580.000 Besuchern der von der Bayerischen Seenschifffahrt betriebenen Schifffahrt zu den touristischen Hauptattraktionen in der Landkreisteilregion Berchtesgadener Land.Elias Butzmann: Natur- und Ökotourismus im Nationalpark Berchtesgaden, Würzburger Geographische Arbeiten. Band 116. Würzburg University Press, Würzburg 2017; Zuvor als Dissertation, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Philosophische Fakultät, 2016. PDF, S. 150 von 370 Seiten. PDF-Dokumentation von Ökologischer Tourismus in Europa S. 61 f., 64 f., 70 f.
Mit Wirkung vom 30. Juni 2021 wurden die Gumpen am Königsbach-Wasserfall oberhalb des Königssees vom Landratsamt Berchtesgadener Land für die Dauer von fünf Jahren für jegliches Betreten gesperrt. Grund ist die Schädigung der Tier- und Pflanzenwelt durch die aufgrund der Popularität dieser Örtlichkeit in sozialen Medien sehr stark angestiegenen Besucherzahlen.
Name des Sees Bei dem Historiker A. Helm heißt es an einer Stelle nur lapidar, dass der Name „Königssee“ schon lange gebräuchlich sei und sich von dem in den See mündenden „Königsbach“ ableite.A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 183
Da vom 12. bis 15. Jahrhundert keine Akten bzw. Heberegister im Zusammenhang mit der Fischerei am Königssee angelegt wurden, gibt es für diese Zeit auch keine beurkundeten Bezeichnungen für den See. Erst ab dem 15. Jahrhundert sind in den Heberegistern Bezeichnungen des Sees als „Chunysee“ oder „Kunysee“ (BHSA, FB 643) nachweisbar.Nationalparkverwaltung Berchtesgaden (Hrsg.) Fischbiologie des Königssees – Forschungsbericht 24/1992, PDF, S. 123 von 156 Seiten, siehe Abschnitt 5.2 Fischerei in Klosterquellen, linke Spalte Mitte Hinweis auf (BHSA, FB 643) sowie auf das Zitat zu „König“ mit Verweis auf Walter Brugger: St. Bartholomä am Königssee. Verlag Schnell & Steiner GMBH & Co, München und Zürich 1984. S. 14–23.
Walter Brugger geht davon aus, dass es bei den in der Region mit „König“ beginnenden Ortsnamen „keinerlei Begründungen für das Wort König“ gibt, sondern sie sich von dem Mitbegründer des Berchtesgadener Klosterstiftes Kuno bzw. Chuno von Horburg, dem Stief- oder Halbbruder von Berengar I. von Sulzbach, ableiten.Nationalparkverwaltung Berchtesgaden (Hrsg.) Die Holzbringung aus dem Einzugsgebiet des Königssees – Forschungsbericht 38/1997, PDF, S. 28 von 73 Seiten, siehe Abschnitt Der Überblick und die Luftbildkarte, rechte Spalte unten mit Fußnote 85 und Verweis auf Walter Brugger: Der Königssee und St. Bartholomä in Geschichte und Kunst. Berchtesgadener Heimatkalender 1987, Seite 99. So hieß z. B. der „Königsbach“ im 12. Jahrhundert „Counispach“ bzw. „der Bach des Chuno“, dessen Name sich später über „Künigspach“ zu dem heutigen Königsbach weiter entwickelt hat. Das Gleiche gilt entsprechend u. a. auch für den Königssee oder den ihn umgebenden Königsberg im Forst Königssee. Darüber hinaus gilt laut Alfred Spiegel-Schmidt Kuno von Horburg als Stifter der am 24. August (Bartholomäustag) 1134 eingeweihten Basilica Chunigesse.Alfred Spiegel-Schmidt: Führung St. Bartholomä, Heimatkundeverein Berchtesgaden (PDF, 7 Seiten) 1698 wurde diese Kapelle abgebrochen und anschließend in Gestalt des heute bekannten Kuppelbaus der Wallfahrtskirche St. Bartholomä neu errichtet.A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 289 f. Aber bereits wegen einer im Zusammenhang mit dem Weihedatum des Vorgänger-Kirchenbaus „gestifteten Reliquie des Hl. Bartholomäus“ wurde der See zeitweilig auch Bärtlmesee (1662)Nationalparkverwaltung Berchtesgaden (Hrsg.) Fischbiologie des Königssees – Forschungsbericht 24/1992, PDF, S. 126 von 156 Seiten, siehe Abschnitt 5.2 Fischerei in Klosterquellen, rechte Spalte, 2. Abs. siehe Hofmeisterinstruktion von 1662 unter Punkt sieben (BHSA, FB 36 fol. 143) bzw. Bartholomäsee genannt.Siehe Positionsblatt der Bayerischen Uraufnahme aus der Zeit zwischen 1817 und 1841 im BayernAtlas. Abgerufen am 18. Januar 2017.A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 178.
Etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts wird der See durchgängig in der Schreibweise mit zwei „s“ (erstes s ist ein Fugen-s) als „Königssee“ bezeichnet.
Geographie Entstehung Der heutige Königssee liegt in einem tektonischen Grabenbruch, der vermutlich bereits im ausgehenden Jura entstand. Während der Eiszeiten wurde das Becken vom Königsseegletscher mehrere hundert Meter tief ausgeschürft, lediglich der widerstandsfähige Dachsteinkalk im Bereich der heutigen Ortschaft Königssee wurde zwar geschliffen, nicht aber großvolumig abgetragen. Während seines Höchststandes muss das Eis den Talboden etwa 900 Meter hoch bedeckt haben, wie eiszeitliche Seitenmoränen im Bereich des Plateaus von Kühroint unterhalb des Watzmann zeigen. Nach dem Rückzug des Gletschers blieb der See zurück und die Aufschotterung begann. Da sich die Gesteine um das Seebecken herum gegenüber der Erosion deutlich widerstandsfähiger erwiesen als etwa im Wimbachtal auf der anderen Seite des Watzmanns, blieb der See mit einer Tiefe bis 190 Meter erhalten.
Lage und Landschaft Der See fließt durch die Königsseer Ache und Berchtesgadener Ache, welche in Österreich zur Königsseeache wird, zur Salzach ab. Im Westen öffnet sich das tief eingeschnittene Eistal, hinter dem die höchste Wand der Ostalpen, die Watzmann-Ostwand, aufragt – vom Seespiegel bis zur Süd- und Mittelspitze sind es mehr als 2100 Meter Höhendifferenz, die reine Wandhöhe beträgt knapp 1800 Meter. Am Wandfuß befindet sich die so genannte Eiskapelle, ein gewaltiger Lawinenschneerest, aus dem der Eisbach (Eisgraben) regelmäßig eine einsturzgefährdete Eisgrotte ausschmilzt. Dieser Bach hat im Laufe der Jahrtausende aus dem mitgeführten Schutt eine Halbinsel im Königssee gebildet, die rund 85 Hektar große Hirschau, auf der die alte Wallfahrtskirche St. Bartholomä und ein Jagdschlösschen mit Gasthaus stehen.
Am nördlichen Ende des Sees liegt östlich des Abflusses in die Königsseer Ache der Ortsteil (Gnotschaft) Königssee der gleichnamigen Gemarkung Königssee der Gemeinde Schönau am Königssee. Westlich der Königsseer Ache liegt die Gemarkung Schönau, mit der Gnotschaft Unterschönau am nordwestlichen Seeufer.
Der Königssee wird im äußersten Norden durch die Seeklause von der ausfließenden Königsseer Ache begrenzt. Dieses Stauwehr wurde etwa im Jahr 1560 für die Holztrift als hölzernes Bauwerk errichtet. Nachdem ein Hochwasser 1787 die Seeklause zerstört hatte, wurde sie durch ein Bauwerk aus Steinquadern ersetzt. Nach schwerer Beschädigung wurde sie abermals in den Jahren 1938 bis 1940 neu in der heute noch vorhandenen Form mit Holzbrücke für Fußgänger und schindelgedecktem Walmdach errichtet. Nachdem die Holztrift 1970 endete, dient die Seeklause nur noch der Abfluss- und Seeregulierung, um das Gewässer für die Seeschifffahrt auf konstanter Höhe zu halten.EuRegio: Seeklause – Schönau a. Königssee Das Bauwerk hat eine eigene Hausnummer, An der Seeklause 25, und ist denkmalgeschützt unter Akten-Nr. D-1-72-132-105 des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege.
Ebenfalls im nördlichen Seeteil befindet sich mit Christlieger die einzige Insel des Königssees. Am Südende des Sees, im Talschluss, liegt die Saletalm (auch Sallet geschrieben), dort mündet auch der Saletbach vom Obersee her ein. Die beiden Seen sind wahrscheinlich nicht erst durch einen Bergsturz im Mittelalter (vermutlich 1172 n. Chr.) getrennt worden. Zwei Endmoränenwälle des Königsseegletschers zwischen den beiden Gewässern lassen vielmehr vermuten, dass Ober- und Königssee niemals eine Einheit gebildet haben.
Gegenüber der Halbinsel St. Bartholomä befindet sich das Reitl , eine Wildfütterung und früherer Jagdstand von Kaiser Friedrich III.
Der See ist von den höhergelegenen Gipfeln wie dem Jenner oder dem Mooslahnerkopf gut einzusehen. Einen besonderen Blick auf St. Bartholomä mit der im Hintergrund aufragenden Watzmann-Ostwand bietet der Feuerpalven an der Gotzenalm. Weitere bekannte Aussichtspunkte sind das Halsköpfl im Süden, die Archenkanzel unter dem Kleinen Watzmann, und der Aussichtspunkt an der Rabenwand. Die Ansicht des Königssees vom Malerwinkel hat das klassische Bild vom See in besonderer Weise geprägt. Von hier sieht man den See, der im Hintergrund vom markanten Felshorn der Schönfeldspitze () im Steinernen Meer überragt wird, mitsamt dem Kirchlein von St. Bartholomä auf der Eisbachhalbinsel in seiner ganzen Länge.
Der Königssee und St. Bartholomä landeten 2015 auf Platz 12 der TOP 100 Sehenswürdigkeiten in Deutschland.
Erschließung und Nutzung
Schifffahrt
mini|Am Bootssteg der Seelände in Königssee mini|Elektroschiffe im Einsatz mini|St. Bartholomä mit Watzmann-Ostwand
Bereits im 18. Jahrhundert begann die Personenschifffahrt auf dem Königssee; mit Ruderbooten beförderten die Einheimischen Reisende, Tiere und Waren zu verschiedenen Stellen des Sees. Dampfschiffe und mit Petroleum betriebene Schiffe kamen nur probehalber zum Einsatz, wurden wegen ihrer Umweltprobleme jedoch nicht dauerhaft verwendet. Im 21. Jahrhundert wird der Königssee von der Bayerischen Seenschifffahrt mit 18 großen Elektromotorbooten befahren, hinzu kommt noch ein kleineres Elektroboot – das Meisterstück eines Bootsbaumeisters. Das erste Elektroboot wurde im Juli 1909 in Dienst gestellt. Bis 1998 waren die Bootsrümpfe aus Holz; die letzten drei Neubauten (1998 EMB Bischofswiesen, 2003 EMB Berchtesgaden und 2017 EMB Marktschellenberg) wurden erstmals auf Stahlrümpfe aufgesetzt.
Anlegestellen: Ausgangspunkt Ortsteil Königssee (Seelände) St. Bartholomä Saletalm Kessel, Bedarfshaltestelle
Auf etwa halber Fahrtstrecke nach St. Bartholomä wird den Gästen mit einem Flügelhorn oder einer Trompete vom Bootsführer das Echo an der Echowand demonstriert,Im Oktober 2007 wurde, bei großer Medienresonanz, von Angestellten der Königssee-Schifffahrt diese Dienstleistung aus Protest kurzzeitig eingestellt. Die für 2008 angekündigte neue Betriebsvereinbarung sah unter anderem eine Regelung für die Annahme von Trinkgeld vor, welche auf die bis dahin geübte, den Fahrgast nötigende Praxis zielte. — Heiner Effern: Ein verheerendes Echo. In: sueddeutsche.de, 5. Oktober 2007, abgerufen am 25. Juli 2010. das einfach oder selten auch zweifach zu hören ist. Früher wurde vom Schiff aus mit einem Böller geschossen und ein bis zu siebenfaches Echo erzeugt; allerdings ist das Mitführen von Schwarzpulver aus Sicherheitsgründen heute verboten.
Die Benutzung privater Boote und das Tauchen sind nicht zulässig. Es können jedoch Ruderboote bei der Schifffahrt Königssee gemietet werden.
Wanderwege und Hütten mini|Blick auf den Königssee mini|Nationalpark-Informationsstelle in St. Bartholomä
Der Königssee ist tief in das umgebende Gebirge eingeschnitten. Die ihn umgebenden Wände fallen oft übergangslos steil zum See ab. Eine Umrundung des Sees in Ufernähe ist daher nicht möglich. Die schon vom Malerwinkel bei der Ortschaft Königssee sichtbare Kapelle von St. Bartholomä auf dem Schwemmkegel des Eisbaches ist zu Fuß über verschiedene Wege zu erreichen: von Ramsau, Schönau oder Dorf Königssee über die privat bewirtschaftete Kührointalm (, Übernachtungsmöglichkeit) und den teils ausgesetzten und nicht ungefährlichen Rinnkendlsteig von Ramsau durch das Wimbachtal über die Wimbachgrieshütte, Pass Trischübel () und die ausgesetzte Sigeretplatte. Je nach Ausgangspunkt sollte man für diese Touren mindestens sechs Stunden Gehzeit veranschlagen.