Der Watzmann ist der zentrale Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen. Der höchste Gipfel ist die Watzmann-Mittelspitze (), zugleich der höchste Punkt im deutschen Teil der Berchtesgadener Alpen. Um den Watzmann und seine Nebengipfel (Kleiner Watzmann bzw. Watzmannfrau und Watzmannkinder) rankt sich die Watzmannsage. Die Watzmann-Ostwand ist die höchste Wand der Ostalpen. Unter den deutschen Hauptgipfeln ist der Watzmann der dritthöchste.
Lage und Morphologie mini|Watzmann von Süden (vom Ofenloch) aus gesehen: Südspitze (links) und Mittelspitze (rechts). mini|links|Watzmann von Nordosten (von Dürreck) aus gesehen: Kleiner Watzmann (links) und Großer Watzmann (rechts).
Der Watzmann liegt im äußersten Südosten Oberbayerns im Nationalpark Berchtesgaden in den Gemeinden Ramsau und Schönau am Königssee. Die Gemeindegrenze verläuft über Mittel- und Südspitze. Der Gebirgsstock hat eine Grundfläche von rund 50 km². Er ist der höchste Berg, der vollständig auf deutschem Gebiet liegt. Der höchste Punkt, die Mittelspitze (), befindet sich etwa 10 km südwestlich von Berchtesgaden und 30 km südwestlich der am Alpennordrand gelegenen Stadt Salzburg. Westlich des Watzmanns, jenseits des Wimbachtals, erhebt sich der Hochkalter (), nördlich, jenseits des Tals der Ramsauer Ache, der Tote Mann () und südlich der Schneiber (). Östlich, jenseits des Königssees, liegen der Jenner () und der Kahlersberg ().
Der Watzmann ist nach den Gipfeln des Hochkönigstocks (bis ) die höchste Erhebung der Berchtesgadener Alpen, die zu den nördlichen Kalkalpen zählen. Der Zugang erfolgt meist von Norden, ausgehend vom Ramsauer Ortsteil Wimbachbrücke oder aus der Hinterschönau vom Parkplatz Hammerstiel über das Watzmannhaus (). Ramsau bzw. Schönau liegen als Talorte mehr als 2000 Höhenmeter unter dem Gipfel – damit weist der Watzmann eine für die Ostalpen bemerkenswerte Höhendifferenz auf, die alpenweit oft nur von Viertausendern übertroffen wird.
mini|Gipfelkreuz auf dem Hocheck, dahinter der Hochkalter Das größte Teilmassiv des Watzmanns wird Großer Watzmann genannt. Es besitzt einen etwa 4,5 km langen, annähernd NNO-SSW verlaufenden Hauptgrat, den Watzmanngrat. Dieser verbindet den Hauptgipfel, die Mittelspitze (), mit der Südspitze (, früher auch: Schönfeldspitze) und dem Hocheck (). Abgesehen von diesen drei dominierenden Erhebungen sind vor allem der östlich des Großen Watzmanns gelegene Kleine Watzmann („Watzmannfrau“, ) und die östlich der Mittelspitze an einem Quergrat aufgereihten Watzmannkinder (max. hoch) bekannt (siehe auch: Andere Gipfel des Watzmannmassivs). Der Abschnitt des Watzmanngrates nördlich der Mittelspitze, die Watzmannkinder und der Kleine Watzmann umschließen das Watzmannkar, an dessen oberen Ende sich der sehr kleine Watzmanngletscher befindet (siehe auch Schnee- und Eisfelder am Watzmann).
Geologie mini|Dachsteinkalk an der Ostwand (vom 3. Kind aus gesehen). Die Bankung des Kalksteins und das mittelsteile Einfallen nach Nord sind sehr deutlich zu erkennen. mini|links|Der weitgehend bewaldete quartäre Schwemmkegel des Eisbaches mit der Kapelle St. Bartholomä nahe dem Ufer des Königssees am Fuß der Ostflanke des Watzmannmassivs
Die Gipfelregionen des Großen und Kleinen Watzmanns bestehen aus relativ verwitterungsresistentem, gebanktem Dachsteinkalk und Plattenkalk. Diese Sedimentgesteine stammen aus der jüngeren Trias (Norium, um 215 mya). Die bankige Schichtung des Dachsteinkalks ist besonders deutlich an der Ostwand zu erkennen. Die ehemals horizontalen Schichten fallen dort heute in einem Winkel von 30 bis 40 Grad nach Norden ein, da sie bei der Alpenentstehung gefaltet wurden. Typisch für diese Kalksteinformationen ist deren Fossilarmut. Lediglich stellenweise finden sich Massenvorkommen von Megalodonten („Kuhtritte“).
Der Sockel des Berges besteht aus einem relativ brüchigen Dolomit, dem sogenannten Karnisch-Norischen Dolomit, sowie aus Ramsaudolomit, einem lateralen Äquivalent des Wettersteinkalks. Diese Gesteinseinheiten sind erdgeschichtlich älter und stammen aus der frühen oberen bzw. mittleren Trias (Ladinium-Norium, ca. 235 bis 220 mya). Alle Gesteine des Watzmannmassivs bildeten sich auf dem Schelf der westlichen Tethys und wurden während der Alpenbildung in Form einer tektonischen Decke nach Norden an ihre heutigen Positionen verfrachtet. Die Dolomitgesteine treten vorwiegend auf der West- und Südwestseite des Großen Watzmanns im aufgeschotterten Wimbachtal sowie an den Hängen des Eisbachtals zu Tage.
Der Eisbach (oder auch Eisgraben) hat am Westrand des Königssees einen Schwemmkegel aufgeschüttet, der den ohnehin recht schmalen See an dieser Stelle zusätzlich eingeengt hat. Bei anhaltendem Transport von Schutt aus dem Eisbachtal nach Osten wird dieser Schwemmkegel den Königssee in erdgeschichtlich naher Zukunft schließlich in zwei Hälften geteilt haben.
Flora und Fauna mini|Balzender Auerhahn am Watzmann
Der Watzmann hat aufgrund seiner großen Höhendifferenzen und der großen ökologischen Vielfalt eine besonders artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Dabei werden die Tieflagen von montanen Buchenwäldern dominiert, welche in subalpine Mischwälder übergehen. Die obere Waldstufe wird bestimmt durch Nadelgehölze, vor allem durch Fichte, Lärche und Zirbe. Diese natürlichen Wälder wurden vor allem auf der leicht zugänglichen Nordseite des Massivs für den großen Holzbedarf der Berchtesgadener Saline durch Fichten-Monokulturen ersetzt. Die Baumgrenze liegt bei etwa , die Waldgrenze etwas tiefer. Darüber dominieren Zwergstrauchheiden, die beispielsweise aus der Bewimperten Alpenrose (Rhododendron hirsutum) gebildet werden, Latschen- und Grünerlengebüsche, Rasengesellschaften (Blaugras-Horstseggenrasen, Rostseggenrasen und Polsterseggenrasen) sowie Felsspalten- und Felsschuttgesellschaften.
Im Nationalpark und auch speziell am Watzmann kommen zahlreiche Pflanzenarten der Ostalpen vor, die im übrigen bayerischen Alpenraum fehlen, etwa das Wilde Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens), die Schneerose (Helleborus niger), Einseles Akelei (Aquilegia einseleana), Clusius-Schlüsselblume (Primula clusiana), Bursers Steinbrech (Saxifraga burseriana), der Dolomiten-Mannsschild (Androsace hausmannii), das Tauernblümchen (Lomatogonium carinthiacum), die Österreichische Bärenklau (Heracleum austriacum) und das Eberrauten-Greiskraut (Senecio abrotanifolius).
Die Tierwelt des gesamten Nationalparks Berchtesgaden ist geprägt durch verschiedene Huftiere wie das Reh, Rot- und Gamswild. Hinzu kommen alpine Tiere wie der Schneehase, das Auerhuhn und das Birkhuhn sowie das Alpenschneehuhn und das Haselhuhn, der Steinadler, der Alpensalamander sowie die schwarze Kreuzotter. Das Alpenmurmeltier kommt nur in der Umgebung des Passes Trischübel vor. Der Alpensteinbock ist als Wechselwild aus dem Hagengebirge und der Röth nur gelegentlich am Watzmann anzutreffen. Viele weitere Tierarten sind in den verschiedenen Höhenlagen des Watzmanns heimisch.
Schnee- und Eisfelder Am Watzmann halten sich ganzjährig einige Schnee- und Eisfelder, von denen der Watzmanngletscher das größte ist. Das Firnfeld der Eiskapelle ist aufgrund seiner leichten Erreichbarkeit von St. Bartholomä aus das bekannteste.
mini|Reste des Watzmanngletschers (Sommer 2017) Der bereits von Berchtesgaden aus sichtbare Watzmanngletscher wird seit 1959 von der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wieder als Gletscher betrachtet. Die Einordnung als Gletscher ist aufgrund seiner Größe und seiner nur geringen Fließgeschwindigkeit unter Wissenschaftlern umstritten. Der Watzmanngletscher liegt östlich des Grates zwischen dem Hocheck und der Mittelspitze mit einer mittleren Höhe von im oberen Watzmannkar. Im Jahr 2018 betrug seine Fläche noch 4,8 ha bei einer mittleren Dicke von 2,9 m, einer maximalen Dicke von 10 m und einem Volumen von 140.000 m³ (gegenüber einem Volumen von 600.000 m³ im Jahr 2009; siehe auch Gletscherschwund seit 1850). In den Jahren vor 2007 verlor das Eisfeld jährlich durchschnittlich 1 m an Mächtigkeit.Bayerische Gletscher im Klimawandel – ein Statusbericht. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München 2012, S. 15, 25 (PDF) Ende 2025 betrug seine Fläche 2,5 ha, er hatte innerhalb von zwei Jahren fast die Hälfte seiner Fläche eingebüßt. Wahrscheinlich wird der Watzmanngletscher in einigen Jahren verschwunden sein. Auf dem Eisfeld und westlich davon liegen Überreste eines im Oktober 1940 abgestürzten Transportflugzeugs des Typs JU 52.
mini|Eiskapelle mit Gewölbe im Sommer 2009 Bei dem Firnfeld der Eiskapelle dürfte es sich um das am niedrigsten gelegene ganzjährig vorhandene Schneefeld der Alpen handeln. Bei der ersten vollständigen topografischen Aufnahme der bayerischen Gletscher durch Sebastian Finsterwalder 1892 stellte es sich noch als eigenständiger kleiner Gletscher dar, der aber bereits zwischen 1920 und 1950 seine Gletscherzunge verlor und heute nur mehr ein Schneefeld ist.Bayerische Gletscher im Klimawandel – ein Statusbericht. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München 2012, S. 21 (PDF) Sein unteres Ende liegt auf Höhe im oberen Eisbachtal und ist in etwa einer Stunde Fußmarsch von St. Bartholomä am Königssee erreichbar. Das Schneefeld speist sich aus den Lawinen, die im Frühjahr über die Ostwand des Watzmanns stürzen und sich im Wandwinkel sammeln. Das Innere bildet ein gangförmiger Hohlraum, die sogenannte Eiskapelle.Geotop-Steckbrief Eiskapelle (PDF), Bayerisches Landesamt für Umwelt Vor dem Betreten wird dringend gewarnt, es hat hier durch herabstürzendes Eis bereits Tote gegeben. Im September 2025 stürzte die Eiskapelle größtenteils ein, nachdem sie aufgrund des Klimawandels bereits in den Jahren zuvor immer mehr abgeschmolzen war. Ob sich die Höhle noch einmal neu bilden wird, ist fraglich.Die Eiskapelle am Watzmann existiert nicht mehr in: Mittelbayerische Zeitung vom 10. September 2025, S. 1.Einzigartiges Geotop ist in Folge des Klimawandels verschwunden: Eiskapelle am Watzmann eingestürzt. Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden vom 9. September 2025Betretung lebensgefährlich: Eiskapelle am Watzmann eingestürzt Bayerischer Rundfunk, mit Filmbeitrag (9. September 2025)
In der Ostwand selbst befindet sich im so genannten Schöllhornkar ein weiteres Eisfeld, Schöllhorneis genannt, über das bei einer Durchsteigung des Kederbacher-Weges aufgestiegen wird. Kar und Eisfeld tragen den Namen des Müncheners Christian Schöllhorn, der das erste Opfer der Ostwand wurde. Am 26. Mai 1890 stürzte er am oberen Ende des Eisfelds in die Randkluft und verletzte sich tödlich. Ein weiteres kleines namenloses Schneefeld befindet sich einige hundert Meter unterhalb der Mittelspitze ebenfalls in der Ostwand.
Geotope Der Watzmann-Gletscher und die Eiskapelle sind vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als wertvolle Geotope (Geotop-Nummern: 172R027 und 172R025) ausgewiesen.
Alpinismus mini|Das Watzmannhaus
Die Mittelspitze wurde im August 1800 erstmals durch den Slowenen Valentin Stanič erstiegen, auch wenn andere Quellen bereits 1799 als Jahr der Erstbesteigung nennen. Wenige Tage nachdem Stanič den Gipfel des Großglockners am Tag nach dessen Erstbesteigung erreichte, erkletterte er auch den höchsten Punkt des Watzmanns vom Hocheck her kommend.Peterlin-Neumaier: Ein Jubiläum auch des Göll. In: Nationalpark Berchtesgaden. 6, 2002/2, S. 24.
Die Südspitze wurde erstmals 1832 von Peter Karl Thurwieser über das Schönfeld bestiegen.
Die erste Überschreitung des Großen Watzmanns (Hocheck, Mittelspitze, Südspitze) wurde 1868 vom Ramsauer Bergführer Johann Grill, dem Kederbacher, und Johann Punz durchgeführt. Diese beiden erreichten auch den Gipfel des Kleinen Watzmanns im Jahr 1852 als erste. Die Watzmann-Ostwand wurde zum ersten Mal 1881 ebenfalls von Johann Grill mit seinem Gast Otto Schück durchstiegen.