mini|Olaf Scholz (2025) rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Olaf Scholz Olaf Scholz (* 14. Juni 1958 in Osnabrück) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er war von Dezember 2021 bis Mai 2025 der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Zuvor war er von 1998 bis 2001 und von 2002 bis 2011 Mitglied des Deutschen Bundestages und ist es seit 2021 erneut. Von November 2007 bis Oktober 2009 war Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales im Kabinett Merkel I sowie von 2018 bis zu seiner Wahl zum Bundeskanzler Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler im Kabinett Merkel IV. Für die SPD trat er bei den Bundestagswahlen 2021 und 2025 als Kanzlerkandidat an.

Von März 2011 bis März 2018 war Scholz Erster Bürgermeister von Hamburg und zuvor kurzzeitig von Mai bis Oktober 2001 Innensenator der Stadt. Von April 2000 bis Juni 2004 sowie von November 2009 bis März 2018 hatte er den Vorsitz der SPD Hamburg inne, von Oktober 2002 bis März 2004 war er Generalsekretär der SPD sowie von November 2009 bis Dezember 2019 einer ihrer stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Nach dem Rücktritt von Martin Schulz führte er von Februar bis April 2018 die Partei kommissarisch, eine Kandidatur als Co-Parteivorsitzender scheiterte 2019.

Leben

Herkunft, beruflicher Werdegang

Familie, Bekenntnis, Studium und Beruf mini|Elternhaus von Olaf Scholz in Osnabrück Olaf Scholz wurde 1958 als ältester von drei Söhnen des damaligen Handelsvertreters Gerhard Scholz und seiner Frau Christel, geb. Grünewald, in Osnabrück geboren. Seine Eltern arbeiteten beide in der Textilwirtschaft; sein Vater hatte sich zum Geschäftsführer verschiedener Textilunternehmen hochgearbeitet. Scholz wuchs zunächst im Osnabrücker Stadtteil Schinkel, später in Hamburg-Rahlstedt auf. Sein Bruder Jens Scholz (* 1959) ist Anästhesist und seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,Cerstin Gammelin: Warum der Bruder des Finanzministers in Paris berühmt ist. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2020, abgerufen am 4. März 2023.Mit Jens Scholz soll die Uniklinik Kiel gesunden. In: Hamburger Abendblatt, 16. April 2009, abgerufen am 5. März 2023. der jüngste Bruder Ingo Scholz (* 1961) arbeitet in der IT-Branche.Patrick Mayer: Kanzler-Vater erzählt intimes Detail – Seltene Fotos von Scholz-Eltern aufgetaucht. In: Münchner Merkur, 14. Februar 2022, abgerufen am 5. März 2023.

Olaf Scholz wurde in der Christianskirche in Hamburg-Ottensen getauft und war Konfirmand. Er trat später aus der evangelischen Kirche aus, ist seither bekennend konfessionslos und somit der erste konfessionslose Bundeskanzler. Dennoch betont Scholz den für ihn hohen gesellschaftlichen Stellenwert der Kirche und des Christentums, da sie die Kultur Deutschlands geprägt hätten.

Nach dem ersten Schuljahr in der Grundschule Bekassinenau im Hamburger Ortsteil Oldenfelde wechselte Olaf Scholz zur Grundschule Großlohering in Hamburg-Großlohe. Schon als Zwölfjähriger gab er, laut Aussagen seines Vaters, als Berufsziel „Bundeskanzler“ an. Olaf Scholz selbst gibt an, sich daran nicht zu erinnern. Nach dem Abitur 1977 am Gymnasium Am Heegen (Abiturnote: 1,6)Gymnasium Am Heegen (geschlossen), gymnasium-hamburg.net, abgerufen am 11. Dezember 2021 im Ortsteil Rahlstedt-Ost begann er 1978 an der Universität Hamburg ein Studium der Rechtswissenschaft im Rahmen der einstufigen Juristenausbildung. Währenddessen lebte er in einer Wohngemeinschaft mit dem späteren Staatsrat Andreas Rieckhof. Nach seinem Examen 1984 absolvierte er bis Juli 1985 seinen 16 Monate dauernden Zivildienst in einem Pflegeheim.

Seit 1985 ist Scholz als Rechtsanwalt zugelassen. Als Bundeskanzler unterlag er einem Tätigkeitsverbot als Rechtsanwalt (). Er ist Partner der Anwaltskanzlei Zimmermann, Scholz und Partner in Hamburg, bis zu seiner Wahl in den Bundestag 1998 war er als Fachanwalt für Arbeitsrecht tätig, von 1990 bis 1998 auch als Syndikus beim Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften. Seit 2018 hält er kleine Anteile der Tageszeitung taz.

Olaf Scholz ist seit 1998 mit der SPD-Politikerin Britta Ernst verheiratet. Die beiden haben keine Kinder. Sie leben seit 2017 in einer Mietwohnung am Alten Markt in Potsdam.Hans-Martin Tillack: Warum es nicht klug war, dass sich Finanzminister Scholz bei einem Lobbyisten einmietete, stern.de, 11. September 2018. Das Lesen von Sachliteratur zählt seit jeher zu Scholz’ Lieblingsbeschäftigungen.

Ehrenamtliches Engagement Scholz war Mitglied der Hamburger Initiative Mehr Zeit für Kinder. Im November 2006 übernahm er die Schirmherrschaft des Projekts Bildung gegen Kriminalität – eine gewaltpräventive und schulfördernde Maßnahme in der Hamburger Plattenbau-Großsiedlung Osdorfer Born,Der Stern, 19. Juli 2019 die 2005 aus einer studentischen Bildungsbewegung entstanden war.

Parteikarriere

Jungsozialist und Kontakte zur DDR mini|Olaf Scholz auf dem Juso-Bundeskongress (1984)

Scholz wurde 1975 als Gymnasiast Mitglied der Jusos, der Jugendorganisation der SPD. Von 1982 bis 1988 war er stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender, von 1987 bis 1989 außerdem Vizepräsident der International Union of Socialist Youth. In dieser Zeit unterstützte er den Freudenberger Kreis (den marxistischen Stamokap-Flügel der Juso-Hochschulgruppen) sowie die Zeitschrift spw und warb in Artikeln für „die Überwindung der kapitalistischen Ökonomie“.Markus Feldenkirchen, Michael Sauga: Rückkehr eines Bauernopfers. In: Der Spiegel, Ausgabe 48/2007, 26. November 2007. Scholz kritisiert darin die „aggressiv-imperialistische Nato“, die Bundesrepublik als „europäische Hochburg des Großkapitals“ sowie die sozialliberale Koalition, die den „nackten Machterhalt über jede Form der inhaltlichen Auseinandersetzung“ stelle.

Stasi-Unterlagen belegen, dass Scholz als stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender enge Beziehungen zu DDR-Funktionären unterhielt. In dieser Funktion besuchte Scholz zwischen 1983 und 1988 neunmal die DDR, führte dort politische Gespräche, trat als Redner auf öffentlichen Veranstaltungen auf und nahm an einem von der SED/FDJ organisierten „Internationalen Jugendlager“ teil. Am 4. Januar 1984 reiste Scholz mit einer Juso-Delegation in die DDR, wo sie von Egon Krenz, dem Sekretär des Zentralkomitees der SED, und dem ZK-Abteilungsleiter und späteren SED-Politbüro-Mitglied Herbert Häber empfangen wurden.focus.de Am letzten Tag führte die Delegation ein Gespräch im Institut für Internationale Politik und Wirtschaft. Gemäß dem Bericht darüber hätten die Jusos „keine Fragen mit provokatorischem Inhalt gestellt“, sondern vielmehr erklärt, das Bild der DDR in den Massenmedien der Bundesrepublik müsse positiver werden. 1987 trat Scholz als Juso-Vize auf einer Friedenskundgebung der DDR-Jugendorganisation FDJ in Wittenberg für Abrüstungsvereinbarungen ein. 1988 versicherte eine von Scholz mit geführte Juso-Delegation ihren Partnern von der FDJ, „dass die wahren Feinde des Friedens (…) im Militär-Industrie-Komplex der USA“ sowie in der „Stahlhelm-Fraktion“ der Unionsparteien zu suchen seien. Zugleich wurde Scholz jahrelang in Hamburg von der DDR-Auslandsspionage bespitzelt.

Karriereverlauf in der SPD Scholz war von 1994 bis 2000 Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Altona. Von 2000 bis 2004 sowie vom 6. November 2009 bis zum 24. März 2018 war er Vorsitzender der SPD Hamburg. Der Landesverband Hamburg bestätigte Scholz in seinem Amt 2012 mit 94,2 Prozent, 2014 mit 94,8 Prozent und 2016 mit 97,4 Prozent der Stimmen.

Von 2001 bis 2019 gehörte er in verschiedenen Funktionen dem SPD-Parteivorstand an.

Vom 20. Oktober 2002 bis 21. März 2004 (damals regierte die rot-grüne Regierung Schröder II) war Scholz Generalsekretär der SPD. Auf dem Parteitag 2002 noch mit 91,3 Prozent der Stimmen gewählt, erhielt er bei seiner Wiederwahl 2003 lediglich 52,6 Prozent.Olaf Scholz: Der Fehlgriff. In: Stern. 6. Februar 2004. Nach dem Rücktritt Gerhard Schröders als SPD-Vorsitzender trat Scholz ebenfalls zurück.

Im November 2009, kurz nach der Bundestagswahl 2009, wählte der SPD-Bundesparteitag ihn mit 85,7 Prozent der Stimmen zu einem der vier stellvertretenden SPD-Vorsitzenden.SPD hebt Gabriel auf den Thron spiegel.de, 13. November 2009. Die drei anderen stellvertretenden Vorsitzenden waren Hannelore Kraft (mit 90,2 Prozent gewählt), Manuela Schwesig (damals Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, 87,8 Prozent) und der damalige Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit (89,6 Prozent). Im Dezember 2011 wurde er mit 84,9 Prozent der Stimmen wiedergewählt,Gabriel wirbt für Rot-Grün faz.net, 5. Dezember 2011. im November 2013 mit 67,3 Prozent der Stimmen,SPD-Parteitag straft Nahles und Scholz ab spiegel.de, 15. November 2013. im Dezember 2015 mit 80,2 Prozent der StimmenChristoph Hickmann: Gabriel bekommt das, was man eine Klatsche nennt sueddeutsche.de, 11. Dezember 2015. und im Dezember 2017 mit 59,2 Prozent der Stimmen.Christian Teevs: Reservemann ohne Rückhalt spiegel.de, 8. Dezember 2017.

Nachdem er die Wahl zum SPD-Vorsitz 2019 nicht gewonnen hatte, kandidierte er nicht mehr als stellvertretender Bundesvorsitzender.

mini|Olaf Scholz spricht auf dem außerordentlichen Bundesparteitag der SPD am 22. April 2018 im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden. mini|Klara Geywitz (l.) und Olaf Scholz (r.) bei der SPD-Regionalkonferenz zur Wahl des Parteivorsitzes am 10. September 2019 in Nieder-Olm Nach dem Rücktritt von Martin Schulz übernahm Scholz am 13. Februar 2018 auf Beschluss des Parteipräsidiums als dienstältester stellvertretender Parteivorsitzender kommissarisch den Parteivorsitz. Gleichzeitig wurde die Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles vom Präsidium als reguläre Nachfolgerin nominiert. Gegen ihre sofortige Berufung zur kommissarischen Parteivorsitzenden hatte es rechtliche und politische Einwände gegeben. Scholz' kommissarischer Vorsitz endete mit Nahles' Wahl zur Parteivorsitzenden am 22. April 2018.

Im Juni 2019 schloss Scholz eine Kandidatur für den Parteivorsitz nach dem Rücktritt von Andrea Nahles zunächst aus. Er erklärte, dass eine gleichzeitige Tätigkeit als Bundesfinanzminister sowie Parteivorsitzender „zeitlich nicht zu schaffen“ sei.Scholz schließt im Juni noch SPD-Vorsitz aus. In: ZDF.de. 16. August 2019. (in der ARD-Sendung „Anne Will“). Im August gab Scholz bekannt, doch für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen, im Duo mit Klara Geywitz. Er begründete dies damit, dass viele derjenigen, die er für geeignet hielt, nicht kandidierten, und einer daraus resultierenden Verantwortung. Das Team Klara Geywitz und Olaf Scholz erhielt nach Abschluss des ersten Wahlgangs des Mitgliederentscheids am 26. Oktober 2019 mit 22,7 Prozent den höchsten Stimmenanteil der sechs zur Wahl stehenden Kandidatenduos. Es qualifizierte sich damit für die Stichwahl mit dem zweitplatzierten Team Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, das 21,0 Prozent der Stimmen erhielt. Am 30. November 2019 wurde bekanntgegeben, dass Esken und Walter-Borjans bei der Stichwahl 53,1 Prozent der Stimmen erhalten hatten, Geywitz und Scholz 45,3 Prozent.

Kanzlerkandidatur (2021) mini|Olaf Scholz bei der SPD-Wahlkampfveranstaltung am 21. August 2021 in München Am 10. August 2020 wurde Scholz auf Vorschlag der Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans vom Parteivorstand der SPD als Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2021 nominiert. Er war zu dem Zeitpunkt der in Umfragen beliebteste SPD-Politiker, aber beim linken Parteiflügel umstritten. Auf einem online abgehaltenen Parteitag wurde Scholz am 9. Mai 2021 mit 96,2 Prozent der abgegebenen Stimmen als Kanzlerkandidat bestätigt.Scholz bewirbt sich mit Vier-Punkte-Plan ums Kanzleramt. Spiegel.de 9. Mai 2021, abgerufen am 11. Mai 2021. Die SPD gewann am 26. September 2021 mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen vor der Union mit 24,1 Prozent.

Kanzlerkandidatur (2025)