mini|Torpedo in einem U-Boot vor dem Einführen in das Torpedorohr mini|Britischer, deutscher und US-amerikanischer Torpedo aus dem Zweiten Weltkrieg (v.o.n.u.) mini|Ein britischer Unterleutnant an der Torpedoabschuss-Steuerung und ein Seemann mit dem Buch zum Protokollieren von Abschüssen auf einem S-Klasse-U-Boot

Der moderne Torpedo ist eine Unterwasserwaffe mit eigenem Antrieb und einer Sprengladung. Er zündet bei Kontakt oder bei Annäherung an ein Ziel. Der Torpedo ist vor allem als Hauptwaffe von U-Booten bekannt, kann jedoch auch von Überwasserschiffen, Flugzeugen und Hubschraubern eingesetzt und von Land aus verschossen werden. Verwendung fand er außer auf U-Booten vor allem auf Torpedobooten und Torpedobombern, aber auch Zerstörer und teilweise sogar Kreuzer und Schlachtschiffe wurden mit Torpedos ausgerüstet. Außerdem gibt es spezielle Seeminen, die einen Torpedo abschießen. Der Abschuss erfolgt meist aus Torpedorohren. Flugzeuge, Hubschrauber und kleine Torpedoschnellboote werfen spezielle Torpedos auch ohne solche Starthilfen ab.

Torpedos werden nach ihrem Durchmesser entweder in der imperialen Maßeinheit Zoll (″) oder in Zentimeter (cm) klassifiziert. Dabei sind Größen von 17–22,5″ (ca. 43–57 cm) verbreitet. In der Kaiserlichen Marine gab es die vier Größen 35, 45, 50 und 60 cm. Die Reichsmarine verwendete für die Seeschiffe ab 1927 nur noch den Durchmesser 53,3 cm (21 Zoll), für die Lufttorpedos 45 cm. Der stärkste Torpedo des Zweiten Weltkrieges, der japanische Typ 93, hatte einen Durchmesser von 61 cm. Heutige Torpedos haben meist einen Durchmesser von 53,3 cm, Torpedos zur U-Boot-Abwehr liegen bei 30–40 cm. Länge und Gefechtsgewicht der Torpedos variieren sehr stark. Sie sind aber immer mehrere Meter lang und wiegen meist mehr als eine Tonne. Torpedos zur U-Boot-Abwehr wiegen rund 300 kg.

Torpedos können Bestandteile anderer Waffensysteme bilden. So stellt der Mark-46-Torpedo der NATO z. B. den Gefechtskopf der ASROC-Rakete, die gegen U-Boote eingesetzt wird, dar, und wird auch von der Seemine Typ Mark 60 CAPTOR verschossen. Der meistverwendete Torpedo, der nur von U-Booten abgeschossen werden kann, ist gegenwärtig der US-amerikanische Mark 48. Auf den neuen deutschen U-Booten der Klasse 212 A wird der DM2A4 Seehecht eingesetzt.

Wortherkunft Das e Wort „torpedo“ bedeutet „Zitterrochen“ und ist auch der wissenschaftliche Name dieser Fischgattung. Der lateinische Begriff ist eine Bildung zu „torpére“, das mit „betäubt sein“ übersetzt werden kann. Dieser Name hat nichts mit der Form der Waffe zu tun, sondern damit, dass Zitterrochen „lähmende Schläge“ austeilen können.

Im Sprachgebrauch der Marine wurde der Begriff zuerst vom US-amerikanischen Ingenieur Robert Fulton benutzt, der ihn 1800 in Zusammenhang mit seinem U-Boot Nautilus für eine nachgeschleppte Sprengladung verwandte, die Schiffe von unten angreifen konnte.

In den allgemeinen Sprachgebrauch ging das Wort torpedieren ein, im Sinne von zerstören.

Geschichte mini|Zeitgenössische künstlerische Darstellung eines Torpedoversuchs 1805, die Brigg Dorothea sank innerhalb von zwanzig Sekunden (Robert Fulton) mini|Angriff mit einem Torpedoboot auf das chilenische Schiff Cochrane während des chilenischen Bürgerkriegs von 1891

Der Begriff „Torpedo“ wurde zunächst sehr undifferenziert als Bezeichnung für alle möglichen Sprengladungen im Wasser, auch für Seeminen, verwendet. So bezieht sich das bekannte Zitat von David Glasgow Farragut, das aus der Schlacht in der Mobile Bay überliefert ist, auf Minen und nicht auf Torpedos im heutigen Sinn. Robert Fulton erwähnt in seinem Buch Torpedo war, and submarine explosions frühe Versuche, bei denen am 15. Oktober 1805 das Schiff Dorothea durch Torpedoversuche in zwei Teile gesprengt wurde und innerhalb von zwanzig Sekunden sank.Robert Fulton: Torpedo war, and submarine explosions. William Elliot, New York 1810, S. 177 ff. (englisch) . Im weitesten Sinne kann der Spierentorpedo als Vorläufer dessen angesehen werden, was heute unter Torpedo verstanden wird. Während des Sezessionskrieges suchte man nach einer Möglichkeit, Schiffspanzerungen zu überwinden, indem man eine große Sprengladung mittels einer Stange (Spiere) direkt an das feindliche Schiff brachte. Das Funktionsprinzip entsprach ungefähr dem der Petarde. Das erste Unterseeboot, das einen Spierentorpedo einsetzte, war die H. L. Hunley, die damit am 17. Februar 1864 die USS Housatonic der Nordstaaten versenkte. Die Hunley sank nach dem Angriff selbst, vermutlich durch die Druckwelle der Explosion.

Die ersten schraubengetriebenen Torpedos wurden von Giovanni (Johann) Luppis, einem österreich-ungarischen Marineoffizier, entwickelt und gebaut. Die Schraube wurde durch Federkraft betrieben, gesteuert wurde mit Seilzügen von Land aus. Die Präsentation erfolgte 1860 in Fiume an der Nordadria im heutigen Kroatien.

mini|Aufbau des Whitehead-Torpedos. In der Spitze (links) befindet sich die Sprengladung. Das Mittelstück wird vom Druckbehälter eingenommen. Dahinter liegt der Motor, der zwei gegenläufige Schrauben antreibt. Letztere sind von Flossen umrahmt.

Als Vorbild für Prinzip und Aufbau moderner Torpedos gilt aber der sogenannte Whitehead-Torpedo, der nach seinem Erbauer, dem englischen Ingenieur Robert Whitehead, benannt wurde. Whitehead entwickelte zusammen mit Luppis den Torpedo für die österreichische Marine weiter und führte ihn 1866 in Fiume vor. Dieser Torpedo trug eine 9 kg schwere Sprengladung in der Spitze, hatte eine Reichweite von 300 bis 400 Metern und erreichte eine Geschwindigkeit von 6 Knoten. Als Energiequelle für den Antrieb diente auf 40 kp/cm² (ca. 40 bar) verdichtete Luft, die in einem Druckbehälter mitgeführt wurde.

mini|Torpedo, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gut zu sehen sind die sich über fast den gesamten Rumpf erstreckenden Flossen.

Bei den frühen Bauformen wurden die Stabilisierungsflossen bis in den Bugbereich gezogen, um das Gegenmoment der Antriebsschraube auszugleichen. Wegen dieses charakteristischen Aussehens wurden diese Torpedos auch Fisch-Torpedo genannt. Da modernere Konstruktionen grundsätzlich von zwei gegenläufigen Schrauben angetrieben werden, deren Drehmomente einander aufheben, kommen sie mit vergleichsweise kleinen Steuerflächen aus. Angesichts der geringen Geschwindigkeiten der frühen Torpedos und der Notwendigkeit, sie sehr nah an ihr Ziel zu bringen, sprach man vom Lancieren eines Torpedos, heute dagegen vom Schießen.

Der erste erfolgreiche Einsatz von Whitehead-Torpedos, bei dem ein Schiff versenkt wurde, fand im Russisch-Osmanischen Krieg am 26. Januar 1878 im Hafen von Batum statt. Die russischen Torpedoboote Tschesma (ein 35-cm-Whitehead-Torpedo war mit Seilen unter dem Kiel befestigt) und Sinope (der Torpedo wurde aus einem Rohr abgeschossen, das sich auf einem seitlich am Rumpf befestigten Floß befand) unter dem Befehl von Stepan Ossipowitsch Makarow versenkten den türkischen Zolldampfer Intikbah aus einer Entfernung von 70 Metern.

Die Entwicklung des Torpedos mit Eigenantrieb führte zu einer neuen Qualität im taktischen Denken. Ende des 19. Jahrhunderts wurden schnelle Torpedoboote und Zerstörer entwickelt, die wiederum die Entwürfe und Taktiken der großen Kriegsschiffe stark beeinflussten.

Die ersten eingesetzten Torpedos waren Geradeausläufer und behielten ihren Kurs bei, bis sie ihr Ziel trafen oder ihr Treibstoff aufgebraucht war. Eine Weiterentwicklung ist die Drahtsteuerung, also durch Herausziehen einer elektrisch leitenden Verbindung zwischen Torpedo und Abschussstelle für zumindest ein Teilstück der Torpedobahn. Moderne Torpedos verfügen dagegen meist über eine Kombination aus eigenem akustischem Sensor (Sonar) und einer Fernsteuerung, meist über ein Glasfaserkabel.

Antriebsarten

Die Reichweite und Treffsicherheit von unabhängigen Torpedos hängt wesentlich von ihrem Antrieb ab. Um die Energie für die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ausschließlich verwendeten Antriebspropeller zu liefern, wurden zu Beginn der Entwicklung verschiedene Antriebsarten erprobt. Es gab Versuche mit Federkraft, Schwungscheiben oder Seilzügen, diese blieben jedoch in ihren Möglichkeiten zu beschränkt. Für lange Zeit stellte sich der Antrieb über Motoren, die durch Gasexpansion (zunächst von Druckluft) betrieben wurden, als der praktikabelste heraus. Davon ausgehend kam es zu vielfachen Weiterentwicklungen. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden dann erste elektrisch angetriebene Torpedos einsatzbereit.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden der Wasserstrahl- und der Raketenantrieb auch für Torpedos entwickelt, diese haben aber bisher den Schraubenantrieb nicht verdrängen können.

Gasantrieb mini|Blick in einen Gasdruckbehälter. Der Gefechtskopf ist abgenommen.

Der Gasantrieb bezieht seine Energie aus komprimiertem Gas, das entweder über eine Kolbenkraftmaschine oder über eine Turbine die Propeller antreibt. Die Abgase werden im Allgemeinen durch die hohlgebohrte Propellerwelle, selten auch am Torpedokörper selbst ausgestoßen und erzeugen dabei eine von der Wasseroberfläche aus deutlich sichtbare Blasenspur. Diese Systeme sind relativ leicht, einfach und zuverlässig. Die Blasenspur kann jedoch die Laufbahn des Torpedos und die Abschussstelle verraten. Wegen des mit zunehmender Wassertiefe steigenden Umgebungsdrucks des Wassers sind Torpedos mit Gasantrieb kaum zur U-Boot-Jagd geeignet, bei der der Torpedo auch für größere Wassertiefen tauglich sein muss. Auch haben alle nicht inerten Antriebsarten (bei denen der Energieträger – in diesem Falle das Antriebsgas – den Torpedo verlässt) die Eigenart, dass der Torpedo während des Marsches an Gewicht verliert, also entweder Wasser-Äquivalente an Ballastgewicht aufgenommen werden müssen, oder eine Höhensteuerung den Gewichtsverlust und die Schwerpunktveränderung kompensieren muss.

Druckluft Nach den ersten wenig erfolgreichen Versuchen mit Federkraft wurden selbstangetriebene Torpedos zunächst von reiner Druckluft angetrieben, die auf spezielle Gasexpansionsmotoren wirkte. Im 19. Jahrhundert bestand dabei das Problem, dass Druckbehälter und Kompressoren nicht so weit entwickelt waren, um ausreichend Energie für größere Laufstrecken (mehr als nur einige hundert Meter) zu ermöglichen. Da sich Gase bei der Expansion abkühlen, neigten die Antriebe reiner Drucklufttorpedos zur Vereisung. Um dies zu verhindern, wurde Seewasser in die Druckluft gesprüht. Diese Erwärmung der Druckluft brachte auch einen zusätzlichen Leistungsgewinn.

Dampfgas mini|Vierzylinder-Brotherhood-Dampfgasmotor eines deutschen G7a-Torpedos

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Aufkommen kompakter Verbrennungsmotoren aus dem reinen Druckluftantrieb der Dampfgasantrieb entwickelt, der neben dem Elektroantrieb die verbreitetste Antriebsform für Torpedos ist. Der Dampfgasantrieb nutzt üblicherweise ebenfalls Druckluft als Grund-Antriebsmittel, als zusätzlicher Energieträger dient hierbei ein mitgeführter Brennstoff wie Petroleum oder Decalin. Der Brennstoff wird dabei in einer separaten Brennkammer mit der Druckluft vermischt und verbrannt, hierdurch erhöhen sich Druck und Volumen (und damit Energiegehalt) der Luft bzw. der Verbrennungsabgase („Trockenvorwärmung“, englisch: dryheater).

Der Wirkungsgrad wurde später noch weiter erhöht, indem Wasser, nun allerdings zur Kühlung, in den Motor geleitet wurde, das durch Verdampfen wiederum eine Volumen- und damit Druckerhöhung bewirkte („Nassvorwärmung“, wetheater). Japanische Torpedos im Zweiten Weltkrieg nutzten mit Sauerstoff angereicherte Druckluft, später sogar reinen Sauerstoff (→Torpedo Typ 93) als Druckgas und Oxydator.

Verbrennungsmotoren mini|Prototyp eines Verbrennungsmotors der Firma MaK aus dem Jahr 1974