Die Luftlandebrigade 26 „Saarland“ mit Sitz des Brigadestabes in Saarlouis war ein zuletzt etwa 3500 Mann starker Verband der Division Schnelle Kräfte. Die Brigade wurde auch gemäß ihrer fast vollständigen Stationierung im Saarland als „Saarlandbrigade“ bezeichnet. Weitere Truppenteile lagen in Rheinland-Pfalz. Die Luftlandebrigade 26 gehörte zum größten Teil zu den Eingreifkräften der Bundeswehr, der Verband stellte daher den überwiegenden Anteil an Fallschirmjägern und Luftlandetruppen der Eingreifkräfte des Heeres. Das Brigademotto lautete: „Einsatzbereit – jederzeit – weltweit“. Die Brigade grüßte mit „Glück ab“.

Geschichte Heeresstruktur 1 Vorgeschichte als Kampfgruppe in der Heeresstruktur 1 Zur Einnahme der Heeresstruktur 1 wurde die Luftlandekampfgruppe B 9 zum mit Standort des Stabes in der Becelaere-Kaserne in Eßlingen am Neckar neu aufgestellt. Der Stab der Luftlandekampfgruppe A 9 verlegte in die Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen. Die Luftlandekampfgruppe B 9 unterstand der 1. Luftlandedivision.

Aufstellung Zum wurde die Luftlandekampfgruppe B 9 in die Luftlandebrigade 26 umgegliedert.

Heeresstruktur 2 Zur Einnahme der Heeresstruktur 2 wurde die Luftlandebrigade 26 zur Fallschirmjägerbrigade 26 umgegliedert.

Heeresstruktur 3 1972 wurde die Fallschirmjägerbrigade wieder in Luftlandebrigade 26 rückbenannt. 1972 verlegte der Stab nach Saarlouis, so dass die Brigade vollständig im Saarland stationiert war.

Seit den frühen 1960er Jahren nahmen Teile der Brigade regelmäßig an den „Colibri“-Luftlandeübungen teil.

Als Soldatenmord von Lebach ging ein im Jahre 1969 begangener Überfall mit der Ermordung der Wachsoldaten des Munitionsdepots der Graf-Haeseler-Kaserne (Lebach) in die bundesdeutsche Geschichte ein. Die getötete Wache waren die Gefreiten Dieter Horn und Ewald Marx, der Obergefreite Arno Bales und der Unteroffizier Erwin Poh.

Heeresstruktur 4 Die Brigade umfasste im Herbst in der Friedensgliederung etwa 3000 Soldaten. Die geplante Aufwuchsstärke im Verteidigungsfall lag noch darüber. Zum Aufwuchs war die Einberufung von Reservisten und die Mobilmachung von nicht aktiven Truppenteilen vorgesehen. Im Herbst wurde die Brigade truppendienstlich weiter durch den Stab der 1. Luftlandedivision geführt. Für den Einsatz war die Brigade dem Befehlshaber des III. Korps als Reserve direkt unterstellt. Die Brigade gliederte sich zum Ende der Heeresstruktur 4 im Herbst grob in folgende Truppenteile:Dargestellt sind die internen Verbandsabzeichen, für die bis etwa Mitte der 1980er Jahre eine Tragegenehmigung offiziell erteilt wurde. Nicht aktive Truppenteile (Geräteinheiten, teilaktive, gekaderte) sind kursiv dargestellt.

25px|Internes Verbandsabzeichen Stab/Stabskompanie Luftlandebrigade 26, Saarlouis 25px|Internes Verbandsabzeichen Luftlandemörserkompanie 260 (teilaktiv), Lebach 25px|Internes Verbandsabzeichen Luftlandepionierkompanie 260, Koblenz (im Frieden bis April 1990 zu Pionierbataillon 310) 25px|Internes Verbandsabzeichen Luftlandesanitätskompanie 260, Lebach 25px|Internes Verbandsabzeichen Luftlandeversorgungskompanie 260, Merzig 25px|Internes Verbandsabzeichen Fallschirmjägerbataillon 261, Lebach 25px|Internes Verbandsabzeichen Fallschirmjägerbataillon 262, Merzig (bis deutscher Beitrag zu AMF(L)) 25px|Internes Verbandsabzeichen Fallschirmjägerbataillon 263, Saarlouis 25px|Internes Verbandsabzeichen Fallschirmjägerbataillon 264 (GerEinh), Saarlouis

Heeresstruktur 5 bis zur Auflösung mini|Angehörige des Fallschirmjägerbataillons 261 1993 in Somalia mini|Abordnung der Brigade in Paris, mit der Truppenfahne des Fallschirmjägerbataillon 261 mit dem Fahnenband des Saarlands mini|hochkant|Gliederung der Luftlandebrigade

1991 wurde der Brigade der Beiname „Saarland“ verliehen. Mit der Verlegung des Fallschirmjägerbataillon 263 von Saarlouis nach Zweibrücken hat die Brigade auch eine „Außenstelle“ in Rheinland-Pfalz.

1991 stellte die Brigade Kräfte für die humanitäre Hilfsaktion „Operation Kurdenhilfe“ im Iran und war 1992/1993 an der „Sanitätsdienstlichen Unterstützung der Vereinten Nationen in Kambodscha“ beteiligt. Im Jahre 1993 war die Brigade Leitverband für das erste Kontingent des Somalia-Einsatzes.

1994 stand die Ausbildungskompanie des LLBtl 263 (2./263) wegen der dort herrschenden Ausbildungsmethoden im Fokus der saarländischen Presse.Scans einiger Presseartikel der Saarbrücker Zeitung

Seit 1995 befinden sich Soldaten aller Brigadeteile im Wechsel fast ununterbrochen auf dem Balkan im Einsatz. Am 14. März 1997 führte der spätere Brigadegeneral Henning Glawatz, seinerzeit noch Oberst und Kommandeur der Luftlandebrigade 26 Saarland, mit Kräften, die in Rajlovac/Bosnien stationiert waren, die Operation Libelle zur Evakuierung deutscher und ausländischer Staatsbürger aus der albanischen Hauptstadt Tirana durch.

2002/2003 führte der Brigadestab mit unterstellten Truppenteilen als Leitverband die Multinationale Brigade in Kabul der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF). 2006 nahmen Teile der Brigade am Auslandseinsatz in der Demokratischen Republik Kongo (EUFOR RD CONGO) teil.

Im Jahr 2006 waren Soldaten der Saarlandbrigade in den Skandal um vermeintliche Totenschändungen in Afghanistan verwickelt. In der Kaserne des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken wurde 2006 wegen obszöner Handlungen und entwürdigenden Behandlungen im Beisein des Kompaniechefs während einer "Uffz-Feier" staatsanwaltschaftlich ermittelt.

30 Angehörige des zur Brigade gehörenden Fallschirmjägerbataillons 261 nahmen am 14. Juli 2007 an der traditionellen Militärparade aus Anlass des französischen Nationalfeiertags teil, an der erstmals Soldaten aus allen anderen EU-Staaten vertreten waren. Ab dem 16. Juli 2007 nahm für 5 Tage ein Fallschirmjägerzug, eingebunden in eine russische Kompanie in Pskow (Bleskau)/Russland an einer Luftlandeübung mit Gefechtsschießen teil. Gleichzeitig besuchte ein russischer Zug das Fallschirmjägerbataillon 263 in Zweibrücken.

Letzter Auftrag der Brigade war die Führung der Fallschirmjägerbataillone 261 und 263 sowie des Luftlandeunterstützungsbataillons 262. Die Brigade war als Teil der Eingreifkräfte befähigt, innerhalb von 24 bis 72 Stunden einen luftbeweglichen Gefechtsverband „spezielle Operationen“ aus den Truppenteilen der Brigade zu stellen. Dazu arbeitete die Brigade ggf. mit Spezialkräften bei Schutz- und Evakuierungsoperationen. Weiterhin war die Brigade befähigt, begrenzte Anfangsoperationen zum Schaffen von Voraussetzungen für den Einsatz anderer Kräfte durch Nehmen und Halten von Schlüsselgelände durchzuführen. Die Brigade führte außerdem spezialisierte Kräfte bei Operationen in der Tiefe gegen Einrichtungen, Kräfte und Mittel der Führung und Logistik des Gegners.

Die Luftlandebrigade 26 gliederte sich zuletzt wie folgt:

20px|internes Verbandsabzeichen Stab/Stabskompanie Luftlandebrigade 26, Saarlouis 20px|internes Verbandsabzeichen Luftlandeaufklärungskompanie 260, Zweibrücken 20px|internes Verbandsabzeichen Luftlandepionierkompanie 260, Saarlouis 20px|internes Verbandsabzeichen Fallschirmjägerbataillon 261, Lebach 20px|internes Verbandsabzeichen Fallschirmjägerbataillon 263, Zweibrücken 20px|internes Verbandsabzeichen Luftlandeunterstützungsbataillon 262, Merzig 20px|internes Verbandsabzeichen Luftlandepionierkompanie 270, Seedorf

Auflösung 2012 wurde das letzte Mal im Saarland ausgebildet. Auf Grund des Stationierungskonzepts 2011 wurde die Ausbildung der Rekruten an den Stützpunkt in Zweibrücken verlegt. Die letzte Übung des Fallschirmjägerbataillons 261 fand vom 16. bis 19. September 2012 am Stausee Losheim statt.

Am 26. November 2014 wurden der Brigade die Luftlandepionierkompanie 270 und die Luftlandeaufklärungskompanie 310 der aufgelösten Luftlandebrigade 31 unterstellt.

Im Zuge der Umsetzung des Realisierungsplans „HEER2011“ wurde die Luftlandebrigade 26 am 1. April 2015 zur Luftlandebrigade 1 umgegliedert.

Kommandeure Die Kommandeure der Brigade waren (Dienstgrad bei Kommandoübernahme):

Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung17Oberst Stefan Geilen4. Dezember 201431. März 201516Oberst Andreas Hannemann1. Februar 20124. Dezember 201415Oberst Eberhard Zorn14. Januar 201031. Januar 201214Oberst Volker Bescht29. August 200514. Januar 201013Oberst Hans-Werner Fritz200329. August 200512Oberst Manfred Schlenker(2000)(2002)11Oberst Henning Glawatz(1996)(1999)10Oberst Hans-Heinrich Dieter1. April 1994(1995)9Oberst Helmut Harff1. April 199031. März 19948Oberst Fritz Eckert1. April 198331. März 19907Oberst Herbert HagenbruckApril 197631. März 19836Oberst Hans KubisSeptember 1973März 19765Oberst Helmut LiebeskindOktober 1970September 19734Oberst Heinrich SchwiethalOktober 1968September 19703Oberst Karl-Albert KeerlApril 1967Oktober 19682Oberst Hans-Werner VoßOktober 1963April 19671Oberst Erich TimmOktober 1958September 1963

Verbandsabzeichen Die Blasonierung des Verbandsabzeichens für den Dienstanzug der Angehörigen der Luftlandebrigade 26 lautete zunächst: Rot bordiert, in Blau ein geöffneter silberner Fallschirm mit eingehängter, nach unten deutender Pfeilspitze.

Das erste Verbandsabzeichen zeigte einen Fallschirm, der stilisiert das Hauptmotiv im taktischen Zeichen der Fallschirmjägertruppe. Die Fallschirmjägertruppe war der infanteristische Kern der Luftlandetruppen. Die Verbandsabzeichen der Division und der unterstellten Brigaden waren bis auf die Borde identisch. In der Tradition der Preußischen Farbfolge erhielt das Verbandsabzeichen der Luftlandebrigade 26 als „zweite“ BrigadeGroßverbände der 1. Luftlandedivision: „Erste“ Brigade: Luftlandebrigade 25 (=weißer Bord). „Zweite“ Brigade: Luftlandebrigade 26 (=roter Bord). „Dritte“ Brigade: Luftlandebrigade 27/Luftlandebrigade 31 (=gelber Bord). der Division einen roten Bord.

Nach Aufstellung der Division Spezielle Operationen erhielten Division und deren Brigaden neu gestaltete Verbandsabzeichen. Die Blasonierung des Verbandsabzeichens der Luftlandebrigade 26 lautete: Rot bordiert, in Blau eine aufrecht gestellter schwarze Pfeilspitze, bestehend aus gekerbten Schaft und den beiden Flügeln, belegt mit einem stürzenden, goldenen Adler.

Der Adler ähnelte dem Raubvogel im Barettabzeichen der Fallschirmjägertruppe. Der Pfeil ähnelte dem taktischem Zeichen für Spezialkräfte. Er symbolisierte ein nach oben zeigendes Schwert oder Dolch. Schwert und Dolch wurden weltweit als Symbol im Umfeld von Spezialkräften genutzt – beispielsweise auch beim Barettabzeichen des Kommandos Spezialkräfte. Erneut galt die Luftlandebrigade 26 als „zweite“ Brigade.Großverbände der Division Spezielle Operationen: „Erste“ „Brigade“ (als Brigadeäquivalent): Kommando Spezialkräfte (=weißer Bord). „Zweite“ Brigade: Luftlandebrigade 26 (=roter Bord). „Dritte“ Brigade: Luftlandebrigade 31 (=gelber Bord). Daher erhielt ihr Verbandsabzeichen erneut einen roten Bord.

Da sich die Verbandsabzeichen der Brigaden der Division sowohl im alten als auch im neuen Design nur geringfügig unterschieden, wurde stattdessen gelegentlich auch das interne Verbandsabzeichen des Stabes bzw. der Stabskompanie pars pro toto als „Abzeichen“ der Brigade genutzt. Es zeigte den aus dem ersten Verbandsabzeichen bekannten Fallschirm auf blauen Grund mit rotem Bord, sowie einen Schweifstern. Der Komet geht vermutlich auf das (Traditions-)Kennzeichen „Blauer Komet“ der ehemaligen Angehörigen des Luftlande-Sturm-Regiments der Fallschirmjäger der Wehrmacht zurück. Einen ähnlichen Kometen im Truppenkennzeichen führte im späteren Kriegsverlauf die 4. Fallschirmjägerdivision der Wehrmacht. In einer alternativen (möglicherweise früheren?) Version des internen Verbandsabzeichens des Stabes wurde der Komet nicht aufgenommen.

Weitere Luftlandebrigaden Luftlandebrigade 25 Luftlandebrigade 27 Luftlandebrigade 31

Anmerkungen

Literatur

Einzelnachweise

#26 Kategorie:Organisation (Saarlouis) Kategorie:Gegründet 1958 Kategorie:Aufgelöst 2015