Hürtgenwald ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, die zum Kreis Düren gehört. Sie ist benannt nach dem namensgebenden Hürtgenwald. Ein Ort mit Namen „Hürtgenwald“ existiert nicht, der Hauptort der Gemeinde ist Vossenack. Das Rathaus steht in Kleinhau.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt im Nationalpark Eifel in der Rureifel und im Naturpark Nordeifel. Der höchste Punkt im Gemeindegebiet ist am Forsthaus Jägerhaus am Höhenrücken Langschoß auf , der niedrigste zwischen Gey und Birgel auf Höhe.
Nachbargemeinden mini|Rathaus in Kleinhau Im Kreis Düren Düren Kreuzau Langerwehe Nideggen
In der Städteregion Aachen Simmerath Stolberg
Gemeindegliederung
Die Ortsteile Simonskall und Vossenack sind als Erholungsorte anerkannt.
Geschichte mini|hochkant|Krawutschketurm, Aussichtsplattform und ehemaliger Brandwachtturm
Vorgeschichte
Burg Berenstein
Im Mittelalter stand beim Ortsteil Bergstein auf dem Burgberg die Reichsburg Burg Berenstein. Sie ist nur noch als Burgstall zu erkennen. Dort steht der Krawutschketurm.
Schlacht im Hürtgenwald mini|Widrigste Bedingungen während der Schlacht im Hürtgenwald
Als Teil des Westwalls wurde hier ein Bunker gebaut. Vom 6. Oktober 1944 bis zum 10. Februar 1945 fand im Gemeindebereich um Vossenack und Hürtgen die Schlacht im Hürtgenwald statt. Trotz schwerster Kämpfe konnte keine Seite unmittelbare strategische Erfolge erzielen. Insgesamt gab es an die 24.000 Tote.
Die Schlacht fand zahlreiche Rezeption in der Literatur, so bei Heinrich Böll, Kurt Vonnegut, Ernest HemingwayErnest Hemingway - Auf Leben und Tod. In: Der Spiegel. 2021 (spiegel.de) abgerufen am 2. Juli 2021. und Steffen Kopetzky. Der Schriftsteller Jerome D. Salinger nahm als Staff Sergeant der US Army an den Kämpfen teil, die ihn stark traumatisierten. In der amerikanischen Erinnerungskultur spielt die Schlacht im Hürtgenwald eine wesentliche Rolle.
Entstehung/Eingemeindungen Der Name Hürtgenwald bezog sich bis zu den Kämpfen im Zweiten Weltkrieg lediglich auf das staatliche Forstamt. Die US-amerikanische Bezeichnung des gesamten Gebietes mit „Huertgen Forest“ führte erst bei einer späteren Gebietsreform zum Namen „Hürtgenwald“.mini|Fachwerkhaus von 1651 im Ortsteil Simonskall (Baudenkmal)
Aus dem im 19. Jahrhundert durch die Verschmelzung der Bürgermeistereien Straß und Bergstein entstandenen Amt Straß-Bergstein (Verwaltungssitz in Gey) ging am 1. Juli 1969 die Gemeinde Hürtgenwald hervor.
Der § 9 des „Gesetzes zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Düren vom 24. Juni 1969“ sagt: „Die Gemeinden Bergstein, Brandenberg, Gey, Großhau, Hürtgen, Kleinhau und Straß (Amt Straß-Bergstein) werden zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gemeinde erhält den Namen Hürtgenwald.“
Das Amt Straß-Bergstein umfasste die acht Gemeinden Bergstein (mit Zerkall), Brandenberg, Gey, Großhau, Hürtgen, Kleinhau, Straß-Langenbroich-Horm und Untermaubach-Bilstein.
Ab 1969 bestand das Amt Straß-Bergstein aus den Gemeinden Hürtgenwald und Untermaubach-Bilstein.
Am 1. Januar 1972 erfolgte die kommunale Neugliederung durch das Aachen-Gesetz, wobei die Gemeinde Hürtgenwald um die ehemalige Gemeinde Vossenack (Kreis Monschau) vergrößert wurde.
Ökologische Aspekte im 21. Jahrhundert Im September 2023 veröffentlichten Umwelt-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium in NRW eine Liste mit sechs potenziellen Gebieten, darunter dem Hürtgenwald, für einen zweiten Nationalpark in NRW. In einem Bewerbungsverfahren sollten bis Ende 2024 formale Bewerbungen für den neuen Nationalpark eingereicht werden. Das Projekt ist durch Bürgerentscheid gescheitert.Nationalpark-Idee in NRW nach dem letzten Bürgerentscheid nun gescheitert; abgerufen am 3. Januar 2025.
Mitte August 2026 kam es zum Waldbrand im Hürtgenwald 2026 auf mindestens 300 Hektar im gleichnamigen Hürtgenwald und deswegen zu einer Räumung des Ortsteils Gey.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Hürtgenwald. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt am 13. September 2020.
Bürgermeister Bis 2020 war Axel Buch (* 1954) Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald. Zu seinem Nachfolger wurde der parteilose Andreas Claßen gewählt, bei der Wahl 2020 erhielt er 61,06 % der Stimmen. Jedoch stieß seine Amtsführung bei den Ratsfraktionen von FFH („Freie für Hürtgenwald“), SPD, Grünen und FDP, die ihn bei der Wahl noch unterstützt hatten, auf Kritik, sodass diese im Februar 2022 ein Abwahlverfahren einleiteten. Diesem stimmten auch Abgeordnete der CDU zu, sodass am 15. Mai 2022 eine Abstimmung durchgeführt wurde.Michael Esser: Bürger können abstimmen: Bleibt Bürgermeister im Amt? Bericht des Westdeutschen Rundfunks vom 17. Februar 2022, abgerufen am 3. Juni 2022 Bei dieser stimmten 68,24 % der Abstimmenden für die Abwahl Claßens. Da diese zugleich mehr als 25 Prozent aller Wahlberechtigten ausmachten, wurde der Bürgermeister abgewählt.Gemeinde Hürtgenwald: Abstimmung über die Abwahl des Bürgermeisters – Gesamtergebnis Damit wurde eine Neuwahl notwendig,Abwahl des Bürgermeisters: So geht es weiter in der Gemeinde Hürtgenwald Meldung aus: Aachener Zeitung (Online-Ausgabe) vom 16. Mai 2022, abgerufen am 3. Juni 2022 welche am 28. August 2022 stattfand.Gemeinde Hürtgenwald: Bürgermeister-Neuwahl für den 28. August terminiert Meldung aus: Aachener Zeitung (Online-Ausgabe) vom 1. Juni 2022, abgerufen am 3. Juni 2022 In der Neuwahl wurde Stephan Cranen zum Bürgermeister der Gemeinde mit 67,29 % der Stimmen gewählt. Laut eigener Aussage von Stephan Cranen will er das Amt zum 1. Oktober 2022 übernehmen. Stephan Cranen wurde am 14. September 2025 erneut gewählt.
Wappen und Banner Der Gemeinde Hürtgenwald ist mit Urkunde des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen vom 8. Dezember 1975 das Recht zur Führung eines Wappens, eines Siegels und einer Flagge verliehen worden.
Das Wappen ist ein dreigeteilter Schild: Auf grünem Grund ein goldgelber Göpel und je ein silberweißer Kiefernzapfen in den drei grünen Feldern.
Der Göpel teilt das Wappen auf, wodurch die Zusammensetzung von Hürtgenwald aus verschiedenen Ortschaften symbolisiert werden soll, die früher zu den Ämtern Straß, Bergstein und Simmerath gehörten. Die Zapfen verweisen auf die umliegenden Wälder, die das Landschaftsbild prägen.
Beschreibung des Banners: „Grün-Weiß-Grün im Verhältnis 1 : 4 : 1 längsgestreift mit dem etwas über die Mitte nach oben verschobenen Gemeindewappen.“
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kriegsgräberstätte Hürtgen mini|Blick von Brandenberg ostsüdostwärts zum Burgberg mit Turmspitze der Bergsteiner Kirche vor dem Berg und links befindenden Wohnturm der Burg Nideggen mini|Bergsteiner Pfarrkirche
Museen Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“
Ehrenfriedhöfe und Gedenkstätten im Hürtgenwald Die Kriegsgräberstätte Vossenack liegt bei Vossenack etwa 500 m hinter dem Ortsende an der Simonskaller Straße. Daneben das Mahnmal für die 116. Panzer-Division der Wehrmacht (Windhund-Division).
Die Kriegsgräberstätte Hürtgen liegt bei Hürtgen etwa 500 m hinter dem Ortsende unmittelbar an der Bundesstraße 399, jeweils aus Richtung Düren gesehen.
Ein Gedenkstein für Friedrich Lengfeld wurde auf der Kriegsgräberstätte Hürtgen errichtet.
Die Gedenkstätte für den US-Soldaten PFC Robert Cahow liegt im Wald westlich der Dürener Straße auf Höhe von Ochsenkopfbunker 118.
Hürtgenwaldmarsch Jedes Jahr findet der Internationale Hürtgenwaldmarsch bei Vossenack statt. Er ist eine Marsch- und Gedenkveranstaltung, ausgerichtet von der Bundeswehr. Der Marsch führt entlang der Schauplätze der verlustreichen Kämpfe im Hürtgenwald ab Herbst 1944. Geführte Touren führen zu ausgewählten Plätzen und Relikten der Schlacht. Die Veranstaltung dient dem Gedenken der Opfer diese Schlacht mit Ausstellungen, Vorträgen und Kranzniederlegung.40. Hürtgenwaldmarsch; abgerufen am 2. Januar 2025. Veranstalter ist das Landeskommando Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.
Schlachtfeld An das Schlachtfeld um Hürtgen, Vossenack und Schmidt erinnern zahlreiche Panzersperren, Bunker und andere Relikten und Plätzen an die verlustreichen Kämpfe. Dazu gehören auch der Kall Trail Hohlweg mit Verwundeten Sammelstelle/US-AID-Station 1944 von „German doctor“ Günter Stüttgen, die Panzerkette am Weg nach Schmidt und andere. Einschlägige Karten, auch google maps, stellen ihre Lagen dar.
Bauwerke Der Krawutschketurm auf dem Burgberg in Bergstein.
Wirtschaft und Infrastruktur Maubacher Bleiberg Von 1948 bis 1968 wurde neben dem Ort Horm im Maubacher Bleiberg Erzabbau betrieben. Später befand sich hier die Mülldeponie für den Kreis Düren.
Verkehr Die Bundesstraße 399 durchzieht die Gemeinde von Nordosten nach Südwesten zwischen den Ortschaften Gey und Raffelsbrand, die Landesstraße 11 von Südosten nach Nordwesten zwischen den Gemeindeteilen Kleinhau und Zerkall.
Zerkall ist auch durch die Bahnstrecke Düren–Heimbach erschlossen.
Bildung Die Gemeinde Hürtgenwald verfügt über drei Grundschulen in den Ortsteilen Vossenack, Straß und Bergstein. Für Schüler mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialempfehlung unterhält die Gemeinde Hürtgenwald die Sekundarschule Nordeifel im Ortsteil Kleinhau. Ein sich in kirchlicher Trägerschaft befindendes Gymnasium im Ortsteil Vossenack.
Persönlichkeiten Laurentius Ulrich Englisch (* 1939), Franziskaner, Künstler, Lehrer und Kunsterzieher am Franziskus-Gymnasium Bernd Neuendorf (* 1961), politischer Beamter (SPD), Journalist und Sportfunktionär Arnold Poll (1925–2016), römisch-katholischer Priester und von 1980 bis 2000 Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“.
Literatur Dieter Robert Bettinger, Hans-Josef Hansen, Daniel Lois: Der Westwall von Kleve bis Basel. Auf den Spuren deutscher Geschichte. Nebel Verlag, Eggolsheim, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008, ISBN 978-3-89555-414-8. Alexander Kuffner: Zeitreiseführer Eifel 1933–1945. Helios, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-42-7. Hans-Josef Hansen (Hrsg.): Auf den Spuren des Westwalls. Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft Aachen, 2009, ISBN 3-925087-76-1. Manfred Groß, Horst Rohde, Rudi Rolf: Der Westwall. Vom Denkmalwert des Unerfreulichen. Rheinland-Verlag GmbH Köln, 1997, ISBN 3-7927-1668-2. Adolf Hohenstein und Wolfgang Trees: Hölle im Hürtgenwald. Triangel-Verlag, ISBN 3-922974-01-5. Rainer Monnartz: Hürtgenwald 1944/45 – Militärgeschichtlicher Tourenplaner. Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-68-7. Matthias Thömmes: Tod am Eifelhimmel. Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft Aachen, ISBN 3-933608-04-X. Peter Többicke: Militärgeschichtlicher Reiseführer Hürtgenwald. Taschenbuch Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH Hamburg, ISBN 3-8132-0735-8. Wolfgang Trees: Schlachtfeld zwischen Maas und Rhein. Triangel Verlag Aachen, ISBN 3-922974-05-8. Robert Hellwig: „Gedenken und Mahnen“ Mahnmale in Hürtgenwald, Herausgeber: Geschichtsverein Hürtgenwald 2007 (38 Mahnmale mit Fotos und Text auf 56 Seiten). Jobst C. Knigge: Hemingway und die Deutschen, Verlag Dr. Kovac Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4707-0.
Weblinks
Website der Gemeinde Hürtgenwald Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ Film: You enter Germany; Hürtgenwald – Der lange Krieg am Westwall
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kreis Düren Kategorie:Ort in der Eifel Kategorie:Gemeindegründung 1969