mini|Trostberg an der Alz mini|Hauptstraße mit Stadtpfarrkirche St. Andreas

Trostberg ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Traunstein.

Geographie Lage Trostberg liegt in der Planungsregion Südostoberbayern an der Alz auf 502 m ü. [NHN], etwa 30 km nördlich der Chiemgauer Alpen. Die Stadt Trostberg grenzt an folgende Nachbargemeinden: Tacherting, Kienberg, Altenmarkt an der Alz, Traunreut, Palling, Feichten an der Alz und Tyrlaching, die letzten zwei befinden sich bereits im Landkreis Altötting.

Bis auf die dem Rupertiwinkel zugeordneten Gemarkungen Heiligkreuz und Lindach liegt Trostberg in der Kulturlandschaft des Chiemgau.

Gemeindegliederung

Die Stadtgemeinde hat 94 Gemeindeteile:

Es gibt die Gemarkungen Heiligkreuz, Lindach, Oberfeldkirchen und Trostberg.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Trostberg im 18. Jahrhundert (Stich von Michael Wening) Archäologische Funde zeigen, dass die Siedlungsgeschichte bis in die Stein-, Bronze- und Eisenzeit zurückreicht. Doch erste urkundliche Nachweise für die erfolgte Gründung „Trospergs“ durch die Grafen von Ortenburg-Kraiburg gibt es erst seit 1233. Der Ort entwickelte sich im Schutz seiner Anfang des 13. Jahrhunderts errichteten Burg (Burg Trostberg). 1301/7 wurde in einem herzoglichen Urbar das Gericht (und die Grafschaft) Trostberg genannt. Seither war Trostberg immer Besitz der bayerischen Wittelsbacher, die Alz war Grenzfluss zwischen Bayern und Salzburg. Weniger Ackerbürgertum, sondern Handel und Handwerk und insbesondere die Tuchmacherei verhalfen im 17. und 18. Jahrhundert der Stadt zu Wohlstand.

Ab 1476 ist in Trostberg ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das sich zwischen der heutigen Bundesstraße und der Au befand. Der Flurname „Siechenanger“ deutete später noch auf das Leprosorium hin.siehe

Das Landgericht Trostberg, das den nördlichen Teil des heutigen Landkreises Traunstein umfasste, wurde im Jahr 1799 aufgelöst und erst 1803 neu gegliedert. Dabei wurden die Landgerichte Kling und Trostberg zusammengelegt. 1810 verlor Trostberg seine Grenzlage zu Salzburg, bis dahin war Trostberg im Westen und im Osten durch Türme abgeschlossen sowie durch das Mittertor zwischen Hauptstraße 1 und 2 unterteilt.

1818 erhielt die Stadt durch das bayerische Gemeindeedikt wieder Selbstverwaltungsrechte. 1862 kam es zur Gründung des Bezirksamtes (später Landkreis) Traunstein, das verwaltungstechnisch die Landgerichtsbezirke Traunstein und Trostberg umfasste. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Flecken Trostberg zwei katholische Kirchen, ein Sägewerk, eine Kunstmühle und war Sitz eines Amtsgerichts.

Im Jahr 1913 wurde Trostberg das Stadtrecht verliehen. Die zur Stadt gehörenden Orte Heiligkreuz und Lindach gehörten bis 1816 zum Land Salzburg und sind somit Teil des Rupertiwinkels.

Im Zweiten Weltkrieg war Trostberg Standort der Rüstungsindustrie, auch mit dem KZ-Außenlager Trostberg. Trostberg wurde bombardiert, v. a. wegen dieser Bedeutung als Industriestandort.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 die Gemeinde Lindach eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Heiligkreuz und Oberfeldkirchen hinzu.

Einwohnerentwicklung + Bevölkerungszahlen von Trostberg nach seinem jeweiligen Gebietsstand Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1818 800 in 131 HäusernMartin von Deutinger: Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach der Ordnung der Decanate, München 1820, S. 455 (online), gezählt Mitte 1818 im Dekanat PeterskirchenDeutinger, ebenda, Vorerinnerung, S. VII 1824 883 in 136 Wohngebäuden, mit dem Schlossbezirk (18 Einwohner in zwei Wohngebäuden)Adolph von Schaden: Alphabetisches Verzeichniß sämmtlicher im Isarkreise gelegenen Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Einöden usw. (Als Anhang zu dem topographisch=statistischen Handbuche für den Isarkreis des Königreichs Baiern, Digitalisat), München 1825, S. 498 (online). 1871 1252 am 1. Dezember 1871, davon 1240 Katholiken, acht Evangelische, vier Juden (199 Wohngebäude)Königl. bayerisches Statistisches Bureau: Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern - mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875, München 1877, Spalte 329 (online). 1905 1715 katholische EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1909, S. 751 (Zeno.org) . 1910 2127 am 1. Dezember Trostberg, Bezirksamt Traunstein, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Trostberg). 1933 3252 1939 3987

+ EinwohnerentwicklungStatistik kommunal Trostberg Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2011 2015 2021 Einwohner 2501 2969 3552 5054 5951 9321 9922 10.116 10.251 11.143 11.566 11.548 11.655 11.488 11.201 11.073 11.355

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 10.361 auf 11.222 um 861 Einwohner bzw. um 8,3 %.

Politik Stadtrat Die 24 Sitze des Stadtrats wurden bei den Kommunalwahlen in Bayern 2026 bei einer Wahlbeteiligung von 53,5 % folgendermaßen auf die Parteien und Listen verteilt:Wahl des Stadtrats 2026, Endergebnis vom 8. März 2026, Stadt Trostberg, online unter wahlen.osrz-akdb.de. Partei/Liste CSU SPD Grüne Freie Wähler Die Linke GesamtSitze 12 3 4 4 1 24Stimmenanteil 47,5 % 12,7 % 17,8 % 18,3 % 3,8 % 100 %

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Nick Geiger (CSU). Anlässlich der Kommunalwahlen in Bayern 2026 wurde er mit 75,4 % der abgegebenen Stimmen gewählt und somit Nachfolger von Karl Schleid (CSU). Sein mit 24,6 % unterlegener Gegenkandidat war Hans Stalleicher (Grüne).

Finanzen Im Jahr 2021 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 11.355.000 €, davon waren 3.346.000 € Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche St. Andreas Bauwerke Ensemble Trostberg: Das historische Zentrum ist im Inn-Salzach-Stil erbaut, die Gebäude haben alzseitig häufig typische hölzerne Giebel-, Balkon- und Laubenfronten. Sehenswert sind u. a. Reste der Stadtmauer aus unverputztem Tuffquadermauerwerk, eine neugotische Mariensäule und eine Martersäule aus Rotmarmor am Marienplatz. Die katholische Stadtpfarrkirche St. Andreas geht in ihrer älteren Bausubstanz (Chor und nördliche Seitenkapelle) auf die Zeit um etwa 1420 zurück. Das Langhaus, eine dreischiffige Halle mit Netzrippengewölbe, entstand 1498 bis 1504. Es wurde 1869 um ein Joch gegen Westen erweitert. Die Buntglasfenster gehören der Zeit gegen Ende des 15. Jahrhunderts an, ferner haben sich Grabdenkmäler des 15. und 16. Jahrhunderts erhalten. Eine neue katholische Pfarrkirche wurde 1953 im Gemeindeteil Schwarzau von Josef Wiedemann erbaut. Die 1951 nach Plänen des Trostberger Architekten Kurt Franck erbaute evangelische Christuskirche wurde 1988 von Architekt Peter Schorr mit Zentrierung des Kirchenraumes und Anbau von Gemeinderäumen umgestaltet. 1952 erhielt die Kirche eine auf dem Glockenfriedhof Hamburg entdeckte Glocke, die aus der Kirche Borchersdorf (Kreis Königsberg) stammte und den Krieg überlebt hat. Auf dem Schlossberg sind Reste des ehemaligen Pflegschlosses (Burg Trostberg) erhalten. Im Gemeindeteil Heiligkreuz ist die katholische Kirche Heilig Kreuz erwähnenswert, ein spätgotischer Nagelfluhquaderbau um 1434. Der Taubenbrunnen im historischen Stadtzentrum wurde vom Münchner Bildhauer Edmund Puchner 1988 aus niederbayerischem Granit gestaltet.

Bodendenkmäler

Kulturelle Einrichtungen Kulturzentrum Postsaal Gewölbe im Postsaal Stadtmuseum Trostberg Atrium am Stadtmuseum Rosengarten bei Schloss Schedling Hertzhaimer-Naturgarten am Gymnasium

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Trostberg gehört mit dem Chemiepark Trostberg und seinen international tätigen Chemieunternehmen (ehemals SKW Trostberg AG, heute Alzchem AG, Degussa GmbH, BASF Construction Polymers GmbH und BASF Construction Chemicals GmbH) zu den Orten, die das Bayerische Chemiedreieck bilden. Weitere bedeutende Arbeitgeber sind die Papierfabrik Rieger und EDEKA CHIEMGAU.

Es gab 2009 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft zwölf, im produzierenden Gewerbe 2404 und im Bereich Handel und Verkehr und Gastgewerbe 809 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1432 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 4019. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zehn Betriebe, im Bauhauptgewerbe elf Betriebe. Im Jahr 2007 bestanden 114 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3278 ha, davon waren 2641 ha Ackerfläche und 612 ha Dauergrünfläche.

Verkehr Straße: Durch Trostberg führt die Bundesstraße 299, die bei Altenmarkt in die Bundesstraße 304 mündet. Aufgrund der hohen Belastung durch diese Straße ist seit längerer Zeit eine Ortsumgehung für Trostberg in Planung. Schiene: Trostberg ist an die Traun-Alz-Bahn Garching-Traunstein der DB Regio/Südostbayernbahn angebunden. Es verkehren Regionalbahnen der Linie RB 47 im Zweistundentakt. Luftfahrt: Im fünf Kilometer nordwestlich gelegenen Schönberg befindet sich der Flugplatz Schönberg, der für Luftfahrzeuge aller Art bis zu 2000 kg Höchstabfluggewicht (MTOW) als Sonderlandeplatz zugelassen ist. ÖPNV: diverse Regionalbuslinien der Regionalverkehr Oberbayern GmbH eine Stadtbuslinie der Regionalverkehr Oberbayern GmbH Regionalbuslinien der privaten Betreiber Hövels OHG und Omnibus Wengler

Freizeit- und Sportanlagen (offenes) Kunsteisstadion beheiztes Freibad Fußball- und Leichtathletikstadion (Jahnstadion) Kletterturm (DAV Kletterturm Trostberg) am Jahnstadion

Schulen Grundschule Heiligkreuz Grundschule Trostberg Mittelschule Trostberg Staatliche Realschule Trostberg Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg Volkshochschule Trostberg e. V. Berufsfachschule für Krankenpflege Musikschule Trostberg Rhema Bibeltrainingszentrum Deutschland Süd

Gesundheit Trostberg verfügt über ein Kreiskrankenhaus, das Teil des kommunalen Klinikverbundes Kliniken Südostbayern ist.

Persönlichkeiten miniatur|hochkant|Der Pienzenauer-Brunnen

Der Pienzenauer Hans von Pienzenau, herzoglicher Pfleger von 1492 bis 1499 in Trostberg, verteidigte im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 die Festung Kufstein und soll vor der Kapitulation König Maximilian I. das entblößte Hinterteil gezeigt haben. Er wurde anschließend enthauptet. Auf dem Postament seines Denkmals auf dem Pienzenauer-Brunnen steht: „Wer recht tuat, sollt' net duck'n! Muaß's sei, g'hört's zoagt, damals wie heut dem Kaisa und da Obrigkeit!.“

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt – In chronologischer Reihenfolge –

Literatur Norbert Kühne: AKTION 73 in Trostberg/Obb. In: Norbert Kühne: Wir arbeiten mit Jugendlichen. Andreas Achenbach Verlag, Gießen 1975, S. 71–82, ISBN 3-87958-126-6 Rainer Lihotzky: Trostberg – Die Stadt an der Alz. Alois Erdl KG, Trostberg 2003, ISBN 3-925249-59-1 Horst Biernath: Es bleibt natürlich unter uns. Roman einer kleinen Stadt, Ehrenwirth Verlag, München 1974, ISBN 3-431-01527-1 Trostberg, Bezirksamt Traunstein, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Trostberg).

Weblinks

Website der Stadt Trostberg

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Traunstein Kategorie:Ort im Chiemgau Kategorie:Ersterwähnung 1233 Kategorie:Stadt in Bayern Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1913