mini|Klassisches Virtual-Reality-Headset mini|The Cave Automatic Virtual Environment mini|10.000 Moving Cities, Marc Lee, Telepräsenz-basierte Installation Immersion (fachsprachlich für „Eintauchen“) bezeichnet den psychologischen Effekt, bei dem Menschen durch immersive Medien, insbesondere Virtual Reality (VR), so stark in eine künstliche Umgebung eintauchen, dass die Wahrnehmung der realen Welt teilweise oder ganz in den Hintergrund tritt. Die künstliche Umgebung wird dabei dann in Teilen oder aber vollständig als real erlebt. Bei besonders intensiver Immersion spricht man von der Wahrnehmung einer „virtuellen Präsenz“ in einer künstlich erschaffenen Welt.

Im Unterschied zur passiven, filmischen oder beim Lesen erzeugten Immersion erlaubt die virtuelle Realität eine Interaktion mit der virtuellen Umgebung, wodurch eine wesentlich höhere Intensität der Immersion erreicht werden kann. Man spricht von einer immersiven virtuellen Umgebung (immersive virtual environment), wenn es dem Benutzer ermöglicht wird, direkt mit dieser zu interagieren. Sowohl ein Head-Mounted Display als auch die CAVE, bei dem die Umgebung an die Kopfposition und Orientierung angepasst und über Controller oder freihändig interagiert werden kann, sind Beispiele für solche Systeme. Im Gegensatz hierzu steht die nicht immersive virtuelle Realität, z. B. in einem 3D-CAD System, welches auf einem PC betrieben wird.

Der Begriff Immersion wird auch im Hinblick auf Computerspiele benutzt, um das Eintauchen des Nutzers in die virtuelle Welt zu bezeichnen, wenngleich die Interaktion hier durch Steuerungsgeräte (Maus/Tastatur, Controller) erfolgt.Vgl. etwa Keith Stuart: What do we mean when we call a game 'immersive'?. In: The Guardian, 11. August 2010; Carmen Tu, Jesaya Tunggal, Steven Brown: Character immersion in video games as a form of acting. In: Psychology of Popular Media. Nr. 12 (2023), S. 405–413.

Vorstellung von Immersion 1926 Ohne die Begriffe Immersion und virtuelle Realität zu kennen, beschrieb der Journalist Ludwig Kapeller genau das bereits 1926 anlässlich der ersten erfolgreichen Fernsehübertragungsversuche:

„Der Rundfunk von morgen: ein Druck auf den Knopf, und rauschender Schall, mit Tiefen und Perspektiven; und noch ein Druck: bewegtes Bild, Ton und Klang illustrierend, eine Drehung am Hebel, und England kommt, Boxkampf in London, mit Fäustekrachen und Schmerzensstöhnen, mit den raschen Gesten der Kämpfer; oder Amerika meldet sich, mit Jazz-Band-Synkopen und den schwarzen Gesichtern der ‚Chocolate-Kiddies‘; oder Rom mit Verdiklängen, mit den bunten Bildern italienischer Opern. Oder plötzlich, unheimlich, erleben wir gräßlich im ‚505‘, von meerumpeitschender Rundfunk-Regie irgendwo inszeniert, mit Sirenengeheul und Wogenprall, mit Verzweiflungsschreien, einen Untergang der ‚Titanic‘, nächtliches Bild menschlichen Todeskampfes. Und übermorgen vielleicht: der plastische, farbige, sprechende Rundfunk-Film, Erlebnis mit allen Sinnen erfassend und durch die Technik meistern, daß durch den Druck auf schwarzen Knopf Millionen Erlebenshungriger es sich enthülle.“Ludwig Kapeller: Rundfunk von morgen. in Uhu, Ullstein Berlin Oktober 1926, S. 70.

Immersion in Computerspielen Mit dem Begriff der Immersion wird im Diskurs des Game-Designs die Erfahrung eines Spielers, sich in einer virtuellen Welt zu befinden, beschrieben.

Fesselnde und anspruchsvoll gestaltete virtuelle Welten führen zu stärkerer Immersion, ebenso Steuergeräte (Controller), die eine natürlich wirkende Interaktion mit der virtuellen Welt erlauben. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass sich Spieler nach Ende des VR-Spiels erst wieder an die echte Welt gewöhnen müssen.So echt können sich Hände in VR anfühlen. Video ab 1:45. Die Intensität hängt auch von der Persönlichkeit des Spielers und der Dauer des Spielens ab.

Die US-amerikanische Professorin für digitale Medien Janet H. Murray beschreibt Immersion wie folgt:

Richard Bartle unterscheidet vier unterschiedliche Stufen der Immersion (Levels of Immersion):Richard A. Bartle: Designing Virtual Worlds. New Riders, Indianapolis 2004, S. 154–158. player: Die Spielfigur ist ein Mittel zur Beeinflussung der Spielwelt. avatar: Die Spielfigur ist ein Repräsentant des Spielers in der Spielwelt. Spieler sprechen in der dritten Person über die Spielfigur. character: Computerspieler identifizieren sich mit der Spielfigur und sprechen in der ersten Person über sie. persona: Die Spielfigur ist Teil der Identität des Computerspielers. Er spielt keine Figur in einer virtuellen Welt, er ist selbst in einer virtuellen Welt.

Das Computerspielgenre der Ego-Shooter wird beispielsweise grundsätzlich aus der Sicht der Spielfigur, also in der Ich-Perspektive, gespielt. Die Spielgestalter nutzen hier die Immersion, um den Spieler die virtuelle Welt möglichst unmittelbar erleben zu lassen. wobei es sich etwa um Actionspiele oder auch Rollenspiele handeln kann.

Bestimmte Actionspiele und Rollenspiele werden des Weiteren als immersive sim (immersive Simulation) bezeichnet.Sonderausgabe "Immersive Sims", in: Paidia - Zeitschrift für Computerspielforschung, Mai 2023. Derartige Spiele geben dem Spieler im Rahmen des Spielsystems möglichst große Freiheiten und durch vorhandene Spielmechaniken die Option, sein Ziel auf verschiedenen Wegen zu erreichen, wobei das Spielsystem auf die Aktionen des Spielers reagiert.Thomas Biery: What makes an Immersive Sim, and why are they staging a comeback?, in: Polygon.com, 18. August 2016. So mag der Spieler einen Feind schleichend umgehen, einen anderen Weg finden, den Gegner ablenken oder ihn mit Gewalt ausschalten. Spiele in dieser Tradition sind unter anderem System Shock, Deus Ex, die BioShock-Reihe und Dishonored.Rick Lane,: History of the best immersive sims, in: PC Gamer.com, 13. Februar 2021.

Immersion in Rollenspielen Im Pen-&-Paper-Rollenspiel (P&P) und Liverollenspiel (LARP) ist die Immersion ein zentrales Thema. Es geht darum, dem Spieler ein möglichst glaubhaftes und intensives Erlebnis der Spielwelt zu bieten. Beim P&P-Rollenspiel wird dies in erster Linie durch die Erzählkunst des Spielleiters bewerkstelligt. Des Weiteren durch ein Regelwerk, welches die Spielwelt möglichst glaubhaft in Werte, Spielregeln und Hintergrundgeschichten fasst. Beim Liverollenspiel wird die Immersion durch passende Verkleidungen und Umgebungen herbeigeführt. Beispielsweise würden sich bei einem Fantasy-LARP die Spieler als Krieger, Elfen, Orks und so weiter verkleiden. Sie würden möglicherweise auf einer angemieteten Burg oder einem Rittergut spielen und dort – ähnlich wie auch bei Mittelaltermärkten üblich – alles, was nicht zum Mittelalter/Fantasy-Hintergrund passt (z. B. Plastikflaschen), wegräumen und verstecken.

Auf diese Art gelingt es den Spielern, ihrer wirklichen Welt für ein paar Stunden zu entfliehen und in diesem Zeitraum eine andere (meist selbst gewählte), Person darzustellen. Durch die Erfahrung des gemeinsamen Schauspiels erleben die Spieler gleichzeitig das Leben einer anderen Figur und die Reaktionen ihrer Umwelt auf diese.

Bei der Darstellung von Rollenspiel in Film und Fernsehen wird regelmäßig auch auf die Gefahr durch die für labile Personen eventuell zu intensive Immersion eingegangen. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Film Labyrinth der Monster von 1982 mit Tom Hanks, der in der Blütezeit der „Pen & Paper“-Rollenspiele gedreht wurde.

Aufgriff von Immersion in Literatur und Film Beispiele zum Aufgriff der Begriffe und Konzepte zu „Immersion“ und „Immersion in virtueller Realität“ sowie zum Empfinden und Verständnis zur Realität in Literatur und Film.

380 v. Chr.: Platons Höhlengleichnis: „Was, wenn unsere wahrgenommene Umwelt nur ein Schatten einer höheren Realität ist?“ 1641: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie (Descartes) – Sinne liefern keine grundlegenden Erkenntnisse, siehe Rationalismus 1964: Simulacron-3 (Daniel F. Galouye) – beim Erschaffen und Besichtigen einer virtuellen Welt öffnet sich ein Weg in die Welt, die unsere Welt virtuell erschaffen hat; zuletzt verfilmt als The 13th Floor 1971: Der futurologische Kongress (Stanislaw Lem) – mittels psychoaktiver Chemikalien („Psychemie“) werden virtuelle Welten mit paradiesischen Zuständen geschaffen, doch die Fassade bröckelt 1973: Welt am Draht (Rainer Werner Fassbinder) – in einem VR-Projekt stellt der Nachfolger des verstorbenen Projektleiters fest, dass er selbst nur eine Simulation ist, siehe Simulacron-3 1982: Tron (Steven Lisberger) – prägte Vorstellungen über eine virtuelle Realität, gefangen im Computer (strenggenommen keine Immersion, sondern der tatsächliche Transfer der Person in die virtuelle Welt) 1982: Labyrinth der Monster (Steven Hilliard Stern) – Ein Film über Pen & Paper Rollenspiele, bei dem einer der Spieler mit der Zeit Spiel und Realität durcheinanderbringt. 1984: Neuromancer (William Gibson) – Grundlage des Cyberpunk und Cyberspace mit Direktverbindung zum Gehirn 1986: Star Trek TNG (Gene Roddenberry) – holographische Räume, die eine spürbare virtuelle Realität um die Betrachter herum erzeugen, oft wissen Menschen oder KIs nicht, dass sie in einer virtuellen Welt sind 1988: Red Dwarf – britische Sitcom mit VR-Elementen 1991: Foundation-Zyklus (Isaac Asimov) – holographische Räume (u. a. Toiletten) zur Entspannung 1991: Snow Crash (Neal Stephenson) – postmoderne Cyberpunk-Satire 1992: Der Rasenmäher-Mann – Action Thriller, virtuelle Realität zur Verhaltensänderung 1994: Sam und Dave – Zwei Ballermänner auf Tauchstation (Rafal Zielinski) – Comedy, in der Realität mit virtueller Realität vermischt 1996: Otherland (Tad Williams) – Fantasy-Roman, in dem die Charaktere in eine virtuelle Welt eintauchen und dort um das Überleben vieler kranker Kinder kämpfen 1998: Die Truman Show (Peter Weir) – Reality-Show Satire, eine reale Welt wurde unter einer riesigen Kuppel, nur für die Hauptfigur, quasi virtuell, geschaffen 1999: The Matrix (Wachowski-Geschwister) – Action Thriller, von Maschinen gezüchtete Menschen brechen aus ihrer virtuellen Realität, die nur zu ihrer Kontrolle dient, aus 1999: The 13th Floor – Science-Fiction-Film, Menschen in einer virtuellen Welt bauen eine zweite virtuelle Umgebung auf, bevor ihnen die eigene Virtualität bewusst wird, siehe Simulacron-3 und Welt am Draht. 1999: eXistenZ – „Du bist das Spiel“ von David Cronenberg – kryptisch arrangierte Geschichte über ein Computerspiel, das mittels Bioport und organischer Konsole beginnt, mit mehreren Realitätsebenen 2001: Avalon – Spiel um dein Leben von Mamoru Oshii – Illegales VR-Spiel verwandelt seine Teilnehmer ab einem bestimmten Level in geistige Krüppel 2001: Spy Kids (Robert Rodriguez) – Jugendfreie Action, mit VR-Elementen 2001: Digimon (Bandai) – Computerspiel und Anime-Serie, die fast komplett in einer virtuellen Welt spielt 2002: .hack (dot hack)- Japanische Animeserie, in der Spieler mit Hilfe einer Oculus Rift-artigen Brille als Spielfigur in die virtuelle Welt des MMORPG The World eintauchen. Durch bugs gelingt es einigen Spielern nicht mehr das Spiel zu verlassen. 2009: Surrogates – Mein zweites Ich – Film 2011: Ready Player One – Roman und Film, dystopische Welt, in der die Hauptcharaktere in eine virtuelle Welt abtauchen 2012: Sword Art Online – Anime-Serie, deren Haupthandlung in einem Computerspiel abläuft in das man mit Hilfe eines VR-Helm gelangt 2012: Hikikomori (Kevin Kuhn) – Roman, in dem der Hauptcharakter allmählich in eine virtuelle Welt driftet, die wie die Realität erfahren wird

Literatur Oliver Grau: Virtual Art. From Illusion to Immersion. MIT Press, Cambridge 2003, ISBN 0-262-07241-6. Stefanie Menrath, Alexander Schwinghammer (Hrsg.): What Does a Chameleon Look Like? Topographies of Immersion. Herbert von Halem Verlag, Köln 2011, ISBN 978-3-938258-51-4.