mini|Utscheid, historische Ansicht mini|Utscheid, heute Utscheid ist eine Ortsgemeinde im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Südeifel an.
Geographie Utscheid liegt im Naturpark Südeifel. Erwähnenswert ist der durch den Ort fließende Michelbach, der bei Niederraden in den Radenbach mündet.
Neben dem Hauptort gehören die Ortsteile Buscht, Neuhaus mit dem Wohnplatz Hamerskaul und Rußdorf mit dem Wohnplatz Glashütte zur Gemeinde.
Geschichte Die Gegend um Utscheid war ausweislich von Funden schon in der Römerzeit und der Keltenzeit besiedelt. 1885 wurde südwestlich des Ortes ein Brandgräberfeld aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. zerstört. Bei Nachuntersuchungen konnten zahlreiche Keramikscherben beobachtet werden.Dirk Krausse: Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum: Fundstellenkatalog (= Römisch-germanische Forschungen. Band 63). Mainz/Frankfurt am Main/Esslingen 2006, S. 130 (online).
In einer Tongrube in Utscheid wurde 1962 ein Gräberfeld aus der jüngeren Bronzezeit (1200 – 700 v. Chr.) entdeckt. Mehrere Gefäße bargen die Asche der Toten. Die reiche Dekoration der Keramik beruht aus wenigen, einfachen Elementen: Linie, Punkt und Keil. Die Funde wurden öffentlich ausgestellt und können im Kreismuseum Bitburg-Prüm besichtigt werden.
Der Ort Utscheid wurde 1330 erstmals unter dem Namen Oizscheit oder Oytscheit in einer Abgabenliste urkundlich erwähnt. Er gehörte zur Herrschaft Neuerburg. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges fiel der Ort wüst. Visitationsakten von 1712 berichteten über den Bauzustand der Kirche, die 1746 durch einen Neubau ersetzt wurde. Von der alten Kirche blieb nur das Untergeschoss des Turmbaus erhalten. Seit den 1770er-Jahren wurde hier eine Glashütte betrieben. Diese wurde 1796 von Johann Dominik Laeis aufgekauft, um sie daraufhin zu schließen.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Utscheid zur Herrschaft Neuerburg im Herzogtum Luxemburg und war der Meierei Weidingen zugeordnet.
Im Jahr 1794 hatten französische Revolutionstruppen die Österreichischen Niederlande, zu denen das Herzogtum Luxemburg gehörte, besetzt und im Oktober 1795 annektiert. Von 1795 bis 1814 gehörte der Ort zum Kanton Neuerburg im Wälderdepartement. Utscheid war Sitz einer Mairie.
Im Jahr 1815 wurde das ehemals luxemburgische Gebiet östlich der Sauer und der Our auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeordnet. Damit kam Utscheid 1816 zum Kreis Bitburg im Regierungsbezirk Trier in der Provinz Großherzogtum Niederrhein, die 1822 in der Rheinprovinz aufging. Utscheid wurde Amtssitz der gleichnamigen Bürgermeisterei. Zur Bürgermeisterei gehörten die Gemeinden Brimingen, Burg, Fischbach, Niederraden, Oberraden und Sinspelt.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte das Gebiet zum französischen Teil der Alliierten Rheinlandbesetzung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Utscheid innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
Am 1. März 1971 wurde Outscheid in Utscheid umbenannt.
Bevölkerungsentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung Utscheid Die Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde Utscheid, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Regionaldaten. Jahr Einwohner 1815 124 1835 335 1871 445 1905 472 1939 545 1950 520 1961 487 Jahr Einwohner 1970 510 1987 486 1997 515 2005 498 2011 459 2017 4342018428
Politik Gemeinderat mini|Die Keramikfunde aus der Tongrube Utscheid befinden sich im Kreismuseum Bitburg-Prüm Der Gemeinderat in Utscheid besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bis 2009 gehörten dem Gemeinderat zwölf Ratsmitgliedern an.
Bürgermeister Johann Reuter wurde 2014 Ortsbürgermeister von Utscheid.Wahl der ehrenamtlichen Orts- und Stadtbürgermeister (Internet Archive) Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 89,32 % und am 9. Juni 2024 als einziger Bewerber mit 72,9 % für jeweils weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Reuters Vorgänger als Ortsbürgermeister war bis 2014 Alexander Stellmes.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Sehenswürdigkeiten in Utscheid Bauwerke Die Kirche St. Peter von 1746, mit teils aus dem Mittelalter erhaltenem Turm, verfügt über eine umfangreiche barocke Ausstattung; die Kirche wurde mit Wirkung vom 30. Mai 2026 profaniert Katholisches Pfarrhaus von 1767 Der 16 m hohe kreisrunde Wasserturm aus dem Jahr 1956 – und 1993 durch Oswald Mathias Ungers umgebaut Deutsch Internationale Wasserturm Gesellschaft 2002 e. V.: Zweiseitgehöft mit stattlichem Wohnhaus von 1800 Tineskreuz von 1756 Wohn- und Ferienhaus Villa Glashütte mit Satteldach, in den Jahren 1986–88 von Oswald Mathias Ungers erbaut, am Rande der Gemeindegrenze, südlich der Ortschaften Buscht und Russdorf, in einem Waldtal am Läschbach auf dem Gelände der ehemaligen Glashütte Gemeindehaus – ein Umbau des Wohn- und Lagerhauses des früheren Landesproduktenhandels Weber durch Oswald Mathias Ungers
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Utscheid
Grünflächen und Naherholung Naturschutzgebiet „Tongrube bei Utscheid“ Wanderrouten z. B. Michelbachtal, Glashütte oder Fischbach Premium-Wanderwege des Naturparks Südeifel Segelfluggelände Utscheid
Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Eifelkreis Bitburg-Prüm
Regelmäßige Veranstaltungen Jährliches Kirmes- bzw. Kirchweihfest wird am Sonntag nach dem 29. Juni (Peter u. Paul) gefeiert. Traditionelles Ratschen oder Klappern am Karfreitag und Karsamstag Hüttenbrennen am ersten Wochenende nach Aschermittwoch (sogenannter Scheef-Sonntag)
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Einzelhandel und Handwerk sind Teil einer kleinen dorfgerechten Wirtschaftsstruktur. Ihre Vertreter sind zwei Autohändler und eine Näherin. Ein Ingenieurbüro, ein Betreuungsbüro, eine Versicherungsagentur sowie ein Heizungstechniker bieten ebenso ihre Dienstleistungen an.
Neben Pensionen und einer Ferienwohnung, bietet ein Campingplatz weitere Übernachtungsmöglichkeiten.
Im Jahre 2011 wurde das Solarkraftwerk Utscheid-Neuhaus (Eifel) der Osloer Firma Scatec Solar gebaut. Die 47.000 m² große Anlage auf der Konversionsfläche der alten („Ziegelei Neuhaus“ ) erzeugt eine Jahresproduktion von 2,3 Mio. Kilowattstunden und kann ca. 600 Haushalte mit Strom versorgen. Investitionsvolumen betrug 5 Mio. €.
Siehe auch: Liste von Kraftwerken in Deutschland
Medien Am 31. Dezember 2012 war Utscheid mit einer Verschuldung von 12.200 € pro Einwohner die Gemeinde mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung in Rheinland-Pfalz. Institut der deutschen Wirtschaft, 1. August 2014, abgerufen am 19. August 2014.
Am 31. Dezember 2017 betrug die Pro-Kopf-Verschuldung noch 9.231 €.Integrierte Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände 2017. (XLSX)
Bildung Schulen im Umkreis von 15 km sind: Ganztagsschule Grundschule Hildegardis in Mettendorf, Grund- und Realschule plus in Neuerburg, Gymnasium in Biesdorf, Eifel-Gymnasium Neuerburg mit dem angeschlossenen Eifel-Kolleg, Volkshochschule Südeifel in Neuerburg.
Verkehr Die Gemeinde ist durch die Landesstraße 8 und der Bundesstraße 50 erschlossen.
Persönlichkeiten Johann Peter Steffes (1883–1955), Lehrstuhl für Religionsphilosophie und Religionsgeschichte 1927–1952 der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Oswald Mathias Ungers (1926–2007), deutscher Architekt und Architekturtheoretiker Herbert Fandel (* 1964), ehemaliger Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter
Literatur Wackenroder, Ernst: Rheinprovinz. – Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg. Bd. 12/I. Düsseldorf 1927. 4to. X, 315 S. Mit 12 Taf. u. 227 Abb. im Text. Seite 232. ISBN 978-3-88915-006-6. Pfarrei Utscheid 1330–1980. Festschrift / Hrsg. anläßl. d. Konsekration d. Pfarrkirche u. d. Orgelweihe, verb. mit d. 650jähr. Pfarrjubiläum, am 24.08.1980. Nebst. Beil. Bitburg. Burbach 1980. Pfarrhaus Utscheid umfassend renoviert und erweitert. In: Paulinus. Jg. 115. Trier 1989. Nr. 6. S. 30. Adolf Valentin, Johanna Roder, Egon Kirchen: 3 kleine Kapellen in unserer Heimat. In: Geschichtlicher Arbeitskreis der Pfarrei Baustert, Eifel (Hrsg.): Heimatbuch ous der Bouster Poar. Baustert Mai 2014, S. 117–121. Adolf Valentin: Die Glashütte bei Utscheid im Wandel der Zeit. In: Heimatkalender für den Kreis Bitburg-Prüm. 1980, S. 100–102. Johannes Nosbüsch (1929): „Watt mol wor“: der Schulweg. In: Heimatkalender Landkreis Bitburg-Prüm. 2007, S. 117–125. Martin Kieren: Eine Wiese, ein Haus: ein Versuch, mit der Form zu überleben: Oswald Mathias Ungers’ Haus in der Eifel. In: Deutsche Bauzeitung. 129, Juni 1995, S. 84–91. Lothar Monshausen: Ein Barockkreuz in Utscheid-Buscht. In: Heimatkalender Eifelkreis Bitburg-Prüm. 65. 2016, S. 129–130. Thomas Wieckhorst: Bescheidenheit und Zurückhaltung: Umnutzung eines kleinen Wasserturms in Utscheid zu Wohnzwecken. In: Bausubstanz. 12. Februar 1996, S. 26–28. Agnes Colling: Kulturdenkmal vor dem Verfall gerettet. In: Ous der Heemicht. Nr. 8, Juli 1997, S. 15–16. Rudolfine Schröter: Hügelgräber von Outscheid, Krs. Bitburg. In: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete. 30. 1967, S. 62–69.
Weblinks
Touristikseite Utscheid Zukunftscheck Utscheid 2014
Ortsgemeinde Utscheid bei der Verbandsgemeinde Südeifel
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Eifelkreis Bitburg-Prüm Kategorie:Ersterwähnung 1330