mini|hochkant|Margaret Ann Neve (1792–1903), die erste Frau, die erwiesenermaßen 110 Jahre alt wurde Dokumentation und Forschung zu den ältesten Menschen und deren Langlebigkeit tragen zur Ermittlung der maximalen menschlichen Lebensspanne bei und können zugleich neue Informationen über mögliche genetische und umweltbedingte Ursachen des Alterns herausarbeiten. Was in den Genen und in der Lebensführung der Hundertjährigen oder erst recht der Hundertzehnjährigen (englisch supercentenarians) das Altern verlangsamt hat, könnte, so die Hoffnung, eines Tages als altershemmende Maßnahmen für alle Menschen genutzt und weiterentwickelt werden.

Der älteste Mensch, dessen Lebensdaten dokumentiertJean-Marie Robine und Michel Allard: Jeanne Calment: Validation of the Duration of Her Life. In: Bernard Jeune, James W. Vaupel: Validation of Exceptional Longevity, Odense Monographs on Population Aging 6, Odense University Press, 1999, ISBN 87-7838-466-4 und von fachlich einschlägigen wissenschaftlichen Institutionen anerkannt sind, ist die Französin Jeanne Calment, die 122 Jahre und 164 Tage alt wurde. Sie lebte vom 21. Februar 1875 bis zum 4. August 1997.

Der erste Mensch, dessen hohes Alter durch offizielle Dokumente zweifelsfrei belegt und wissenschaftlich anerkannt wurde, ist der Norweger Eilif Philipsen. Er gilt weltweit als die erste Person, deren Erreichen des 100. Lebensjahres als gesichert angesehen wird und war zudem der Erste, der nachweislich sein 101. und 102. Lebensjahr erreichte. Er lebte vom 21. Juli 1682 bis zum 20. Juni 1785.

Die wissenschaftliche Grundlagenforschung des Alterns ist ein Teilgebiet der Gerontologie mit dem Ziel, die äußersten Grenzen des menschlichen Lebens und Körpers zu vermessen, sie zu verstehen und eines Tages über das bisherige Maß hinausschieben zu können. Dabei werden auch Vergleiche mit anderen Lebewesen, wie Mäusen und Fliegen, gezogen.Shino Nemoto, Toren Finkel: in Spektrum der Wissenschaft, November 2004, S. 70 ff.

Geschichte mini|hochkant|Ann Pouder (3. Mai 1808 – 10. Juli 1917) im Alter von etwa 109 Jahren Aus frühester Zeit sind Berichte von Menschen überliefert, die angeblich ein besonders hohes Lebensalter erreicht haben. Viele Altersangaben aus der Bibel (besonders aus der Zeit vor der Sintflut) von Menschen, die ein sprichwörtlich biblisches Alter erreicht haben sollen, sind unrealistisch. Besondere Bekanntheit hat der biblische Methusalem (969 Jahre, ) erreicht, dessen Name noch heute als Synonym für eine sehr alte Person verwendet wird. In den meisten Fällen konnten die Altersangaben nicht bewiesen werden, da keine zuverlässigen Quellen wie Geburts- und Sterbeurkunden existierten. Zudem wurden in verschiedenen Gegenden bis ins frühe 20. Jahrhundert die Jahre doppelt gezählt (Sommer und Winter getrennt), darunter die ländlichen Gegenden des zaristischen Russlands, wobei die Umstellung bei Analphabeten dazu führen konnte, dass der Betreffende einfach in der später gebräuchlichen Zählweise langsamer weiterzählte, retrospektiv mit dem Jahr der Umstellung seiner privaten Zählung durcheinanderkam und sein wahres Alter selbst nicht genau kannte. Die Unsicherheiten änderten sich langsam mit der fortschreitenden Entwicklung des Personenstandswesens, wodurch es im späten 19. Jahrhundert bereits in vielen Ländern Geburtsurkunden gab. Das erleichterte die Suche und verringerte die Chancen für Betrüger und Hochstapler, denen bis in die jüngste Vergangenheit besonders auch das in der allgemeinen Öffentlichkeit prestigeträchtige Guinness-Buch der Rekorde mit seiner Rubrik „Ältester Mensch“ mehrfach aufgesessen war.

Der erste Mensch, der nachweislich die Grenze von 110 Jahren erreicht hatte, war der Niederländer Geert Adriaans Boomgaard. Er wurde am 21. September 1788 in Groningen geboren und starb ebenda am 3. Februar 1899. Die erste Frau, die erwiesenermaßen 110 Jahre alt wurde, ist die Engländerin Margaret Ann Neve, die am 18. Mai 1792 auf der Kanalinsel Guernsey als Margaret Ann HarveyPriaulx Library zur Welt kam und am 4. April 1903 verstarb (110 Jahre, 321 Tage). Delina Filkins (4. Mai 1815 – 4. Dezember 1928) aus New York überschritt zuerst die 113 Jahre und hielt den Altersrekord mehr als 50 Jahre lang.

Der heute verlässlich dokumentiert älteste Mensch ist Jeanne Calment (21. Februar 1875 – 4. August 1997). Die Französin wurde in der Stadt Arles in der Provence geboren. Als Kind war sie noch Vincent van Gogh begegnet. Ihre 122 Jahre und 164 Tage stellen die längste bisher zweifelsfrei dokumentierte Lebensdauer dar. Der vom Guinness-Buch der Rekorde akzeptierte männliche Altersrekordler ist Jiroemon Kimura (19. April 1897 – 12. Juni 2013),Saying goodbye to Kimura – the oldest man who ever lived bei guinnessworldrecords.com der ein Alter von 116 Jahren und 54 Tagen erreichte. Eine detaillierte wissenschaftliche Untersuchung seines Alters steht jedoch noch aus.

Etwa 2000 über 110-Jährige sind in der Geschichte sicher bezeugt worden. Dabei handelt es sich zweifellos nur um einen Bruchteil derer, die ähnlich lange gelebt haben, da die Lebensspanne der Mehrheit dieser Menschen nicht erfasst und (verlässlich) dokumentiert wurde. Ende der 2000er Jahre wurden die Forschungsergebnisse voneinander unabhängiger Forscher in einem internationalen Projekt des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock zusammengetragen und 2010 in der Monografie Supercentenarians veröffentlicht.

Auswertung statistischer Auffälligkeiten Höheres Alter der Frauen mini|hochkant|Hand einer Seniorin In fast allen Teilauswertungen erreichen die ältesten Frauen ein etwas höheres Alter als die ältesten Männer. Dieser statistisch signifikante Unterschied beträgt etwa drei Jahre. Die den Weltrekord haltende Jeanne Calment wurde sogar mehr als sechs Jahre älter als der älteste Mann, Jiroemon Kimura. Für diesen Vorteil der Frauen gibt es unterschiedliche theoretische Erklärungen. Die höhere maximale Lebensspanne von Frauen wird dabei oft mit den gleichen Theorien erklärt wie ihre höhere durchschnittliche Lebenserwartung. Eine Gruppe von Theorien betrachtet den Vorteil der Frauen sozusagen als schicksals- und naturgegeben: Der männliche Hormonhaushalt oder andere spezifisch männliche Körpermerkmale würden demnach zu einem etwas schnelleren Verschleiß des Körpers führen. Eine andere Gruppe von Theorien sieht den Unterschied eher als Folge geschlechtsbedingter Rollen: Männer werden häufiger in Kriegen oder in gesundheitsgefährdenden, körperlich schädigenden Tätigkeiten eingesetzt, sie suchen bei Krankheitssymptomen seltener einen Arzt auf, rauchen mehr und trinken mehr Alkohol usw. Bei allen Säugetierarten, zum Beispiel bei Labormäusen, leben die Weibchen im Durchschnitt länger als die Männchen. Dafür gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Männchen haben einen größeren Körper, und jeweils in einer Säugetierart leben die kleineren Exemplare im Schnitt länger als die großen: Kleine Hunderassen können 16 Jahre erreichen, während große Hunde meist schon nach neun Jahren sterben. Kleine Menschen haben eine höhere Lebenserwartung als große. Wenn die geringere Körpergröße allerdings nicht genetisch bedingt ist, sondern aus schlechter Ernährung resultiert, kehrt sich die Regel um: Dann haben größere Menschen die höhere Lebenserwartung. Dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron wird eine lebensverkürzende Wirkung zugeschrieben: Eunuchen leben im Schnitt länger als nicht kastrierte Männer, allerdings neigen sie zum Übergewicht, was das Leben wieder verkürzt. Generell haben anabole (stoffwechselanregende) Hormone wie Wachstumshormone und die männlichen Geschlechtshormone eine lebensverkürzende Wirkung, vielleicht indem sie zu stärkerem oxidativem Stress führen. Ein weiterer Erklärungsansatz für die höhere Lebensspanne von weiblichen Säugetieren und Menschenfrauen ist, dass bei der zyklischen Menstruationsblutung Schadstoffe, Schwermetalle sowie das oxidativ wirkende Eisen aus dem Körper geschwemmt werden. Noch ein Erklärungsansatz ist, dass Frauen aufgrund ihres doppelten X-Chromosoms besser vor Erbkrankheiten und vorzeitigem Tod geschützt sind.

Kaum Altersrekordler aus der „Dritten Welt“ Fast alle Altersrekordler kommen aus den vergleichsweise reichen Ländern des Nordens, aus Europa, Japan, Nordamerika, dort allerdings aus allen ethnischen Gruppen. Als Grund, warum keine entsprechenden Meldungen aus der „Dritten Welt“ kommen, in der der weitaus größere Teil der Weltbevölkerung lebt, wird unter anderem angesehen, dass wegen schlechter medizinischer Versorgung, Krankheiten, Ernährungsmangels, schlechter Bildung etc. die Menschen aus ärmeren Ländern eine geringere Chance haben, überhaupt erst die ersten hundert Jahre zu überstehen und dann weniger Menschen übrig bleiben, die ihre maximale Lebensspanne ausschöpfen können. Als weiterer Grund wird angesehen, dass die Geburtenregistrierung in den besagten Ländern vor allem im 19. Jahrhundert eher lückenhaft war. Somit könnte lediglich die Statistik verzerrt sein, was bei solchen Untersuchungen häufig der Fall ist. Auch erfüllte die Geburtenregistrierung in vielen Ländern im 19. Jahrhundert noch nicht die strengen Bedingungen, die heute an einen exakten individuellen Altersnachweis von Hochbetagten und Höchstbetagten gestellt werden. vom 17. Februar 2003.

Einfluss der Gene Seit Jeanne Calment sehen Wissenschaftler im lebenslangen Ausbleiben ernsthafter Erkrankungen Indizien dafür, dass Langlebigkeit bzw. verlangsamtes Altern genetisch beeinflusst sein kann.Jäh ins Grab in Der Spiegel 10/1995, S. 228 Viele Hundertjährige wissen von ungewöhnlich vielen Angehörigen zu berichten, die ebenfalls ein sehr hohes Alter erreicht haben. Allein scheinen diese „Methusalem-Gene“ nicht auf eine bestimmte Population oder eine Gruppe von Populationen beschränkt zu sein und treten vermutlich in der gesamten Menschheit auf. Dafür spricht, dass unter den „Supercentenarians“ Menschen der unterschiedlichsten Völker, wie Europäer, Asiaten (Japaner) und auch afrikanischstämmige US-Amerikaner gleichermaßen vertreten sind.

Suche nach der Insel der Jugend Die Suche nach einer Insel der Jugend hat die Menschheit seit Beginn ihrer schriftlichen Überlieferung (Gilgamesch) beschäftigt. Ponce de León hat das Land der Jugend vergeblich in Florida gesucht, und im 20. Jahrhundert schrieb James Hilton über Shangri-La. Die Altersdemographie hat dieses Land noch nicht gefunden. Es müsste ein Land sein, das die Mehrzahl aller „Supercentenarians“ stellt und dem Rest der Welt nur einen geringen Teil der Rekorde überlässt. Die urkundlich belegten Altersrekorde aber verteilen sich rund um den Globus, ohne einen einzelnen Landstrich besonders zu bevorzugen. Es gibt gewisse Indizien, dass man in der Provinz Nuoro, Sardinien, auffällig viele Hundertjährige findet und deren Alter auch urkundlich belegen kann, desgleichen in Okinawa sowie in Kyotango, Präfektur Kyoto, Japan. Es gibt weiterhin eine Reihe legendärer und meist sehr abgelegener Landstriche und Ethnien, über deren Altersrekorde berichtet wird (Abchasen, Hunzukuc). Es gibt jedoch keine ausreichenden Belege, bevor entweder das Personenstandswesen weiter fortgeschritten ist oder medizinische Methoden zur exakten objektiven Altersbestimmung entwickelt sind. Möglicherweise werden unbelegte regionale Auffälligkeiten entdeckt und so ließe sich eine Insel der Jugend bestimmen.

Ältester Mensch Diese Auflistung des ältesten Menschen erfasst Personen ab dem ersten Supercentenarian, die jeweils das höchste nachweislich erreichte Lebensalter hatten, bis ihr Nachfolger älter wurde als sie.